Der Millin-Verlag hat eine Suse-10.1-DVD geschnürt, die zusätzliche Treiber und die gängigste proprietäre Software beinhaltet. Außerdem verspricht sie speziell vorkonfigurierte Softwarepakete zum sofortigen Start in das Linux-Vergnügen.
Suse Linux erfreut sich nicht zuletzt bei Neueinsteigern großer Beliebtheit. Der Buchverlag Millin (siehe Kasten “Der Millin-Verlag”) hat eine eigene DVD zusammengestellt, die neben der aktuellen Distribution Suse Linux 10.1 OSS vorkonfigurierte Software, proprietäre Tools sowie ein deutlich erweitertes Treiberangebot bereithält. Mit dem etwas zungenbrecherischen Namen “Suse Linux 10.1 OSS – vorkon” (kurz: Suse vorkon) vertreibt Millin den Datenträger unter der ISBN3-938626-06-2 zum Preis von 19,95 Euro.
Der Millin-Verlag
Das Unternehmen war ursprünglich bekannt als hauseigener Buchverlag Suse Press der Nürnberger Suse GmbH. Nach der Übernahme durch Novell gründete der damalige Verlagsleiter, Nicolaus Millin, im Oktober 2004 einen eigenen Verlag und führte das Portfolio des alten Suse-Press-Verlages weiter.
Das Angebot richtet sich in erster Linie an Benutzer, die flott ein funktionierendes System aufsetzen wollen, ohne die bei OpenSuse gestrichenen Anteile (proprietäre Programme) erst lange im Internet zu suchen. Wer bereit ist, für diese zeitsparende DVD rund 20 Euro zu berappen, sollte aber vorher unbedingt den kleingedruckten Text neben dem Strichcode lesen: Hier lehnt der Verlag Millin jeglichen Support für sein Produkt ab und erklärt außerdem, dass die DVD keine 64-Bit-Variante der OpenSuse-Distribution enthält.
Zusatz-Inhalt Suse vorkon im Überblick
| Hardware-Treiber | |
|---|---|
| Kategorie | Treiber |
| 3D-Grafik | NVidia, ATI |
| Internet | Treiber für AVM-Hardware |
| WLAN | Madwifi (Atheros), Ralink Rt2500, Ndiswrapper (für Windows-Treiber) |
| Infrarot | lirc-kmp |
| Hauppauge-Karten PVR 150/250/350/500 | ivtv-kmp |
| USBVision-Videokarten für Zoran und Nogatech | usbvision-kmp |
| Zapata Telephony Interface | zapatel |
| Logitech USB QuickCam | quickcam-kmp |
| HP/Compaq-Notebooks | omnibook-kmp |
| Software von Drittanbietern | |
| Programm | Beschreibung |
| Adobe Acrobat Reader 7.0 | PDF-Viewer |
| Adobe ICC Profile | ICC-Profile für Farbmanagementsysteme |
| Macromedia Flash Player 7 | Plugin für Browser |
| Java JRE | Laufzeitumgebung für Java-Software/Browser-Plugin |
| Moneyplex | Finanzverwaltungssoftware |
| PrOOo-Box | Erweiterungen zu OpenOffice.org |
| Realplayer | Medien-Player für viele Formate |
| Vorkonfigurierte Software | |
| Programm | Beschreibung |
| eGroupWare | Groupware-Server |
| Flightgear | Freier Flugsimulator |
| Gallery2 | PHP-basierte Webgalerie |
| Joomla | CMS für kleine bis mittlere Web-Auftritte |
| Typo3 | CMS für mittlere bis große Web-Auftritte |
| Mediawiki | CMS, auf dem auch Wikipedia aufbaut |
| Moodle | Verwaltungsprogramm für Kurse |
| Serendipity | Blog-Software |
| Nagios | Netzwerkmonitoring |
| phpBB | Foren-Software |
| Nvu | WYSIWYG-HTML-Editor |
| ODBC | Datenbankschnittstelle |
| Qps | GUI für das Kommando ps |
Um es gleich vorweg zu nehmen: Einsteiger wie auch erfahrene Benutzer sollten die DVD zuerst einlegen und die Datei index.html öffnen, um sich einen Überblick zum genauen Inhalt der DVD zu verschaffen. Dazu reicht unter KDE ein Klick auf das DVD-Symbol oder die Eingabe der Adresse /media/SU101_001 im Konqueror.
Der Blick in die Dokumentation lohnt zwar auch nach der Grundinstallation von Suse Linux. Doch wer zuerst schaut, spart sich den vergeblichen Versuch, beim ersten Aufspielen des Systems die beworbenen vorkonfigurierten Anwendungen und Zusatztools gleich mitinstallieren zu wollen. Dies ist erst nach der Grundinstallation möglich.
Einsteiger sollten in jedem Fall einen Blick in den Unterpunkt Installation SUSE Linux werfen: Dahinter verbergen sich Links zu den entsprechen Installationshilfen für Suse Linux 10.1 OSS, die sich nur auf der DVD befinden. Ein gedrucktes Handbuch liefert der Verlag nicht mit.

Abbildung 1: Es lohnt sich, zuerst einen Blick in die Dokumentation zu werfen, die auf der Startseite der DVD verlinkt ist.
Die DVD unterteilt sich in fünf Bereiche, welche allesamt einleitende und erklärende Texte des Millin-Verlages enthalten:
- Installation SUSE Linux
- Dokumentation
- vorkon-Anwendungen
- Hardwaretreiber
- Software Drittanbieter
Die verlinkten Handbüchern beschreiben die Installation des Grundsystems sehr gut, sodass das Einrichten eines fehlerfreien Suse Linux 10.1 OSS dem Anwender keine Probleme bereitet. Das Einspielen der zusätzlichen Software gelingt im Anschluss daran in wenigen Schritten. Zunächst mounten Sie die DVD und öffnen dann das Konfigurationstool YaST, indem Sie [Alt]+[F2] drücken und yast eingeben.
Nachdem Sie in der ansschließenden Abfrage das root-Passwort angegeben haben, klicken Sie in der Rubrik Software auf den Menüpunkt Installationsquelle wechseln. Fügen Sie nun die lokale Installationsquelle /media/SU101_001/addon/ über Hinzufügen | lokales Verzeichnis ein und aktivieren Sie diese gegebenenfalls (Abbildung 2). Nun steht unter YaST die zusätzliche Software wie gewohnt zur Einrichtung parat.

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Abbildung 2: Fügen Sie im YaST-Modul den DVD-Ordneraddon als Installationsquelle hinzu, um das erweiterte Software-Angebot zu nutzen.Gerätetreiber
Einige Links verweisen nicht nur auf die beiliegenden Handbücher, die bei Problemen mit den mitgelieferten Treibern helfen, sondern liefern auch gleich eine Seite mit den entsprechenden Dateinamen. Direkte Links zu den RPM-Paketen fehlen jedoch, weswegen zur Installation wieder das Setup-Programm YaST in gewohnter Weise zum Einsatz kommt.
Eine genauere Beschreibung der Treiberinstallation findet sich nur für die Grafiktreiber von ATI und NVidia. Diese orientiert sich an der im Internet auffindbaren Informationslage. Alle anderen Treiber liegen als leicht zu installierende RPM-Pakete bereit, die Sie mit YaST einspielen. Vorsicht ist aber bei den verschiedenen Versionen einiger Treiber geboten, die vom installierten Kernel (bigsmp, debug, default, smp, xen) abhängen: Hier gilt es das passende Kernel-Modul auszuwählen.
Informationen über den installierten Kernel finden sich im K-Menü unter dem Punkt Persönliche Einstellungen. In der Regel passt der Treiber mit Namensbestandteil default. Eine Liste der unterstützten Geräte findet sich in der Tabelle “Zusatz-Inhalt Suse vorkon im Überblick”. Eine ärgerliche Lücke in der Treiberausstattung ist das Fehlen der weit verbreiteten IPW-Firmware für die WLAN-Module der Intel-Centrino-Technologie: Diese erreicht man nur über die externe Installationsquelle non-oss-inst-source[2]. Wie Sie diese in YaST einrichten, beschreibt ein Artikel auf der OpenSuse-Webseite [3].
Software von Drittanbietern
Unter der Rubrik Software Drittanbieter verbergen sich all jene Programme, die keinen Einzug mehr in die OSS-Version von Suse Linux hielten. Fast alle sind in einer leicht veralteten Version auf der DVD verfügbar. Allerdings stehen die meisten Pakete dieser Rubrik ebenfalls in der externen Installationsquelle non-oss-inst-source[2] bereit. Als echtes Highlight hat der Verlag ICC-Profile von Adobe für das Farbmanagement von Cinepaint und Scribus sowie die kommerzielle Finanzsoftware Moneyplex in einer vollwertigen Einzelplatzversion beigelegt.
Eine weitere Downloadersparnis, die das DVD-Cover gar nicht bewirbt, stellt die enthaltene Kopie der PrOOo-Box-CD dar. Hierbei handelt es sich um die Bürosuite OpenOffice in der Version 2.0.2 mit zahlreichen Extras. So bietet die DVD zusätzlich nützliche Makros, Vorlagen, Schriftarten, Cliparts und vieles mehr an. Einen Überblick zur PrOOo-Box mit Installationshilfen bietet die passende HTML-Dokumentation auf dem Datenträger, die sich aber auch im Internet findet [4].

Abbildung 3: Durch die Integration der PrOOo-Box-Software stellt OpenOffice unter anderem deutlich mehr Vorlagen zur Verfügung.
Vorkonfigurierte Anwendungen
Das eigentliche Herzstück der Distribution bilden die vorkonfigurierten Anwendungen: Hierbei handelt es sich überwiegend um so genannte LAMP-Software, wie das Forenprogramm phpBB oder die Content-Management-Systeme (CMS) Joomla (ehemals Mambo) und Typo3. Die DVD bietet zu jeder Software einen einleitenden Text und den Hinweis auf die vorliegenden, überwiegend deutschsprachigen Dokumentationen.
Etwas unglücklich unter der Rubrik Installation SUSE Linux versteckt, finden sich zudem wichtige Informationen zum erfolgreichen Betreiben solcher Netzwerkanwendungen im Zusammenspiel mit einer MySQL-Datenbank. Suse vorkon geht von einem neuen System aus, bei dem das Administratorpasswort für den MySQL-Server noch nicht gesetzt ist. Ansonsten scheitert bereits die Installation der Pakete. Haben sie also vor, sich beispielsweise das CMS-System Joomla einmalgenauer anzusehen, sollten sie das Passwort zuerst wieder zurücksetzen.
Öffnen Sie die Konsole, in dem sie die Tastenkombination [Alt]+[F2] betätigen und konsole in das Befehlsfeld eingeben. Geben sie nun su und danach ihr root-Passwort ein. Im folgenden Befehl sollten sie auf die Leerzeichen achten. Zwischen -p und dem alten Passwort, ist zum Beispiel kein Leerzeichen:
mysqladmin -u root -pAltesPasswo?rt password ""
Installieren sie nun in gewohnter Weise über das Installationswerkzeug in YaST das Paket vorkon-joomla-SL_10.1-0.1. Wer schon einmal interessehalber versucht hat, Joomla auf dem herkömmlichen Weg eizurichten, dem zaubert die simple Installation des RPM-Paketes ein Lächeln auf die Lippen. Alle sonst noch benötigten Apache- und PHP-Pakete zieht das System anstandslos nach. Die anschließende Kontrolle in einem beliebigen Browser bestätigt die korrekte Installation – ohne die sonst oft auftretenden Schreibrechte-Probleme. Öffnen sie hierfür die Adresse http://localhost/Joomla im Browser.
Um solche und ähnliche Anwendungen einmal auszuprobieren oder auch im übersichtlichen, lokalen Netz zu betreiben, bedarf es dank Suse vorkon kaum dem Studium einer ansonsten unentbehrlichen Installationsanleitung. Planen Sie allerdings, diese Software auf einem entfernten Server für alle zugänglich zu betreiben, ist ein eingehendes Studieren der entsprechenden Handbücher unumgänglich.
So sollten Sie per Konsole sofort wieder ein MySQL-Passwort setzen. Wiederholen Sie hierfür die schon beschriebenen Schritte. Die einzugebende Befehlszeile lautet diesmal:
mysqladmin -u root password ? "neuespasswort"
Dies verhindert zwar vorübergehend den Betrieb der CMS-Software, was sich aber leicht beheben lässt. Drücken Sie wieder die Tastenkombination [Alt]+[F2], um den Befehl kdesu konqueror einzugeben. Es öffnet sich daraufhin ein Konqueror-Fenster mit root-Rechten. Suchen sie im Ordner /srv/www/htdocs/Joomla nach der Datei configuration.php. Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Datei und wählen Sie den Kontextmenüpunkt Öffnen mit … aus, falls noch kein Editor diesem Dateityp zugeordnet wurde.
Schreiben sie in das Befehlsfeld kwrite, um die Datei configuration.php in diesem Editor zu öffnen. Suchen Sie nach folgenden Zeilen und ändern Sie diese wie angegeben:
$mosConfig_password = 'MySQL-Pas?swort'; $mosConfig_live_site = 'http://D?omain-Name/Joomla ';
Die hier verwendete Joomla-Version 1.0.8 gilt jedoch wegen zahlreicher Sicherheitslücken als hochgradig unsicher. Ein Update auf das aktuelle Joomla 1.0.11 ist also dringend angeraten. In diesem Fall studieren Sie besser auch die entsprechenden Handbücher.

Abbildung 4: Durch die Wahl der neuen Installationsquelle stehen in YaST die neuen Softwarepakete bereit. Abhängigkeiten zu anderen Paketen löst das System automatisch auf.
Die Vorkon-Programme aus dem LAMP-Bereich lassen sich kinderleicht installieren und im heimischen Netz anwenden. Fehlende Software zur LAMP-Konfiguration zieht das System automatisch nach und sorgt sich auch um die korrekte Konfiguration der Pakete auf dem persönlichen Server. Die Anwendungen aber sicher im Internet zu betreiben, setzt auch hier einen Mehraufwand und das Studium der Handbücher zwingend voraus. In dem Fall verpufft der Zeitspareffekt durch die DVD.

Abbildung 5: Gleich nach der Installation stehen CMS-Anwendungen und andere Webdienste über den Browser zur Verfügung.
Für spielfreudige Computerbenutzer ohne Flugangst hat Suse vorkon den 3D-Flugsimulator Flightgear mit auf den Datenträger gepackt. Die Distribution enthält neben einer Reihe von Objekten auch die Szenerie von Europa. Wie jedoch bei einigen Vorkon-PHP-Anwendungen verweist der Verlag auch hier darauf, dass es wegen der vielen Parameter nicht möglich sei, eine zufriedenstellende Voreinstellung mitzuliefern. Für Flightgear gibt es nur eine englischsprachige Dokumentation.
Dokumentation
Obwohl dem Produkt kein gedrucktes Handbuch beiliegt, ist die Ansammlung der deutschsprachigen Dokumente eine wahre Fundgrube: Jede der beiliegende Anwendungen verweist auf ihr eigenes Handbuch. Neben den Standardhandbüchern zur Installation und Administration von Suse Linux gibt es grundlegende Informationen zu Linux bis hin zu einer Vorbereitung auf die LPI-Prüfung.
Fazit
Die vom Millin-Verlag hergestellte Suse-Linux-Ausgabe macht insgesamt einen guten Eindruck. Wer eine einfach zu handhabende Distribution sucht und kaum Möglichkeiten zu langen Downloads und ausschweifenden Internetrecherchen hat, der ist mit dem Produkt bestens bedient.
Die Einführungstexte des Verlags lassen sich leicht zu verstehen und nachzuvollziehen. Weiterführende Informationen finden sich stets in den zahlreichen beiliegenden Handbüchern. Den Linux-Neuling könnte die Vielzahl an Sprüngen in verschiedene Texte – teils in HTML, teils als PDF-Datei – allerdings schnell verwirren.
Ausgehend von der Annahme, dass es sich bei der Zielgruppe einer vorkonfigurierten Suse-Distribution wahrscheinlich um Einsteiger handelt, lässt sich die Programmauswahl allerdings kaum nachvollziehen. Nur wenige Linux-Newbies dürften sich mit dem Aufbau einer Forensoftware im kleinen Heimnetz auseinandersetzen.
Positiv ist aber zu beurteilen, dass das System niemanden zum Kompilieren von eigenen Kernelmodulen zwingt. Wo dies notwendig wird, hält Suse vorkon stets ein leicht zu installierendes RPM-Paket bereit, das die Treibermodule per Skript baut. Schöner wäre es allerdings, wenn diese Pakete bereits bei der Erstinstallation zur Verfügung ständen.
Glossar
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proprietäre Programme
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(lat. proprius: eigen) bezeichnet im Zusammenhang mit Software Programme, die unter keiner freien Lizenz stehen, sondern ihren Quellcode geschlossen halten. Nicht zu verwechseln mit der juristischen Bedeutung von proprietär, wo es “urheberrechtlich geschützt” bedeutet. Software kann urheberrechtlich geschützt sein und trotzdem einen offenen Quellcode (zum Beispiel GPL) haben, also nicht-proprietär sein.
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LAMP
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Akronym für die Kombination aus Linux, Apache, MySQL und PHP, mit deren Hilfe Sie ansprechende, webbasierte Anwendungen wie Forensoftware aufsetzen.
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LPI
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Abkürzung für Linux Professionell Institut. Ein professionelles und von Softwarefirmen unabhängiges Zertifizierungsprogramm rund um die Systemadministration von Linux.
Infos
[1] OpenSuse: http://de.opensuse.org
[2] Installationsquelle non-oss-inst-source: http://download.opensuse.org/distribution/SL-10.1/
[3] Paketquellen in YaST einfügen: http://de.opensuse.org/Paketquellen_als_YaST-Installationsquellen_einbinden
[4] PrOOo-Box: http://www.prooo-box.org
[5] Millin-Verlag: http://www.millin.de
[6] Wikipedia: http://de.wikipedia.org




