Das PineTab ebnet den Weg für günstige Linux-Tablets und treibt die Entwicklung von Software für mobile Systeme weiter voran.
Der chinesische Hardware-Hersteller Pine64 präsentierte in den letzten Jahren eine Reihe von Single-Board-Computern auf ARM-Basis, wie etwa den Pine64+, der in LU 07/2016 gegen RasPi , RasPi 3 und Odroid C2 angetreten ist [1]. In den letzten zwei Jahren verlegte sich der Hersteller aber auf günstige Hardware, die um den Mini-PC gebaut ist.
Neben dem Pinebook und dem Pinebook Pro, zu Letzterem finden Sie in LU 09/2020 einen Test [2], erreichte uns in diesem Jahr bereits das in LU 08/2020 vorgestellte PinePhone [3], das mittlerweile in mehreren Ausgaben mit verschiedenen mobilen Betriebssystemen zu haben ist.
Einer der Gründe, warum Pine64 die Geräte so günstig anbietet, liegt darin, dass die kostenintensive Software-Entwicklung – anders als beim Librem 5 von Purism – zum großen Teil in den Händen der Community liegt. Diese sorgt aber sogar dafür, dass auf den Geräten der Mainline-Kernel läuft.
Für das PinePhone gibt es unter anderem Portierungen von Ubuntu, Debian, Manjaro, Arch Linux oder dem rührigen AVMultimedia des Schweizer Entwicklers Urs Pfister [4]. Bei dem auf der minimalen Distribution Alpine Linux basierten PostmarketOS stehen verschiedene Oberflächen zu Wahl. Alle diese Distributionen sind in ständiger intensiver Entwicklung und nicht stabil veröffentlicht. Beim Beurteilen der Produkte sollten Sie das im Hinterkopf behalten.
PineTab
Letzte Woche traf mit dem PineTab ein neues Gerät aus der chinesischen Billigschmiede in der Redaktion ein. Das Tablet kostet 99 US-Dollar, für 20 Dollar bestellten wir eine Kombination aus Cover und Tastatur dazu, die per Magnetstifte an das Tablet andockt.
Beim PineTab kommt mit dem Allwinner A64 SoC (System-on-a-Chip) derselbe Prozessor wie beim PinePhone zum Einsatz [5]. Die Architektur entspricht dem ARM Cortex-A53 des RasPi 3. Die wichtigsten Spezifikation finden Sie in der Tabelle “PineTab-Hardware”. Weitere Details sowie Datenblätter und Schaltpläne liefert das Wiki des Projekts [8].
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CPU |
Allwinner A64 Quad Core SOC |
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GPU |
Mali 400 MP2 |
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RAM |
2 GByte LPDDR3 RAM |
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Speicher |
64 GByte eMMC |
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Erweiterung |
Micro-SD (bootfähig), optionaler M.2-Slot, SATA-SSD (geplant) |
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Display |
10,1 Zoll LCD, 720p |
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Akku |
Li-Po 6000 mAh (Austausch möglich) |
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Schnittstellen |
Micro-HDMI, USB 2.0, Micro-USB 2.0 OTG, 3,5 Millimeter-Klinke |
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Kamera (vorn) |
2 Megapixel |
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Kamera (hinten) |
5 Megapixel |
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WLAN |
802.11 b/g/n |
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Bluetooth |
4.0 mit A2DP |
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Mobilfunk |
Erweiterungs-Boards für LTE, LoRa (geplant) |
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Stromanschluss |
3,5 Zoll (5 V, 3 A) |
Es gibt in dieser Preisklasse viele Android-Tablets und Tablet-Barebones aus Fernost. Pine64 hat aber nicht einfach ins Regal eines Barebone-Herstellers gegriffen, sondern das PineTab nach eigenen Vorgaben umgesetzt. Nach dem Auspacken halten wir ein Tablet mit 10,1 Zoll und den Maßen 175 x 260 x 11 mm bei einem Gewicht von 575 Gramm in Händen, das komplett in einem aus Plastik gefertigten Gehäuse sitzt und einen stabilen Eindruck hinterlässt.
Cover und Tastatur
Das Tastaturcover schützt das Gerät und erleichtert Eingaben (Abbildung 1). In der Praxis kommt es jedoch nicht ganz so gut weg: Es fühlt sich wenig hochwertig an, und das Gefühl beim Tippen lädt nicht zum Schreiben eines längeren Texts ein – aber dafür ist es auch nicht gedacht. Der Anschlag ist akzeptabel, die vollwertige Tastatur ohne Zahlenblock biegt sich jedoch stark durch. Sie verfügt über eine FN-Taste zum Aktivieren der Funktionstasten in der oberen Reihe.

Abbildung 1: Das Tastatur-Cover des PineTab kostet 20 Dollar, schützt das Tablet und ermöglicht das Bedienen per Tastatur (Quelle: Martijn Braam, Lizenz: CC0 1.0 Universell).
Die Tastatur besitzt eine Hintergrundbeleuchtung, allerdings wirkt die Ausleuchtung der Tasten sehr ungleichmäßig. Die untere Zeile mit der Leertaste strahlt weitaus stärker als die darüber angeordneten Reihen. Das wirkt sich auf Dauer in dunklen Umgebungen störend aus. In künftigen Revisionen des Zubehörs sollte daher ein Diffusor zum Einsatz kommen. Bei Bedarf lässt sich die Beleuchtung durch gleichzeitiges Drücken der Taste mit dem Pinienzapfen und der rechten Strg-Taste (mit der aufgedruckten Glühbirne) abschalten.
Darauf sollten Sie auf jeden Fall achten, bevor Sie das Tablet beiseitelegen, denn nach dem Schließen des Covers bleibt die Beleuchtung derzeit an. Eine Automatik, die beim Zuklappen die LEDs ausschaltet, gibt es nicht. Die Rückseite des Covers eignet sich als Stütze für das Tablet, wenn Sie diese einklappen, und bietet dann einen guten Halt für Tastatur- und Touch-Bedienung (Abbildung 2). Wie langlebig das mit 20 Dollar recht günstige Cover ist, ließ sich im Test nicht abschätzen.

Abbildung 2: Die durch Magnete fixerte Rückseite des Covers eignet sich als Ständer, der selbst bei Touch-Eingaben nicht wackelt (Quelle: Martijn Braam, Lizenz: CC0 1.0 Universell).
Anschlüsse
Alle Anschlüsse befinden sich an der linken Seite des Geräts. Das sind von oben nach unten ein Audio-Ausgang, der Ladeport, eine USB-A-Buchse der Spezifikation 2.0, ein Mini-HDMI-Port zum Anschluss eines Displays, ein Micro-USB-Anschluss mit On-The-Go-Funktion (OTG) sowie – hinter einer Klappe verdeckt – ein Einschub für SD-Karten. An der Oberseite des Tablets finden Sie die Wippe für die Lautstärke und den Einschalter.
Das Display bietet eine gute Blickwinkelstabilität und ordentliche Farbbrillanz. Die gebotene Auflösung von 1280 x 720 Pixeln (720p) ist im Alltag jedoch gerade einmal ausreichend. Bei Ubuntu Touch sollten Sie etwa eine andere Systemschrift installieren, die keine einzelnen Pixel bei den Schriften und Icons des Menüs aufweist.
Auf dem Testgerät war im Auslieferungszustand eine dicke Schutzfolie aufgebracht, die auf den ersten Blick nicht zu erkennen war. Uns irritierte daher anfangs, dass das Gerät Touch-Eingaben nur sehr zögerlich annahm. Nach Entfernen der Folie, die nach unserer Recherche nicht auf allen ausgelieferten Geräten angebracht ist, funktionierten die Eingaben auf Anhieb.
Das Glas des Displays zieht dann aber Fingerabdrücke magisch an. Eine dünne Folie aus dem Zubehörhandel schützt es nicht nur vor Kratzern, sondern sorgt außerdem dafür, dass nicht jeder Fingerzeig sofort Abdrücke hinterlässt.
Erste Auflage
Das PineTab kommt in dieser ersten Auflage mit dem Zusatz “Early Adopter” im Namen, was darauf hinweist, dass Käufer dieser Geräte eventuell noch mit Kinderkrankheiten leben müssen. Für die vorinstallierte Software trifft das auf jeden Fall zu, das erfahren wir gleich beim ersten Einschalten. Hier macht ein Text darauf aufmerksam, dass im Auslieferungszustand einige Funktionen aufgrund des Beta-Status der Software Ubuntu Touch nicht bereitstehen und dass Sie das Gerät ohne verbundene Tastatur über die Einstellungen zweimal aktualisieren sollten.
Nach insgesamt drei Update-Durchgängen meldet sich das Ubuntu Touch-System in der Version 2020-W41 und einige der beschriebenen Probleme waren behoben, allerdings bei Weitem nicht alle. So ließ sich das Touchpad oder eine per USB angebundene Maus selbst nach dem Aktualisieren nicht sinnvoll nutzen. Der Mauszeiger bewegte sich nicht über die komplette Fläche des Bildschirms, sondern nur in einem mittig auf dem Display sitzenden Bereich von rund 800 x 600 Pixeln.
Verbleibende Fehler
Die Rotation des Displays lässt sich zwar aktivieren, funktioniert aber nicht, was besonders beim Einsatz des Browsers stört. Gleiches gilt für Bluetooth: Nach dem Aktivieren findet das System keine Geräte in der Umgebung. Dienste wie Nextcloud oder WebDAV ließen sich ebenfalls nicht einbinden. Die Kameras funktionieren nicht, ebenso das Erstellen von Screenshots. Darunter litt schon das PinePhone, ein Patch liegt dort aber bereits vor.
Libertine, eine Container-App für den Einsatz von Standard-Desktop-Anwendungen in Ubuntu Touch, verweigerte ebenfalls noch den Dienst. Und aus der Rubrik “Öfter mal was Neues”: Beim Hochfahren gibt das Tablet bei allen getesteten Distributionen knisternde Geräusche von sich.
Aus unserer Sicht sind die meisten Defizite in der Software begründet, also in Ubuntu Touch (kurz UT). Die einzige klare Ausnahme ist die Beleuchtung der Tastatur. Ubuntu Touch wusste bereits auf dem PinePhone nicht zu überzeugen und tut es auch hier nicht.
Readonly
Das liegt nicht explizit an den aufgezählten Defiziten; die Entwickler beheben diese vermutlich im Laufe der weiteren Arbeit. Die Kritik geht tiefer und hat mit der Struktur von Ubuntu Touch zu tun: Ein auf Debian basierendes Betriebssystem, bei dem Apt keine Aktualisierungen einspielen oder Pakete installieren darf, fühlt sich für uns nicht wie Linux an.
Dieser Umstand resultiert aus der Tatsache, dass UT als “readonly” ausgelegt ist und nur wenige Verzeichnisse davon ausgenommen sind [6]. Dazu hängt das System eine Reihe von Verzeichnisse unter / per Bind in das beschreibbare /userdata ein. Zu diesen zählen etwa /var/log, /home und /opt/click.ubuntu.com.
Sie aktualisieren UT per OTA (“over the air”), zusätzliche Software gelangt nur über den OpenStore oder Libertine (wenn es funktioniert) ins System [7]. Theoretisch ließe sich das gesamte Dateisystem per sudo mount -o remount,rw / so einhängen, dass das Schreiben möglich wäre. Die Entwickler raten jedoch von der Installation nicht getesteter Software ab, da ein sicherer Betrieb nicht mehr garantiert ist.
Über die Einstellungen haben Sie die Möglichkeit, an der Entwicklung des Geräts teilzunehmen. Neben der Stable-Version stehen Update-Kanäle für Release Candidate und Development zur Wahl. Wer das System auf die Entwicklungsversion aktualisiert, erhält die neuesten Updates und Verbesserungen, setzt sich aber der Gefahr von Regressionen aus.
Um zu sehen, wohin die Reise geht, haben wir die Aktualisierung auf die Entwicklerversion eingespielt. Nach dem Update vergrößerte sich das Aktionsfeld für den Mauszeiger auf die rechten zwei Drittel des Displays sowie die gesamte Höhe – manchmal sogar fast das gesamte Display. Zeitweise fiel sie aber wieder auf den ursprünglichen kleineren Rahmen zurück. Weitere Fehlerbereinigungen traten nicht zutage.
Weitere Distributionen
Für das PineTab stehen laut Pine-Wiki derzeit neben Ubuntu Touch offizielle Images für Arch Linux, Manjaro, Mobian und PostmarketOS bereit [8]. Mit GloDroid kommt bei Bedarf sogar Android auf das PineTab. Darüber hinaus sollten alle Linux- und BSD-Varianten mit ARM-Abbildern funktionieren. Ohne Anpassungen an ein mobiles Gerät mit Touchscreen dürfte der Nutzen einer solchen Installation jedoch gering ausfallen.
Die Vorgehensweise zum Testen eines alternativen Betriebssystems ist simpel: Ubuntu Touch liegt auf der internen eMMC-Disk. Wird ein Betriebssystem per SD-Karte eingelegt, so startet das Gerät von dieser. Auf diesem Weg testen Sie Alternativen zu UT schnell und ohne Risiko. Flashen Sie dazu das bereits entpackte Abbild mit einem Tool wie Etcher auf die SD-Karte, und starten Sie dann von dieser das Tablet.
Wir waren gespannt, wie sich die Alternativen zu UT schlagen und haben deshalb zunächst die aktuelle Nightly-Version von Mobian vom 18. Oktober installiert. Dabei handelt es sich um einen erst im Juni 2020 gestarteten inoffiziellen Debian-Port auf der Basis von Testing. Dabei kommt Gnome zum Einsatz, gepaart mit der von Purism für das Librem 5 geschriebenen Oberfläche Phosh [9].
Mobian
Auch bei Mobian funktioniert noch nicht alles, jedoch wesentlich mehr als bei UT. Zunächst also zu den positiven Punkten. Der verwendete Kernel steht bei Version 5.8 (bei UT 5.6). Debian-Anwender fühlen sich sofort zu Hause, was für Ubuntu-Anwender bei UT nicht unbedingt zutrifft.
Was sofort auffällt, ist die klarere Anzeige der Bedienelemente und Schriften. Mit dem per Paketverwaltung nachinstallierten Paket grim erstellen Sie Screenshots, selbst dann, wenn das System unter Wayland läuft.
Die Systemauslastung liegt bei Mobian direkt nach dem Start bei rund 700 MByte. Wer im Browser sparsam mit Tabs hantiert, kommt mit den 2 GByte RAM vermutlich gut aus. Größere Anwendungen hingegen schöpfen den knappen Arbeitsspeicher jedoch schnell aus. Ein Upgrade auf 4 oder 8 GByte RAM täte dem Gerät daher gut.
Im gut gefüllten App-Drawer finden sich 24 vorinstallierte Anwendungen (Abbildung 3). Dazu zählen etwa die Gnome-Apps wie Aufgaben, Dateien, Bildbetrachter, Kalender, Karten, Software und Uhren. Für den Internetzugriff bringt das System den Browser Firefox, den Mail-Client Geary sowie den Telegram Messenger mit. Youtube-Videos spielt Firefox ohne Ruckeln ab. Der Browser bringt übrigens gleich uBlock Origin mit, um Werbung und Tracking zu verhindern.

Abbildung 3: Der App-Drawer bei Mobian ist mit 24 Anwendungen gefüllt. Weitere Software spielen Sie im Terminal oder über die grafische Softwareverwaltung ein.
Dazu kommen Apps wie die virtuelle Tastatur Squeekboard oder die Terminal-Emulation King’s Cross, die zum Repertoire von Phosh gehören. Weitere Software integrieren Sie, wie bei Debian üblich, über die grafische Paketverwaltung oder via Terminal ins System (Abbildung 4). Auch die Installation von Flatpak-Paketen ist möglich. Mobian hat kürzlich eine ausführliche Liste mit kompatiblen Anwendungen veröffentlicht [10].

Abbildung 4: Das Terminal heißt bei Mobian King’s Cross und stammt aus der Phosh-Oberfläche des Librem 5-Systems von Purism. Hierüber lassen sich Updates und Paketinstallationen wie gewohnt abwickeln.
Dann ist da noch die Anwendung Megapixels von PostmarketOS-Entwickler Martijn Braam, mit der beide Kameras rudimentäre Fotos aufnehmen. Die Einstellungen der App funktionieren noch nicht, hier wird sich hoffentlich bald etwas bewegen und Bilder mit höherer Auflösung zulassen.
Schlechter Sound
Das Abspielen von Videos deckt ein weiteres Manko der Hardware auf. Die Lautsprecher quetschen den Schall durch zwei kleine Schlitze am unteren Rand der Rückseite (Abbildung 5). Sie sind selbst bei maximaler Lautstärke zu leise und klingen ein wenig quäkig. Wer guten Sound haben möchte, sollte daher Kopfhörer anschließen. WLAN machte bei Mobian keinerlei Probleme und war schnell eingerichtet. Das Einrichten von Bluetooth-Geräten klappte hingegen noch nicht.

Abbildung 5: Die beiden Schlitze links und rechts unten dienen an der Rückseite des Geräts als Schallaustritt für die Lautsprecher. Der Sound ist insgesamt viel zu leise und klingt stark komprimiert.
Das Umstellen der Orientierung funktioniert unter Mobian im Gegensatz zu Ubuntu Touch. Allerdings gibt es hardwareseitig keine Automatik, die den Inhalt automatisch dreht. Steckt das Tablet im Tastaturdock, steht die Anzeige im Querformat, zudem aktuell noch auf dem Kopf, was den Nutzen des Covers einschränkt. Durch ein Downgrade von Phosh 0.45 per sudo apt install phosh=0.4.4-1 und anschließendem Neustart ließ sich das Problem allerdings beheben.
Arch Linux ARM
Als Letztes musste sich Arch Linux ARM auf dem PineTab beweisen. Neben der normalen Ausgabe bietet das Projekt ein mit 300 MByte minimales Barebone-Abbild für Kenner von Arch Linux an. Bei der von uns getesteten Version mit rund 650 MByte kommen bereits Linux 5.9.1 und Gnome 3.38.1 als Desktop-Umgebung zum Einsatz (Abbildung 6).

Abbildung 6: Arch Linux ARM präsentiert sich mit Kernel 5.9.1 und Gnome 3.38.1 etwas aktueller als der Debian-Ableger Mobian, bringt aber weniger vorinstallierte Software mit.
Im Vergleich zu Mobian ließ sich Bluetooth ohne Komplikationen aktivieren und findet entsprechende Geräte. Wir konnten einen Bluetooth-Kopfhörer und ein Smart-TV zur Ausgabe von Tönen überreden. Und hier passte sogar die Orientierung des Displays. Der Landscape-Modus stand nicht wie bei Mobian Kopf und war somit auch mit der Tastatur sinnvoll zu nutzen.
In der Standardkonfiguration sind auf dem Gerät keine Netzwerkdienste aktiv. Um per SSH auf das Tablet zuzugreifen, aktivieren Sie zunächst per sudo systemctl enable --now sshd den Dienst. Mit einer aktuelleren Version von Megapixeln als bei Mobian ließen sich Fotos mit mehr Schärfe und Kontrast erstellen, jedoch sind die Aufnahmen noch weit entfernt von dem, was aktuelle Kameras in Smartphones oder Tablets leisten.
Die Softwareausstattung von Arch Linux ARM bietet nur das Nötigste. Über Gnome Software oder per Terminal mit Pacman erweitern Sie das Repertoire jedoch ohne Probleme.
Etwas besser
Insgesamt wirkt Arch Linux ARM etwas besser. Das System geht zudem etwas schonender mit den knappen Ressourcen des PineTab um. Aber auch mit Mobian ließ sich bereits gut arbeiten. Beide Kontrahenten zeigen in der Praxis jedoch noch einige Schwächen und kämpfen mit kleineren Problemen, die zum Teil aber nur sporadisch auftraten. Es ist allerdings abzusehen, dass in naher Zukunft beide Distributionen eine gute Stabilität erreichen.
Um die Distribution der Wahl von der SD-Karte fest auf die 64 GByte der eMMC zu transferieren, bleibt derzeit nur der Griff zum Befehl dd. Die Anwendung Jumpdrive [11], die dies beim PinePhone übernimmt, funktioniert beim PineTab derzeit noch nicht.
Das PineTab ist durch die verbaute Hardware in Bezug auf die Leistung eingeschränkt. Aber für die typischen Aufgaben eines Tablets genügen sowohl die Rechenleistung wie Speicherausstattung – wenn Sie etwas Geduld mitbringen. Der Akku hielt im Test bei gemischter Anwendung und 75 Prozent Displayhelligkeit rund acht Stunden durch. Im Schlafmodus geht der Batterie erst nach mehreren Tagen der Saft aus.
Fazit und Ausblick
Das PineTab “Early Adopter” beweist in seiner ersten Auflage wieder einmal, dass die Arbeitsteilung von Pine64 funktioniert: Die Community greift die Hardware auf und liefert die Software inklusive der Integration von nötigen Patches in den Mainline-Kernel. Das ermöglicht die günstigen Preise für die Hardware. Kritikwürdig finden wir den proprietären Steckkontakt zum Aufladen des Akkus.
Demnächst erscheint ein LTS-Modul und die Möglichkeit eine M.2-SSD anzuschließen. Wir würden uns von Pine64 ein mit doppeltem RAM und einer stärkeren CPU besser ausgestattetes Tablet für rund 200 Euro wünschen. Dieser Wunsch könnte in naher Zukunft wahr werden, denn für das PineTab 2 hat der Hersteller eine Rockchip-CPU anvisiert, wie sie beim Pinebook Pro im Einsatz ist.
Als Nächstes erscheint aber zunächst mindestens eine weitere Edition auf Basis der jetzigen Hardware. Allerdings gibt es derzeit einen Engpass bei den benötigten Displays, sodass es bis Dezember, vermutlich aber bis zum Frühjahr dauert, bis das Gerät im Webshop von Pine64 [12] wieder vorbestellbar ist. (cla)
Infos
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SBC-Vergleich: Ferdinand Thommes, “Kampf der Zwerge”, LU 07/2016, S. 80, https://www.linux-community.de/37128
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Pinebook Pro: Andreas Reschke, “Alleskönner”, LU 09/2020, S. 80, https://www.linux-community.de/45217
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Pinephone: Ferdinand Thommes, “For Geeks only”, LU 08/2020, S. 68, https://www.linux-community.de/44902
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AVMultiPhone: https://linuxnews.de/2020/07/avmultiphone-20-stunden-laufzeit-auf-dem-pinephone/
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Allwinner A64: https://linux-sunxi.org/A64
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Readonly: https://ubports.com/de/blog/ubports-blogs-nachrichten-1/post/terminal-chapter-3-3073
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OpenStore: https://open-store.io
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PineTab Wiki: https://wiki.pine64.org/index.php/PineTab
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Mobian Apps: https://wiki.mobian-project.org/doku.php?id=apps
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PineStore: https://pine64.com/?v=0446c16e2e66





