Linux-taugliche DVB-Tuner zusammen mit Kaffeine im Test

Aus LinuxUser 01/2017

Linux-taugliche DVB-Tuner zusammen mit Kaffeine im Test

© maksym yemelyanov, 123RF

Hochauflösend

Linux gilt nicht gerade als ideale TV-Plattform. Doch mit der richtigen Hardware machen Sie in wenigen Handgriffen aus einem Linux-Rechner einen vollwertigen Fernseher mit integriertem Videorekorder.

DVB-T-Tuner in Gestalt eines USB-Sticks ermöglichen an Computern problemlos den kabellosen Empfang des lokalen Fernsehprogramms mit verschiedensten Komfort-Funktionen. Insbesondere bei digitalen Nomaden, die häufig mit einem Notebook unterwegs sind, ersetzen die kleinen Sticks daher oft den Fernseher im Wohnzimmer.

Unter Linux war der Einsatz eines DVB-Tuners allerdings bislang häufig mit Stolpersteinen gepflastert: Aufgrund proprietärer Firmware-Module – wenn es sie denn überhaupt für Linux gab, musste man Sie oft manuell installieren – ließen sich DVB-Tuner in den seltensten Fällen ohne zeit- und arbeitsaufwendige Konfiguration nutzen.

Aus diesem Grund wirft dieser Artikel einen ausführlichen Blick auf aktuelle DVB-Sticks, die laut Angaben der Hersteller auch unter Linux ihren Dienst verrichten und daher einen schnellen Einstieg in das Fernsehen am Computer versprechen.

Standards

Der digitale DVB-Empfangsstandard (“Digital Video Broadcasting”) gliedert sich in unterschiedliche Spezifikationen, weshalb die jeweiligen Tuner sich entweder für den terrestrischen Empfang (DVB-T) eignen oder den Empfang via Satellit (DVB-S) beziehungsweise über einen Kabelanschluss (DVB-C). Dabei empfangen die Geräte sowohl TV- wie auch Radiosendungen.

Inzwischen gibt es mit DVB-T2, DVB-S2 und DVB-C2 Weiterentwicklungen der ursprünglichen Spezifikationen, die in vielen Ländern bereits flächendeckend zum Einsatz kommen. In Deutschland startet der Regelbetrieb von DVB-T2 im Frühjahr 2017, der Regelbetrieb soll bis Mitte 2019 erreicht sein. Spätestens ab diesem Zeitpunkt werden die alten DVB-T-Empfänger obsolet.

In Österreich lässt sich das Fernsehprogramm in den Regionen Innsbruck und Bregenz bereits via DVB-T2 empfangen, wobei die flächendeckende Einführung bis in das Jahr 2017 andauert. Als einziges Land in Europa hat bislang Großbritannien DVB-T2 in HD-Qualität als Free-View-Variante flächendeckend eingeführt.

Im direkten Vergleich zum Vorgänger bietet DVB-T2 eine bessere Auflösung und mehr Sender. Allerdings beschreitet Deutschland einen europaweit einzigartigen Sonderweg bei der Einführung von DVB-T2: Während unsere Nachbarstaaten das moderne terrestrische Digitalfernsehen auf Basis des etablierten H.264-Codecs umsetzen, kommt in Deutschland der H.265-Codec zum Einsatz. Reine DVB-T-Empfänger können daher keine DVB-T2-Signale empfangen und sind daher spätestens nach der Abschaltung der DVB-T-Sender ein Fall fürs Recycling.

Hardware-Chaos

Im Markt der portablen DVB-Tuner tummeln sich mehrere etablierte Hersteller von Tunern, Demodulatoren und USB-Schnittstellen. Als Marktführer gelten hier Silicon Labs, Empia sowie Cypress Semiconductor. Auch Produkte von Panasonic, Sony und Realtek lassen sich gelegentlich finden.

Während es für die Tuner und Demodulatoren der Marktführer meist zeitnah nach Erscheinen eines neuen Modells Linux-Support gibt, finden sich Exoten meist nicht in der Liste unterstützter Geräte. Es empfiehlt sich daher, vor dem Kauf eines neuen Empfängers zu prüfen, ob dieser auch wirklich unter Linux funktioniert [1].

Für den Empfang von TV-Signalen auf dem Computer via DVB benötigen Sie nun neben den entsprechenden Video-Codecs eine TV-Anwendung. Unter Linux stehen dazu mehrere Applikationen bereit, die unterschiedlich stark auf den Fernsehempfang fokussieren und deshalb auch verschiedene Bedienkonzepte verfolgen.

Software

Zu den bekanntesten Desktop-Anwendungen für den Fernseh- und Radioempfang zählen Me TV [2] für GTK-basierte Arbeitsumgebungen wie Gnome, LXDE oder XFCE sowie Kaffeine [3] für Qt-basierte Oberflächen wie KDE Plasma. Daneben eignen sich jedoch auch die universellen Abspielprogramme wie Mplayer, Xine und VLC für den Einsatz als Fernsehempfänger.

Mit Kodi [4], dem früheren XBMC, lässt sich der Fernsehempfänger zudem nahtlos in einen Mediacenter-PC integrieren. Unter Linux fallen als Voraussetzung für den problemlosen Einsatz eines DVB-Empfängers außerdem der H.264- und der H.265/HEVC-Video-Codec an, die sich üblicherweise über die Paketverwaltung nachinstallieren lassen.

Den für den DVB-T2-Empfang in Deutschland zwingend erforderlichen H.265-Codec müssen Sie dabei meist zusätzlich auch manuell in Applikationen wie den VLC-Player integrieren: Häufig wandert der erst 2013 normierte Codec bei der Installation der Abspielsoftware nicht automatisch gleich mit auf dem Massenspeicher.

Probanden

Im Test mussten der PCTV-tripleStick-292e-Tuner [5] sowie der Hauppauge WinTV-dualHD-Stick [6] ihr Können unter Linux beweisen (Abbildung 1). Beide DVB-Empfänger unterstützen neben DVB-T auch das kommende DVB-T2-Fernsehen und darüber hinaus Kabelfernsehen via DVB-C. Damit bieten sie nicht nur Zukunftssicherheit, sondern lassen sich auch universell einsetzen.

Abbildung 1: Die beiden Hybrid-Sticks (oben) fallen nicht größer aus als ein älterer reiner DVB-T-Stick (unten).

Abbildung 1: Die beiden Hybrid-Sticks (oben) fallen nicht größer aus als ein älterer reiner DVB-T-Stick (unten).

Der Hauppauge-Empfänger bietet zusätzlich noch ein besonderes Schmankerl: Er verfügt über zwei simultan einsetzbare Tuner, von denen einer beispielsweise einen Kanal aufnehmen kann, während Sie gleichzeitig einen anderen ansehen. Beim PCTV-Stick müssen Sie sich auf einen Sender beschränken.

Fernsehfreunde aus Deutschland sollten jedoch beachten, dass beide Sticks nicht über einen Hardware-H.265/HEVC-Dekoder verfügen. Somit muss der Computer die Aufgabe übernehmen, den Datenstrom zu dekodieren, was einen höheren Rechenaufwand bedeutet. Ältere PC-Systeme mit Dual-Core-Prozessoren eignen sich daher in Deutschland nur bedingt für den Full-HD-Empfang mit DVB-T2, da es hier eventuell beim Bildaufbau durch Überlastung der Hardware zu Rucklern kommt.

Vollausstattung

Beide Empfänger kommen mit einer umfangreichen Ausstattung: Neben dem Tuner in Form eines USB-2.0-Sticks befinden sich in den Verpackungen noch jeweils eine Fernbedienung mitsamt Knopfzelle, ein kleiner Rundstrahler als Zimmerantenne sowie entsprechende Kabel mit den benötigten Anschlüssen. Die ebenfalls jeweils beiliegende Kurzanleitung sowie die CDs mit Software und Treibern brauchen Sie als Linux-Anwender erst gar nicht auszupacken.

Dem PCTV-tripleStick-Empfänger liegt darüber hinaus ein Adapter für den Antennenanschluss bei, mit dessen Hilfe Sie eine mit einem herkömmlichen IEC-Stecker versehene Antenne an der im Stick verbauten MCX-Buchse anschließen können. Die im Lieferumfang befindliche Zimmerantenne des PCTV-tripleStick verfügt ebenfalls über einen MCX-Stecker.

Zum Vergleich der Treiber- und Empfangsqualität müssen sich die zwei Testkandidaten mit einem älteren Hauppauge WinTV-Nova-T-Stick messen. Der unterstützt zwar nur den DVB-T-Empfangsmodus, die für den TV-Stick benötigten Kernel-Module und Firmware-Dateien werden jedoch schon seit Jahren gepflegt und gelten als sehr stabil.

PCTV-tripleStick

Das kompakte Gehäuse des PCTV-tripleStick verfügt über einen Schiebemechanismus, der den USB-Anschluss während des Transports abdeckt und somit vor unerwünschten mechanischen Einwirkungen und Beschädigungen schützt. An der Rückseite des Gerätes findet sich der MCX-Antennenanschluss, den Sie mit der mitgelieferten Antenne verbinden müssen.

Als einzige Statusanzeige besitzt der PCTV-Empfänger an der Oberseite des Gehäuses eine blau leuchtende LED. Im Inneren des kompakten Receivers arbeiten ein Silicon-Labs-Tuner des Typs Si2157-A30 und ein Demodulator Si2168-B40 desselben Herstellers. Als USB-Bridge fungiert ein Baustein vom Typ Empia EM28178. Beim Test unter Linux erkannten verschiedenste Distributionen die Bausteine problemlos und luden die entsprechenden Module.

Die Firmware für den Demodulator war jedoch durchgängig nicht in den Distributionen enthalten: So sprachen sowohl ROSA Linux Fresh R8 als auch Mageia 5 und Linux Mint 18 “Sarah” den Si2157-Tuner ohne Probleme an, während in allen drei Distributionen die zwei benötigten Firmware-Dateien für den Si2168-Baustein fehlten.

Daher lässt sich der PCTV-Stick nicht sofort ohne manuelle Installation in Betrieb nehmen. Im Internet stehen jedoch die benötigten Firmware-Dateien zum Herunterladen bereit [7]. Diese Dateien müssen Sie mit Root-Rechten in das Verzeichnis /lib/firmware/ kopieren. Danach ist auch der Demodulator empfangsbereit.

Hauppauge WinTV-dualHD

Der Hauppauge-Stick fällt durch seine etwas größeren Maße auf und erreicht damit ähnliche Abmessungen wie ältere DVB-USB-Empfänger. Drei an der Gehäuseseite angebrachte Status-LEDs signalisieren den Betriebszustand, über einen handelsüblichen IEC-Antennenanschluss koppeln Sie die Antenne an.

Den Hauppauge-Empfänger gibt es in zwei technisch unterschiedlichen Varianten, die sich jedoch äußerlich nicht unterscheiden. Die Typenbezeichnungen finden Sie aufgedruckt auf der Vorderseite der Verpackung. Achten Sie beim Kauf darauf, nicht das Modell 1595 zu erwischen: Es funktioniert unter Linux aufgrund fehlender Kernel-Module grundsätzlich nicht.

Das Modell 1590 erkennt der aktuelle Linux-Kernel jedoch ohne weiteres Zutun – zumindest seit Kernel  4.7, für ältere Releases gibt es keine passenden Kernel-Module. Bislang nutzen nur wenige Linux-Distributionen voreingestellt den Kernel 4.7 oder neuer. Dazu gehören derzeit vor allem experimentelle Zweige wie OpenSuse “Tumbleweed”, Fedora “Rawhide”, Mageia “Cauldron” oder Rolling-Release-Distributionen wie Arch Linux.

Wie der PCTV-tripleStick-Empfänger arbeitet auch der Hauppauge-Stick mit einem Tuner und Demodulator von Silicon Labs, und zwar ebenfalls mit den Modellen Si2168-B40 und Si2157-A30. Somit tritt beim Einsatz des Hauppauge-Modells dieselbe Firmware-Problematik auf wie beim kleineren Gerät von PCTV. Wieder gilt es die Firmware herunterzuladen und diese nach /lib/firmware/ zu schieben. Mit einer gut gegliederten Anleitung [8] gibt Hauppauge die entsprechenden Schritte vor.

No Problem

Im Rahmen des Tests kommen das russische ROSA Linux R8, der Ubuntu-Abkömmling Linux Mint 18 “Sarah” sowie das auf OpenSuse “Tumbleweed” basierende Gecko Linux Rolling 999.161031 zum Einsatz, jeweils in der 64-Bit-Version. Da die Hersteller auf den mitgelieferten CDs keine TV-Anwendungen für Linux bereitstellen, dient der universelle Mediaplayer Kaffeine als TV-Programm. Aufgrund seiner einfachen Konfiguration und Bedienbarkeit eignet sich die Anwendung bestens als digitales “TV-Gerät”.

Der Installationsaufwand beschränkt sich auf das Herunterladen und Einspielen der Firmware. Ansonsten unterstützt der Kernel der ausgewählten Distributionen die Sticks ohne weiteres Zutun. Die für den älteren Nova-TV-Stick nötige Firmware ist bereits in die Linux-Distributionen eingepflegt, sodass dieser aus dem Stand funktioniert.

Bei den beiden DVB-T2-fähigen Probanden mussten wir nur die Firmware-Dateien aus dem Internet einbinden. Lediglich der erst seit kurzer Zeit erhältliche WinTV-dualHD-Stick zeigte sich unter Rosa Linux und Linux Mint noch nicht einsatzbereit: Hier fehlen in den stabilen Versionen noch die entsprechenden Kernel-Module. Gecko Linux mit Kernel-Version 4.8.4 dagegen verfügt von Haus aus über das Modul, sodass sich der brandneue Hauppauge-Stick mit dem amerikanischen OpenSuse-Derivat betreiben lässt.

Installation

Nach dem Einspielen der Firmware für den jeweiligen TV-Stick stecken Sie diesen an, rufen Kaffeine auf und wählen im Eingangsbildschirm den Schalter Digitales Fernsehen. Die Software öffnet daraufhin das Wiedergabefenster, wobei Sie zunächst über den Menüpunkt Fernsehen das Programm konfigurieren müssen.

Der aufzurufende Menüpunkt Configure Television… öffnet einen übersichtlichen Dialog, in dem Sie im Reiter Allgemeine Einstellungen zunächst den Pfad für die Aufnahme und den Zeitversatz angeben. Anschließend klicken Sie auf die Schaltfläche Suchlaufdaten über Internet aktualisieren, woraufhin das Programm eine aktuelle Senderliste aus dem Netz lädt.

Im rechts daneben befindlichen Reiter Gerät**1 führen Sie den eigentlichen Suchlauf durch. Dazu suchen Sie entweder im Auswahlfeld Quelle: einen Ort aus, der dem Empfangsstandort naheliegt, oder Sie wählen die Option Automatischer Suchlauf an, um den Tuner automatisch nach Sendern suchen zu lassen.

Danach schließen Sie das Fenster mit einem Klick auf OK und wechseln im primären Fenster im Menü Fernsehen zur Option Kanäle. Im sich daraufhin öffnenden Dialog prüfen Sie im Feld Quelle: zunächst die Empfangsart: Hier sollte voreingestellt Terrestrisch stehen. Hat Ihr Tuner DVB-C als Empfangsquelle aktiviert, so müssen Sie an dieser Stelle die Quelle entsprechend umstellen.

Anschließend klicken Sie auf die darunterliegende Schaltfläche Suchlauf starten. Der Empfänger sucht nun nach verfügbaren Stationen und zeigt diese rechts im Fenster im Listenfeld Suchergebnisse an. Für Radio- und Fernsehsender stellt Kaffeine dabei zur besseren Orientierung dem jeweiligen Sendernamen verschiedene Symbole voran (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Starten des Sendersuchlaufs gestaltet sich unter Kaffeine sehr einfach. Hier sucht das Programm via DVB-T nach Stationen.

Abbildung 2: Das Starten des Sendersuchlaufs gestaltet sich unter Kaffeine sehr einfach. Hier sucht das Programm via DVB-T nach Stationen.

Nach Abschluss des Sendersuchlaufs lässt sich im Bereich Filter unten mittig im Einstellfenster die Liste der im Programm angebotenen Sender einschränken: Möchten Sie beispielsweise keine Radiosender empfangen, sondern nur frei verfügbare TV-Sender, dann setzen Sie hier ein Häkchen vor den Optionen Freie Programme und Fernsehen, während Sie die Option Radio unberücksichtigt lassen.

Nach einem Klick auf die darunter befindliche Schaltfläche Gefilterte hinzufügen übernimmt Kaffeine die Sender in den links angeordneten Listenbereich Kanäle. Durch einen anschließenden Klick auf OK schließen Sie das Fenster. Im nun erneut im Vordergrund befindlichen Hauptfenster sehen Sie nun links die Senderliste, während sich rechts die Anzeigefläche für das Programm befindet.

Durch einen Klick auf den gewünschten Sender starten Sie dessen Programmanzeige (Abbildung 3). Einzelne Sender lassen sich bei Bedarf jederzeit aus der Senderliste entfernen, indem Sie mit einem Rechtsklick im Kanäle-Fenster den zu löschenden Sender anwählen, ihn markieren und im sich öffnenden Kontextmenü den Eintrag Remove nutzen.

Abbildung 3: So turbulent geht es beim TV-Empfang unter Linux längst nicht mehr zu. Verschlüsselt darf der Sender jedoch nicht sein.

Abbildung 3: So turbulent geht es beim TV-Empfang unter Linux längst nicht mehr zu. Verschlüsselt darf der Sender jedoch nicht sein.

Aufnahme

Kaffeine gestattet neben der Anzeige des aktuellen Fernsehprogramms auch das Aufzeichnen von Fernsehsendungen auf der Festplatte. Dazu verschaffen Sie sich zunächst im Programmführer einen Überblick über das verfügbare Angebot. Sie öffnen den EPG über das Menü Fernsehen | Programmführer, woraufhin das Programm in einem gesonderten Fenster das Sendeangebot (nach Empfangsstationen geordnet) mit Kurzinformationen zu den einzelnen Sendungen anzeigt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der elektronische Programmführer füllt sich durch das TV-Signal und informiert Sie über das aktuelle TV-Programm.

Abbildung 4: Der elektronische Programmführer füllt sich durch das TV-Signal und informiert Sie über das aktuelle TV-Programm.

Hier wählen Sie die aufzunehmende Sendung aus: Durch einen Klick auf den Schalter Record Show fügen Sie der Aufnahmeliste den gewählten Eintrag hinzu. Kaffeine zeigt die Programmierung optisch durch eine Einrückung vor dem Titel sowie einen vorangestellten roten Punkt an. Einen Überblick über alle programmierten Sendungen erhalten Sie über die Aufnahmeliste, die Sie unter Fernsehen | Aufnahmeplan aufrufen (Abbildung 5).

Abbildung 5: In der Aufnahmeliste finden Sie einen Überblick über alle im Videorekorder programmierten Sendungen.

Abbildung 5: In der Aufnahmeliste finden Sie einen Überblick über alle im Videorekorder programmierten Sendungen.

Kaffeine beginnt nun automatisch mit der Aufnahme, unabhängig davon, ob Sie selbst gerade einen Sender abspielen. Für gleichzeitiges Aufnehmen eines Senders und Abspielen eines anderen benötigen Sie allerdings einen DVB-Stick mit zwei Tunern. Handelt es sich um Sendungen, die regelmäßig laufen, wie etwa an bestimmten Wochentagen ausgestrahlte Serien, dann passen Sie den Eintrag in der Aufnahmeliste über den Schalter Edit entsprechend an. Kaffeine sichert die Dateien im MPEG-2-Format im voreingestellten Verzeichnis, sodass diese sich anschließend mit allen gängigen Videoplayern wiedergeben lassen.

Gelegentlich kommt es vor, dass Sendungen aufgrund kurzfristiger Programmänderungen früher oder später als programmiert beginnen und dementsprechend auch nicht zur vorgesehenen Zeit enden. Damit Sie in solchen Situationen nicht Ihre Lieblingssendung verpassen, lässt sich Kaffeine entsprechend anpassen. Im Menü Fernsehen | Configure Television veranlassen Sie über die Optionen Begin margin (minutes): und End margin (minutes):, dass die Aufnahme jeweils einige Minuten früher beginnen und erst einige Minuten nach dem voreingestellten offiziellem Sendungsende enden.

In der Praxis

Die beiden DVB-T2-Probanden glänzten im Praxistest in Kombination mit Kaffeine mit einer insgesamt überdurchschnittlich guten Leistung. Sie ließen sich problemlos einrichten und zeigten beide einen sehr guten Empfang, wobei selbst mit der mitgelieferten kleinen Zimmerantenne keine Probleme bei geringer Empfangsleistung auftraten, wie etwa störende Artefakte im Bild (“Klötzcheneffekt”).

Allerdings besteht bei der Treiberunterstützung noch Verbesserungsbedarf. So visualisiert der ältere Nova-T-Stick (mit Microtune-Empfänger und Dibcom-Demodulator) bei der Kanalsuche auch jeweils die Signalstärke durch einen Balken. Bei den beiden Hybrid-Sticks mit Tuner und Demodulator von Silicon Labs dagegen lassen sich bisher noch keine Empfangsstärken ablesen. Daher kann man beim Einrichten des Geräts in Kaffeine nicht direkt ablesen, ob ein störungsfreier terrestrischer Empfang des jeweiligen Senders klappt.

Bei allen drei Sticks stach deren erfreulich geringer Ressourcenhunger positiv ins Auge: Auch beim Aufzeichnen einer Sendung im Hintergrund steigt die Systemlast nicht merklich an. Ein Manko betrifft jedoch den erst seit kurzer Zeit angebotenen Hauppauge-dualHD-Stick: Das Kernel-Modul unterstützt unter Linux bislang nur einen der zwei Tuner, sodass ein Parallelbetrieb mit Empfang einer Fernsehsendung bei gleichzeitigem Aufzeichnen einer anderen noch nicht funktioniert.

Fazit

Vor einigen Jahren musste man noch viel basteln, um einen TV-Stick unter Linux zum Funktionieren zu bewegen. Diese Zeiten sind definitiv vorbei: Zwar muss man bei vielen Geräten noch immer proprietäre Firmware manuell ins Betriebssystem integrieren, doch die Treiberausstattung des Kernels fällt inzwischen recht gut aus.

Auch die Mediaplayer sind als TV-Anwendungen gereift. Kaffeine etwa zeigt nicht nur das aktuelle Fernsehbild an, sondern beherrscht auch den Umgang mit dem elektronischen Programmführer (EPG) und gestattet Aufnahmen des laufenden Programms. So steht also mobilem Fernsehvergnügen auf dem Linux-PC nichts mehr im Weg. 

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