Vom Gitarrenverstärker über den Synthesizer bis hin zur ausgefeilten Effektbibliothek bietet Linux heute alles, was man für professionelle Musikproduktionen braucht. Das Beste daran: Schmankerl wie BioTek, Calf und Guitarix lassen sich auch problemlos kombinieren.
Musik und Linux sind heute keine fremden Welten mehr. Das zeigt sich ganz handfest an einem wachsenden Angebot auch proprietärer Bezahlsoftware für Linux, die Firmen wie Bitwig oder Tracktion anbieten – nativ für Linux entwickelt und ganz offiziell als Installationspaket für Ubuntu, Debian, Fedora und Kollegen erhältlich. Tracktion erweitert dieses Angebot durch seinen innovativen Synthesizer BioTek [1], der sich als natives LinuxVST-Plugin in der Linux-Audioumgebung sauber integriert.
Aber auch freie Software für Musiker entwickelt sich schnell weiter: Die Calf-Plugin-Sammlung [2] deckt inzwischen alles ab, was man vor fünf Jahren noch für teures Geld kaufen und mühsam mit Wine zum Laufen bringen musste. Der Gitarrenverstärker Guitarix [3] hat sich vom kleinen, sympathischen Brüllwürfel zu einem komplexen Komplettstudio nicht nur für Gitarristen weiterentwickelt. Dabei sieht er nicht nur genauso edel aus wie seine Hardware-Vorbilder von Mesa Boogie, Marshall und Co., sondern klingt auch ebenso gut.
Wir haben den neuen BioTek 1.5 und die aktuellen GIT-Auszüge von Calf und Guitarix auf Herz und Nieren geprüft und untersucht, was sie im Zusammenspiel leisten.
BioTek: Das große Fressen
Auf den ersten Blick sieht Tracktions Haussynthesizer angesichts nicht unerheblicher 150 US-Dollar Lizenzkosten etwas zu simpel aus. Nur zwei Dutzend Regler und ein putzig animierter X/Y-Controller in der Mitte versprechen nicht allzu viele verschiedene Möglichkeiten. Der Eindruck ändert sich stark, sobald man eines der mitgelieferten rund 200 Presets links im Browser auswählt.
Die Presets können eigene Parameter auf die Regler der Oberfläche legen und bringen Hunderte faszinierende Klänge und Effekte mit. Die Klänge stammen sowohl von eigenen Oszillatoren als auch von Samples. Zu Letzteren gehören auch raffiniert mit den Klängen verwobene Loops von Rhythmus-Pattern (meist an modernen Hip-Hop und Elektronika orientiert) bis zu Walgesängen, Industriegeräuschen und Vogelgezwitscher.
Als Basis dient die von Tracktion entwickelte Acktion-Plattform, im Grunde ein sehr flexibler Modularsynthesizer. Bei BioTek handelt es sich um einen hochgezüchteten, aber noch intuitiv bedienbaren Player für komplexe Gebilde aus miteinander vernetzten Samplern, Generatoren und Effekten, die Experten in langwieriger Programmierarbeit geschaffen haben.
Tracktion lässt nur ausgewählte Experten an der Basis der BioTek-Presets arbeiten – wer selbst an den Baukasten kommen möchte, muss sich bei Tracktion darum bewerben. Allerdings legen die fertigen Presets fast alle ihre Einstellungen für den Nutzer in die Oberfläche des Synths. Das sind dann einerseits die ausgewählten 20 Regler der Start-Oberfläche – Tracktion nennt diesen Bereich Wild. Links oben finden Sie einen mit Edit beschrifteten Schalter. Er enthüllt eine Bearbeitungsansicht (Abbildung 1), in der Sie viele Aspekte des gewählten Presets ändern können.

Abbildung 1: Selbst das vergleichsweise simple Preset Graphite Bass bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten. Im Bereich Oscs lassen sich auch weitere, im Preset inaktive Klangquellen zuschalten.
In Untermenüs warten Regler, wie man sie auch von herkömmlichen Synthesizern kennt: Filter, Kurventypen, Frequenzeinstellungen und dynamische Elemente wie Hüllkurven und ein Arpeggiator. Außerdem lassen sich Verkettungen anlegen, damit sich Parameter gegenseitig beeinflussen. Obendrein kann man im Preset eingebaute Makros beliebig verschalten. Allerdings fanden wir im Test weder Einstellmöglichkeit für die Machos selbst noch eine Möglichkeit, eigene Makros anzulegen. Allerdings muss man Makros ohnehin präzise aufeinander abstimmen, sodass Eingriffe sehr knifflig ausfallen dürften.
Wer individuellere Klänge erzeugen will, legt Wert auf eigene Samples. Die Funktion, solche zu laden, hat der Hersteller so gut im Oszillatoren-Menü versteckt, dass man in vielen Reviews des Synths die Aussage findet, man könne keine eigenen Samples einbinden (siehe Kasten “Eigene Samples in BioTek”).
Die Laufgeschwindigkeit der eingebauten Samples lässt sich mit den Geschwindigkeitseinstellungen des eingebauten Arpeggiators links unten einstellen. Ein Wechsel des Presets setzt diesen Wert auf 120 BPM zurück. BioTek bezieht diesen Wert auch aus dem verwendeten Plugin-Host, falls der ihn sendet. Das ist insofern sinnvoll, als die Klänge aus BioTek in ein laufendes Musikstück passen sollen, das man meist in einer Software wie Ardour oder Tracktion aufgenommen und arrangiert hat. Aus dieser Quelle ermittelt BioTek die Geschwindigkeit des laufenden Stücks und passt sich entsprechend an. Am besten funktioniert das zur Zeit in Tracktion (Abbildung 2), dem Muttersystem von BioTek.

Abbildung 2: BioTek folgt der in der Laufwerkseinstellung von Tracktion 7 eingestellten Laufgeschwindigkeit des Musikstücks, hier abenteuerlich langsame 64 BPM.
Die Komplexität der Presets und speziell die eingebetteten perkussiven Loops empfehlen BioTek vor allem als inspirierende Quelle von originellen Farben für Musikstücke. Auch Videoproduzenten finden mit BioTek schnell zu interessanten Soundtracks, die sicher deutlich individueller und passender wirken, als man das vom durchschnittlichen Hintergrundgedudel von Webvideos her kennt.
BioTek installieren
Sie erhalten den BioTek-Synthesizer über die Webseite seiner Mutteranwendung Tracktion [5]. Der Download setzt einen Account auf der Webseite voraus, der sich schnell und ohne allzu viele neugierige Fragen einrichten lässt. Bequem für den Nutzer: Auch bei BioTek verzichtet Tracktion auf krude USB-Dongles und DRM für den Kopierschutz.
Zur Installation laden Sie ein ZIP-Archiv herunter. Es erzeugt beim Auspacken ein neues Verzeichnis, das sowohl das Programm als auch die mitgelieferten Presets enthält. Die eigentliche Anwendung BioTek.so kopieren Sie dann einfach in den Pfad für native Linux-VSTs. Die Presets, ohne die man mit BioTek nicht sehr viel anfangen kann, sucht die Anwendung im Home-Verzeichnis in jenem Ordner, den Tracktion beim ersten Start anlegt. Verwenden Sie Tracktion nicht, legen Sie diesen manuell an (Listing 1).
Das eigentliche Prüfen des Kopierschutzes erfolgt beim ersten Start des Plugins. Die Software läuft zunächst in einem Demo-Modus, der etwa einmal pro Minute ein nerviges Rauschen einspielt. Ein Klick auf Unlock links oben öffnet einen Dialog, über den Sie sich bei Ihrem Account auf Tracktion.com anmelden. Der Server prüft, ob Sie die Software bezahlt haben, und sendet bei Erfolg einen Freischaltcode an das Plugin.
Um BioTek auf einem Rechner ohne Internet-Verbindung zu benutzen, beziehen Sie nach einem Klick auf Offline Unlock eine Datei für diesen Zweck von Tracktion. Ansonsten ist das Thema Kopierschutz damit erledigt – auch beim Start in anderen Hosts als Tracktion lief BioTek im Test ohne Probleme als Vollversion.
Listing 1
$ mkdir $HOME/Tracktion/ $ cp -R $HOME/Downloads/BioTek\ and\ Content\ 1.5.1\ Ubuntu/BioTek $HOME/Tracktion/
Eigene Samples in BioTek
Um dem Klangfundus eines BioTek-Presets eigene Samples hinzuzufügen, klicken Sie zunächst links oben auf Edit. In der Liste links erscheinen jetzt die zum Preset gehörenden Samples. Die Plus- und Minus-Knöpfe darüber entfernen Sounds und fügen neue hinzu. Allerdings handelt es sich dabei noch nicht um die Samples an sich, sondern um die voreingestellten Klänge, die auf Samples basieren. Die eigentliche Klangquelle erreichen Sie über das Menü Oscs rechts daneben, in der Ausklappliste rechts neben dem Namen des Oszillators. Meist heißt er schlicht Osc1. Hier wählen Sie einige gängige Wellenformen oder eben ein Sample aus, wobei die Auswahl Sample ein weiteres Menü aktiviert, in dem Sie über einen Browser eine WAV-Datei laden (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Ausklappliste für die Sample-Auswahl zeigt unter User alle Dateien im Samples-Verzeichnis.
Calf: Nouvelle Cuisine
Das Ziel von Krysztof Foltmans Calf-Projekt war von Anfang an, ein komplettes Set an Standardtypen von Effekten und Klangerzeugern zu schaffen, das alle Erfordernisse einer gängigen digitalen Musikproduktion abdecken sollte. Die Effekte erlauben einerseits Klangschöpfern alle üblichen Modulationseffekte vom Phaser bis zum Chorus; Echo und Reverb ermöglichen auch das Gestalten von Raumeindrücken und Atmosphäre.
Andererseits gibt es auch alle Prozessoren, die Klänge aufpolieren und aufeinander abstimmen, ohne sie dabei hörbar zu verfremden. Kompressoren und Limiter liegen auch mehrbandig vor, sodass man zum Beispiel gezielt nur einen bestimmten Bassbereich verdichten kann. Diverse Varianten von Equalizern und Filtern erlauben subtile oder auch massive Eingriffe in das Frequenzspektrum.
In der Kompositionsphase der Musikproduktion stehen die vier am weitesten verbreiteten Synthesizertypen zur Verfügung: Monosynth empfiehlt sich als Bass und Leadstimme, Organ erlaubt komplexe Polyphonie auch weit jenseits orgelartiger Klänge. Ein Wavetable-Synth sorgt für Flächen, und der Sample-Player Fluidsynth geht mit gängigen General-MIDI-Samples um.
Dabei drängt sich der Vergleich zum kostenpflichtigen BioTek-Synth förmlich auf. Der fällt aber schwer, weil BioTek eine Komplettlösung darstellt, während Calf modular gedacht ist. Grob vereinfacht: Man kann mit Calf ähnlich komplexe Ergebnisse erzielen wie mit BioTek, allerdings ganz sicher nicht so schnell und intuitiv.
Dafür erlauben die Calf-Module dem Musiker eine genauere Kontrolle über das, was geschieht. Beim Bau komplexer Klanggebilde fällt jedoch im Vergleich zu BioTek ein unverhältnismäßig hoher Aufwand an. Ein Preset wie BioTeks Synthetic Nightfall auch nur annähernd mit Calf in einem modularen Host wie Carla nachzuempfinden, dürfte viele Stunden kniffliger Arbeit erfordern.
Anders sieht die Situation allerdings aus, wenn man all die verspielte Komplexität von BioTek gar nicht haben will: In solchen Fällen kann all die Pracht und Vielfalt selbst der einfacheren Presets wie Graphite Bass durchaus im Weg sein. Wer einfach ein schneidendes Solo mit genau auf die Umgebung abgestimmten Glissandi auf einem monophonen Softsynth spielen will, kommt mit Calf Monosynth (Abbildung 4) wahrscheinlich schneller ans Ziel als bei der Suche nach dem zufällig passenden BioTek-Preset.

Abbildung 4: Calf Monosynth lässt sich leicht bedienen und erzeugt edle Klänge – besonders, wenn er mit seinen Geschwistern Filterclavier und Multichorus zusammenspielt.
Presets bieten auch die Calf-Module – allerdings beherrschen nicht alle Host-Programme deren Auswahlmethode. In Ardour ist es kein Problem, die mitgelieferten Voreinstellungen von Monosynth, Organ und Kollegen aus einem Menü links oben zu wählen und eigene Einstellungen zu speichern. Im universellen Host Carla wählen Sie für Calf-Module die generische Ansicht Edit und laden dann unter Load State eines der mitgelieferten Presets.
Kleines Glossar der elektronischen Musik
Die elektronische Musikproduktion hat, wie andere Ingenieurskünste auch, ein eigenes Vokabular entwickelt, das in Musiksoftware standardmäßig zum Einsatz kommt. Dabei gehen die Entwickler meist großzügig davon aus, dass die Anwender mit den Begriffen etwas anfangen können. Im Folgenden schlüsseln wir daher die wichtigsten Fachbegriffe aus diesem Artikel kurz auf.
Ein Arpeggio ist ein musikalischer Akkord, dessen Töne einzeln nacheinander gespielt werden. Ein Arpeggiator spielt die Töne nach einstellbaren rhythmischen Figuren (“Patterns”) in einer Endlosschleife (“Loop”) ab.
Bei einem Controller handelt es sich um einen Regler für Parameter von Audiosoftware, der sich durch Signale von spezieller Hardware (Keyboards) oder Software (DAW, Sequencer) fernsteuern lässt.
Das Kürzel DAW steht für Digital Audio Workstation. Eine solche Software vereint alle Arbeitsgänge einer Musikproduktion als zusammenhängende Anwendung, von der Aufnahme auf einzelne Spuren bis zum Mix. Bekannte DAWs für Linux sind unter anderen Ardour, Bitwig Studio und Tracktion 7.
Als Hüllkurven bezeichnet man mathematische Funktionen, die den Ablauf eines Klangereignisses regeln. So kann eine Hüllkurve bestimmen, ob ein Klang anschwillt oder schon laut beginnt, wie lange er ausklingt oder wie ein Filter die Frequenz des Klangs beeinflusst.
Synthesizer bestehen aus verschiedenen Komponenten: Oszillatoren erzeugen Basiswellen, Filter verfremden das Frequenzspektrum und so fort. Fest zusammengebaute Synthesizer bieten eine vom Entwickler bestimmte Kombination dieser Module. Ein Modularsynthesizer eröffnet dem Anwender die Möglichkeit, diese Einzelteile nach Wunsch zu vervielfältigen und miteinander zu verschalten.
Oszillatoren erzeugen Wellenformen, die den in der Natur vorkommenden Schallwellen entsprechen. In Software-Instrumenten finden sie sich normalerweise in Form mathematischer Funktionen, die Kurven erzeugen: Daraus errechnet eine Anwendung schließlich PCM-Daten, die sie über eine Soundkarte als Klang wiedergibt.
Plugin-Hosts verfügen über eine oder mehrere Plugin-Schnittstellen, die Daten und Steuerbefehle aus der Anwendung an das Plugin senden und die vom Plugin bearbeiteten Daten entgegennehmen. Alle modernen DAWs bringen einen Plugin-Host mit. Es gibt aber auch spezialisierte Plugin-Hosts wie Carla [6], die meist auch die Funktionen von Modularsynthesizern anbieten.
Als Preset bezeichnet man die Voreinstellung für Kombinationen aus Modulen und Parametern in Effekten und Klangerzeugern.
Ein X/Y-Controller steuert zwei Parameter gleichzeitig, indem er Koordinaten in einer einfachen Matrix verarbeitet. Meist kann man einen, manchmal auch mehrere Punkte auf einer Touch-Oberfläche verschieben, um diese Parameter zu beeinflussen.
Guitarix: Gitarrengrill
Bei allem Spaß an der reinen Elektronik bleibt aus guten Gründen auch die E-Gitarre ein beliebtes Instrument zur Klangerzeugung. Der unverzichtbare Verstärker kommt heute meist als Software, unter Linux ist Guitarix der Verstärkerturm der Wahl (Abbildung 5).

Abbildung 5: Guitarix mit seinem vintagemäßigen Aluminium-Skin. Die Module lassen sich per Drag & Drop in dem zweiteiligen Rack anordnen.
Die Entwicklung anderer Projekte mit gleichem Ziel, wie etwa Rackarrack, ist in den letzten Jahren sanft entschlafen. Das mag auch daran liegen, dass Guitarix kaum Wünsche offenlässt – schon mit seinen mitgelieferten Modulen kann es eine ganze Lkw-Ladung Verstärkerhardware ziemlich realistisch nachahmen. Die mehr als 40 Effekte, die es an Bord hat, erlauben außerdem alle erdenklichen Verfremdungen.
Nun geht es bei Musik auch um Geschmack – und das bedeutet, dass eben auch ein guter Effektprozessor vielleicht nicht genau den richtigen Klang erzeugt. Also liegt es nah, auch zwischen gleichartigen Effekten eine Auswahl zu bieten. Guitarix hat zwar von den meisten Effekttypen nur ein Modell an Bord, erlaubt aber, LADSPA- und LV2-Plugins einzubinden. Kommen Sie also mit dem Phaser von Guitarix nicht zurecht, verwenden Sie einfach den von Calf oder ein LADSPA-Modul von C*.
Die C*-Sammlung von LADSPA-Effekten für Gitarrenfreunde stellt zurzeit die einzige regelmäßig gepflegte Alternative zu Guitarix dar. Die in dieser Sammlung [4] angebotenen Verstärkeremulationen AmpI bis AmpIV und die C*-Lautsprecher-Emulation Cabinet lassen sich allerdings auch mit Guitarix kombinieren. Effekte vom sehr realistischen Hall bis hin zu extremen Experimenten lassen sich mit dem Guitarix-Modul JConvolver umsetzen (Abbildung 6).

Abbildung 6: Der JConvolver von Guitarix kann das Eingangssignal mit beliebigen WAV-Dateien mathematisch zusammenfalten.
Als vollständige Anwendung kann Guitarix auch externe Plugins laden. Das Projekt liefert aber die meisten Module als eigenständige Plugins im LV2-Format mit, die sich wiederum in anderen Anwendungen laden lassen. So lässt sich dank Guitarix auch das beliebte “Reamping” umsetzen, bei dem man Gitarrensignale ohne jede Verfremdung aufnimmt, sodass man diese später an einen gewünschten virtuellen Verstärker senden und so optimal in einen Mix einbetten kann.
Die eigenständige Guitarix-Anwendung hat allerdings einige Funktionen zu bieten, die sich mit den LV2-Varianten des Verstärkers nicht umsetzen lassen. Dazu gehört vor allem eine umfangreiche ausgefeilte Preset-Verwaltung, mit der sich komplette Setups speichern lassen, und sehr gut ausgebaute Möglichkeiten für die Fernbedienung via MIDI.
Fazit
Bei allen drei Softwarepaketen fällt die durchgehend hervorragende Leistung und Stabilität positiv auf. Keiner der Synthesizer und Effekte im Test machte irgendwelche Schwierigkeiten. Offensichtlich wissen auch die Entwickler von Tracktion inzwischen genau, wie Linux-Audio funktioniert.
Wer die einzigartige Komplexität von BioTek sucht, wird die vom Hersteller eingeforderten 150 US-Dollar gern investieren – schon die raffiniert gebauten Presets rechtfertigen diesen Preis durchaus.
Besonders für vollständige Musikproduktionen kann man auf Calf eigentlich kaum verzichten. Seine vier Klangerzeuger und zwei Dutzend Effekte bieten alles, was dazugehört. Wer sich in die Details der Modulbedienung und deren Zusammenspiel einarbeitet, bekommt vom Popsong bis zum Hörspiel Ergebnisse, die auch kritische Ohren glücklich machen.
Zu einer kompletten Umgebung für die Musikproduktion gehören nach wie vor auch Gitarrenverstärker. Der Autor besaß in den letzten 20 Jahren Modelle von Mesa Boogie, H&K sowie Marshall und hatte die Gelegenheit, auch die meisten anderen Platzhirsche und Klassiker auszuprobieren. Nichtsdestotrotz blieb er schließlich bei Guitarix hängen – es erwies sich als der Verstärker, mit dem sich die am besten klingenden Aufnahmen machen lassen. Die Nachbarn freuen sich, dass Guitarix auch über Kopfhörer rocken kann.
Linux-Hosts für Calf, Guitarix und BioTek
Calf und Guitarix laufen als eigenständige Anwendungen und bringen ihre Module als LV2-Plugins mit. Bei der Standalone-Anwendung von Calf handelt es sich um einen einfachen Plugin-Host für LV2, das auf die Calf-Module voreingestellt ist. Dazu gibt es ein einfaches Werkzeug zum Verkabeln der geladenen Module sowie die Möglichkeit, Setups zu speichern. Guitarix bietet als Anwendung deutlich mehr: Es kann selbst LV2- und LADSPA-Effekte laden, agiert also auch als Host, in dem Sie die Effekte von Calf nutzen können.
BioTek ist allerdings ein LXVST-Plugin, basiert also auf der nativen Linux-Variante des von Steinberg entwickelten VST-Formats. Weder Calfjackhost noch Guitarix unterstützen diese Plugin-Schnittstelle. Es bietet sich also an, eine Host-Software zu benutzen, die mehrere verschiedene Formate gleichzeitig ein- und verbinden kann. In diese Kategorie fiele theoretisch auch Ardour, das aber im Test BioTek nicht erfolgreich in Gang bringen konnte. Auch Qtractor kam mit BioTek nicht zurecht. Als Universallösung für solche Fälle hat sich Paolo Coelhos Carla [6] erwiesen: Dort lassen sich alle in Linux überhaupt verfügbaren Plugin-Typen laden, intuitiv verkabeln und via MIDI fernsteuern (Abbildung 7).
Da es Carla selbst auch als LXVST-Modul gibt, lässt es sich verwenden, um LV2-Plugins in Hosts zu verwenden, die das Format nicht direkt unterstützen. Beispiele wären Bitwig Studio und Tracktion 7, in denen man auf dem Umweg über Carla auch Calf und Guitarix nutzen kann.

Abbildung 7: Etwas umständlich, aber voll funktionstüchtig: die Preset-Auswahl für Monosynth in Carla.
Der Autor
Hartmut Noack arbeitet in Celle und Hannover als Dozent, Autor und Musiker. Sitzt er nicht gerade vor seiner Linux-DAW, treibt er sich auf Webservern herum. Auf seinem eigenen unter http://lapoc.de können Sie CC-lizenzierte klingende Ergebnisse seiner Arbeit mit freier Musiksoftware herunterladen.
Infos
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Guitarix: http://guitarix.org
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Tim Goetzes C*-Gitarreneffekte: http://quitte.de/dsp/caps.html
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BioTek (Shop): https://marketplace.tracktion.com/app/tracktion-biotek
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Plugin-Host Carla: http://kxstudio.linuxaudio.org/Applications:Carla





