K3b brennt in der kommenden Version 1.0 auch Video-DVDs

Aus LinuxUser 10/2006

K3b brennt in der kommenden Version 1.0 auch Video-DVDs

Einfach entflammt

Kleine Änderung, große Wirkung: Mit dem neuen Modul zum Bearbeiten von Video-DVDs erleichtert K3b dem Anwendern in gewohnter Weise die Arbeit.

Bei der Suche nach einem Brennprogramm für CDs und DVDs unter Linux stoßen Sie unweigerlich auf das KDE-Programm K3b [1]. Obwohl die Software streng genommen nur als eine grafische Oberfläche für Tools wie Cdrecord [4], die DVD-RW-Tools [5], Lame [6] oder Transcode [7] dient, haben die Programmierer rund um den Maintainer Sebastian Trueg einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass das Brennen einer CD oder DVD unter Linux kinderleicht gelingt. Welche Neuheiten und Änderungen die kommende Version 1.0 bringt, verrät ein Blick auf die erste Preview.

Installation

Die letzte stabile Version 0.12.16 ließ in Bezug auf das Brennen von CDs, DVDs oder Datenträger mit gemischten Daten/Musik-Modi eigentlich kaum Wünsche offen. K3b arbeitet zuverlässig und unkompliziert beim Sichern oder Vervielfältigen von Daten aller Art. Dabei fügt sich das Programm bestens in ein KDE-Environment ein und interagiert problemlos mit anderen Applikationen, wie zum Beispiel dem Musikplayer Amarok oder dem Dateimanager Konqueror.

Einzig das Rippen von Video-DVDs wollte den Programmierern nicht gelingen und so warnte noch in der letzten Version ein Fenster beim Einlegen einer Video-DVD, dass die Teilfunktion nicht richtig funktioniere.

Abbildung 1: In der alten Version warnt K3b den Anwendern beim Einsatz des Video-DVD-Moduls vor unangenehmen Nebeneffekten.

Abbildung 1: In der alten Version warnt K3b den Anwendern beim Einsatz des Video-DVD-Moduls vor unangenehmen Nebeneffekten.

Um so spannender las sich da die Ankündigung der Version 1.0 Anfang August, welche das Auslesen und Kodieren von Video-DVDs endlich in Aussicht stellte. Vollmundig behaupten die Entwickler, dass Benutzer dafür küünftig nur noch K3b verwenden. Dies und einige weitere Neuerungen, die die Anwender ohne Changelog-Datei selbst herausfinden sollen, bewegten das K3b-Team zu dem größeren Sprung auf Version 1.0, welche nun in einer ersten Preview vorliegt.

Vor dem ersten Blick auf das Programm steht leider eine etwas aufwändigere Installationsarbeit, falls Sie nicht zu allen gewünschten Paketen die entsprechenden Header-Files parat haben. Fertige RPM-Pakete der 1.0preview1 gibt es für keine Distribution. Welche Pakete, inklusive Devel-Pakete, K3b zum vollständigen Funktionieren benötigt, erfahren Sie im Kasten “Abhängigkeiten”.

Das Programm arbeitet auch, wenn Sie beispielsweise die Header-Dateien zu Ogg-Vorbis nicht mit installiert haben. In dem Fall fehlt der Software aber die Fähigkeit, Audiodateien in das freie Ogg-Format zu kodieren.

Abhängigkeiten

Die Bezeichnungen variieren von Distribition zu Distribution Hal, Hal-devel Resmgr Alsa Libffmpeg0, Libffmpeg0-devel Libsndfile, Libsndfile-devel Flac, Flac-devel Mad, Mad-devel Musepack oder Libmpcdec Ogg-vorbis Lame-encoder-plugin Taglib, Taglib-devel Arts, Arts-devel Libmusicbrainz, Libmusicbrainz-devel

Die 3,6 MByte große Archiv finden Sie im Netz [2] oder auf der Heft-CD. Entpacken Sie die heruntergeladene Datei mit dem Befehl tar -xfj k3b-1.0pre1.tar.bz2. Wechseln Sie mit cd k3b-1.0pre1/ in den neu entstandenen Ordner, und geben Sie dort ./configure --enable-debug=full ein. Die Beigabe --enable-debug=full wünscht verständlicherweise das K3b-Team, um dem Fehlerteufel leichter auf die Spur zu kommen. Wenn Sie den Support einiger Module nicht wünschen, so schließen sie diese mit --without-Modulname vom Kompilieren aus.

Das anschließende make und make install (als root), sollte K3b in seiner neusten Preview problemlos installieren, falls sie etwas Zeit mitgebracht haben: Das Kompilieren dauert je nach Rechenpower rund 20 Minuten. Legen Sie Wert auf die Unterstützung Ihrer Muttersprache, erhalten sie diese über das Paket [3], das Sie ebenfalls mitkompilieren. Es handelt sich dabei zwar um die Lokalisierung der Version 0.12.16, diese funktioniert aber weitgehend auch in der Preview1. Der übliche Dreisatz kompiliert und installiert das Paket.

Begrüßung

Das Programm begrüßt Sie nach erfolgreicher Installation mit den üblichen Warnhinweisen. So empfehlen die Entwickler dringend, cdrdao mit Systemverwalterrechten zu betreiben. Auf Wunsch hilft dabei K3bsetup auch in dieser Version. Anderenfalls arbeitet Cdrecord mitunter instabil.

K3b bemängelt außerdem eine zu alte Growisofs-Version (aus den DVD+RW-Tools), wenn diese nicht zumindest die Versionsnummer 6.0 trägt. Im Test arbeitete K3b aber auch mit der älteren und von nicht ganz aktuellen Distributionen verwendeten Version 5.21 zusammen. Die Entwickler empfehlen darüberhinaus, das automatische Mounten von CDs/DVDs lieber abzuschalten, weil es nicht näher bezeichnete Probleme verursacht.

Abbildung 2: Die Meldungen im zweiten Fenster beziehen sich auf bekannte Probleme der aktuellen Preview-Version, welche einem erfolgreichen Brennen aber nicht im Weg stehen sollten.

Abbildung 2: Die Meldungen im zweiten Fenster beziehen sich auf bekannte Probleme der aktuellen Preview-Version, welche einem erfolgreichen Brennen aber nicht im Weg stehen sollten.

In dem gewohnt aufgeräumten Interface fallen die drei neuen Tools ins Auge: Rip Video-CD, Rip Video-DVD und Rip Audio-CD. Diese sind entweder über leicht einzurichtende Buttons im unteren Fensterteil oder über das Menü Extras (Tools) erreichbar.

Musik

Bei den Musikliebhabern unter den K3b-Anwendern kommt Freude auf, dass das Programm nun das Auswählen der einzelnen Titel einer CD zum Auslesen mit einem Mausklick und nicht mehr über das Kontextmenü funktioniert. Die Entwickler vereinfachten zudem den Dialog zum Einsatz des meistverwendeten Encoders Lame, in dem Reglerfunktionen, wie das Einstellen variabler Bitraten erlauben.

Zum Umwandeln der Audio-CD-Daten stehen, falls als Modul mit einkompiliert, eine Vielzahl von Codecs bereit, welche eine mehr oder weniger gute Konfiguration bereitstellen. In der Praxis beschränkt sich der Haupteinsatz wohl auf die Encoder Lame und Ogg-Vorbis beschränken. Andere Neuerungen sind k3b in diesem Segment nicht wiederfahren. So erlaubt auch die Version 1.0 noch nicht das Auswählen eines Detailausschnitts aus einer WAV-Datei zum Rippen, wie es zum Beispiel von Grip bekannt ist.

Bewegte Bilder

Die eigentliche Neuheit der Applikation offenbart sich jedoch, wenn Sie eine Video-DVD einlegen: Es startet ein in englisch gehaltenes Hinweisfenster zu den drei möglichen Vorgehensweisen, das neue Video-Rippingtool zu verwenden:

  • Einzelne Videotracks der DVD in ein anderes komprimiertes Format (beispielsweise Xvid) bringen. Dabei ignoriert das Tool sämtliche Menüstrukturen. Für diesen Schritt klicken Sie einfach auf Fortsetzen / Continue.
  • Die VOB-Video-Dateien der DVD kopieren, um sie mit einem anderen Programm weiter zu bearbeiten. Folgen Sie entweder dem angebenen Link videodvd:/, oder geben Sie diese Adresse das nächste mal gleich in den Konqueror ein, ohne K3b zu starten. Das enspricht der alten Vorgehensweise über die Adresse system:/media/hdx.
  • Eine Kopie der eingelegten DVD (selbstverständlich zum privaten Sichern) mit allen Menüs und Extras erstellen. Dazu nutzen Sie am besten das DVD-Kopier-Tool, welches ein Klick auf Open DVD Copy Dialog startet.
Abbildung 3: In einen derzeit noch in englisch gehaltenen Dialog verweist das Programm auf die Verarbeitungsmöglicheiten bei einer Video-DVD.

Abbildung 3: In einen derzeit noch in englisch gehaltenen Dialog verweist das Programm auf die Verarbeitungsmöglicheiten bei einer Video-DVD.

Entscheiden Sie sich dazu, den Haupttrack der DVD als MPEG4- oder Xvid-Datei auf die Festplatte zu bannen, so führt das Programm alle verfügbaren Title in einer Liste auf. Fährt die Maus über das kleine Vorschau-Thumbnail, so blendet sich dieses in augenfreundlicher Größe ein. Eine nette Idee, um Titelanfänge besser voneinander zu unterscheiden und gleichzeitig obsolet, weil die meisten dieser Fenster filmtechnisch bedingt schwarz bleiben.

Abbildung 4: Beim Mouseover zeigt K3b in das Bild vom Kapitelanfang einer Video-DVD in größerer Ansicht.

Abbildung 4: Beim Mouseover zeigt K3b in das Bild vom Kapitelanfang einer Video-DVD in größerer Ansicht.

Wählen Sie den gewünschten Track aus und klicken sie auf Auslesen starten/ Start rip. Im folgendem Auswahlfenster bestimmen Sie, welche Sprache Sie wünschen, welche Audio/Video-Codecs K3b verwendet und in welchen Bitraten Sie das Resultat am Ende haben wollen. Wenn Sie zugunsten der Dateigröße ein Verkleinern wünschen, Ändern Sie unter Video Size die Größe des Ausgabevideos.

Unter File Naming geben Sie den Dateinamen mit informativen Anhängseln, wie der gewählten Sprache, vor. Die Preview1 von K3b hält hierfür bereits Hilfen bereit. Die Einstellungen unter Erweitert sollten Sie so belassen. Sie bestimmen unter anderem, dass der Kodierprozess mit niederiger Priorität läuft. Ansonsten wäre der Computer während der nächsten Stunden nicht mehr anderweitig verwendbar.

Abbildung 5: Voreinstellungen von K3b für das neue Video-Tool sind stets logisch und bedürfen höchstens einem Minimum der Nacharbeit.

Abbildung 5: Voreinstellungen von K3b für das neue Video-Tool sind stets logisch und bedürfen höchstens einem Minimum der Nacharbeit.

Das einfache Kopieren einer DVD bedarf keiner näheren Erläuterung. Es ist selbsterklärend, wie die meisten Funktionen von k3b. Allerdings tastet die Software dabei den Videostrom nicht an. Ein Remastern der DVD9 auf DVD5, um sie anschließend mit DVD-Struktur auf einen 4,7GB-Rohling zu bannen, ist nicht möglich. Ein Double-Layer-Brenner mit entsprechend teuren Double-Layer-Rohlingen ist also unerlässlich, um diese Funktion sinnvoll zu nutzen.

Was fehlt?

Wer an das k3b-Projekt Vorschläge schickt, wie die Entwickler das zur Multimedia-Suite angewachsene Tool weiter bereichern könnten, sollte bedenken, dass es sich hier eigentlich um ein Brennprogramm (als GUI) handelt. Vor diesem Hintergrund fehlt dem Programm eigentlich nicht viel, und der Versionssprung auf 1.0 ist mehr als berechtigt.

Durch die verschiedenen Dreingaben zeigt sich die Software sehr flexibel: Zum einen eignet sich K3b optimal für den schnellen User, der einfach aus seinem Dateimanger heraus einen Ordner brennen möchte, eine CD/DVD kopieren will oder plant, seinen Lieblingsfilm als MPEG-Datei auf Festplatte zu sichern, ohne sich erst mit vielen Optionen mühsam zu beschäftigen.

K3b hat hier optimale Voreinstellungen getroffen, die den User in den meisten Fällen zufrieden stimmen dürften. Die wenigen zu bewegenden Schalter und Regler sind oft genutzte und leicht verständliche Optionen, welche auch ohne Handbuch bedienbar bleiben. Es bleibt für den unbedarften Anwender allerdings zu hoffen, dass die einzelnen Module Rippen und Brennen in der finalen Version besser ineinander greifen.

So wäre es doch nicht schlecht, wenn das Auslesen und Brennen einer Video-DVD genauso funktionieren würde, wie das einer Audio-CD: Der Nutzer zieht den entsprechenden Titel einfach in den Projektteil der Programmoberfläche, woraufhin sich die Dialoge zum Einstellen der Codecs und zum Brennen öffnen könnten. Gleiche Wege für gleiche Arbeit.

Der eher detailverliebte Anwender erlebt eher eine Enttäuschung, weil das Programm die Möglichkeiten der verwendeten Tools, wie Transcode, nur zu einem kleinen Teil ausnutzt. So fehlen weitergehende Möglichkeiten für das Clipping (Beschneiden) des Videos ebenso, wie die Möglichkeit, ein entstandenes Xvid- oder MPEG-File zu zerteilen, damit es auf eine CD mit 700 MByte passt. Letztere Funktion stellt allerdings ebenso ein Muss für die finale Version 1.0 dar, ebenso wie ein direktes Überleiten des gerippten und kodierten Videos in einen Brennvorgang.

Auch zum Remastern der DVD auf ein kleineres Format greift die Software weiterhin auf andere, zum Teil konsolenbasierte Tools zurück. Es ließen sich viele Funktionen finden, die als Bestandteil eine spätere Versionen erweitern könnten. Genau genommen gehört aber jede für sich in ein gut durchdachtes eigenes Programm. K3b geriete nur unnötig unübersichtich und kompliziert.

Fazit

Das K3b-Team hat mit der lange angekündigten Version 1.0 zwar lediglich ein Tool der Sammlung hinzugefügt und die anderen Bestandteile im Wesentlichen auf ihren alten Featurestand belassen. Dieses eine haben die Programmierer allerdings äußerst anwenderfreundlich und unter Konzentration auf die wichtigsten Konfigurationsmöglichkeiten umgesetzt, ohne sich von dem Vorhandensein anderer Video-Rip-GUIs beirren zu lassen.

Trotz des Status einer Preview-Version liefen alle Tools auf zwei Testsystemen mit der älteren SuSE 9.3 und der neueren SuSE 10.1, erstaunlich problemlos – von den vorab per Hinweisfenster angekündigten Fehlern einmal abgesehen. Es bleibt zu hoffen, dass die Programmierer bis zur finalen Version vielleicht noch die kleinen angesprochenen Ungereimtheiten in der Benutzerführung verbessern.

Infos

[1] K3b-Projektseite: http://www.k3b.org

[2] K3b-Sourcen: http://prdownloads.sourceforge.net/k3b/k3b-1.0pre1.tar.bz2?download

[3] Lokalisierungsdatei: http://prdownloads.sourceforge.net/k3b/k3b-i18n-0.12.16.tar.bz2?download

[4] Cdrecord: http://cdrecord.berlios.de/old/private/cdrecord.html

[5] DVD+RW-Tools: http://fy.chalmers.se/~appro/linux/DVD+RW/

[6] Lame: http://lame.sourceforge.net

[7] Transcode: http://www.transcoding.org/cgi-bin/transcode

LinuxUser 10/2006 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben