Aktuelle Software im Kurztest

Aus LinuxUser 04/2021

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Software-Stresstest Hyperfine 1.11.0, Systemlast im Blick mit Glances 3.1.6, statische Webseiten schnell ausliefern mit Darkhttpd 1.13, Dateisystem über SQL-Abfragen durchsuchen mit Fselect 0.7.2.

Leistungscheck

Der Benchmark Hyperfine 1.11.0 unterzieht Software einem Stresstest.

Der in Rust implementierte Benchmark Hyperfine prüft die Ausführungsgeschwindigkeit von Programmen. Da die gängigen Distributionen das Tool noch nicht enthalten, greifen Sie auf die Binärpakete im Github-Repository zurück. Dort finden Sie außerdem eine Manpage, die alle Parameter erklärt, sowie Anwendungsbeispiele für verschiedene Szenarien.

Zum Ermitteln der Ausführungszeit übergeben Sie Hyperfine die zu kontrollierende Software samt eventueller Optionen als Aufrufparameter. Programm und Parameter setzen Sie dabei in Anführungszeichen. Bewegt sich die zu erwartende Laufzeit im Millisekunden-Bereich, weisen Sie Hyperfine über --warmup an, die zu testende Software vor dem Testlauf mehrfach auszuführen, um System-Caches zu füllen und so einen realistischeren Gesamtwert zu erhalten. Der Parameter --prepare erlaubt es, andere Programme als Vorbereitung für die eigentliche Messung auszuführen. Die Zahl der Durchläufe grenzen Sie mit --min-runs, --runs und --max-runs ein. Ohne Angaben führt Hyperfine das Programm mindestens zehn Mal aus, um einen aussagekräftigen Gesamtwert zu erhalten.

Die Ergebnisse landen farblich aufbereitet in der Standardausgabe. Mit dem Parameter --style beeinflussen Sie das Erscheinungsbild: nocolor liefert eine monochrome Ausgabe, basic deaktiviert zusätzlich interaktive Elemente, full liefert das volle Programm. Die Ausgabe der zu messenden Software unterdrückt Hyperfine. Mit --show-output holen Sie sie in den Vordergrund, was aber das Benchmark-Resultat verfälschen kann. Zum Weiterverarbeiten lenken Sie die Ausgabe als CSV, JSON, Markdown oder Asciidoc in eine Datei um.

Hyperfine 1.11.0

 

Lizenz: Apache 2.0

Quelle: https://github.com/sharkdp/hyperfine @KE

Systemüberwacher

Mit Glances 3.1.6 behalten Sie die Systemlast jederzeit im Blick.

Das in Python implementierte Monitoring-Tool Glances läuft auf allen gängigen Distributionen. Die Github-Seite bietet sogar eine Anleitung zur Installation in Termux unter Android. Glances benötigt eine aktuelle Python-Version sowie das Modul Psutils und zeigt seine Ergebnisse auf der Konsole oder im Webbrowser an. Die aktuelle Version enthält neben Fehlerkorrekturen einen Passwortschutz für die Web-Oberfläche sowie die Möglichkeit, Prozesse direkt aus der Ncurses-Oberfläche zu beenden.

Glances ermittelt CPU-Last, Speicherverbrauch, Swap-Auslastung sowie die IP-Adresse des Systems. Darüber hinaus liefert es eine Liste der Prozesse und den Durchsatz je Netzwerkschnittstelle respektive Festplattenpartition. Mithilfe weiterer Tools und Python-Module lassen sich auch Systemtemperaturen, die Smart-Daten von Festplatten sowie der Status von RAIDs überwachen. Standardmäßig gibt das Programm die Daten in der Konsole aus und eignet sich damit für den Einsatz über eine Remote-Verbindung wie SSH. Mithilfe des Python-Moduls lässt sich die Ausgabe auch im Webbrowser betrachten.

Bei Bedarf binden Sie das Tool an NoSQL-Datenbanken wie Cassandra oder CouchDB an und nutzen Elasticsearch zur Analyse und Suche. Das Github-Repository stellt eine Liste der unterstützten Python-Module und Funktionen bereit. Um die Daten in anderen Programmen weiterzuverarbeiten, erzwingen Sie mit --stdout eine Ausgabe im Rohformat. Mit dem Parameter übergeben Sie außerdem die Namen der Komponenten, deren Ergebnisse Sie benötigen. Der Parameter --stdout-csv liefert die Ausgabe im CSV-Format.

Glances 3.1.6

 

Lizenz: LGPLv3

Quelle: https://github.com/nicolargo/glances

Seitenlieferant

Der kompakte Webserver Darkhttpd 1.13 bringt schnell statische Webseiten online.

Der kompakte Webserver Darkhttpd eignet sich ideal, um statische HTML-Seiten zu hosten oder auf dem Laptop unterwegs schnell etwas bereitzustellen. Da die Software in den Repos der meisten Distributionen fehlt, kompilieren Sie sie aus den Quellen. Der Source-Tarball enthält keine Manpage, nur eine README-Datei enthält einige Beispiele für den Einsatz.

Die Konfiguration erfolgt komplett über Aufrufparameter; geben Sie keine an, liefert die Online-Hilfe eine Liste der möglichen Optionen. Für einen schnellen Start nennen Sie dem Server das Verzeichnis, das die HTML-Dateien enthält. Darkhttpd sucht immer nach einer index.html, über --index ändern Sie das. Standardmäßig lauscht das Programm auf allen Schnittstelle an Port 8080. Bestimmte Interfaces oder andere Ports benennen Sie über --addr und --port. Mit --maxconn beschränken Sie die Anzahl der maximalen Verbindungen.

Die Option --daemon schiebt Darkhttpd nach dem Start in den Hintergrund. Mit --forward und --forward-all reichen Sie Requests an andere Server weiter. Request- und Fehlermeldungen landen in der Standardausgabe, sofern Sie nicht mit --log eine Protokolldatei angeben. Für eine rudimentäre Authentifizierung setzen Sie mit --auth einen Benutzernamen samt Password. Eine verschlüsselte Kommunikation via SSL gelingt nicht. Um die Software mit IPv6 zu nutzen, bauen Sie --ipv6 in den Aufruf ein.

Alles in allem ist Darkhttpd eine kompakte Lösung für lokale Webseiten. Für größere Projekte oder das WWW empfiehlt sich das Tool aber nicht.

Darkhttpd 1.13

 

Lizenz: BSD

Quelle: https://github.com/emikulic/darkhttpd

Datensucher

Datenbank-Fans durchstöbern mit Fselect 0.7.2 das Dateisystem per SQL-Syntax.

Wer mit Datenbanken arbeitet, kennt die Structured Query Language SQL und weiß um deren Möglichkeiten beim Erstellen von Abfragen. Das Rust-basierte Tool Fselect stellt einen Teil dieser Funktionen für die Suche im Dateisystem bereit. Die gängigen Distributionen ignorieren das Tool, doch auf der Github-Seite des Projekts gibt es ein Binärpaket. Die Manpage dazu müssen Sie separat herunterladen. Zudem liefert die Fselect-Webseite eine kurze Einführung und Beispiele.

Der Aufruf des Programms lehnt sich an gängige SQL-Syntax an: Auf den Befehl fselect folgen die gewünschten Dateiattribute als Spaltennamen. Mit dem Schlüsselwort from geben Sie bei Bedarf ein Verzeichnis an, in dem Fselect dann arbeitet. Die Software unterstützt erweiterte Attribute wie Datum des letzten Zugriffs oder Weiterleitung. Bei Medienformaten wie Bildern oder MP3-Dateien liest sie zusätzlich die vorhandenen Metadaten und liefert sie zurück.

Wie bei einer regulären Select-Abfrage filtern Sie das Ergebnis mit per Where-Bedingung, die reguläre Ausdrücke enthalten darf. Mit integrierten Funktionen wie upper, lower oder count präzisieren Sie das Resultat zusätzlich. Bei Bedarf ermitteln Sie die SHA-basierte Prüfsumme einer Datei. Das Ergebnis der Abfrage gibt Fselect als Tabelle aus. Mit into geben Sie ein anderes Format vor, wobei Fselect CSV, HTML und JSON unterstützt – ideal zum Weiterverarbeiten. (agr/jlu)

Fselect 0.7.2

 

Lizenz: Apache 2.0

Quelle: https://github.com/jhspetersson/fselect

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