Neues Media Center von Fluendo

Aus LinuxUser 05/2010

Neues Media Center von Fluendo

© Alex White, 123rf.com

Alleskönner

Mit dem Fluendo Media Player schnürt der spanische Multimediaspezialist preisgünstig ein komplettes Bündel aus komfortabler Medienzentrale, legalem DVD-Player und Codecs für alle wichtigen Formate.

Im Zeitalter der Digitalisierung von Inhalten rücken Computer und Unterhaltungselektronik immer enger zusammen. Dabei bietet das freie Betriebssystem Linux aufgrund seiner Vielfalt unterstützter Formate in allen Bereichen eine hervorragende Basis und hat sich in der Multimedia-Industrie bereits fest etabliert. Damit Sie Ihren heimischen PC zur Schaltzentrale für Audio-, Video- und Bildinhalte machen können, bringt Linux bereits von Haus aus alle nötigen Programme mit und bietet auch verschiedenste Codecs dazu an. Noch bequemer geht es, wenn Sie statt der verschiedenen Applikationen für audiovisuelle Daten eine einzige Software nutzen, die alle Inhalte darstellen kann – ein Media Center.

Vielfalt statt Einfalt

Während Sie andernorts bei proprietären Systemen ab Werk mit einer einzigen Applikation vorlieb nehmen müssen, die meistens wegen fehlender und obendrein kostenpflichtiger Codecs nur einen schwarzen Bildschirm anzeigt, bietet Linux verschiedene Media-Center-Applikationen an. Bei der professionellen Entwicklung von multimedialen Codecs für Linux hat sich die spanische Firma Fluendo [1] auch hierzulande einen Namen gemacht. Fluendo bietet nunmehr sein Codec-Paket gemeinsam mit einem DVD-Player und dem Moovida Media Center [2] als Paket an. Die Software gibt es sowohl für 32-Bit- als auch 64-Bit-Systeme in Fluendos Online-Shop und daneben auch im einschlägigen Fachhandel.

Nutzen Sie das Fluendo Media Center, müssen Sie nur noch in den seltensten Fällen zusätzliche Codecs installieren: Die Software bringt nicht nur die proprietären Codecs und das Plugin-Set von Fluendo mit, sondern setzt auf das GStreamer-Framework auf, sodass das Media Center von Haus aus auch alle freien Formate problemlos wiedergibt. Der ins Gesamtpaket integrierte Fluendo DVD-Player ermöglicht den legalen Zugriff auf verschlüsselte Video-DVDs. Das Paket unterstützt unter anderem die Video- und Audio-Formate: DivX, H.264, AVI, ASF, FLV, OGG, MOV und WMV. Auch MPEG-2 und MPEG-4 sowie MP3 und WAV bereiten der Software keine Probleme.

Installation mit Hürden

Die Systemvoraussetzungen, die Fluendo für sein Media Center nennt, erscheinen auf den ersten Blick moderat: ein Rechner mit einer 1-GHz-CPU, sowie mindestens 512 MByte Hauptspeicher. Außerdem benötigt das Fluendo Media Center eine Grafikkarte, die bei 32 Bit Farbtiefe den OpenGL-Standard ab der Version 1.3 unterstützt. In der Praxis reichen diese Hardwarevoraussetzungen jedoch nicht zum Betrieb des Media Centers aus. Bei unseren Tests gelang es sogar auf einer etwas besser ausgestatteten Maschine weder unter OpenSuse 11.1 noch unter Ubuntu 9.10 oder Mandriva Spring 2009 das Media Center zur Mitarbeit zu bewegen.

Erst auf Rechnern, deren Prozessoren jenseits von zwei Gigahertz takten und die mit aktuellen Grafikkarten aufwarten, gelang es, die Software zu testen. Für ATI-GPUs sollten Sie zudem die von AMD bereitgestellten proprietären Treiber [3] nutzen: Mit den freien Treibern lässt sich aufgrund extremer Reaktionszeiten bei einige Grafikkarten-Typen die Software kaum bedienen. Auch auf Rechnern mit Intel-Grafikchips gilt es sich beim Betrieb des Media Centers auf Einschränkungen einzustellen: Bei unseren Tests gelang es zwar, die Applikation zu starten, jedoch war eine flüssige Bedienung nicht möglich.

Nach abgeschlossener Installation und Auswahl des Grafiktreibers können Sie das eigentliche Media Center auf die Platte packen. Fluendo stellt dazu sowohl 32-Bit- als auch 64-Bit-Pakete für RPM- und DEB-basierte Distributionen bereit. Zusätzlich gibt es auch Tarballs, mit deren Hilfe Sie das Media Center auch auf Systemen installieren, die keinen der beiden großen Paketmanager nutzen.

Während der Installation legt die Routine unter Gnome im Menü Anwendungen | Unterhaltungsmedien einen Starter an. Nach einem Klick darauf öffnet sich das Media Center im Vollbildmodus und gibt eine intuitiv zu bedienende, selbsterklärende Oberfläche frei. Hier ordnen sich die verschiedenen Menüs nach Medien und Einstellungen sortiert in Spalten an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Oberfläche des Fluendo Media Centers fällt weitgehend selbsterklärend aus und lässt sich intuitiv bedienen.

Abbildung 1: Die Oberfläche des Fluendo Media Centers fällt weitgehend selbsterklärend aus und lässt sich intuitiv bedienen.

Medienbibliotheken

Im Hauptmenü finden Sie zunächst von links nach rechts angeordnet die Rubriken Musik, Filme und Bilder. Links und rechts verdeckt befinden sich weitere Spalten, die Sie über einen Mausklick auf Bildschirmrand erreichen: Die einzelnen Rubriken “laufen” dann zur Seite weg. Links von den drei Medienkategorien befinden sich die Spalten Geräte & Freigaben sowie Einstellungen. Letztere kommt wohl nur selten zum Einsatz, weil das Media Center die grundlegende Konfiguration wie beispielsweise Spracheinstellungen vom Linux-System bezieht.

Über die Rubrik Geräte & Freigaben nutzen Sie auch Ordner im Netz sowie Online-Dienste als Abruf- und Speicherorte für multimediale Dateien, wobei das Fluendo Media Center eine ganze Reihe von Protokollen für den Zugriff unterstützt. Hier fügen Sie Ihre Medienbibliotheken gruppiert nach Medienarten ein. Eine Tastatur brauchen Sie dazu nicht, da das Media Center die Anwahl der Dialoge komplett per Maus – oder alternativ auch per Fernbedienung – gestattet (Abbildung 2).

Abbildung 2: Media-Dateien erkennt das Fluendo Media Center automatisch.

Abbildung 2: Media-Dateien erkennt das Fluendo Media Center automatisch.

Haben Sie das Media Center mit Ihren Medienquellen bekannt gemacht, rufen Sie die Inhalte in den Rubriken Musik, Filme, Bilder, Fernsehsendungen und Internetmedien ab. Die Bedienung gestaltet sich dabei einheitlich: Unter der jeweiligen Rubrik finden sich Schaltflächen, die nach einem Mausklick in Untermenüs oder Listen verzweigen. In der Regel findet sich der komplette Dateibestand der entsprechenden Medienkategorie im Untermenü Bibliothek, aus dem Sie Wiedergabelisten zusammenstellen.

Dabei ruft das Media Center grafische Elemente, wie beispielsweise Albencover von Audio-CDs oder Video-DVDs, online ab und ordnet sie den Titeln zu. Im Untermenü Wiedergabelisten finden Sie unabhängig vom gewählten Medium Ihre Titel oder Alben nach der Häufigkeit des Aufrufs sortiert wieder. Haben Sie Filme abgespeichert, aber noch keiner Kategorie zugeordnet, so landen diese zunächst im Ordner Nicht eingeordnete Videos.

Bedienung

Eine außergewöhnlich umfangreiche Menüstruktur weist die Rubrik Musik auf. Hier können Sie Ihre Inhalte gruppiert nach Künstler, Titel oder Genre aufrufen. Eine pfiffige Suchfunktion rundet diese wohl meistbenutzte Kategorie ab: So blendet das Media Center bei Anklicken der Suche ein Eingabefeld mit einer Tastatur darunter ein. Per Fernbedienung oder Maus geben Sie nun die Suchbegriffe vor. Nach einem Klick auf die grüne Schaltfläche Enter präsentiert das Media Center die gefundenen Ergebnisse, aufgeschlüsselt in die Kategorien Album, Stück und Künstler. Dabei visualisiert es erste Treffer bereits während der Eingabe des Suchbegriffs transparent im oberen Bereich des Programmfensters (Abbildung 3).

Abbildung 3: Eine einfach zu bedienende Suchfunktion findet schnell das Gewünschte.

Abbildung 3: Eine einfach zu bedienende Suchfunktion findet schnell das Gewünschte.

Ein Klick auf die gewünschten Titel oder Alben startet den integrierten Player, der im unteren Bereich des Programmfensters selbsttätig ein Bedienfeld einblendet, mit dem Sie nicht nur die Lautstärke regeln, sondern auch den nächsten oder vorhergehenden Titel anwählen oder einen schnellen Vor- und Rücklauf vornehmen (Abbildung 4).

Abbildung 4: Der integrierte Audio-Player des Fluendo Media Centers gibt sich betont schmucklos.

Abbildung 4: Der integrierte Audio-Player des Fluendo Media Centers gibt sich betont schmucklos.

Eine Sonderstellung nehmen bei Fluendos Media Center die Kategorien Bilder und Internetmedien ein. Hier sind die Menüs betont schlicht gehalten. Fotos betrachten Sie nach Datum, Alben oder Bibliotheken sortiert, bei Bedarf auch in Form einer Slide-Show musikalischer Untermalung. In der Kategorie Internetmedien findet sich lediglich ein einziger Menüpunkt, Pikeo. Bei diesem Online-Dienst können Sie Bilder hochladen und für andere freigeben. Dazu benötigen Sie allerdings ein Konto bei Pikeo und müssen sich dort zunächst einloggen, um den Dienst zu nutzen. Als Lohn der Mühe durchsuchen Sie dann Pikeo-Verzeichnisse aus dem Media Center heraus online, ohne umständlich den Webbrowser bemühen zu müssen. Auch hier lassen sich einzelne Kategorien verwalten.

Über Plugins lassen sich jedoch eine ganze Reihe weiterer Webdienste für Fotos, Musik, Internet-Radio und Videos einbinden (siehe Tabelle “Fluendo Media Center im Überblick”), darunter beispielsweise Jamendo, Shoutcast, Flickr und YouTube.

Fluendo Media Center im Überblick

Hersteller Fluendo
Produkt Fluendo Media Center
Bezugsquelle http://www.fluendo.com/shop/product/fluendo-media-center/
Preis 39,99 Euro
Umfang Moovida Media Center, Fluendo DVD-Player, Fluendo Codec-Suite
Codecs und Protokolle
Netzwerk DAAP, Samba, UPnP
Audio AAC, AC3 (Dolby Digital), LPCM, MP3, WMA (Windows Media 7, 8, 9, 10, Pro, Lossless and Speech)
Video DivX 3.11, H.264/AVC Video Decoder, MPEG2, MPEG4 (Part 2), WMV (Windows Media 7, 8, 9 and VC1)
Sonstiges Windows Media MMS Protocol, Windows Media ASF Demuxer, MPEG2 Transport Stream und Program Stream Demuxer, MPEG4 ISO Container Demuxer, VDPAU und VAAPI (Totem ab 2.28.0, GStreamer ab 0.10.26)
Media Center
Features Audio-Playback, Video-Playback, Foto-Slide-Shows, Medienverwaltung (lokal, entfernt, Wechselmedien), weitgehend automatische Medienerkennung, Cover-Art-Einbindung, Erweiterung über Plugins
Internet-Dienste* Audio: Grooveshark, Jamendo, Shoutcast; Grafik: DeviantArt, Flickr, Pikeo; Video: Apple Trailers, Balzac, Game Trailers, Onion, RTBF, TED, YouTube
DVD-Player
Features Unterstützung für codierte DVDs, alle Regionen, DVD-Menü, Untertitel, Sprachauswahl, Vollbildansicht, Dolby Digital Pass-through, Dolby Digital 5.1 Output (Stereo-Downmixing-Support), Fortsetzung der Wiedergabe ab der letzten Position, Multiple Angles, De-Interlace-Funktion
* Einbindung via Plugins

Fazit

Das Fluendo Media Center macht Schluss mit dem Durcheinander von verschiedenen Anwendungen zum Abspielen multimedialer Inhalte auf dem heimischen Linux-PC. Unter einer modisch dunklen, einfach zu bedienenden Oberfläche führt es alle Medien inklusive einiger Internet-Dienste logisch sinnvoll geordnet zusammen. Dabei liefert der Multimedia-Spezialist Fluendo die benötigten proprietären Codecs gleich mit und macht so umständliches Suchen und nachträgliches Herunterladen überflüssig.

Zusätzlich bietet Fluendo mit dem Paket jenen Anwendern, die den PC ausschließlich als Media Center nutzen wollen, auch die Möglichkeit der Steuerung per Fernbedienung. Selbstredend harmoniert das Fluendo Media Center im Bedarfsfall mit Dolby-Digital-5.1-Soundsystemen, so dass für ein authentisches Audio-Erlebnis gesorgt ist. Dabei kann man sowohl auf lokale als auch entfernt stehende Server zugreifen, und sogar den Inhalt von Wechselmedien erkennt die Software weitgehend automatisch.

Um diese Fähigkeiten auszuspielen, verlangt das Fluendo Media Center – wie alle Programme dieser Kategorie – einen leistungsfähigen Hardware-Unterbau. Selbst neuere Computer eignen sich bei schwacher Grafikausstattung nur eingeschränkt für den Einsatz mit der Applikation. Daher sollten Sie vor dem Einsatz unbedingt prüfen, ob der angepeilte Rechner die Systemvoraussetzungen erfüllt – und hier vor allem die Unterstützung des OpenGL-Standards.

Passt die Hardware, dann erhalten Sie mit dem Fluendo Media Center eine umfangreiche, den speziellen multimedialen Bedürfnissen angepasste und stabil arbeitende Applikation, die Ihren Linux-PC in einen audiovisuellen Alleskönner verwandelt.

Fluendo Media Center gewinnen!

Wenn Sie ein Fluendo Media Center gewinnen möchten, dann schicken Sie uns bis zum 1. Mai 2010 per E-Mail an redaktion@linuxuser.de einen Werbespruch für LinuxUser – etwa im Jägermeister-Stil (Ich lese LinuxUser, weil …), als Slogan (LinuxUser: RTFM — read the f~~ magazine!) oder was Ihnen sonst dazu einfällt. Geben Sie als Betreff der Nachricht bitte Fluendo-Gewinnspiel an.

Die Einsender der 50 witzigsten Sprüche erhalten je ein Fluendo Media Center kostenlos. Außerdem drucken wir ihre Slogans in der nächsten Ausgabe, in der LinuxUser sein 10jähriges Jubiläum feiert.

Unter allen weiteren Einsendern verlosen wir 600 Rabattgutscheine zum ermäßigten Kauf des Fluendo Media Centers: 100 mal zum halben Preis (Sie sparen 19,99 Euro), 200 mal mit 20 Prozent Rabatt (7,99 Euro gespart) und 300 mal mit 10 Prozent Rabatt (3,99 Euro günstiger).

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