Mit OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 treten zwei neue Versionen der Linux-Schwergewichte in den Ring. LinuxUser betätigt sich als Punktrichter.
Diesen Herbst fallen die neuen Linux-Versionen wie Blätter von den Bäumen. Mit Fedora Core 8, OpenSuse 10.3, Mandriva 2008 und Ubuntu 7.10 bringen sämtliche großen Distributoren neue Releases heraus. LinuxUser hat sich die zwei populärsten – OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 – genauer angeschaut und verrät, welche der zwei Distributionen den Kampf um den ersten Platz gewinnt.
Installation
Der Artikel verzichtet hier auf eine detaillierte Anleitung, da OpenSuse und Ubuntu sehr einsteigerfreundlich sind und die Installation keinen LinuxUser-Leser vor Probleme stellen sollte. Die Redaktion testete stattdessen die Performance der Installer in vier Varianten (siehe Tabelle “Geschwindigkeitstests”). Die Installation fand mit Netzwerkanschluss statt und bei OpenSuse führten wir auch die Online-Registrierung sowie den Internetverbindungstest durch. Dieser Vorgang dauerte jeweils rund 2 Minuten. Ubuntu benötigt in etwa gleich lange, um die Spiegelserver zu durchsuchen, weshalb wir diese Zeiten in der Tabelle nicht separat aufführen.
Geschwindigkeitstests
| OpenSuse 10.3 | Ubuntu 7.10 | |
|---|---|---|
| Installation | ||
| Textsystem 265 MByte RAM | 13m 55s | 18m 12s |
| Textsystem 768 MByte RAM | 13m 33s | 15m 15s |
| Gnome-System 265 MByte RAM | 46m 13s | 60m 01s |
| Gnome-System 768 MByte RAM | 41m 30s | 36m 12s |
| Nachinstallation KDE-Desktop (700 MByte) | ||
| Mit 265 MByte RAM | 12m 30s | 17m 09s |
| Mit 768 MByte RAM | 8m 47s | 9m 55s |
| Bootzeiten bis zum Loginscreen | ||
| Textsystem 265 MByte RAM | 25s | 25s |
| Textsystem 768 MByte RAM | 25s | 25s |
| Gnome-System 265 MByte RAM | 35s | 40s |
| Gnome-System 768 MByte RAM | 33s | 38s |
Den Gutsy Gibbon gibt es wie seine Vorgänger aus dem Ubuntu-Zoo für den Desktop- und für den Servereinsatz. Die Desktop-Version – gleichzeitig Installations- und Live-DVD – gibt es für 32- und 64-Bit-Systeme von Intel oder AMD. Die Server-Edition kommt zusätzlich mit SPARC-Unterstützung. Für die Installation im Textmodus stellt Canonical eine Alternate-Desktop-CD bereit, die kein Live-System enthält. Der Einsatz der abgespeckten Version lohnt sich vor allem für schwache Rechner, die mit einer grafischen Installation überfordert sind.
Auch OpenSuse gibt es in zahlreichen Ausführungen. Die normale Installations-DVD für 32- und 64-Bit-Systeme von Intel oder AMD enthält den KDE- und den Gnome-Desktop. Die CD-Version bringt entweder Gnome oder KDE mit. Sie lässt sich am ehesten mit den CD-Versionen von Ubuntu und Kubuntu vergleichen. Die Live- oder Promo-DVD von OpenSuse bringt ebenfalls beide Desktopvarianten mit. Seit Version 10.3 können Sie die Installation auch über die Live-DVD starten. Eine Live-CD ist ebenfalls in Planung. Über diese Basisvarianten hinaus bietet das OpenSuse-Projekt auch spezielle Installationsmedien für die PPC-Architektur sowie eine rund 65 MByte große ISO-Datei für die Netzwerkinstallation.
Für das Aufspielen von Ubuntu 7.10 stehen zwei Möglichkeiten zur Auswahl: grafisch und textbasiert. Erstere starten Sie nach dem Booten der Live-CD, letztere nutzen Sie mit der Alternate-CD. Für den Test auf einem Durchschnittsrechner mit einer 1,2 GHz schnellen Athlon-XP-CPU und 256 bzw. 768 MByte RAM führten wir beide Varianten durch. Möchten Sie aufwändige Partitionierungen wie Software-RAID oder verschlüsseltes LVM, sollten Sie auf die textbasierte Installation zurückgreifen.
OpenSuse setzt traditionell auf den Installer ohne Live-CD. Das bringt vor allem bei Rechnern mit wenig Hauptspeicher große Vorteile, wie unsere Tests zeigten. So benötigte YaST auf unserem Testrechner mit 265 MByte Hauptspeicher nur 46 Minuten vom Boot-Prompt bis zum ersten Login-Bildschirm des Gnome-Desktops. Ubuntu 7.10 ließ sich für die gleiche Aufgabe rund eine Stunde Zeit. Der Unterschied würde noch höher ausfallen, wenn OpenSuse und Ubuntu die exakt gleiche Paketauswahl installieren würden: Das Gnome-System unter Suse braucht 2,9 GByte Platz, der Standard-Ubuntu-Desktop lediglich 2,2 GByte.
Auch beim Aufsetzen eines textbasierten Systems muss sich Ubuntu 7.10 gegenüber OpenSuse 10.3 geschlagen geben. Mit 265 MByte Hauptspeicher benötigt YaST nur knapp 14 Minuten bis zum Login, der Ubuntu-Installer zeigt den Prompt erst nach 18 Minuten an. Mit 768 MByte RAM fällt der Unterschied nicht mehr so deutlich aus, aber auch hier ist YaST fast zwei Minuten schneller. Die Textsysteme sind unter beiden Distributionen rund 630 MByte groß.
Die Stärken des Live-Installers zeigen sich erst bei Rechnern mit 512 MByte oder mehr Hauptspeicher. Hier arbeitet Ubuntu deutlich schneller als OpenSuse und zeigt bereits nach 36 Minuten den Loginmanager des Gnome-Desktops an. Ohne Internetverbindung geht die Installation nochmals zehn Minuten schneller über die Bühne, weil dann der Download der recht großen Sprachpakete ausbleibt. Trotzdem holt sich OpenSuse den Punkt für die schnellste Installation.
Sicherheit
Beide Systeme bieten nach einer Standardinstallation keine Angriffsfläche gegen außen. OpenSuse schützt eine Firewall auf Port 22, der SSH-Dienst ist der einzige, den YaST bei einer Standardinstallation aktiviert. Führen Sie mit nmap einen Portscan an einer 10.3-Installation durch, meldet das Tool
PORT STATE SERVICE 113/tcp closed auth
Diese Meldung rührt daher, dass die Suse-Firewall in der Grundeinstellung eine REJECT-Regel für sämtliche TCP-Anfragen eingerichtet hat. Das verkürzt die Antwortzeiten bei Anfragen und verhindert unnötige Timeouts. Der Auth-Daemon ist nicht aktiv. Den tatsächlich aktiven SSH-Dienst verrät die Firewall nicht, da dafür eine DROP-Regel eingerichtet ist.
Ubuntu 7.10 zeigt einen ähnlichen Zustand nach der Installation. In der Grundeinstellung lässt es keine Ports offen. Eine Firewall ist standardmäßig nicht installiert. Hier schaffen Sie aber bei Bedarf Abhilfe mit dem einsteigerfreundlichen Programm Firestarter oder wagen sich an die Konfiguration mittels IPtables. Nach langen internen Diskussionen entschied sich die Redaktion, Ubuntu den doppelt gewichteten Punkt für die Installierten Dienste/Firewall zu geben, da Ubuntu ohne Benutzerinteraktion keine externen Dienste startet. OpenSuse bekommt einen halben Punkt, da das System den SSH-Dienst in der Grundeinstellung aktiviert, dies aber bei der Installation kenntlich macht und eine Firewall zudem den Zugriff von Außen sperrt.
Einige Sicherheitsvorkehrungen bietet OpenSuse 10.3 bereits während der Installation an. So moniert YaST zum Beispiel zu einfache Passwörter, akzeptiert diese aber nach einem Warnhinweis. Je nach Linux-Knowhow sind diese Hinweise nützlich oder störend. Praktisch fanden wir, dass man in YaST bereits bei der Installation verschlüsselte Partitionen anlegen kann, so lässt sich zum Beispiel ein sicheres Home-Verzeichnis oder eine verschlüsselte Swap-Partition einrichten. Eine Verschlüsselung des Wurzelverzeichnisses selbst lässt YaST nicht zu. Bei Ubuntu 7.10 gibt es hier Abzüge in der B-Note: Der Installationsassistent weist nicht auf zu einfache Passwörter hin. Vor allem Linux-Neulinge ist die Verwendung sicherer Passwörter sicherlich nicht geläufig. Dagegen bietet der Assistent beim Einrichten der Festplatte an, ein verschlüsseltes LVM anzulegen. Diese Option steht aber nur in der textbasierten Installation zur Auswahl und bietet sich für Otto Normalbenutzer nicht unbedingt an. Eine Verschlüsselung des Swap-Bereiches beherrscht der Installer nicht. OpenSuse sichert sich damit zwei weitere Punkte.
Die Benutzerrechte sind in beiden Distributionen relativ locker gesetzt: Mitbenutzer unter OpenSuse 10.3 haben mit Ausnahme des Verzeichnisses Documents komplette Einsicht in das Home-Verzeichnis anderer Nutzer inklusive Zugriff auf den Desktop. Unter Ubuntu 7.10 verhält es sich ähnlich. Als Schutzschild vor bösartigen Programmen bringen OpenSuse 10.3 und Ubuntu 7.10 die ehemalige Novell-Software AppArmor mit. Unter OpenSuse sind dafür bereits mehrere Profile eingerichtet, bei Ubuntu lediglich eines. Weitere AppArmor-Profile befinden sich noch im Beta-Stadium. Auch dieser Punkt geht an OpenSuse.
Den letzten Punkt der Sicherheitsrunde holt sich Ubuntu 7.10, da das System im Gegensatz zu OpenSuse in der Grundeinstellung auf einen Root-Account verzichtet, wodurch Nutzer gar nicht erst auf den Gedanken kommen, als Root zu arbeiten.
Paketmanagement
Suse hat seinen Ruf als schlanke Distribution spätestens seit der Paketmanager-Misere mit Zenworks komplett eingebüßt. Nichts desto trotz wollten wir es genau wissen und testeten die Paketmanager unter beiden Distributionen auf der Kommandozeile. Dazu installierten wir auf einer Standardinstallation mit Gnome den kompletten KDE-Desktop (unter beiden Distributionen 700 MByte entpackt) von DVD nach. Unter OpenSuse riefen wir dazu den Befehl
zypper install -t pattern kde
auf, bei Ubuntu 7.10 apt-get install kubuntu-desktop. Zu unserer großen Überraschung schlug zypperapt-get deutlich (siehe Tabelle “Geschwindigkeitstests”): Auf dem System mit 265 MByte Hauptspeicher erledigte OpenSuse die Aufgabe rund 5 Minuten schneller als Ubuntu. Auch mit 768 MByte RAM installierte OpenSuse den KDE-Desktop um eine Minute schneller. Der Unterschied liegt vermutlich an den zwei verschiedenen Konzepten: OpenSuse holt und installiert jedes Paket einzeln. Ubuntu zieht sich zunächst sämtliche Pakete und beginnt dann mit der Installation. Für den Speed bei der Nachinstallation holte sich OpenSuse einen Punkt in der Kategorie Geschwindigkeit.
Für das grafische Paketmanagement bringen beide Distributionen mit YaST und Synaptic zwei mächtige Tools mit. Ubuntu bietet unter Anwendungen | Anwendungen hinzufügen/entfernen zudem noch einen vereinfachten Paketmanager, der die Komplexität von Synaptic nehmen soll, was uns ein Pluspunkt Wert war. Beide Distributionen verfügen über einen Aktualisierungsmanager. Von Haus aus ist dieser in der Kontrollleiste (KDE) oder im Panel (Gnome) eingeklinkt. Er hält Sie in Bezug auf neue Versionen installierter Software auf dem laufenden und meldet sich bei Änderungen von alleine. Hierfür bekommen beide Distributionen zwei Punkte.
Ein besonderes Schmankerl hält die neue One-Click-Installation von OpenSuse 10.3 bereit: wählen Sie auf software.opensuse.org oder einer anderen Site mit entsprechender Software ein YaST-Metapaket aus (Dateiendung *.ymp), richtet YaST die benötigten Quellen automatisch ein und installiert das Programm danach. So richten Sie zum Beispiel ein komplettes Multimedia-Environment ein (Abbildung 1). Ein Plus von OpenSuse fand die Redaktion.

Abbildung 1: Dank neuer YaST-Metapakete installieren Sie unter OpenSuse sämtliche Codecs und Multimediaprogramme über wenige Mausklicks nach.
Punktetabelle
| Gewichtung | OpenSuse 10.3 | Ubuntu 7.10 | |
|---|---|---|---|
| Geschwindigkeit | |||
| Grundinstallation | 1 | 1 | 0 |
| Nachinstallation | 1 | 1 | 0 |
| Bootzeit | 4 | 4 | 2 |
| Sicherheit | |||
| Installierte Dienste/Firewall | 2 | 1 | 2 |
| Sichere Passwörter | 1 | 1 | 0 |
| Verschlüsselte Partitionen | 1 | 1 | 0 |
| AppArmor | 1 | 1 | 0 |
| Rootless | 1 | 0 | 1 |
| Paketmanagement | |||
| Grafischer PM | 2 | 2 | 2 |
| Vereinfachter PM | 1 | 0 | 1 |
| Aktualisierungsmanager | 2 | 2 | 2 |
| One-Click-Install | 1 | 1 | 0 |
| Multimedia | |||
| Codec-Support | 2 | 1 | 2 |
| Treiber-Support | 2 | 0 | 2 |
| Browser-Plugins | 2 | 1 | 2 |
| 3D-Desktop | 1 | 1 | 1 |
| DVDs unverschlüsselt | 1 | 0 | 1 |
| DVDs verschlüsselt | 1 | 1 | 0 |
| Hardware-Support | |||
| Drucker | 3 | 3 | 6 |
| Scanner | 2 | 2 | 4 |
| DVB-T-Stick | 1 | 1 | 0 |
| Ergebnis | |||
| 25 | 28 | ||
Multimediafähigkeit
Wie gewohnt lässt Ubuntu hinsichtlich Usability keine Wünsche offen. Fehlen Codecs zum Abspielen von lizenzrechtlich geschützten Musik- oder Videodateien, zeigt Totem eine entsprechende Meldung an und das System lädt bei Bedarf automatisch die benötigten Pakete aus dem Internet nach (Abbildung 2). Auch OpenSuse zeigt in der neuesten Version einen Hinweis an, wenn benötigte Codecs fehlen (Abbildung 3). Damit dürften die meisten Benutzer jedoch nichts anfangen können, da der Link auf eine völlig veraltete Seite zu Suse Linux 9.0 zeigt [1]. Wer weiß, wie, installiert die fehlenden Codecs über das YaST-Metapaket für KDE und Gnome von der OpenSuse-Community-Seite [2] oder kreuzt im neuen YaST-Modul Community Repositories die nötigen Einträge an.

Abbildung 2: Vorbildlich: Beim Abspielen eines nicht unterstützten Dateiformats, lädt Ubuntu auf Wunsch die benötigen Codecs nach.

Abbildung 3: Möchten Sie unter OpenSuse mit Totem eine DVD abspielen, erscheint lediglich dieser Hinweis.
Immerhin spielt OpenSuse 10.3 nach einer Standardinstallation MP3-Dateien ab. Dazu nutzt die Distribution das Fluendo-Plugin für Gstreamer. Da auch Amarok auf Gstreamer als Soundquelle zugreifen kann, funktioniert diese Lösung unter KDE und Gnome, aber nur für Programme, die Gstreamer als Soundausgabe nutzen. Dank MP3-Support geht OpenSuse in dieser Runde nicht ganz leer aus und Ubuntu holt sich zwei Punkte.
Grafikkarten- und WLAN-Treiber waren in der Vergangenheit immer ein Sorgenkind der Linux-Nutzer. In Ubuntu löst man dieses Problem sehr elegant. Über die Verwaltung eingeschränkter Treiber holt sich das System die notwendigen Pakete automatisch auf den Rechner und konfiguriert diese. Auch hier geht OpenSuse einen etwas komplizierteren Weg: der Benutzer muss sich die benötigen Paketquellen YaST-Modul Community Repositories selbst einrichten und danach noch die Pakete einspielen. Zudem geschieht die Umstellung auf den neuen Treiber nicht automatisch. Ubuntu sichert sich hier beide Punkte.
Für grafische Desktopeffekte ist dank des vorinstallierten Compiz sowie des Plugins Compiz-Fusion gesorgt. Über System / Einstellungen / Erscheinungsbild lassen sich die Eyecandys einrichten. Weitere Konfigurationsmöglichkeiten von Compiz stehen Ihnen nach der Installation des Pakets compizconfig-settings-managerzur Verfügung. Dies gilt für Ubuntu und OpenSuse, so dass diese Runde unentschieden endet.
Flash-Webseiten wie sie für Videoportale genutzt werden, lassen sich nicht sofort richtig anzeigen. Aber hier stellt Ihnen Ubuntu ebenfalls einen kleinen Helfer zur Seite. Rufen Sie mit Firefox eine Webseite mit Flash-Inhalt auf, haben Sie die Möglichkeit das proprietäre Adobe-Flash-Plugin oder den freien Flash-Player gnash automatisch einspielen zu lassen. OpenSuse bringt in der Download-Version bereits ein paar kommerzielle Programme mit, darunter Real- und Flash-Player. Eine automatische Installation – falls das Plugin fehlt – bietet OpenSuse hingegen nicht an. Die automatische Installation inklusive freie Alternative war uns zwei Punkte Wert, der vorinstallierte Player nur einen.
Unverschlüsselte DVDs spielt der Gnome-eigene Videoplayer Totem unter Ubuntu sofort ab. Für geschützte DVDs müssen Sie eine zusätzliche Paketquelle einbinden und die notwendige Bibliothek einspielen. Die dazu nötigen Informationen müssen sich Ubuntu-Nutzer im Internet beschaffen. Bei OpenSuse weigern sich Totem und Kaffeine DVD selbst unverschlüsselte DVDs abzuspielen, da patentrechtliche Probleme die Auslieferung entsprechender Codecs verhindern. Binden Sie hingegen das Packman- und das VLC-Repository ein, kommen Sie unkompliziert sogar zur libdvdcss. Beide Distributionen bekommen dafür je einen Punkt.
Hardware-Support
Linux unterstützt viele Geräte ohne zusätzliche Treiberinstallation. Wie benutzerfreundlich sich hier Ubuntu und OpenSuse verhalten, testeten wir mit drei Geräten, von denen wir bereits wussten, dass sie unter Linux funktionieren: einem Drucker, einem Scanner und einem DVB-T-Stick.
Den Epson Perfection 2400 Photo erkannten beide Distributionen auf Anhieb. OpenSuse zeigt ein entsprechendes Hinweisfenster an und Sie können den Scanner über YaST konfigurieren. Dabei müssen Sie nur auf Einrichten | OK | Beenden klicken und YaST installiert automatisch das Paket iscan-free nach. Dass es noch einfacher geht, zeigt Ubuntu 7.10: Ohne zusätzliche Paketeinstallation ist der Scanner nach dem Anschließen sofort einsatzbereit, ein Test mit der GUI Xsane las die Kopiervorlage ohne Probleme ein. Ubuntu holt sich damit die volle Punktzahl, OpenSuse bekommt nur die Hälfte.
Beim Testdrucker S600-Drucker zeigen beide Distributionen ein Hinweis auf die neue Hardware an (Abbildung 4 und 5). Unter Ubuntu verlief der Ausdruck einer Testseite ohne weitere Einstellungen erfolgreich. Die Distribution richtete den Printer mit dem empfohlenen Treiber foomatic/bj8pa06n.upp vollständig automatisch und richtig ein. Bei OpenSuse müssen Sie das übliche YaST Spiel durchmachen und auf Einrichten | OK | Beenden klicken. Auch YaST wählt automatisch den Foomatic-Treiber aus, dennoch wies die Testseite einige Fehler auf und auch der Textdruck blieb hinter den Resultaten von Ubuntu zurück. Wir änderten deshalb in YaST den automatisch ausgewählten Treiber zum Gutenprint-Treiber stp-bjc-s600.5.0 ab. Damit erreichten wir im Text- und Bilddruck gute Ergebnisse, allerdings lieferte der Drucker beim Fotodruck immer noch seltsame Ergebnisse mit 1200 dpi. Auch hier holt sich Ubuntu alle möglichen Punkte, OpenSuse nur die Hälfte.

Abbildung 4: Optimal: Gutsy Gibbon vermeldet, dass der Drucker einsatzbereit ist. Die deutsche Übersetzung lässt allerdings noch Raum für Verbesserungen.

Abbildung 5: OpenSuse hat zwar den Drucker erkannt. Durch den Setup-Dialog in YaST müssen Sie sich aber trotzdem klicken.
Am meisten Probleme hatten beide Distributionen mit dem DVB-T-Stick WinTV Nova-T von Hauppauge. OpenSuse und Ubuntu luden zwar den benötigen Treiber, doch kein Hinweisfenster weist den Nutzer auf die fehlende Firmware hin. Nachdem wir die Datei dvb-usb-dib0700-01.fw nach /lib/firmware kopiert hatten, schien dem TV-Vergnügen nichts mehr im Weg zu stehen. Doch bei Ubuntu müssen Sie zunächst ein Programm suchen, das überhaupt DVB-T Fernsehen anzeigt. Unter OpenSuse eignet sich dazu Kaffeine am besten: das KDE-Tool erkannte nach der Installation der Firmware den DVB-T-Adapter auch korrekt, zeigte jedoch eine Fehlermeldung an, da OpenSuse – wie oben bereits erwähnt – keine MPEG2-Streams abspielen kann. Sie müssen also noch die von Novell mitgelieferte xine-lib durch die libxine1 von Packman ersetzen. Erst danach zeigt Kaffeine das digitale Fernsehen an. Unter Ubuntu 7.10 ließ sich dem Stick jedoch kein Bild entlocken. Obwohl wir den Treiber wie unter OpenSuse um die Firmware ergänzten und im Verzeichnis /dev/dvb/adapter0 die entsprechenden Gerätedateien vorlagen, vermochte Kaffeine keinen DVB-T-Stick erkennen. Auch Xine quittierte den Klick auf den DVB-Button mit einer kryptischen Fehlermeldung. Der DVB-T-Punkt geht an OpenSuse, Ubuntu fällt durch.
Fazit
Nach fünf Runden gewinnt Ubuntu Gutsy Gibbon gegen OpenSuse 10.3 mit 28 zu 25 Punkten, was in etwa einem Unentschieden entspricht – je nachdem, welche Punkte man stärker gewichtet. Der Test deckt freilich nur einen Teil sämtlicher Funktionen ab: So ließen wir zum Beispiel das Systemmanagement oder den Community-Support komplett außer Acht.
Der Direktvergleich zeigt aber auch deutlich, dass OpenSuse bei der Performance nicht nur Boden gegenüber Ubuntu gutgemacht hat, sondern die südafrikanische Distribution inzwischen in vielen Teilen überholt. Im Gegenzug bietet Ubuntu die deutlich bessere Multimedia- und Hardware-Unterstützung – Gebiete, auf denen früher OpenSuse seine Stärke ausspielte.
[1] Veraltete SDB-Seite: http://de.opensuse.org/SDB:Video_Player_Programme
[2] Multimedia-Metapakete: http://opensuse-community.org/Multimedia#openSUSE_10.3





