Nicht ohne Grund gehört OpenSuse zu den beliebtesten Distributionen in Deutschland. In der aktuellen Version zeigen die Nürnberger aufs Neue, warum das so ist.
Mit einer Verzögerung von satten vier Monaten entließ der Nürnberger Distributor OpenSuse (http://www.opensuse.org) sein jüngstes Gewächs in die Freiheit, die Version 13.2. Die Verspätung begründeten die Macher unter anderem damit, dass sie zeitlich an andere Projekte gebunden seien, deren Weiterentwicklung sich verzögert habe. Gleichzeitig appellierten sie an die Community, sich stärker zu engagieren. Ein Grund dafür dürfte sein, dass OpenSuse die beiden Rolling-Release-Kandidaten “Thumbleweed” und “Factory” mit Erscheinen von Version 13.2 zu einer Distribution zusammenfassten.
Was gibt’s Neues
Den Unterbau der neuen Version stellen der Kernel *3.16.6 zusammen mit dem X-Server 1.16 bereit. Wie üblich kümmerten sich die Nürnberger zunächst einmal um die Modellpflege. So hoben sie praktisch alle verfügbaren Programme auf den derzeit aktuellsten Stand, so auch auch die Desktop-Umgebungen. Eine Aufstellung der aktuellen Programmversionen zeigt die Tabelle “Neue Software”.
Neue Software
| Software | Version |
|---|---|
| Kernel | 3.16.6 |
| X-Server | 1.16 |
| GCC | 4.8 |
| OpenSSH | 6.6 |
| Glibc | 2.19 |
| KDE | 4.14.2 |
| Gnome | 3.14 |
| IceWM | 1.3.8 |
| LibreOffice | 4.3.2.2 |
| Amarok | 2.8.0 |
| K3b | 2.02 |
| Mozilla Firefox | 33.0 |
| Gimp | 2.8.14 |
| Digikam | 4.3.0 |
| Kaffeine | 1.2.2 |
| Gwenview | 4.14.0 |
| Kopete | 1.6.6.0 |
| Okular | 0.20.2 |
Das in der Grundeinstellung angewählte KDE kommt in Version 4.14.2 auf die Platte; einen Vorgeschmack auf KDE 5 vermittelt nach der Installation per sudo zypper install plasma5-desktop der Plasma-Desktop 5.1 (Abbildung 1) aus den Standard-Repositories. Da er im Konflikt mit KDE 4 steht, lässt er sich jedoch erst nach der Deinstallation diverser KDE-4-Pakete einrichten. Darüber hinaus gilt es, zu beachten, dass die Distribution dann den Standard-Desktop auf IceWM setzt, den sie automatisch mitinstalliert. Um KDE 5 zu verwenden, aktivieren Sie im Anmeldefenster unten links den Eintrag KDE Plasma Workspace.

Abbildung 1: Plasma 5.1 gewährt einen Ausblick auf das neue KDE 5, das in mancher Hinsicht einen Paradigmenwechsel darstellt. Dieser offenbart sich beispielsweise im neuen K-Menü.
Auch Nutzer von Gnome kommen voll auf ihre Kosten: Ihnen bietet das neue OpenSuse die Version 3.14 des Desktops.
Installation
Schon beim ersten Start fällt das aufgeräumte und moderne Design des Installers auf. Anstelle des bisherigen, verschnörkelten Designs erscheint eine sachliche, aber durchaus ansprechende Oberfläche, die auch in der Farbgebung andere Wege geht. So dominieren jetzt die Farben Blaugrün und Azur und lösen damit die mehr oder weniger komplett in Grün gehaltene Oberfläche ab.
Im Gegensatz zur Vorgängerversion legt OpenSuse 13.2 nun automatisch eine eigene Home-Partition an. Dabei fällt die Abkehr vom bisher verwendeten Ext4-Dateisystem auf. An seine Stelle tritt für die Root-Partition Btrfs und für das Home-Verzeichnis XFS. Um diese Vorauswahl zu ändern, klicken Sie im Installationsdialog Vorschlag für die Partition auf die Schaltfläche Ändern der Vorschlagseinstellungen (Abbildung 2).

Vorschlagseinstellungen des Installers.” width=”300″ height=”226″ />
Abbildung 2: Anders als bisher legt OpenSuse bereits in der Grundeinstellung eine eigene Home-Partition an. Das Ändern Sie in denVorschlagseinstellungen des Installers.Darin weisen Sie den verschiedenen Partitionen andere Dateisysteme zu oder deaktivieren das Anlegen einer eigenen Home-Partition. Darüber hinaus sehen Sie unterhalb von Dateisystem für die Rootpartition die aktivierte Checkbox Snapshots aktivieren. Dieses Novum sorgt dafür, dass OpenSuse – analog zu den Wiederherstellungspunkten unter Windows – in regelmäßigen Abständen Snapshots vom System erstellt, die es Ihnen erlauben, einen früheren Zustand wiederherzustellen.
Im Dialog Arbeitsumgebung auswählen legen Sie fest, welchen Desktop Sie verwenden möchten. Neben den Standards KDE und Gnome bietet der Installer unter Andere unter anderem den XFCE Desktop und den LXDE Desktop an. Die extrem schlanke Alternative IceWM installiert die Distribution von Haus aus mit. Eine Mehrfachauswahl erlaubt der Installer an dieser Stelle jedoch nicht. Möchten Sie beispielsweise neben KDE direkt Gnome mitinstallieren, wechseln Sie in der Zusammenfassung Installationseinstellungen in die Rubrik Software und aktivieren darin GNOME Desktop Environment oder Gnome Base System.
Anders als in älteren Versionen startet OpenSuse nach der Installation ohne vorherigen Reboot direkt in die gewählte Standardoberfläche.
OpenSuse 13.1 auf 13.2 aktualisieren
Wer eine OpenSuse-13.1-Installation sein Eigen nennt, benötigt zum Update nicht zwangsläufig die aktuelle Version auf einem Datenträger. Mit wenigen Handgriffen erledigen Sie das auch aus den Repositories heraus. Da bei einem Systemupdate immer etwas schiefgehen kann, sollten Sie zuvor in jedem Fall Ihre persönlichen Dateien sichern.
Im ersten Schritt bringen Sie als Root das System mit den Aufrufen zypper ref und zypper up auf den neuesten Stand. Danach deaktivieren Sie mit zypper mr -adR sämtliche Repositories und fügen nach dem Schema zypper ar -n "Name" URL "Alias" wie in Listing 1 beschrieben die neuen Repos von OpenSuse 13.2 hinzu. Das gilt auch für zusätzliche Repositories, etwa das von Packman.
Die eigentliche Aktualisierung erledigen anschließend die Befehle zypper clean -a, zypper ref und zypper dup. Nach einem Reboot steht das runderneuerte System zum Einsatz bereit.
Listing 1
# zypper ar -n "openSUSE-13.2 OSS" http://download.opensuse.org/distribution/13.2/repo/oss/ repo-13.2-oss # zypper ar -n "openSUSE-13.2 Non-OSS" http://download.opensuse.org/distribution/13.2/repo/non-oss/ repo-13.2-non-oss # zypper ar -f -n "openSUSE-13.2 Updates OSS" http://download.opensuse.org/update/13.2/ repo-13.2-update-oss # zypper ar -f -n "openSUSE-13.2 Updates Non-OSS" http://download.opensuse.org/update/13.2-non-oss/ repo-13.2-update-non-oss
Erster Start
Schon bei der ersten Anmeldung am frisch installierten System fallen die neuen Piktogramme auf, die deutlich moderner wirken als die bisherigen. Das betrifft sowohl die Taskleiste als auch das Startmenü und den Universalverwalter YaST (Abbildung 3).

Abbildung 3: Rechts alt, links neu: OpenSuse spendierte seinem System – hier sehen Sie YaST – neben neuer Farben auch neue Piktogramme, die deutlich moderner wirken als die bisherigen.
Wer OpenSuse 13.2 zunächst in Vmware ausprobieren möchte, weiß es sicher zu schätzen, dass es die nötigen Treiber für viele relevanten Funktionen bereits mitbringt. Dazu zählen das automatische Anpassen der Bildschirmgröße, das nahtlose Wechseln des Mauszeigers sowie Drag & Drop von Dateien in beide Richtungen. Im Test funktionierte allerdings der Unity-Modus nicht, der Programmfenster isoliert vom Desktop auf dem Wirtssystem darstellt; dasselbe galt für die Freigabe von Ordnern des Wirts im Gastsystem.
Eine weitere, längst überfällige Anpassung: OpenSuse führt nun endlich systemnahe Kommandos auch via Sudo aus. Auch dem Dateimanager Dolphin spendierten die Entwickler durchaus sinnvolle Erweiterungen. So gewährt die Seitenleiste jetzt direkten Zugriff auf kürzlich aufgerufene Dokumente und erlaubt die Suche nach bestimmten Dateitypen aus dem Menü heraus (Abbildung 4).

Abbildung 4: Als markanteste Änderungen am Dateimanager Dolphin (rechts die neue Version) fallen der direkte Zugriff auf den Verlauf kürzlich aufgerufener Dokumente und die Suchmöglichkeiten nach Dateitypen ins Auge.
Auf Knopfdruck neu
Eine der wichtigsten Neuerungen, die OpenSuse bietet, findet sich allerdings unter der Haube. Sie nennt sich Snapper und erlaubt es, bestimmte Systemzustände festzuhalten und bei Bedarf wiederherzustellen. Das erklärt auch, warum in OpenSuse 13.2 Btrfs als Dateisystem für das Root-Verzeichnis zum Einsatz kommt: Es unterstützt diese Technik direkt.
Sie finden Snapper in YaST unter der Rubrik Verschiedenes. In der Grundeinstellung ist das Feature bereits aktiviert und protokolliert automatisch sämtliche Veränderungen am System mit, erlaubt aber auch das Anlegen eigener Snapshots – etwa dann, wenn Sie ein neues Programm ausprobieren möchten. Ein Klick auf den Eintrag Snapper öffnet den Konfigurationsdialog, in dem Sie unter Create einen neuen Snapshot erzeugen.
Um den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen, klicken Sie zunächst auf Show Changes. Daraufhin zeigt das Tool sämtliche Verzeichnisse, in denen sich etwas verändert hat (Abbildung 5). Je nach Umfang der Änderungen nimmt der Aufbau des Fensters einige Zeit in Anspruch. Aktivieren Sie danach alle Ordner, deren Inhalt Sie in den Ursprungszustand zurückversetzen möchten, und bestätigen Sie die Auswahl mit Restore Selected.

Abbildung 5: Snapper protokolliert permanent Veränderungen am System – und macht diese auf Knopfdruck auch wieder rückgängig.
Vor allem umfangreiche Wiederherstellungen dauern allerdings durchaus auch eine halbe Stunde oder länger. Jedoch gelangen im Test auch sehr komplexe Systemwiederherstellungen ohne Probleme, wie etwa das Recovery von KDE 5 auf KDE 4.
Fazit
Das lange Warten auf OpenSuse 13.2 hat sich im Rückblick rundum gelohnt: Das aktuelle Release stellt einen großen Wurf dar. Dabei gefällt besonders, dass die Entwickler dieses rundum befriedigende Ergebnis nicht durch radikale Veränderungen erzielten, sondern durch viele, sinnvolle Ergänzungen und Verbesserungen im Detail.
Glossar
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Btrfs
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Das häufig als “Butter FS” ausgesprochene, von Oracle entwickelte Copy-on-Write-Dateisystem unterliegt seit 2007 der GPL. Es weist zahlreiche Gemeinsamkeiten mit ZFS auf und bietet im Vergleich zu Ext3/4 diverse Zusatzfunktionen, wie einen erweiterten Speicherbereich, das Erstellen von Schnappschüssen, ein integriertes RAID sowie eine transparente Datenkompression.
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XFS
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Das von Silicon Graphics entwickelte Journaling-Dateisystem gibt es bereits seit Mai 2001 offiziell quelloffen für Linux ab Version 2.4. Es zeichnet sich vor allem durch die maximale Dateigröße von 8 EiByte und eine maximale Dateisystemgröße von 16 EiByte aus. Es unterstützt Blockgrößen von 512 Byte bis 64 Byte, Zugriffskontrolllisten und Quotas; darüber hinaus erlaubt es das Festlegen garantierter Schreib- und Leseraten (GRIO).





