It’s better without Asus

Aus LinuxUser 07/2009

It’s better without Asus

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

wissen Sie, was ein Leecher ist? So nennt man – in Anlehnung an die englische Bezeichnung für Blutegel – unter anderem Firmen, die sich zwar gern mithilfe von Open Source bereichern, aber nichts an die Community zurückgeben.

Dass der EeePC-Bauer Asus wohl in diese Kategorie gehört, ließ sich schon im Herbst letzten Jahres ahnen [1] – jetzt ist es gewiss: “EeePC – it’s better with Windows” [2] heißt eine Kampagne, die der taiwanesische Netbook-Hersteller gerade zusammen mit Microsoft fährt. “Mit Windows gehen Sie schnell und einfach online und arbeiten mit Ihren Geräten und Diensten – ohne sich mit einer ungewohnten Umgebung oder enormen Kompatibilitätsproblemen herumschlagen zu müssen”, erfahren wir da. Ach was? Um die eigenen Produkte millionenfach in den Markt zu drücken und raketenartig unter die Top Five der PC-Hersteller zu klettern, war die “ungewohnte Umgebung mit enormen Kompatibilitätsproblemen” dann aber schon gut genug? Und für die zahlende Kundschaft hat sie offenbar auch genügt?

Dass Asus die volle Kontrolle über die Kompatibilität hatte, weil es die Hardware selbst herstellt und es sich bei der Software um Open Source handelt, lassen wir mal geflissentlich außen vor – was offeriert Asus denn als “bessere” Alternative? Windows XP, ein acht Jahre altes Betriebssystem, das eigentlich schon abgekündigt sein sollte, von Microsoft aber notdürftig am Leben erhalten wird, weil der Nachfolger Vista floppt. Eine Brutstätte für Viren und Würmer, die man nur ohne Netzwerkanschluss installieren kann, weil ansonsten der PC schon beim Einrichten infiziert wird. Aber mit Windows XP braucht man sich die Schadsoftware nicht einmal selbst zu holen, da kommt sie schon werksseitig vorinstalliert auf dem Netbook ins Haus [3].

Selbst den Machern der “It’s better”-Kampagne scheinen diese Widersprüche aufgefallen zu sein – oder es handelt sich um guerillamäßig operierende heimliche Linux-Fans: Nimmt man Asus’ Werbespots für Windows-EeePCs für bare Münze, eignen sich solche Geräte offenbar hauptsächlich für kichernde Teenies, die zu blöde sind, Badeklamotten und eine Decke mit an den Strand zu nehmen, für deren etwas beschränke Väter, die keinen Kaffee trinken können, ohne sich vollzukleckern, und die dazugehörigen aufgestylten Ehefrauen, die den ganzen Tag süßlich lächelnd auf den Bildschirm starren, aber mit den lackierten Fingernägelchen kaum jemals eine Taste betätigen.

Die Szenarien der Spots wirken derart skurril, dass viele Betrachter erst vermuteten, bei “It’s better with Windows” handele es sich um einen Hoax. Doch Asus verlinkt die Kampagnen-Website direkt [4], das Ganze ist also durchaus ernst gemeint. Da fällt mir nur noch eines ein: “Linux – it’s better without Asus”.

Herzliche Grüße,

Jörg Luther

Chefredakteur

Infos

[1] Asus und Vista: Jörg Luther, “Hasta la Vista?”, LinuxUser 09/2008, S. 5, https://www.linux-community.de/artikel/16513/

[2] “It’s better with Windows”: http://www.itsbetterwithwindows.com

[3] Malware auf neuem Windows-Netbook: http://www.itbusiness.ca/it/client/en/home/news.asp?id=53225

[4] Asus-Link auf “It’s better”: http://www.asus.co.uk/eeepc/1008HA/features.html

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3 Kommentare
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Frank Schmitz
16 Jahre her

Dieses Szenario war seit dem ersten Tag der Kopplung von eePC mit Linux vorprogrammiert. Kein Grund sich zu ärgern. Sicher sieht Linux auf den Netbooks aufgeräumter aus als Windows. Das will niemand bestreiten. Nun traf der Windows-User auf eine neue Oberfläche, die sich zwar komfortabel bedienen lässt, aber seine Hardware lässt sich nicht installieren (ohne Kniff hier und dieses dort). Seine Reaktion ist völlig nachvollziehbar. Unter Windows lief alles mit einem Klick. Er will es zurück. Das zwingt zB ASUS zur Rückkehr zu Windows. “Unsere” Polemik ist fehl am Platz. Der Rückschlag ist ärgerlich, aber ich verstehe die User in… Mehr »

Ulrich Lehmkühler
16 Jahre her
Reply to  Frank Schmitz

Klar, 90 Prozent der Computernutzer wollen halt keine IT-Ausbildung, um surfen, mailen oder einen Brief zu schreiben oder einen Drucker zu installieren. Doch die Sache hat einen Hacken: Ich habe gerade miterlebt, wie ein Kumpel – Vista sei Dank ;-) – sein funktionfähige Hardware (z.B. Agfa-Scanner) entsorgen durfte, weil es keine Hardwaretreiber mehr dafür gibt und er auch keine IT-Archäologie betreiben will. Doch jetzt sitzt er in der Bananaware-Falle: Die Ware reift bekanntlich beim Kunden, weil nicht nur die Treiber bei Erschenen mangelhaft sind, sondern auch die Endkontrolle auf den Kunden abgeschoben wird. Der neue Canon Scanner (mit Vista-Treiber) ist… Mehr »

Brainiac
16 Jahre her

Man kann allenfalls der eingesparten Microsoft Tax beim Kauf eines Asus nachweinen. Ich habe den 901go mit diesem Xandros Schmutz erstanden, keine HT Unterstützung im Kernel, kein HPET, das Gerät frisst 14W weil vieles im Powermanagement verschlafen wurde. Ein grausamer Launcher dessen Free-Pendant lxlauncher bereits da ist, Miese Paketquellen, Software Verdongelung des UMTS Modems.
Die Maschine selbst ist einfach klasse, da kann man nichts sagen und mit CrunchEEE läuft sie perfekt. So hätte Asus das verkaufen sollen, da wird viel Sympathie zu Acer überlaufen die mit Android und Moblin flüssig laufende Netbooks statt Windows Bloat, Bugs und Geruckel anbieten.

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