Opera 9 im Test

Aus LinuxUser 09/2006

Opera 9 im Test

Opera 9Schlank und schnell

Stabil, problemfrei, schnell und komplett: Opera 9 bietet in kompakter Form alles, was man fürs Internet braucht.

Schon seit 12 Jahren versorgt die norwegische Softwareschmiede Opera Software ASA die Internetnutzer mit einem Webrowser, der bei jeder finalen Veröffentlichung als revolutionär gilt.

Einst als 1,3 MB großer Konkurrent gegen die Boliden Internet Explorer und Netscape Navigator angetreten, setzte der Opera-Browser schon immer auf Features für die professionelle Recherchearbeit im Internet. Viele spezielle Opera-Funktionen, wie das schnelle Kacheln der Tabs und deren bequemes Durchblättern per Tastendruck lassen auch heute noch die meisten Konkurrenzprodukte vermissen.

Zwar handelt es sich bei Opera um Closed Source, der Browser läuft jedoch auf zahlreichen Betriebssystemen, so dass auch Linux-Anwender seit vielen Jahren die Vorzüge des Programms geniessen können.

Erster Start

Opera 9 in der neuesten Version herunterzuladen und zu installieren, ist denkbar einfach. Stellen die distributionseigenen Repositories das Programm noch nicht zur Verfügung, laden Sie den Browser über die Opera-Homepage [1] herunter. Hier stehen passende Pakete für alle gängigen Distributionen bereit, die sich über den jeweiligen Paketmanager einrichen lassen. Findet sich die eigene Distribution nicht in der Downloadliste, so hilft das statische RPM-Paket meist weiter.

Nach dem ersten Start des Programms erscheint ein Fenster mit den Nutzungsbedingungen, die es zu bestätigen gilt – für den von Open Source verwöhnten Anwender ein ungewohntes Bild. Die Opera-Oberfläche macht einen aufgeräumten Eindruck, ist aber derzeit noch komplett in Englisch gehalten. Sämtliche Sucheingabefelder (für Google, Amazon, Ebay etc.) verweisen auf die englischsprachigen Teile der Seiten.

Positiv fällt auf, dass die KDE-Integration im Gegensatz zur Version 8 [2] nun etwas besser gelingt. Der Browser übernimmt die voreingestellten Systemfarben und zeigt jetzt auch transparente Menüs an, wenn Sie das im KDE-Kontrollzentrum eingestellt haben. Lediglich die Menüfonts nutzt Opera etwas eigenwillig, im Gegensatz zur Version 8 zeigt es sie jedoch in gut lesbarer Größe an. An gewohnter Stelle (Extras | Einstellungen | Erweitert | Schriften) lassen diese Schriftarten sich bei Bedarf unkompliziert an KDE-Gepflogenheiten anpassen.

Lokalisierung

Um Opera an deutsche Verhältnisse zu gewöhnen, bedarf es einiger lästiger, aber unkomplizierter Nacharbeit: Ein Eintrag in den Foren der deutschen Linux-Community [3] hält einige nützliche Dateien bereit, die Sie nach Anleitung in die entsprechenden Ordner unter ~./opera installieren. Die offizielle deutsche Sprachdatei finden Sie unter [4]. Allerdings sind bei Änderungen am Programm die Dateien der deutschen Opera-Community [3] stets schneller aktualisiert, als die Originale von Opera Software.

Unter Extras | Einstellungen finden Sie den Kartenreiter Suche. An dieser Stelle lassen sich die Suchfelder auf die deutschsprachigen Pendants der Portale umleiten. Bei den meisten Seiten genügt es, das Länderkürzel in .de zu ändern. Alternativ dazu können Sie auch auf die entsprechende deutschsprachige Internetseite ansurfen und mit der rechten Maustaste in das gewünschte Suchfeld klicken: Es erscheint dann ein Menü zur Einrichtung einer Schnellsuche. Tragen Sie beispielsweise für Wikipedia.de dort das Kürzel wp ein, so genügt in der Adresszeile des Browsers später die Eingabe wp Suchbegriff und Opera zeigt den ensprechenden Eintrag aus der freien Enzyklopädie an. Noch einfacher und schneller kann man kaum zu gewünschten Suchergebnissen kommen.

Neue Funktionen

Schon auf den ersten Blick fällt auf, das Opera sich als kleines Icon in den Systemabschnitt der KDE-Kontrollleiste einnistet (Abbildung 1). Ähnlich wie bei der Schnellstartfunktion des Firefox-Browsers lässt ein Klick auf das Icon Opera verschwinden und hält im Kontextmenü die wichtigsten Programmbestandteile zum direkten Zugriff bereit. Schließt man Opera jedoch auf herkömmliche Weise, so verschwindet auch diese Schnellstart-Funktion.

Abbildung 1: Opera 9 nistet sich als Icon im Systemabschnitt der KDE-Kontrollleiste ein.

Abbildung 1: Opera 9 nistet sich als Icon im Systemabschnitt der KDE-Kontrollleiste ein.

Neben dem bereits erwähnten unkomplizierten Erstellen eines neuen Sucheingabe-Feldes hält Opera Software auch Version 9 wieder eine Reihe neuer nützlicher Features bereit.

Neue Funktionen in Opera 9

  • Widgets – kleine Helferprogramme auf Ajax-Basis
  • leicht zu bedienender Content-Blocker
  • Sicherheitsrichtlinien für jede Seite einzeln zu regeln
  • integrierter BitTorrent-Client
  • beliebige Suchmaschinen einfach als Suchfeld hinzufügen
  • Webseiten als Thumbnails zum schnelleren Auffinden
  • URI http://opera:config zum übersichtlichen Tuning
  • farbige Hervorhebung von Suchergebnissen
  • verbesserte Papierkorbfunktion
  • verbesserte KDE-Integration

So hat die eigentlich bereits für Version 8.5 angekündigte BitTorrent-Integration, nun in die Browsersuite Einzug gehalten. Gibt man in das Adressfeld b Suchbegriff ein, so durchforstet Opera das Filesharing-Netzwerk und fügt die Downloads der Transferliste hinzu. Ein weiteres, externes Programm wird dafür nicht mehr benötigt.

Eine ebenfalls sehr nützliche Neuerung ist der Content-Blocker (Abbildung 2). Um ihn zu nutzen, klicken Sie nur noch mit der rechten Maustaste in die Webseite und wählt den Menüpunkt Inhalt blockieren aus. Nun markieren Sie per Mausklick alle Werbebanner, die Sie in Zukunft nicht mehr sehen möchten. Der Menüeintrag Extras | Einstellungen | Inhalte | Blockierter Inhalt, verwaltet die Einträge zu den ungewünschten Werbebildchen.

Auf informationslastigen Nachrichtenseiten, wie Spiegel.de oder Heise.de, funktioniert das Prinzip hervorragend und lenkt den Blick des Lesers wieder auf die eigentlichen Inhalte. Mit Werbung überladene Webseiten verschiebt der Content-Blocker allerdings; es entstehen oft große, bunte Freiflächen. Anzeigen, die sich als normaler Text mit Rahmen in den HTML-Code der Seite integrieren, kann der Blocker nicht entfernen.

Ebenfalls für jede Website einzeln einstellen lassen sich die Sicherheitsrichtlinien: Ein Klick mit der rechten Maustaste in die Internetseite (jedoch nicht über einem Bild) öffnet das Kontextmenü zur Seite. Unter dem Menüpunkt Seitenspezifische Einstellungen verbergen sich die zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten zum Verhalten des Browsers gegenüber Cookies, Pop-ups, Plugins, Javascripts und anderen sicherheitsrelevanten Beigaben. Selbst die Browseridentifikation lässt sich hier für jede Webseite einzeln festlegen.

Spiel und Spaß

Die auffälligste Neuerung stellt wohl die Einbindung sogenannter Widgets dar, wei man Sie etwa von Karamba oder GDesklets her kennt (Abbildung 3). Die kleinen Programme basieren auf Ajax [4] und lassen sich über Widgets | Widgets hinzufügen leicht installieren. Zu jeder dieser Zwerganwendungen kann man festlegen, ob sie sich im Hintergrund halten oder andere Arbeitsfenster stets überlappen soll.

Abbildung 3: Spreu und Weizen: Nicht alle der von Opera bereitgestellten Widgets bieten auch einen überzeugenden Sinngehalt.

Abbildung 3: Spreu und Weizen: Nicht alle der von Opera bereitgestellten Widgets bieten auch einen überzeugenden Sinngehalt.

Die Vielfalt dieser Programme ist erstaunlich, reicht sie doch von der kleinen Uhr im Opera-Look über Systemleisten und ToDo-Listen bis hin zu kompletten HTML-Editoren. Die Qualität variiert hierbei von sehr gut und nützlich bis hin zu unbenutzbar und völlig überflüssig. Aber dies kann der Opera-Benutzer gefahrlos selbst herausfinden, da die Widgets sich ebenso einfach wieder entfernen lassen, wie man sie einrichtet. Ob sich solche mehr oder minder sinnigen Programmzusätze für Browser allerdings durchsetzen werden, belibt zu bezweifeln. Der Trend geht eher dahin, dass alle gängigen Betriebssysteme ein solches Gadgetsystem in ihren neueren Versionen schon mitbringen.

Feinschliff

Neben diesen augenfälligen Neuerungen gibt es in Opera 9 eine Reihe an kleineren Detailverbesserungen. So soll beispielsweise die Suchfunktion in einer Webseite [Strg]+[F] die Treffer zweifarbig markieren, wobei gelb den aktuellen Treffer hervorhebt und grün die restlichen. Übernimmt Opera jedoch das KDE-Theme, so bleiben alle Treffer in der voreingestellten KDE-Farbe für Hervorhebungen.

Auch die Systemdatei opera6.ini muss nun nicht mehr mühevoll im Texteditor durchforstet werden: Der Aufruf http://opera:config oder der Menüeintrag Extras | Weiteres | Opera6-Einstellungen bringen eine übersichtliche Seite zum Vorschein, in der sich die gewünschten Einstellungen bequem vornehmen lassen. Wer nicht genau weiß, was er einstellt, sollte diese Funktion aber lieber unberührt lassen oder sich vorab in einem der Foren zu Opera ([6],[7]) belesen.

Für im Hintergrund liegende Webseiten blendet Opera 9 eine Vorschau ein, sobald man den Mauszeiger über den zugehörigen Reiter bewegt (Abbildung 4). Auf diese Weise lässt sich trotz vieler geöffneten Tabs schnell die gewünschte Seite wiederfinden, ohne alle Reiter erst durchklicken zu müssen.

Abbildung 4: Für im Hintergrund liegende Webseiten blendet Opera 9 eine Vorschau ein, sobald man den Mauszeiger über den zugehörigen Reiter bewegt.

Abbildung 4: Für im Hintergrund liegende Webseiten blendet Opera 9 eine Vorschau ein, sobald man den Mauszeiger über den zugehörigen Reiter bewegt.

Wer versehentlich einen oder mehrere Tabs schließt, wird im Papierkorb fündig und kann die Reiter so wiederherstellen. Laut Hersteller haben die Entwickler außerdem auch am Druckverhalten und der Plugin-Implementierung gefeilt. Im Test funktionierten die gängigen Plugins denn auch problemlos. Einige Benutzer melden in den einschlägigen Foren aber nach wie vor Probleme beim Druck ([6],[7]).

Alles dabei

Bei Opera handelt es sich um eine komplette Internet-Suite, die neben dem Browser auch Module für E-Mail, IRC-Chats, RSS-Feeds sowei einen Newsreader mitbringt. Dabei fällt positiv auf, dass nicht benötigte Bestandteile der Suite so lange aus den Menüeinträgen fern bleiben, bis man sie erstmalig aufruft.

Alle Module erscheinen nach Aufruf in Form eines neuen Reiters, der sich wie ein Seitenfenster steuern lässt. Die etwas eigenwillige Methode, E-Mails nach Benutzern oder bestimmten Eigenschaften zu sortieren, mag auf den ersten Blick den ordnerstrukturverliebten Anwender etwas verwirren, hat aber durchaus einen sinnvollen Hintergrund: Sie erspart dem Benutzer das Anlegen unzähliger Filterregeln.

Die Verbesserungen an den Modulen beschränken sich in Opera 9 auf Details. So wurden Verbesserungen an der IMAP-Einbindung vorgenommen, für verspielten E-Mail-Autoren gibt es jetzt ein Smiley-Menü. Das Newsfeedmodul liest nun auch Atom-1.0-Feeds ein, und in einem Chatfenster erscheinen DCC-Files verlinkt. Eine ausführliche Liste alle Verbesserungen findet sich im Changelog [8].

Fazit

Es in Version 9 überzeugt Opera durch umfangreiche Funktionalität bei minimalem Platzbedarf – erstaunlich, was die Programmierer alles in ein 5 MByte großes Paket gepackt haben. Während die Konkurrenz sich immer mehr aufbläht und träger wird, bleibt Opera schlank und schnell. Bei einem so umfangreichen Programmpaket wäre allerdings ein verbessertes Adressbuch wünschenswert, das problemlos Adressen und auch E-Mails aus den gängigen Programmformaten importieren kann.

Der Browser arbeitet äußerst stabil und problemfrei, an alle Einstellungen gelangt man zügig über die Kontextmenüs. Die Darstellungsprobleme der Vergangenheit haben die Entwickler kontinuierlich vermindert, auch wenn es noch immer die ein oder andere “Problemseite” für das Programm gibt.

Auch Einsteiger surfen mit Opera schon nach einer kurzen Einarbeitungszeit effizient im Internet und nutzen die sinnvollen Features zu professionellen Recherchen. Fortgeschrittene Anwender verwöhnt das Programm mit einer Vielzahl von variablen Anpassungsmöglichkeiten an den persönlichen Geschmack und Arbeitsstil.

Infos

[1] Opera-Homepage: http://www.opera.com

[2] Opera 8: Mirko Albrecht, “Kompakter Allrounder”, LinuxUser 06/2005, S. 72, http://www.linux-user.de/ausgabe/2005/06/072-opera8

[3] Dateien zur Lokalisierung: http://opera-info.de/forum/thread.php?threadid=9913

[4] Offizielle Sprachdateien: http://www.opera.com/download/languagefiles/

[5] Ajax: http://de.wikipedia.org/wiki/Ajax_(Programmierung)

[6] Deutsches Opera-Forum: http://my.opera.com/deutsch/forums/

[7] Deutsche Opera-Community: http://opera-info.de/forum/Quellen

[8] Changelog: http://www.opera.com/docs/changelogs/linux/900/

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