Aktuelle Software im Kurztest

Aus LinuxUser 06/2018

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

HTTPS-Proxy-Server Hitch 1.4.8, Mailbox-Synchronisierer Isync 1.3.0, CLI-RSS-Feedreader Newsboat 2.11.1, Konsolen-Versionstracker Versions 1.5.0.

Sicherheitschef

Der SSH-Proxy Hitch 1.4.8 ermöglicht, beliebige Tools mit SSL nachzurüsten.

Obwohl längst klar ist, dass Datenübertragung nur verschlüsselt erfolgen darf, erscheinen noch immer netzwerkfähige Tools, die keine verschlüsselte Kommunikation beherrschen. Für das Absichern solcher Programme greifen pfiffige Admins zu einem SSL-Proxy wie Hitch. Die notwendige Konfiguration für Hitch übergeben Sie entweder beim Programmstart als Parameter oder fassen sie in einer Konfigurationsdatei zusammen. Im Quellarchiv des Tools finden Sie eine Beispielkonfiguration. Der Parameter frontend legt fest, an welchem Port und auf welcher Netzwerkschnittstelle Hitch eingehende Verbindungen erwartet. Mit backend legen Sie fest, an welchen Rechner es die eingehenden Verbindungen weiterreicht. Für Ports unterhalb von 1024 müssen Sie Hitch mit Administratorrechten starten. Damit Hitch die erweiterten Rechte nicht länger als notwendig nutzt, legen Sie über user und group alternative Benutzer- und Gruppendaten fest, mit deren Rechten Hitch nach dem Start weiterarbeitet. Setzen Sie daemon auf on, arbeitet das Tool transparent als Dienst im Hintergrund.

Standardmäßig nimmt Hitch nur TLSv1.1/v1.2-verschlüsselte Verbindungen an. Für ältere Protokolle wie TLSv1.0 oder SSLv3 müssen Sie den Parameter ssl-engine entsprechend setzen. Um einen leistungsfähigen SSL-Proxy für viele Verbindungen einzurichten erhöhen Sie mit worker die Anzahl der laufenden Hitch-Prozesse; die Entwickler empfehlen je einen Arbeitsprozess pro Prozessorkern. Damit bei längerer Inaktivität nicht Firewalls oder Load-Balancer bestehende Verbindungen beenden, sendet Hitch in stündlichen Intervallen ein Keepalive-Datenpaket; kürzere Intervalle lassen sich per Konfiguration anpassen. Um eine Konfiguration auf syntaktische Korrektheit zu prüfen, rufen Sie Hitch mit dem Parameter -t auf. Eine ausführliche Dokumentation zu Hitch halten die Projektseite sowie die mitgelieferten Man-Pages bereit.

Hitch 1.4.8

 

Lizenz: BSD License

Quelle: https://hitch-tls.org/

Postbote

Über Isync 1.3.0 gleichen Sie bequem den Inhalt eines IMAP-Postfachs mit dem lokalen Rechner ab.

Wer einen webbasierten Mailclient eines der gängigen Provider nutzt, hat alle Nachrichten immer online verfügbar. Will er sie aber mit dem lokalen Rechner abgleichen, braucht er ein Tool wie Isync. Das konsolenbasierte Werkzeug gleicht das lokale mit dem entfernten Postfach ab und unterstützt neben IMAP4 auch das Maildir-Format. Um die aktuelle Version zu nutzen, müssen Sie Isync selbst kompilieren. Anschließend nutzen Sie das Binary mbsync, um die Postfächer abzugleichen und Statusänderungen in beide Richtungen zu synchronisieren. Um Datenkonflikte beim Abgleich zu vermeiden, nutzt Mbsync Unique Message Identifier (UIDs), um alle Nachrichten eindeutig zuzuordnen. Um auf Nummer sicher zu gehen, greifen Sie auf die Trash-Funktion von Mbsync zurück, die eine Sicherheitskopie jeder zu löschenden Nachricht anlegt. Den aktuellen Sychronisationsstatus legt Mbsync als Textdatei auf beiden beteiligten Systemen ab und achtet darauf, dass keine konkurrierenden Zugriffe darauf erfolgen. So stellt auch eine Aktualisierung der Postfächer während des Abgleichs für das Tool kein Problem dar. Zum Absichern der Übertragung greifen Sie auf TLS-Verschlüsselung und die STARTTLS-Funktion zurück. Die zu verwendenden Zertifikate legen Sie dabei in der Konfigurationsdatei mbsyncrc fest. Im Quellarchiv finden Sie eine gut dokumentierte Beispielkonfiguration als Vorlage für eigene Anpassungen, eine Beschreibung aller Optionen liefert die Isync-Manpage.

Isync 1.3.0

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://isync.sourceforge.net/

Leseratte

Der RSS-Feedreader Newsboat 2.11.1 erweitert als Fork den Umfang des beliebten Readers Newsbeuter.

Verwalten Sie Ihre RSS-Feeds gern auf der Konsole, sollten Sie sich Newsboat näher ansehen. Es entstand als Fork des beliebten Newsbeuter, dessen Entwicklung bereits seit einiger Zeit stagniert. Im Erscheinungsbild erinnert Newsboat stark an den Mailclient Mutt, dessen Tastenkürzel es auch übernimmt. So geht erfahrenen Anwendern die Nutzung von Newsboat leichter von der Hand. Die Feed-URLs legt das Tool in der Datei ~/.newsboat/urls ab, eine alternative Datei übergeben Sie beim Start mit dem Parameter -u. Beim Wechsel von einem anderen RSS-Reader zu Newsboat exportieren Sie ihre RSS-URLs im OPML-Format, und lesen Sie dann mit -i in Newsboat ein. Die Datei ~/.newsboat/urls enthält je Zeile genau eine URL, die sich nach Kategorien ordnen lassen. Dazu tragen Sie den gewünschten Kategorienamen, oder auch mehrere, als Schlagwort hinter der URL in die Zeile ein. Ein Druck auf [T]+ liefert eine Übersicht aller verfügbaren Kategorien. Wählen Sie eine Kategorie aus, zeigt Newsboat nur die zugehörigen RSS-Feeds. Das Anlegen und Zuordnen von Feeds zu Kategorien gelingt nur durch Editieren der URL-Datei, andere RSS-Reader bieten hier mehr Komfort. Quasi als Ausgleich unterstützt Newsboat den Einsatz von Snownews- und Liferea-Erweiterungen, wobei es vornehmlich die Funktionen execurl und filter unterstützt. Auch beim Verwalten von Podcasts punktet Newsboat: Sie können die gewünschten MP3s mit [Q] einer Warteschlange hinzufügen. Das Zusatzwerkzeug Podboat organisiert dann im Hintergrund den Download und bietet eine einfache Oberfläche zum Verwalten der Übertragungen.

Newsboat 2.11.1

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://newsboat.org/

Statusprüfer

Über Versions 1.5.0 behalten Sie an zentraler Stelle den Versionsstatus diverser Software im Auge.

Verwenden Sie viele selbst kompilierte Tools, müssen Sie die Update-Pflege manuell erledigen und laufend die Projektseiten auf Aktualisierungen überprüfen. Das Tool Versions automatisiert diese Aufgabe, indem es den Versionsstatus der zu kontrollierenden Software einfach via RSS-Abfrage ermittelt. Dabei unterstützt es die bekanntesten Code-Portale wie Freshcode, Sourceforge, Github, Pypi und Savanah.gnu.org. In einer Konfigurationsdatei im YAML-Format legen Sie die zu überprüfende Software fest, wobei jedes Repo einen eigenen Bereich erhält. Anschließend ordnen Sie die zu prüfenden Tools über eindeutige Bereichsnamen wie github oder freshcode der jeweiligen Rubrik zu. Es folgt die Feed-URL des zu prüfenden Tools im jeweiligen Repo. Für jeden Feed geben Sie über type an, in welcher Form er die Versionsinformationen enthält. Freshcode etwa entspricht dem Typ list: Es führt in seinem RSS-Feed alle Tools als Liste auf. Bei Github und Sourceforge dagegen verfügt jede Software über eine eigene Unterseite samt Feed; hier lautet der Typ byproject. Bei welchen Programmen im jeweiligen Repository Versions den Status kontrollieren soll, legen Sie mit projects fest. Oft genügt hier die Angabe des Programmnamens, bei Github müssen Sie aber auch einen Teil der URL angeben. Versions kombiniert ihn dann beim Start mit der Repo-URL zu einem Gesamtpfad. Das Versions-Quellarchiv enthält eine Beispielkonfiguration als Vorlage für eigene Anpassungen. Die fertige Konfiguration übergeben Sie Versions beim Aufruf mit dem Parameter -f. Es hinterlegt dann die aktuellen Versionsnummern als Textdatei unter ~/.local/versions/. Um die Liste einzusehen, rufen Sie Versions mit dem Parameter -l auf. Der Parameter -d startet das Tool im Debugging-Modus.

Versions 1.5.0

 

Lizenz: GPLv3

Quelle: https://github.com/dupgit/versions

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