EasySSH macht seinem Namen alle Ehre und startet SSH-Verbindungen per Mausklick aus der grafischen Oberfläche.
Das Kürzel SSH steht für Secure Shell; die meisten fortgeschrittenen Linux-Anwender haben die Technik bereits einmal verwendet oder setzen sie sogar regelmäßig ein. Das Protokoll erlaubt nach dem Client-Server-Prinzip per TCP/IP verschlüsselte Verbindungen zu entfernten Geräten. Üblicherweise verbinden Sie sich damit zu Servern, die keine grafische Oberfläche aufweisen. Per X-Forwarding wäre jedoch bei entsprechender Bandbreite selbst die Bedienung von Tools mit grafischer Oberfläche möglich.
Einfacher als SecPanel
Umsteiger aus der Windows-Welt kennen vermutlich PuTTY als Oberfläche für SSH und stellen dann fest, dass unter Linux SSH für gewöhnlich auf der Kommandozeile stattfindet. Obwohl es PuTTY auch für Linux gibt, hat sich in der Pinguin-Welt das seit vielen Jahren entwickelte SecPanel [1] durchgesetzt (Abbildung 1).

Abbildung 1: SecPanel bietet mehr Funktionen als EasySSH, ist aber im täglichen Einsatz komplizierter.
Das Programm speichert häufig genutzte Gegenstellen in Profilen und stellt die Verbindung anschließend per Mausklick her. Wer nach einer Alternative sucht, die etwas weniger komplex ausfällt, für den lohnt ein Blick auf EasySSH [2]. Dabei gilt es, darauf zu achten, dass Sie das richtige Tool installieren (siehe Kasten “Gleiche Namen”).
Selbst wenn Sie die Arbeit auf der Konsole bevorzugen, ist es dennoch sinnvoll, sich ständig wiederholende Schritte beim Herstellen einer SSH-Verbindung zu automatisieren. Je mehr verschiedene Server Sie kontaktieren, desto nützlicher erweist sich ein leicht zu bedienendes GUI-Tool, das sich die Daten zu den einzelnen Hosts merkt.
Das erst seit einigen Monaten in der Entwicklung befindliche EasySSH hatte allerdings bis vor Kurzem noch einen Pferdefuß: Um den Aufbau einer SSH-Verbindung auf einen Mausklick zu reduzieren, speicherte es die Zugangsdaten inklusive Passwort im Klartext lokal in seiner Konfiguration. Inzwischen verschlüsselt es diese Datei jedoch und schützt sie durch ein Master-Passwort.
Gleiche Namen
EasySSH ist ein einfach zu bedienendes Werkzeug, das als SSH-Verbindungsmanager dient. Es stammt aus der Feder des Teams rund um die Distribution Elementary OS, eignet sich aber auch für andere Distributionen. Dabei dürfen Sie das Tool nicht mit dem gleichnamigen Skript verwechseln, das Funktionen des SSH-Protokolls in der Programmiersprache Go implementiert.
Installation
Bislang findet sich die Software nicht in den Paketquellen der gängigen Distributionen; die Installation gelingt daher nur manuell. Einfacher als das Bauen aus dem Quellcode geht es jedoch über ein Flatpak-Archiv. Auf Flathub [3], dem App-Shop des distributionsübergreifenden Paketsystems, steht das Tool als Paket in der aktuellen Version 1.5.1 bereit. Anwender von Arch Linux nutzen optional den Eintrag im AUR.
Selbst wenn Sie mit Flatpak noch keine Erfahrung gemacht haben, brauchen Sie sich nicht lange einzuarbeiten. Besuchen Sie Flathub Quick Setup [4] und folgen Sie den Anweisungen für die von Ihnen genutzte Distribution. Anschließend sollten Sie das System neu starten. Anwender des Gnome-Desktops müssten daraufhin in der Lage sein, das Programm über Gnome Software zu installieren; KDE unterstützt ab Plasma 5.13 im grafischen Paketmanager Discover die Integration von Flatpak-Anwendungen.
Schneller geht die Installation allerdings auf der Kommandozeile. Dazu geben Sie als normaler User den Befehl aus Listing 1 ein. Daraufhin spielt das System zunächst die benötigte Laufzeitumgebung ein und zum Abschluss EasySSH selbst. Die Runtime kommen Ihnen bei späteren Flatpak-Installationen zugute.
Listing 1
$ flatpak install flathub com.github.muriloventuroso.easyssh
Erste Schritte
Anschließend starten Sie den Verbindungsmanager über das grafische Paketmanagement. Das Hauptfenster besticht durch viel leeren Raum, den in der Mitte lediglich der Name des Programms und die Schaltfläche Add Connection auflockern. Rechts am oberen Rand öffnet ein Klick auf das Hamburger-Menü den kargen Dialog mit den Einstellungen, der sich in die Punkte General und Appearance unterteilt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Hinter dem Hamburger-Menü mit den drei Streifen versteckt sich derzeit lediglich der Dialog, über den Sie die Applikation konfigurieren.
Unter dem Menüpunkt General legen Sie den Speicherort der Host-Konfiguration fest, standardmäßig /var/lib/flatpak/. Der Konfigurationsordner selbst liegt (wie für alle Flatpaks) im Home-Verzeichnis des Benutzers unterhalb von ~/.var/app/. Zunächst besteht kein Grund, daran etwas zu ändern. Zudem besteht die Möglichkeit, die SSH-Konfiguration unter /var/lib/flatpak/apps/ zu synchronisieren.
Unter Appearance stellen Sie bei Bedarf ein dunkles Theme als Standard ein und legen die Farbe des Terminal-Hintergrunds sowie der Terminal-Schrift fest.
Neue Verbindung
Um eine neue Verbindung einzurichten, genügt ein Klick auf die entsprechende Schaltfläche oder das Plus-Zeichen links oben. Daraufhin erscheint eine Maske, die die nötigen Informationen zum Herstellen einer SSH-Verbindung abfragt.
Name und Gruppe dürfen Sie frei wählen. Die Organisation in Gruppen verschafft mehr Übersicht, sobald Sie auf einem Server mehrere Accounts nutzen. Angaben zum Host, Port, User und Passwort bilden den Rest der Abfrage (Abbildung 3).

Abbildung 3: Eine neue Verbindung ist schnell erstellt. EasySSH speichert alle nötigen Zugangsdaten und reduziert den Aufbau der Verbindung auf einen Mausklick.
Eine sicherere Methode, sich mit Servern per SSH zu verbinden, ersetzt das Passwort durch ein asynchrones kryptografisches Schlüsselpaar, das gemeinhin SSH-Key heißt. Dabei liegt der öffentliche Schlüssel auf dem Server, der private Schlüssel hingegen verbleibt auf dem lokalen Rechner, von dem aus Sie die Verbindung herstellen.
EasySSH unterstützt alternativ auch diese Methode: Dazu setzen Sie in der Konfiguration des Zugangs unter der Zeile für das Passwort einen Haken bei Change Password to Identity File (Abbildung 4). Daraufhin navigieren Sie zum öffentlichen Schlüssel mit der Endung .pub, der standardmäßig in ~/.ssh/ liegt, und wählen ihn aus.

Abbildung 4: Das Setzen des Häkchens erlaubt das Nutzen eines SSH-Keys, der den Zugang zum Server besser absichert als ein Passwort.
Sollten Sie noch kein Schlüsselpaar besitzen oder für EasySSH ein neues Paar erstellen wollen, führen Sie folgendes Kommando im Terminal aus:
$ ssh-keygen -t rsa -b 4096
Weitere Informationen zum Erstellen von SSH-Keys finden Sie an diversen Stellen im Internet [5].
TIPP
Die meisten Dateimanager zeigen von Haus aus keine versteckten Dateien an. Über [Strg]+[H] oder das Kontextmenü schalten Sie jedoch in der Regel die Anzeige auf alle Dateien im Verzeichnis um.
Mehrere Verbindungen
Nach dem Speichern der Angaben erscheint rechts eine Leiste, die alle eingetragenen Verbindungen nach Gruppe und Name sortiert auflistet. Ein Klick auf einen Eintrag erlaubt neben dem Löschen und Editieren auch einen Verbindungsaufbau. Stimmen die Login-Informationen, so öffnet sich ein Terminal, das bei Einsatz eines Passworts ohne weitere Abfragen die Verbindung in einem Tab aufbaut (Abbildung 5).

Abbildung 5: EasySSH baut die SSH-Verbindung per Mausklick auf. Dabei müssen Sie aktuell noch beachten, dass das Zugangspasswort im Klartext erscheint.
Haben Sie in den Einstellungen einen SSH-Key eingetragen, fragt die Software das entsprechende Passwort (falls Sie den Schlüssel geschützt haben) im Terminal ab. Ein Klick auf das Plus-Zeichen vor dem Tab öffnet eine zweite Verbindung zum selben Server.
Getunnelt
Wenn Sie eine neue Verbindung eintragen und unten auf Advanced klicken, zeigt sich eine weitere Funktion des Programms: Es vermag SSH-Tunnel aufzubauen. Dahinter verbirgt sich das Weiterleiten eines lokalen Netzwerk-Ports zu einem anderen oder dem gleichen Port auf einem entfernten Rechner. Die Daten laufen dabei über eine sichere SSH-Verbindung zwischen den beiden Rechnern.
Das Weiterleiten endet entweder am entfernten Rechner (dem Gateway) oder an einem anderen Rechner hinter dem Gateway. Der Aufbau eines Tunnels ist etwa dann sinnvoll, wenn Sie auf Reisen in ungesicherten Netzen (etwa im Hotel oder Internet-Café) arbeiten und deshalb einen verschlüsselten Transfer wünschen.
Viele Universitäten und Unternehmen blockieren den Zugriff von außerhalb auf wichtige Rechner im eigenen Netz. Hier hilft ein Tunnel, über den Sie sich zunächst mit einem Server verbinden. Dazu bauen Sie von Hand im Terminal nach dem Schema aus Listing 2 eine getunnelte Verbindung auf. In EasySSH tragen Sie dazu bei Source Port und Destination den lokalen und den Ziel-Port ein.
Listing 2
$ ssh -L Lokaler_Port:Zielrechner:Ziel-Port -l Benutzer Gateway
Fazit
Mit den vorhandenen Funktionen erfüllt EasySSH seinen Zweck und erledigt seine Arbeit ohne erkennbare Fehler. Das Tool erweist sich in der Praxis als nützlich, ist einfach aufgebaut und lässt sich leicht bedienen.
Mehr wird das Programm laut Aussage des Programmierers, der es vorrangig für seine eigenen Anforderungen geschrieben hat, auch in Zukunft nicht leisten. Insbesondere strebt der Entwickler keine Konkurrenz zu SecPanel an. Das Repository auf Github ist aber sehr aktiv, was Hoffnung auf schnelle Abhilfe bei Kinderkrankheiten macht.
Infos
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SecPanel: http://www.linux-community.de/ausgaben/linuxuser/2006/12/ssh-bequem/
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Flathub: https://flathub.org/about
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Quick Setup: https://flatpak.org/setup/
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SSH-Key erstellen: https://www.mittwald.de/blog/mittwald/howtos/ssh-key-erstellen





