Wer rund 1100 Euro für einen Rechner mit OpenSuse 10.3 ausgibt, möchte für sein Geld auch etwas Besonderes bekommen. LinuxUser hat sich ein Dell-Modell mit zahlreichen Extras angeschaut.
Es muss nicht immer Ubuntu sein: Markus Graf, unseren Lesern von der LinDVD-Aktion her [1] vielleicht noch bekannt, bietet seit kurzem auf seiner Homepage [2] ein Dell-System mit vorinstalliertem und vorkonfigurierten OpenSuse 10.3 an.
Installation per Image
Zum Lieferumfang des Dell-PCs gehören neben dem Rechner selbst ein 19-Zoll-Breitbildschirm, Maus und Tastatur sowie zwei Medien für die Installation und Wiederherstellung des Systems. Die Hardware und eine FreeDOS-CD schickt Ihnen Dell direkt von Irland nach Hause. Die Software, eine kurze Dokumentation und die gedruckte Novell-EULA erhalten Sie von Pseudonym.org.
Zur Installation nutzt Markus Graf ein über True Image erstelltes Abbild auf einer DVD und eine passende Boot-CD von Acronis. Die zugehörige Software erwerben Sie mit dem Kauf des Dell-Rechners automatisch. Verfügen Sie bereits über eine gültige Lizenz für True Image, wählen Sie auf der Pseudonym-Homepage das Paket ohne Lizenz aus und sparen 20 Euro. Eine Möglichkeit, ganz auf True Image zu verzichten, gibt es zurzeit nicht. Das gilt auch für die zwei weiteren kommerziellen Zusätze: LinDVD für die DVD-Wiedergabe und das komplette Plugin-Paket von Fluendo.
Zwar findet sich nirgends eine Dokumentation, wie das Einspielen der Abbilddatei genau funktioniert – ein durchschnittlicher Computeranwender bewerkstelligt die Aufgabe aber auch ohne Dokumentation. Das mit True Image erstellte Abbild lässt sich nur auf dem ausgelieferten Rechner nutzen, da OpenSuse seit Version 10.3 die Festplatten-IDs als Mountpunkte benutzt. Spielen Sie das Image auf einem Rechner mit einer anderen Festplatte ein, zeigen die Pfade ins Leere, und das System bootet nicht. Eine originale OpenSuse-DVD liegt dem Rechner nicht bei.
Der erste Eindruck
Die Hardware von Dell machte in den Tests einen sehr guten Eindruck. Der Rechner arbeitet dank eines riesigen CPU-Kühlers (Abbildung 1) sehr leise und produziert kaum Wärme. Vom Einschalten des Rechners bis zum kompletten Laden des KDE-Desktops vergehen knapp 50 Sekunden. Ein Skript weist Sie nach dem ersten Start daraufhin, dass Sie das Passwort für den Benutzer markus und für den Root-Account ändern sollten. Ansonsten gibt sich der KDE-Desktop wie unter einer Standardinstallation, allerdings mit zwei speziellen Icons für LinDVD und den Gnome-Mediaplayer Totem (Abbildung 2). Letzteres Symbol befindet sich deshalb auf dem Desktop, weil sich die zusätzlichen Multimedia-Plugins nur mit dem Gstreamer-Framework nutzen lassen: Sie sind somit an Totem als Mediaplayer gebunden.

Abbildung 1: Auf der CPU befindet anstelle des Lüfters ein 10 cm hoher Kühlkörper, der über den zentralen Fan gekühlt wird.

Abbildung 2: Der OpenSuse-Desktop des Optiplex-Rechners mit zwei zusätzlichen Icons für LinDVD und Totem.
Am Setup des Rechners gibt es nicht viel auszusetzen: Das Display operiert bereits in der korrekten Auflösung und es sind bereits erste Online-Updates eingespielt. Die Updates und das Non-OSS-Repository sind als Quellen eingerichtet, so dass beispielsweise die Installation des Flash-Players keine Probleme bereitet. Einzig YaST nervt beim Installieren weiterer Programme mit einer Fehlermeldung und möchte immer wieder auf die “CD 1” zugreifen. Dank LinDVD lassen sich auch einige aktuelle DVD-Filme mit einem besonderen Kopierschutz abspielen, für die es zurzeit noch keine freie Software gibt.
Kleine Mängel
Verbesserungen gilt es beim Powermanagement vorzunehmen: So ist etwa das Speedstepping der Core-2-Duo-CPU im BIOS deaktiviert. Schalten Sie es ein, fährt der Prozessor automatisch auf 1,6 GHz herunter, solange die Software keine Spitzenleistung einfordert – der Optiplex verbraucht dann rund 5 Watt weniger.
Für den Schlafmodus bietet das Dell-BIOS wahlweise die Zustände S1 (Standby) oder S3 (Suspend-to-RAM) an. Standby funktionierte auf unserem Testsystem mit OpenSuse nicht, auch für das Suspend-to-RAM müssen Sie eine kleine Änderung vornehmen. Damit Sie den Befehl nicht als root über s2ram -f aufrufen müssen, legen Sie im Verzeichnis /etc/pm/config.d/ eine Textdatei an und tragen hier folgende Zeile ein:
S2RAM_OPTS="-f"
Als ebenfalls nicht optimal gelungen erweist sich die Partitionierung der 160 GByte großen Festplatte. Mindestens eine separate Partition für das Home-Verzeichnis sollte eigentlich Standard sein. Immerhin können erfahrene Nutzer bei der Installation über True Image die Plattenaufteilung anpassen.
Alles Closed Source?
Die Softwareauswahl mit LinDVD und den Fluendo-Plugins ist gut gewählt, allerdings passen beide Produkte nicht optimal zum vorinstallierten KDE-Desktop. So spielt Kaffeine zum Beispiel keine DVD-Filme oder MP3-Dateien ab. Wer an diesem und anderen KDE-Programmen hängt, zieht sich vermutlich eher die passenden, wenn auch juristisch umstrittenen Pakete auf den Rechner.
Die Installation von libxine1 aus dem Packman-Repository und der libdvdcss aus dem VLC-Repository bietet sich trotz vorhandenem LinDVD an: So setzt LinDVD bereits beim ersten Start den Ländercode des DVD-Laufwerks. Dies ist durchaus sinnvoll, und einige Scheiben benötigen einen korrekt gesetzten Code. Allerdings darf man die Länderkennung nur fünf Mal ändern. Per libdvdcss lassen sich DVDs unabhängig vom Regionscode abspielen, das Problem stellt sich nicht. Auf der anderen Seite bieten LinDVD und die Fluendo-Plugins die einzige Möglichkeit für eine Firma, auf legalem Weg ein System mit echter Multimedia-Fähigkeit anzubieten.
Fazit
Der Optiplex-Rechner gehört nicht zu den günstigsten PCs, bringt aber viel Rechenpower mit und arbeitet leise. Das Software-Bundle von Pseudonym.org richtet sich eher an Heimbenutzer, die wohl nur in wenigen Fällen 1100 Euro für ein Komplettpaket ausgeben, nur um über LinDVD und die Fluendo-Plugins sämtliche Mediendateien abspielen zu können. Markus Graf arbeitet allerdings bereits an einem Business-Paket, das besser zur Zielgruppe und zum Dell-Rechner passt.
Nicht optimal finden wir die Installation über das True-Image-Abbild: OpenSuse einzuspielen fällt nicht schwerer als True Image zu bedienen, die Installation dauert kaum länger. Eine Lösung mit den Original-Medien von Novell hätte zudem zwei weitere Vorteile: Der Benutzer könnte zwischen der 32- und 64-Bit-Version auswählen, und Real- sowie Flashplayer wären mit an Bord. Die aktuelle Lösung bietet lediglich den Vorteil, dass sich das System jederzeit wiederherstellen lässt.
Das Testgerät
| Hersteller | Dell | |||||||||||
| Modell | Optiplex 745 | |||||||||||
| CPU | Intel Core 2 Duo 6600 | |||||||||||
| CPU Takfrequenz | 2,4 GHz | |||||||||||
| RAM | 1 x 1024 MByte | |||||||||||
| Festplatte | SAMSUNG HD161HJ, 160 GByte | |||||||||||
| CD/DVD | GSA-H73N, 16 x DVD±RW, S-ATA | |||||||||||
| Interne Anschlüsse | 4 x RAM (1 belegt), 4 x SATA (2 belegt), 1 x 64-Bit PCI-E (belegt), 1 x 16-Bit PCI-E, 2 x PCI | |||||||||||
| Anschlüsse Front | 2 x USB 2.0, Kopfhörer, Mikrofon | |||||||||||
| Anschlüsse Rückseite | 6 x USB 2.0, Mic/Line-In, Audio-Out, Gigabit Ethernet, VGA, DVI, serieller + paralleler Port, 2 x PS/2 (Maus + Tastatur) | |||||||||||
| Grafikkarte | Intel 965G (shared memory, 265 MByte max) mit DVI Ausgang | |||||||||||
| Monitor | Dell E198WFP 19″-Breitbild, 1440 x 900 Bildpunkt (WXGA+) | |||||||||||
| Preis und Support | ||||||||||||
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| Support | Installation im Preis enthalten, weiterer Support gegen Aufpreis | |||||||||||
| Garantie | 3 Jahre von Dell | |||||||||||
| Bezugsquelle | http://pseudonym.org | |||||||||||
| Preis ca. | 1100 Euro mit 19″ TFT | |||||||||||
| Linux-Unterstützung | ||||||||||||
| Installiertes Betriebssystem | OpenSuse 10.3 | |||||||||||
| 3D-Support | X | |||||||||||
| Suspend (Disk/RAM/Standby) | X/X/0 | |||||||||||
| Cardreader | 0 | |||||||||||
| Speedstep | 0 | |||||||||||
| Stromverbrauch (Max/Normal/Suspend/Aus) | 110W/65W/11W/11W | |||||||||||
| X = Linux-kompatibel, 0=Nicht vorhanden * = vorhanden, aber nicht unterstützt | ||||||||||||
[1] LinDVD-Test und Aktion: Kristian Kißling, “Gesetzestreu schauen – LinDVD darf CSS”, LinuxUser, 01/2007, S. 72.
[2] Aktuelles Angebot: http://pseudonym.org/shop/category_11/Dell-PC-mit-openSUSE.html?shop_param=cid%3D11%26





