Bildbetrachter für Fotografen im Vergleich

Aus LinuxUser 04/2019

Bildbetrachter für Fotografen im Vergleich

© Grzegorz Skaradzinski, 123RF

Diaschau

Wie früher Leuchttisch und Diaprojektor gehören heute Bildbetrachter-Programme zur Grundausstattung jedes Fotografen. Wir vergleichen die besten Vertreter der Gattung.

In der analogen Foto-Ära kam man mit einem Beutel Filmdosen mit vollen Rollen zu je 24 oder 36 Bildern nach Hause. Selbst nach einem langen Urlaub blieb die Anzahl der Bilder dabei überschaubar, schon aus Kostengründen. Heute hingegen gilt es als völlig normal, mit ein paar Tausend Aufnahmen im Koffer die Rückreise anzutreten.

Sind die Koffer ausgepackt und die Garderobe gewaschen, steht die nächste Aufgabe an: die Bilder von den Speicherkarten auf den Rechner zu ziehen, zu sichten und auszusortieren. Dazu braucht man einen Bildbetrachter, der selbst hochauflösende RAW-Bilder von Vollformat-DSLRs zügig lädt und sich auch von größeren Bildersammlungen nicht aus dem Tritt bringen lässt.

Im Open-Source-Universum rund um GNU/Linux finden sich zahlreiche Kandidaten für diese Aufgabe, vom einfachen Bildbetrachter ohne weitere Funktionen bis hin zu eierlegenden Wollmilchsäuen mit zahlreichen Bildbearbeitungsfunktionen. In dieser Übersicht konzentrieren wir uns auf Bildbetrachter im engeren Sinn, RAW-Entwickler mit Bilddatenbanken zum Verwalten der Fotos wie Darktable oder Rawtherapee klammern wir aus.

Die Anforderungen

Ein Bildbetrachter hat primär eine Aufgabe: Er soll Bilder auf dem Bildschirm anzeigen. Am besten beherrscht er auch exotische Formate und lädt die Bilder wieselflink. Die Ausgabe von EXIF-Informationen – etwa Belichtungszeit, Blende und Brennweite – oder eine Karte mit der Position der Aufnahme helfen, die Bilder einzuordnen.

Für Fotomontage oder umfangreichere Retuschen führt an einer leistungsfähigen Bildbearbeitung wie Gimp kein Weg vorbei. Um einfach nur schnell einen Horizont zu begradigen oder das Bild zurechtzuschneiden, braucht man nicht zwingend solch einen Brocken: Hier leisten Bildbetrachter mit integrierten Bildbearbeitungsfunktionen gute und oft auch schnelle Arbeit.

Das Testfeld (siehe Tabelle “Bildbetrachter im Vergleich”) muss sich in folgendem Szenario beweisen: Nach einer Urlaubsreise liegen ein paar Tausend Aufnahmen von mehreren Kameras auf der Festplatte. Eine Canon 70D liefert JPEGs und RAW-Dateien im CR2-Format, zwei Smartphones steuern Schnappschüsse bei, und Bilder sowie Videos einer wasserdichten Olympus Tough TG-4 wollen ebenfalls einsortiert werden.

Die Programme sollen eine Übersicht über alle Aufnahmen liefern, mit allen Formaten zurechtkommen und am besten auch gleich die Videos der Kameras abspielen. Um später die besten Aufnahmen auszubelichten oder nachzubearbeiten, muss die Anwendung Tags setzen oder Bilder mit einer Bewertung (etwa über Sterne) versehen können. Idealerweise schreibt das Programm die Informationen in die EXIF-Tags der Aufnahmen, sodass sie auch anderen Anwendungen zur Verfügung stehen.

Gnome Fotos

Geeqie

Gthumb

Xnview MP

Nomacs

Grundfunktionen

Diashow

+

+

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+

Ordner-Ansicht

+

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+

Druckfunktion

+

+

+

+

+

Video-Player

+

+

Bildbearbeitung

Drehen

Drehen, Spiegeln

Umfassend

Drehen, Spiegeln, Farben

Drehen, Spiegeln, Farben

EXIF-Funktionen

Anzeige von EXIF-Daten

+

+

+

+

+

Bearbeiten von EXIF-Daten

Kommentare, Tags

Kommentare, Datum, Tags

+

Löschen von EXIF-Daten

+

+

+

Karte mit Geo-Position

+

+

+

+ 1

Bewertungen

+

+

+

Erweiterte Funktionen

Handling von Sidecar-Dateien

+

o

Histogramm

+

+

+

+

Nach Duplikaten suchen

+

+

o Optional oder mit entsprechenden Einstellungen konfigurierbar

1 Theoretisch möglich, durch Bug jedoch nicht funktionsfähig

Gnome Fotos

Gnome liefert zum Anzeigen von Bildern die Anwendung Fotos (früher Eye of Gnome) aus [1]. Als Nutzer einer auf Gnome basierenden Distribution, wie etwa Fedora oder Ubuntu, finden Sie Fotos daher von Haus aus auf Ihrem Rechner. Der Dateimanager der Gnome-Umgebung öffnet die Anwendung in der Standardkonfiguration automatisch bei einem Doppelklick auf ein Bild.

Über die linke Seitenleiste lassen sich EXIF-Daten ebenso einsehen (Eigenschaften) wie weitere Zusatz-Informationen (Details) oder auch der Aufnahmeort auf einer Karte. Die Karten-Funktion müssen Sie über ein Plugin nachrüsten. Dazu installieren Sie zum Beispiel unter Debian/Ubuntu das Paket eog-plugin-map oder unter Arch Linux eog-plugins und aktivieren dann die Erweiterung Karte unter Einstellungen | Erweiterungen.

Eine Übersicht über alle im Ordner des aktuellen Bilds gespeicherten Aufnahmen lässt sich über die Bildersammlung am unteren Bildschirmrand anzeigen (Abbildung 1). Bildbearbeitungsfunktionen gibt es so gut wie keine: Fotos erlaubt einzig das Drehen von Bildern in Schritten von 90 Grad. Eine Besonderheit von Fotos liegt in der Unterstützung von Gesten: Auf Geräten mit Touchscreen wischen Sie von Bild zu Bild oder zoomen per Fingerzeig in die Aufnahme hinein.

Abbildung 1: Bei Gnome Fotos (früher hieß es Eye of Gnome) handelt es sich um einen klassischen Bildbetrachter, der jedoch auch für Fotografen nützliche Funktionen bereithält.

Abbildung 1: Bei Gnome Fotos (früher hieß es Eye of Gnome) handelt es sich um einen klassischen Bildbetrachter, der jedoch auch für Fotografen nützliche Funktionen bereithält.

In Sachen gefühlter Geschwindigkeit liegt Fotos im Mittelfeld. Einzelne auf einer SSD gespeicherte Bilder öffnet die Anwendung ohne große Verzögerung. Für die Bildersammlungsleiste mit Vorschaubildern am unteren Bildschirmrand greift Fotos auf die vom Dateimanager erzeugten Thumbnails zurück. Einmal erstellt, laden daher auch größere in einem Ordner gespeicherte Sammlungen zügig.

Geeqie

Geeqie [2] gehört zu den Programmen, die unverdient das Radar vieler Anwender unterlaufen. Auch viele Distributionen ignorieren die kleine Software-Perle und packen sie nicht zu den vorinstallierten Anwendungen. Die Vorschusslorbeeren verdient sich Geeqie mit einem sehr sparsamen Fußabdruck und sehr flotter Arbeitsgeschwindigkeit, selbst auf älteren Rechnern mit geringen Systemressourcen. Zusammen mit etlichen für Fotografen praktischen Funktionen empfiehlt sich das einst von Gqview [3] abgeleitete Programm für den täglichen Einsatz.

Bei der Gestaltung der Oberfläche halten sich die Entwickler von Geeqie an den typischen Aufbau eines Bildbetrachters mit Browser-Funktion (Abbildung 2). In der linken Spalte wählen Sie den Ordner aus und darunter das anzuzeigende Bild. Das erscheint daraufhin im Großformat in der Mitte, über einen Doppelklick in der Dateiliste auch im Vollbild. In der rechten Seitenleiste zeigt Geeqie die dazugehörigen Metadaten an. Je nach Bedarf blenden Sie über die Pfeile bestimmte Datengruppen oder eine Karte mit der über GPS ermittelten Position der Aufnahme ein oder aus. Über Bearbeiten | Dieses Fenster einrichten passen Sie bei Bedarf die Anordnung der einzelnen Elemente an.

Abbildung 2: Geeqie geht flott zur Sache und hilft mit seiner cleveren Dateiverwaltung, JPG-, RAW- und Sidecar-Dateien in den Griff zu bekommen.

Abbildung 2: Geeqie geht flott zur Sache und hilft mit seiner cleveren Dateiverwaltung, JPG-, RAW- und Sidecar-Dateien in den Griff zu bekommen.

Anspruchsvolle (Hobby-)Fotografen konfigurieren ihre Kamera in der Regel so, dass sie neben JPGs auch RAW-Dateien auf die Speicherkarte schreibt. Diese Bilder enthalten sämtliche vom Sensor der Kamera generierten Daten, ohne dass die verlustbehaftete Komprimierungsroutine des JPEG-Verfahrens Artefakte oder andere Störungen einbringt. Die RAW-Version einer Aufnahme nutzt man üblicherweise nicht zum Betrachten, sondern entwickelt das Bild mithilfe eines RAW-Entwicklers wie Darktable (oder unter Windows mit Adobe Lightroom).

Kopieren Sie nun nach einer Reise alle Dateien von einer DSLR-Kamera, sehen Sie erst einmal alles doppelt: jeweils ein JPEG-Bild und eine RAW-Datei. Anstatt jetzt einfach nur die RAW-Dateien auszublenden, kombiniert Geeqie solche Aufnahmen zu einem Set aus Bild plus Sidecar-Dateien. In der Dateiübersicht zeigt die Anwendung dann zum Beispiel einen Eintrag wie IMG_1234.JPG+.CR2 an. Bei misslungenen Aufnahmen löschen Sie beide Dateien in einem Rutsch, solange Sie das im Dialog nicht abstellen. Möchten Sie eine Aktion nur für die Sidecar-Datei ausführen, klappen Sie die zusammengefassten Dateien mit dem Pfeil nach unten auf.

Die Verknüpfung von Ursprungs- und Sidecar-Datei geht auch beim Umbenennen (über das Kontextmenü oder [Strg]+[R]) oder Verschieben der Aufnahme innerhalb der Anwendung (über das Kontextmenü oder per Drag & Drop) nicht verloren. So lässt sich auch eine größere Bildersammlung schnell von nicht gelungenen oder überflüssigen Aufnahmen befreien.

Bei dieser Aufgabe hilft auch der über das Menü Ansicht aktivierbare Sortiermanager. Er ermöglicht, Bilder mit nur einem Mausklick in frei konfigurierbare Ordner zu kopieren oder zu verschieben. Ähnlich wie ein Leuchttisch erlaubt es Geeqie, die Ansicht über Ansicht | Aufteilen in bis zu vier Felder aufzusplitten. So lassen sich mehrere ähnliche Aufnahmen direkt vergleichen (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der Bildbereich des Geeqie-Fensters lässt sich in mehrere Bereiche aufteilen. Dieser Modus erleichtert den Vergleich von mehreren Aufnahmen desselben Motivs.

Abbildung 3: Der Bildbereich des Geeqie-Fensters lässt sich in mehrere Bereiche aufteilen. Dieser Modus erleichtert den Vergleich von mehreren Aufnahmen desselben Motivs.

Alles in allem schlägt sich Geeqie im Testfeld hervorragend. Der flinke Bildbetrachter überzeugt vor allem beim Aufräumen von Bildersammlungen. Mit dem X11-Nachfolger Wayland steht Geeqie allerdings noch auf Kriegsfuß: Statt des ausgewählten Bilds erscheint im Fenster nur ein weißes Feld [4]. Anwender mit Gnome als Desktop müssen daher beim Anmelden am System über das Zahnradmenü mit der Option Gnome unter Xorg einen klassischen X11-Desktop starten.

Gthumb

Gthumb [5] gehört zu den Urgesteinen der Linux-Bildbetrachter: Die erste Version erschien 2001. Wie Geeqie basierte das Programm ursprünglich auf Gqview. Inzwischen steht der Versionszähler bei 3.6.2, und die Anwendung setzt intensiv auf die vom GTK3-Toolkit gebotenen Möglichkeiten des Gnome-Desktops. So finden sich in der Kopfleiste des Anwendungsfensters die Bedienelemente für die Navigation, die Suche, der Präsentationsmodus und andere Funktionen.

Der Bildbetrachter verfügt über zwei Modi, die nahtlos ineinander übergehen. Direkt nach dem Start von Gthumb über das Anwendungsmenü lädt das Programm die Dateiverwaltung (Abbildung 4). Hier sehen Sie links eine Baumstruktur mit den Ordnern aus Ihrem Home-Verzeichnis, darunter Verweise auf die Verzeichnisse Bilder, Videos und Downloads. Hinzu kommt der Eintrag Rechner, über den Sie Ordner aus dem kompletten Dateisystem erreichen, sowie Kataloge und Auswahlen.

Abbildung 4: Gthumb zählt zu den Urgesteinen des Gnome-Desktops. Das Alter sieht man dem Programm allerdings nicht an: Die Entwickler arbeiten stets an Neuerungen.

Abbildung 4: Gthumb zählt zu den Urgesteinen des Gnome-Desktops. Das Alter sieht man dem Programm allerdings nicht an: Die Entwickler arbeiten stets an Neuerungen.

Im größeren mittleren Bereich zeigt Gthumb die im ausgewählten Ordner gespeicherten Bilder, wobei es in der Voreinstellung sämtliche Bilder auflistet. Über das Feld Anzeigen: am unteren Bildschirmrand beschränken Sie die Anzeige auf JPG-Bilder oder eine persönliche Auswahl – praktisch, wenn im Ordner neben JPGs auch RAW-Bilder liegen und sonst jedes Bild doppelt erscheinen würde.

Über den Schalter mit der Glühbirne ganz rechts unten im Fenster blenden Sie zusätzlich eine dritte Spalte ein. Dort erscheinen je nach Auswahl am unteren Rand der Spalte die Eigenschaften (Dateieigenschaften samt Größe und Format sowie den Metadaten), diverse Details (weitere Informationen aus den Exif-Daten), ein Histogramm oder eine Karte (falls die Metadaten die Geo-Position der Aufnahme enthalten).

Ein Doppelklick auf ein Bild öffnet die Aufnahme im Großformat im Bearbeitungsmodus (Abbildung 5). In der Fensterleiste ändert sich daraufhin die Belegung der Schalter: Sie können die Anwendung nun in den Vollbildmodus schalten sowie das Bild im Fenster skalieren oder drehen. Nach einem Klick auf den Schalter mit der Glühbirne öffnet sich wie in der Dateiverwaltung eine Seitenleiste mit den Metadaten des Bilds. Einen Überblick über die im Bildordner gespeicherten Aufnahmen erhalten Sie über die Schaltfläche ganz rechts unten: Sie aktiviert eine Leiste mit Vorschaubildern am unteren Bildschirmrand.

Abbildung 5: Die Bildbearbeitungsmöglichkeiten von Gthumb gehen weit über die anderer Bildbetrachter hinaus. Damit erledigen Sie ohne Umwege viele typische Aufgaben, wie etwa die Horizontbegradigung.

Abbildung 5: Die Bildbearbeitungsmöglichkeiten von Gthumb gehen weit über die anderer Bildbetrachter hinaus. Damit erledigen Sie ohne Umwege viele typische Aufgaben, wie etwa die Horizontbegradigung.

Die Schaltfläche mit dem Pinsel öffnet den eigentlichen Bearbeitungsmodus. Er bietet typische Funktionen an, wie etwa das Anpassen von Kontrast, Helligkeit und Farben, automatische Filter im Stil von Instagram sowie Werkzeuge zum Zuschneiden oder Spiegeln der Aufnahme. Praktisch ist insbesondere die Drehfunktion, die nach dem Begradigen des Horizonts nicht mehr benötigte Bildteile automatisch entfernt. Das spart im Vergleich zu Gimp eine Reihe von Arbeitsschritten.

Aufgrund seiner sehr übersichtlichen und vielseitig konfigurierbaren Oberfläche sowie den guten Bildbearbeitungsfunktionen empfiehlt sich Gthumb für Fotografen mit einer größeren Bildersammlung, die Ihre Aufnahmen selbst strukturiert archivieren und keine Bilddatenbank benötigen.

Xnview MP

Wer unter Windows größere Mengen an Bildern zu verwalten hat, greift oft zu den Freeware-Programmen Irfanview [6] oder Xnview. Letzteres gibt es in der Variante Xnview Multi Platform oder kurz Xnview MP [7] inzwischen auch für Linux und Mac OS X. Für private Zwecke oder gemeinnützige Einrichtungen (Vereine, Schulen, Universitäten) bleibt das Programm kostenlos, kommerzielle Anwender müssen eine Lizenz (Einzelplatz: 29 Euro) erwerben.

Aufgrund der einschränkenden Freeware-Lizenz fehlt Xnview MP in den Paketquellen fast aller Distributionen, nur unter Arch Linux finden Sie das Programm im AUR. Auf der Homepage des Programms finden Sie aber DEB-Pakete für Debian oder Ubuntu sowie distributionsunabhängige TGZ-Archive, die man lediglich entpacken muss.

Vom Aufbau her gleicht Xnview MP den anderen Bildbetrachtern mit Ordner-Browser: Links sehen Sie den Verzeichnisbaum, rechts die im ausgewählten Ordner gespeicherten Bilder (Abbildung 6). Über die Seitenleiste verwalten Sie auch die Lesezeichen und Kategorien. In der Leiste darunter zeigt die Anwendung Details zum aktuellen Bild sowie eine weitere Vorschau an. Mit einem Doppelklick öffnen Sie ein Bild als neuen Reiter großformatig im Betrachtermodus (Abbildung 7).

Abbildung 6: Freeware statt Open-Source: Xnview MP schlägt sich im Vergleich mit der Konkurrenz beeindruckend. Auch der Umgang mit RAW- und Sidecar-Dateien überzeugt.

Abbildung 6: Freeware statt Open-Source: Xnview MP schlägt sich im Vergleich mit der Konkurrenz beeindruckend. Auch der Umgang mit RAW- und Sidecar-Dateien überzeugt.


Abbildung 7: Xnview MP arbeitet mit Tabs. So lassen sich mehrere Bilder und Bildersammlungen bequem betrachten und organisieren.

Abbildung 7: Xnview MP arbeitet mit Tabs. So lassen sich mehrere Bilder und Bildersammlungen bequem betrachten und organisieren.

In der Bildverwaltung kombiniert Xnview MP Bild, RAW-Bild und Sidecar-Dateien zu einem Eintrag. Löschen Sie ein Bild inklusive RAW-Version und XMP-Datei, fragt das Tool, ob es gleich alle drei Dateien entfernen soll. In der Praxis muss man die Auswahllogik allerdings oft ein wenig anpassen: Canon-Kameras etwa schreiben im RAW-Modus CR2-Dateien, die Xnview MP in der Voreinstellung als eigenes Bild anzeigt.

Unter Werkzeuge | Einstellungen | Bildverwaltung | Dateien legen Sie im Reiter Allgemein fest, welche Dateien zusammengehören. Erweitern Sie etwa den Eintrag zu jpg auf {ext}.xmp;xmp;exf;cr2;cr2.xmp, dann klappt das Zusammenfassen der unterschiedlichen Bild-Dateien. Fehler treten jedoch auch dann noch auf: Xnview MP löscht und verschiebt Bild und Sidecar-Dateien zwar zuverlässig in einem Rutsch, ändert aber beim Umbenennen von Bildern nur den Namen des JPGs.

Die Stärken von Xnview MP liegen in der Arbeitsgeschwindigkeit und im gut konfigurierbaren Umgang mit Sidecar-Dateien. Auch Ordner mit einer größeren Bildersammlung zeigt die Anwendung schnell an, zumindest nach dem initialen Erstellen der Thumbnails beim ersten Öffnen. Bewertungen und Kennzeichnungen helfen, nach einer ausführlichen Fotosafari Ordnung in das Bilderchaos zu bekommen.

Nomacs

Nomacs [8] basiert auf dem Qt-Toolkit, was es für den Einsatz auf KDE-Desktops interessant macht. Über das Datei-Menü lesen Sie einzelne Bilder oder ganze Ordner ein. Den Inhalt von Verzeichnissen zeigt das Programm in Form kleiner Vorschaubilder an (Abbildung 8). Dabei geht Nomacs selbst bei Ordnern mit vielen Bildern sehr zügig zur Sache.

Abbildung 8: Nomacs erstellt auch beim Laden von Ordnern mit vielen Bildern zügig eine Vorschau, selbst wenn die Daten auf einem NAS-Gerät im LAN liegen.

Abbildung 8: Nomacs erstellt auch beim Laden von Ordnern mit vielen Bildern zügig eine Vorschau, selbst wenn die Daten auf einem NAS-Gerät im LAN liegen.

RAW-Bilder zeigt die Anwendung zusammen mit den JPGs aus dem gewählten Ordner an. Mit einem Filter lässt sich die Anzeige auf bestimmte Namen oder Dateiendungen einschränken. Bislang fehlt dem Programm jedoch eine Möglichkeit, die RAW-, JPG-, und Sidecar-Dateien zusammenzufassen. Einen bereits im Bugtracker eingetragenen und für Nomacs 3.1 eingeplanten Vorschlag für diese Funktion haben die Entwickler auch mit der aktuellen Version 3.12 noch nicht umgesetzt.

Aus der Übersicht heraus öffnen Sie die Bilder mit einem Doppelklick im Großformat. Zurück geht es über Fenster | Miniaturübersicht oder die Tastenkombination [Umschalt]+[T]. Alternativ schalten Sie im selben Menü eine Vorschauleiste zur Navigation im Bilderordner ein. Ähnlich wie Gthumb bietet auch Nomacs grundlegende Bildbearbeitungsfunktionen, die Sie über das Menü Bildanpassungen aufrufen. In den Menüs finden sich auch etwas verspieltere Funktionen wie etwa ein Mosaikbildgenerator.

Um Aufnahmen untereinander zu vergleichen, geht Nomacs einen anderen Weg als etwa Geeqie, das die Bildansicht in mehrere Bereiche aufteilen kann: Über Sync | Synchronisieren gibt es die Möglichkeit, mehrere Instanzen der Anwendung miteinander zu koppeln. Mit der Option Ansicht Synchronisation gleicht Nomacs dabei auch automatisch den Bildausschnitt in den Anwendungsfenstern an.

Auf diesem Weg lassen sich dann beispielsweise zwei kurz hintereinander erstellte Aufnahmen desselben Motivs sehr gut miteinander vergleichen: Zoomen Sie in ein Bild hinein, passt Nomacs in der zweiten Instanz automatisch den Ausschnitt ebenfalls entsprechend an (Abbildung 9). Theoretisch funktioniert diese Synchronisation auch zwischen unterschiedlichen Rechnern im Netz, in der Praxis klappte der Abgleich via Netzwerk im Test jedoch nicht.

Abbildung 9: Im Sync-Modus lassen sich mehrere Instanzen von Nomacs miteinander koppeln. Zoomen Sie in ein Bild, gleicht Nomacs die Ansicht automatisch mit dem zweiten Fenster ab.

Abbildung 9: Im Sync-Modus lassen sich mehrere Instanzen von Nomacs miteinander koppeln. Zoomen Sie in ein Bild, gleicht Nomacs die Ansicht automatisch mit dem zweiten Fenster ab.

Insgesamt präsentiert sich Nomacs als gelungene Alternative zum KDE-Schwergewicht Digikam. Besonders die Sync-Funktion sticht aus dem Testfeld heraus: Mit keinem anderen Bildbetrachter lassen sich Aufnahmen bis ins kleinste Detail so genau und bequem vergleichen. Für das Aufräumen und Pflegen der Bildersammlung fehlen jedoch Funktionen zum Umgang mit Sidecar-Dateien und – unter anderem – eine Suche nach doppelt gespeicherten Bildern.

Fazit

Wenn es darum geht, den perfekten Bildbetrachter zu finden, kommt es immer auf die eigenen Bedürfnisse und Anforderungen an: Die perfekte eierlegende Wollmilchsau fand sich im Vergleich nicht. Gthumb hebt sich mit seinen Bildbearbeitungsfunktionen von der Konkurrenz ab, Xnview mit einer sehr gut konfigurierbaren und intuitiven Oberfläche, in der besonders das Setzen von Bewertungen leichtfällt.

Bei der Suche nach einem Testsieger sehen wir Geeqie mit einem leichten Vorsprung an der Spitze. Das Programm überzeugt mit seiner hohen Arbeitsgeschwindigkeit und einem optimalen Handling beim Organisieren von JPG-, RAW- und Sidecar-Dateien. So sehen Sie Fotos in Geeqie nie doppelt, und beim Löschen, Verschieben oder Umbenennen von Aufnahmen bleiben keine Karteileichen zurück. 

Glossar

Sidecar-Dateien

Solche Filialdateien enthalten zu einer anderen Datei gehörige Daten (oft Metadaten), die das Dateiformat der Hauptdatei nicht unterstützt. Bis auf die Dateiendung tragen Ursprungs- und Sidecar-Datei denselben Namen. In Bezug auf digitale Fotos gehörigen RAW-Dateien und die beim Entwickeln mit Lightroom oder Darktable geschriebenen XMP-Dateien zum Sidecar-Set.

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