Leichtgewichtige Audioplayer sind eher rar. Da kommt Sayonara wie gerufen, das die gängigsten Formate abspielt und das Streamen von Radiosendern oder Podcasts beherrscht.
Audioplayer, die sich nur auf das Wesentliche konzentrieren und obendrein noch funktionieren, sind unter Linux dünn gesät. Umso mehr überrascht Sayonara Player [1]. Seine Schnelligkeit verdankt er der Tatsache, dass er in C++ geschrieben wurde. Die Oberfläche greift auf das Qt-Framework zurück, was sich positiv auswirkt, da sie nicht überladen wirkt. Der schlicht gehaltene Audioplayer findet sich in den Paketquellen vieler Distributionen und lässt sich dort über den jeweiligen Paketmanager installieren, etwa unter Ubuntu und Fedora 29 (Listing 1).
Listing 1
## Installation unter Ubuntu: $ sudo apt-add-repository ppa:lucioc/sayonara $ sudo apt update $ sudo apt install sayonara ### Installation unter Fedora: # dnf install sayonara
Trivia
Zum Abspielen von Musik laden Sie diese zunächst über Datei | Datei öffnen oder, im selben Untermenü, über Verzeichnis öffnen. Die hinzugefügten Lieder erscheinen links unten in der Wiedergabeliste (Abbildung 1). Aktivieren Sie den Schalter mit dem “d” (für dynamisch laden) unterhalb der Wiedergabeliste, leert Sayonara die Liste beim Laden neuer Lieder automatisch. Klicken Sie dagegen auf den Hinzufügen-Button, hängt der Player die neuen Lieder an die Playliste an.
Sie können die Wiedergabeliste zudem abspeichern und beim nächsten Start des Programms automatisch laden. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste auf den Reiter und im Kontextmenü auf Speichern als. Daraufhin vergibt Sayonara einen Namen für die Wiedergabeliste. Unter Datei | Einstellungen | Wiedergabeliste aktivieren Sie Lade gespeicherte Wiedergabelisten. Beim nächsten Start des Programms sehen Sie dann die gespeicherten Wiedergabelisten.
Sayonara spielt alle gängige Audio-Formate ab, wie Ogg, WAV, MP3 oder das verlustfreie FLAC. Unter der Haube greift das Programm dazu auf das Multimedia-Framework Gstreamer zurück. Das Abspielen von Audio-CDs beherrscht Sayonara allerdings nicht, Sie müssen einen solchen Datenträger erst mit einem Audio-Grabber wie Sound Juicer [2] auf die Festplatte rippen. Sound Juicer erkennt dabei die eingelegte Audio-CD automatisch und speichert nach einem Klick auf Auslesen die Lieder im Ogg-Vorbis-Format oder als MP3. Anschließend lassen sich die ausgelesenen Lieder in der Wiedergabeliste ablegen.
TIPP
Sayonara wartet mit einem integrierten Konvertierungswerkzeug auf, das Sie über Ansicht | Audio Konvertierung aufrufen. Über das Tool wandeln Sie FLAC- oder WAV-Dateien nach MP3 beziehungsweise Ogg um.
Des Weiteren lassen sich die Lieder organisieren. Durch einen Rechtsklick auf ein Lied in der Wiedergabeliste gelangen Sie in das Kontextmenü. Dort rufen Sie beispielsweise mit der Aktion Texte die Lyrics zum aktuellen Song auf. Die Aktion Info gibt Informationen zur Datei aus, zudem lässt sich das Cover betrachten oder ersetzen. Durch einen Klick auf den Reiter Bearbeiten und einen weiteren Klick auf das Cover-Tab gelangen Sie zu den entsprechenden Einstellungen.
Setzen Sie ein Häkchen bei der Option Ersetzen, lassen sich durch einen Klick auf das zu ersetzende Cover mehrere passende Alternativen herunterladen, von denen Sie eine auswählen. Im Tab Tags finden Sie die Möglichkeit, den Titel, den Interpreten sowie das Album anzugeben, falls Sayonara über das Internet keine Einträge findet. Außerdem lässt sich hier ein Genre für das Lied vergeben (Abbildung 2).

Abbildung 2: Sayonara bringt einen integrierten ID3-Tag-Editor mit, mit dem sich die Metadaten wie Künstler, Titel oder Genre ändern lassen.
Im Kontextmenü eines Lieds finden Sie zudem die Aktion Bewertung, über die Sie bis zu fünf Sterne für den aktuellen Song vergeben. Um dann zusätzliche Informationen in der Wiedergabeliste anzuzeigen, wie etwa die Bewertung oder das Cover, öffnen Sie die Einstellungen und wechseln zum Reiter Wiedergabeliste (Abbildung 3). Dort blenden Sie dann über das Register Aussehen die Bewertung und das Cover ein. Bei Bedarf aktivieren Sie hier auch die Option Leeren Knopf anzeigen. Mithilfe eines solchen Schalters, der oberhalb der Wiedergabelisten erscheint, leeren Sie bei Bedarf die aktuelle Wiedergabeliste mit einem Mausklick.

Abbildung 3: Über die Einstellungen passen Sie viele Details des Players an Ihre Wünsche an, wie hier das Aussehen der Wiedergabeliste.
Special Effects
In den Einstellungen lässt sich auch angeben, ob sich Sayonara bei einem Klick auf das Schließen-Icon des Fensters in die Systemablage minimieren soll. Die hierfür benötigten Einstellungen nennen sich Schließe ins Tray sowie Im System Tray anzeigen und befinden sich unter Datei | Einstellungen | Anwendung .
In den Spracheinstellungen im Register Sprache können Sie Sayonara in der Sprache Ihrer Wahl bedienen. Icons, diverse Einstellungen für Fonts sowie die Hintergrundfarbe der Anwendung lassen sich im Register Benutzeroberfläche ändern. Kann Sayonara keinen Sound wiedergeben, dann versuchen Sie, im Register Audio den Sound auf PulseAudio oder Alsa umzustellen. Üblicherweise sollte allerdings die Option Automatisch genügen.
Haben Sie im Linux-System eine Fernbedienung konfiguriert, lässt sich diese auch mit Sayonara verwenden. Die dazugehörige Einstellung finden Sie im Register Fernbedienung. Wählen Sie im Register Benachrichtigungen die Option Aktiv aus, blendet Sayonara bei jedem Liedwechsel eine Infobox ein. Gehören Sie zu den Menschen, die gerne mit Musik einschlafen, dann bietet es sich an, unter Datei | Herunterfahren einzustellen, dass Sayonara den PC automatisch zu einer bestimmten Zeit oder nach Abspielen des letzten Lieds der Playliste herunterfährt.
Passend zur Musik visualisiert Sayonara wahlweise einen Pegel oder ein Spektrum. Diese Features finden Sie im Hauptmenü Ansicht. Der Equalizer, der sich dort ebenfalls aufrufen lässt, bietet Ihnen die Möglichkeit, den Klang mithilfe von Filtern zu verbessern, indem Sie beispielsweise die Bässe verstärken.
Die Übergänge zwischen den Liedern einer Wiedergabeliste lassen sich unter Ansicht | Crossfader einstellen. Bei der lückenlosen Wiedergabe hängt Sayonara ein Lied nahtlos an das nächste – ideal beim Abspielen von Live-Alben oder klassischer Musik. Der Crossfader hingegen blendet von einem Titel sanft zum nächsten über. Die Dauer des Übergangs lässt sich anpassen.
Ziehen Sie Hörbücher klassischen Büchern aus Papier vor, dann sollten Sie sich die Optionen unter Ansicht | Geschwindigkeit/Tonhöhe ansehen. Hier bietet Sayonara die Möglichkeit, die Abspielgeschwindigkeit zu ändern. Aktivieren Sie zusätzlich die Option Tonhöhe beibehalten, versucht der Audio-Player die ursprüngliche Tonhöhe beizubehalten.
Datenströme
Auch Podcasts bereiten Sayonara keine Schwierigkeiten, allerdings bringt das Programm keine Suchmaschine dafür mit. Sie müssen Ihre Lieblingssendungen daher von Hand einpflegen. Öffnen Sie dazu über Ansicht | Podcasts das entsprechende Modul, und wählen Sie über das Hamburger-Menü die Option Neu aus. Im Dialog tragen Sie nun den Namen und die URL zum RSS-Stream des Podcasts ein. Danach lädt Sayonara die einzelnen Beiträge des Podcasts in die Playlist und zeigt das Cover der Sendung an.
Das Abspielen von Internetradio integriert Sayonara deutlich besser. Über Ansicht | Streams öffnen Sie das dafür benötigte Modul. Im Hamburger-Menü finden Sie dann die Funktion Nach Radiostationen suchen – der Audio-Player greift dafür auf die Datenbank von Fmstream.org zurück. Im Dialog tippen Sie den gewünschten Radiosender ein, etwa SWR, und wählen dann das konkrete Programm sowie die Audio-Qualität aus den Treffern. Mit einem Klick auf Hinzufügen übernehmen Sie den Sender ins Programm.
Zusätzlich erlaubt Sayonara den direkten Zugriff auf die Dienste von SomaFM [3] und Soundcloud [4]. Sie wählen die entsprechende Option über das Auswahlfeld rechts neben der Cover-Anzeige, das in der Voreinstellung Musik anzeigt. Im Test funktionierten diese Optionen jedoch nur unter Fedora 30 (Abbildung 4). Bei der Wahl von SomaFM in der unter Ubuntu 19.04 installierten PPA-Version zeigt die Musikbibliothek lediglich Lade SomaFM an, ein Abspielen von Titeln aus der Quelle war nicht möglich. Soundcloud funktionierte, doch Künstler und Alben bezeichnete das Programm durchgehend als None und n.v..

Abbildung 4: Das Abspielen von Musik-Streams via SomaFM oder Soundcloud funktionierte im Test nur mit der Sayonara-Version aus den Paketquellen von Fedora.
Möchten Sie Streams aufzeichnen, klappt das direkt aus dem Player heraus. Dafür müssen Sie die Funktion allerdings erst aktivieren. Öffnen Sie dazu wieder die Einstellungen, und wechseln Sie zum Register Stream Recorder. Dort tippen Sie auf den Punkt bei Aktiv und wählen ein Zielverzeichnis aus. Dorthin speichert Sayonara die aufgezeichneten Titel. Im Reiter Sitzungsverzeichnis lässt sich noch die verwendete Nomenklatur zur Benennung der aufgezeichneten Dateien anpassen.
Zum Erstellen einer Aufnahme starten Sie den gewünschten Stream wie gewohnt über den Abspielschalter, wodurch sich das Icon darauf zu einem roten Viereck ändert. Klicken Sie nun erneut auf den Knopf, zeichnet Sayonara die Sendung auf. Sie erkennen die Aufnahme am “Leuchten” des Buttons (Abbildung 5). Drücken Sie den Knopf abermals, stoppt der Audio-Player die Aufzeichnung.

Abbildung 5: Mit dem eingebauten Stream-Recorder nehmen Sie Sendungen von Internet-Radiostationen oder den unterstützten Streaming-Diensten auf.
Fazit
Sayonara eignet sich als Audio-Player, der nicht nur die gängigsten Formate beherrscht, sondern auch Streams aus dem Internet wiedergibt. Egal, ob Internetradio, Podcasts oder Dienste wie Soundcloud oder SomaFM: Sayonara bewerkstelligt das mit wenig CPU-Verbrauch und begnügt sich dabei mit rund 50 MByte Arbeitsspeicher. Um alle Anforderungen an einen Audio-Player abzudecken, fehlt eigentlich nur das Abspielen von Audio-CDs.
Infos
- Sayonara Player: https://sayonara-player.com
- Sound-Juicer: https://www.heise.de/download/product/sound-juicer-46791
- SomaFM: https://somafm.com
- Soundcloud: https://soundcloud.com






