Editorial

Aus LinuxUser 06/2026

Editorial

Tal der Tränen

Überraschenderweise ist Donald Trump nicht allein an allem schuld, in vielerlei Hinsicht läuft ihm mittlerweile die KI den Rang als primäre globale Problemquelle ab. Eine KI-Steuer könnte da weiterhelfen, schlägt Chefredakteur Jörg Luther vor.

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

kaum zu glauben, aber Donald Trump ist nicht an allem schuld, was derzeit unrund läuft. OK, mit seiner unsinnigen Zollpolitik hat er ganze Marktwirtschaften durcheinandergebracht und weltweit die Inflation kräftig angeschoben. Und dank seiner völlig planlosen Bombing-a-country-near-you-Aktion am persischen Golf – Epic Failure, oder wie heißt die Operation noch gleich? – tränen uns mittlerweile bei jedem Besuch an der Tanke die Augen. Sogar mir, und ich fahre einen Hybrid.

Daran, dass mir inzwischen auch beim Einkauf von Hardware die Tränen in die Augen steigen, kann der GröPraZ allerdings ausnahmsweise einmal nichts. Dafür darf ich mich bei Elon Musk, Sam Altman, dem Ehepaar Amodei und den anderen Granden der künstlichen Intelligenz bedanken: Rund um die Welt sprießen die KI-Rechenzentren wie Pilze aus dem Boden. Und damit die Rechner dort unsinnige Pseudofakten halluzinieren, miese Fake-Videos noch schlechter vertonen und Bilder von dreibeinigen Katzen und siebenfingerigen Menschen zusammenkleistern können, brauchen sie jede Menge Arbeitsspeicher. In der Folge schlägt das Gesetz von Angebot und Nachfrage unerbittlich zu: Die Preise für DRAM sind mittlerweile in schwindelerregende Höhen gestiegen.

Mich persönlich und mit mir vielen Open-Source- und DIY-Enthusiasten tut das vor allem an einer Stelle weh: beim Einkauf von Einplatinencomputern für das nächste Projekt. Wir reden hier nicht vom sprichwörtlichen Pappenstiel: Wie RasPi-Vater Eben Upton beim Ankündigen [1] der jüngsten Preiserhöhungsrunde am 1. April im Nebensatz erwähnte, ist das im RasPi 4 und 5 verbaute LPDDR4-DRAM mittlerweile sieben Mal teurer als im Vorjahr! Zu Redaktionsschluss lag denn auch der Straßenpreis für einen RasPi 5 mit 8 GByte RAM bei knapp 200 Euro, die 16-GByte-Variante wechselte im Schnitt für rund 330 Euro den Besitzer. Das sind Preise, wie sie noch vor einem Jahr für komplette Mini-PC-Systeme aufgerufen wurden.

Das tut nicht nur Tüftlern und Makern weh, sondern trifft auch Schulen und Bildungseinrichtungen, für die der Raspberry Pi ja eigentlich gedacht war. Bezahlbare digitale Bildung, auf Rechnern, die mit Open Source laufen: Das wäre ein nachhaltiges Konzept für die Zukunft. Ich finde, wir sollten mehr darauf achten, die natürliche Intelligenz zu fördern, statt der künstlichen blind hinterherzulaufen.

Ein bescheidener Vorschlag für unsere Regierung, die ja aktuell mal wieder dringend auf der Suche nach Haushaltsmitteln ist: Wie wäre es denn mit einer KI-Steuer, sagen wir 0,1 Eurocent pro Anfrage, zu entrichten durch die KI-Anbieter? Zweckgebunden zu verwenden für digitale Bildung an Schulen? Da könnte die nächste PISA-Studie dann schon erheblich erfreulicher ausfallen als die letzte.

Herzliche Grüße, Jörg Luther Chefredakteur

Infos

  1. “A new 3GB Raspberry Pi 4 for $83.75, and more memory-driven price increases”: https://www.raspberrypi.com/news/a-new-3gb-raspberry-pi-4-for-83-75-and-more-memory-driven-price-increases/

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