Aktuelle Software im Kurztest

Aus LinuxUser 08/2022

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Konsolen-Dateimanager Clifm 1.5.1, flexibler Reverse Proxy Frp 0.43.0, Github selber hosten mit Gogs 0.12.9, moderne Shell Nushell 0.64.0.

Minimalist

Der konsolenbasierte Dateimanager Clifm 1.5.1 tritt extrem minimalistisch an.

Routinierte Anwender verwalten ihre Dateien gekonnt mithilfe der GNU-Tools auf der Konsole. Wer es bequemer mag, aber keinen grafischen Dateimanager verwenden will, greift auf eine konsolenbasierte Variante wie Clifm zurück. Das schlanke Tool begnügt sich schon mit 8 MByte RAM, während Mc mindestens das Doppelte abgreift. Bei vielen Distributionen müssen Sie das C-Programm selbst aus den Quellen kompilieren, was aber problemlos klappt. Starten Sie Clifm ohne Parameter, listet das Tool den Inhalt des aktuellen Verzeichnisses auf. Die Steuerung erfolgt über Kurzbefehle. Dazu nummeriert Clifm alle Einträge eines Verzeichnisses. Durch Wahl einer Nummer wechseln Sie dann in einen Ordner, führen eine Datei aus oder öffnen eine Textdatei im Standardeditor. Eine rudimentäre Online-Hilfe erreichen Sie über ?. Mit N legen Sie eine neue Datei oder einen neuen Ordner an, die Inhaltsanzeige frischen Sie mit . oder rf auf. Eine Übersicht aller Mountpoints liefert mp. Auch hier nummeriert Clifm die Einträge zur Auswahl durch. Mit st passen Sie die Sortierung der Ausgabe an. Damit bei großen Verzeichnissen die Anzeige des Inhalts nicht einfach durchrauscht, besitzt das Tool einen integrierten Pager, den Sie mit pg on aktivieren. Mit [S] legen Sie bei Bedarf Filter zur Auswahl bestimmter Dateien fest. Auf diese Auswahl lassen sich dann weitere Funktionen anwenden. Seine Konfiguration legt Clifm im Verzeichnis $HOME/.config/clifm ab, wobei es Befehlshistorie, Lesezeichen, MIME-Konfiguration und viele weitere Einstellungen im Textformat ablegt. Suchen Sie einen extrem schlanken Dateimanager für die Konsole mit vielen Funktionen, ist Clifm einen Blick wert.

Clifm 1.5.1

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: https://github.com/leo-arch/clifm

Versionierer

Mit Gogs 0.12.9 hosten Sie unkompliziert Ihre eigenen Git-Repositories.

Git hat sich als Quasi-Standard zur Versionsverwaltung etabliert. Das Go-basierte Tool Gogs ermöglicht, ein eigenes webbasiertes Git-Repo aufzubauen. Auf der Github-Seite des Projekts finden Sie Binärpakete für alle gängigen Betriebssysteme und Plattformen. Einen Webserver brauchen Sie nicht, da Gogs eine eigene HTTP-Engine mitbringt. Auf der Projektseite finden Sie aber Anleitungen, um das Tool mit Webservern wie Nginx oder Apache als Reverse Proxy für verschlüsselte Verbindungen zu kombinieren. Als Datenbank kommen PostgreSQL, MySQL und Sqlite3 infrage. Rufen Sie Gogs mit dem Unterbefehl web auf, startet es seine Web-Engine und erwartet eingehende Verbindungen an Port 3000. Beim ersten Aufruf leitet es die Verbindung in die Konfigurationsoberfläche um. Dort wählen Sie die zu verwendende Datenbank aus, geben das Repo-Verzeichnis an und legen fest, auf welchen Schnittstellen und Ports Gogs Verbindungen annimmt. Geben Sie nichts anderes vor, speichert Gogs die Repos unter $HOME/gogs-repositories/. Die Konfigurationsdatei app.ini und gegebenenfalls eine Sqlite3-Datenbank landen im selben Verzeichnis wie Gogs. Legen Sie ein neues Repository an, erzeugt Gogs automatisch den zugehörigen Issue- und Wiki-Bereich. Jedes neue Repo startet außerdem mit einer Kurzanleitung zum Hochladen von Dateien mit Git. Zum Sichern der Repositories rufen Sie das Tool mit dem Befehl backup auf. Es fasst dann alle Daten in einer ZIP-Datei zusammen, die Sie auf ein anderes Laufwerk verschieben können. Neben der integrierten Benutzerverwaltung unterstützt Gogs auch die Authentifizierung via LDAP oder Github. Informationen dazu finden Sie in der Dokumentation auf der Projektseite.

Gogs 0.12.9

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/gogs/gogs

Beschleuniger

Der flexible Reverse Proxy Frp 0.43.0 bietet umfangreiche Funktionen.

Klassische Proxy-Lösungen werden auf der Client-Seite eingerichtet und speichern Benutzeranfragen, um sie bei erneuter Anfrage schneller ausliefern zu können. Das spart Bandbreite und erhöht die Geschwindigkeit. Der Fast Reverse Proxy Frp agiert etwas anders. Sie installieren ihn auf einem Gateway-System, sodass er Dienste aus dem dahinter liegenden Netz durchreichen kann. Auf der Github-Seite des Tools finden Sie Binärpakete für alle wichtigen Betriebssysteme und Plattformen. Das Binary enthält sowohl die Server-Komponente Frps als auch den Client Frpc, für beide wird ein vollständiges Konfigurationsbeispiel mitgeliefert. Mit Server und Client lässt sich eine Art Tunnel für verschiedene Protokolle einrichten. Für eine einfache Server-Konfiguration genügt es, den Port festzulegen, an dem Frps auf eingehende TCP-Verbindungen wartet. Darüber hinaus können Sie auch einen UDP-Port oder eine bestimmte Schnittstelle vorgeben, das Logging konfigurieren und die Größe der UDP-Pakete anpassen. An Port 7500 steht auf Wunsch ein rudimentäres, webbasiertes Dashboard zur Verfügung, über das Sie die aktuellen Verbindungen und den Datendurchsatz betrachten. Die Dashboard-Parameter stellen Sie in der Konfiguration ein und richten dort auch einen Admin-Benutzerzugang ein. Die Konfiguration des Clients Frpc gestaltet sich etwas aufwendiger. Sie müssen für jeden bereitgestellten Dienst individuell Quell- und Ziel-Port sowie das zu verwendende Protokoll angeben. Für jeden Dienst können Sie individuell eine Komprimierung oder eine TLS-Verschlüsselung konfigurieren. Eine umfassende Dokumentation finden Sie auf der Github-Seite.

Frp 0.43.0

 

Lizenz: Apache2.0

Quelle: https://github.com/fatedier/frp

Visionär

Die moderne Nushell 0.64.0 glänzt mit innovativen Konzepten.

Neben der bewährten Shell Bash halten viele Distributionen Alternativen wie Zsh, Fish oder den Klassiker Ksh in den Paketquellen vor. Mit der in Rust geschriebenen Nushell tritt ein topmoderner Vertreter des Genres an. Nur wenige Bleeding-Edge-Distributionen wie Arch Linux, Gentoo und Void führen ihn bereits in den Repos, meist muss man auf eines der Binärpakete auf Github zurückgreifen. Nach dem Entpacken ist das Tool sofort einsatzbereit und legt beim ersten Aufruf unter $HOME/.config/nushell seine Standardkonfiguration an. Sie können die dortigen Einstellungen jederzeit anpassen. Für Nushell ließen sich die Entwickler von funktionalen Programmiersprachen und der Powershell inspirieren, auch Pipes bilden ein zentrales Element. Nushell verfügt über 400 Funktionen und Befehle, von denen es einige wie Ps, Which oder Ls direkt integriert und so die klassischen Kommandos ersetzt. Die Ausgaben aller internen Befehle lassen sich über Pipes filtern und bei Bedarf tabellarisch darstellen. Die integrierte Skriptsprache bietet zudem die Möglichkeit, eigene Befehle und Funktionen zu implementieren. Auf der Github-Seite des Projekts finden Sie Links zum Benutzerhandbuch sowie einer Befehlsreferenz. Das Handbuch beschreibt im Detail die Ausgabe von Zeichenketten, das Verarbeiten von Listen und Tabellen sowie das Erweitern von Nushell durch eigene Module und Skripte. Der Ansatz besticht, auch wenn die anfängliche Lernkurve steil ausfällt. (Uwe Vollbracht/jlu)

Nushell 0.0.64.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/nushell/nushell

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDF
LinuxUser 08/2022 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben