“Portland” soll Linux-Portierung vereinfachen.
Auf einer von den Open Source Development Labs (OSDL) organisierten Konferenz in Portland im US-Bundesstaat Oregon, trafen sich Vertreter verschiedener Desktop-Projekte, um die Interoperabilität voranzutreiben.
Das herausragendste Ergebnis dieser Runde ist ein neues Projekt, das die Beteiligten “Project Portland” tauften – im Anklang an den für das Thema Portierungen sinnfälligen Namen des Konferenzortes. Aufgabe der Neugründung ist es, Anwendungsentwicklern eine von Desktop und Toolkit unabhängige Schnittstelle für ihre Standardapplikationen anzubieten. Software-Hersteller profitieren ebenfalls davon: Ihnen sollen fertige Dialoge und Funktionen zur Auswahl stehen. Sie brauchen sich damit weniger um den Look ihrer Software kümmern.
Portland ist aber vor allem dazu gedacht, Entwicklern, die ihre Software von Windows auf Linux portieren möchten, den Schrecken vor uneinheitlichen APIs zu nehmen. Einen ähnlichen Vorschlag hatte KDE-Urgestein und Konferenzteilnehmer Martin Konold kurz zuvor unter dem Namen “RuDI” vorgestellt (http://www.kdedevelopers.org/node/1398). Portland soll das Konzept von Konold noch einmal verfeinern.
Je zwei Entwickler der Projekte KDE und GNOME bilden eine Arbeitsgruppe, von der bald erste Entwürfe für eine entsprechende Schnittstelle erwartet werden. Unter den Hut von FreeDesktop.org gestellt, fließen die Resultate dann in die Version 4.0 der Linux Standard Base (LSB) ein. Letztere soll Ende 2006 erscheinen.
Browser-Hersteller einigen sich auf Standards
Entwickler von Internet Explorer, Firefox, Opera und KDE Konqueror haben sich vor kurzem bei einem Meeting in Toronto darauf geeinigt, bei der Sicherheit ihrer Webbrowser zusammenzuarbeiten. Gastgeber der Veranstaltung war KDE-Entwickler George Staikos.
Den Programmierer-Teams geht es vor allem darum, das komplexe Thema SSL-Zertifikate transparenter zu gestalten und Phishing-Attacken einzudämmen, die sich in den vergangenen Jahren rasant vermehrt haben. Einigkeit herrschte darüber, das überholte und unsichere SSLv2-Protokoll aus den Browsern zu entfernen. Der Internet Explorer verzichtet mit Version 7 darauf, KDE ab Version 4. Außerdem gibt es in KDE 4 keine 40- und 56-Bit-Verschlüsselung mehr – stärkere Verschlüsselungen mit 2048 Bit und mehr bekommen Vorrang.
Die Entwickler haben zudem ein einheitliches Erscheinungsbild der Browser befürwortet, was die Sicherheitsfunktionen betrifft. Der Benutzer solle in den unterschiedlichen Browsern Anwender durch einheitliche optische Merkmale die Sicherheitsstufe einer Website sofort erkennen. Dafür bekommt jeder Browser in der Adressleiste ein Schlosssymbol. Über die Farbe der Adressleiste signalisieren die Browser, ob das vom Server vorgezeigte Zertifikat sicher ist (grün) oder nicht (rot).
Der Internet Explorer führt mit einem von Microsoft entwickelten Phishing-Plugin eine weitere Farbe ein. Der IE 7 färbt die Adresszeile gelb, um davor zu warnen, dass die besuchte Webseite eventuell gefälscht ist und eine Phishing-Attacke droht.
Zur einfacheren Orientierung der Benutzer passt auch die Meldung, dass Microsoft und die Mozilla Foundation sich darauf geeinigt haben, dass der Internet Explorer das kleine orange Firefox-Logo als Signal für RSS-Feeds (Really Simple Syndication) verwendet. Auch das KDE-Team hat Interesse an einer Angleichung der Logos. Dort zeigt der Konqueror das sonst auf Webseiten übliche RSS-Logo an, trifft er auf eine Seite mit entsprechendem Angebot. Voraussetzung dafür ist ein installierter RSS-Leser Akregator.
Im Internet Explorer 7 – wie auch im Konqueror mit KDE 4.0 – warnt die rot gefärbte Adresszeile vor einem unsicheren Zertifikat.
KDE 3.5 ist fertig
Das KDE Projekt hat Version 3.5 des Linux-Desktops veröffentlicht. Ein Highlight ist der Webbrowser Konqueror, der inzwischen den ACID2-CSS-Test (http://www.webstandards.org/act/acid2/test.html) bestanden hat. Mit dem neuen Bestandteil SuperKaramba sehen die Entwickler nützliche Hilfsprogramme Einzug auf der Arbeitsfläche des Benutzers halten. Karamba-Widgets zeigen zum Beispiel die aktuelle Wetterlage oder den Status der Medienwiedergabe direkt auf der Arbeitsfläche an.
Weitere Neuerungen: Der Instant Messenger Kopete unterstützt nun Webcams über das Yahoo- und MSN-Protokoll; das Edutainmentmodul hat mit dem Geografielehrprogramm KGeography nebst dem Wortspiel Kanagram Zuwachs bekommen. KDE 3.5 gibt es im Quelltext und als Binaries für Suse, Kubuntu und Slackware zum Download (http://www.kde.org).

Super-Karamba ist nun Bestandteil von KDE. In KDE 4 verschmilzt es unter den Namen Plasma mit dem Panel Kicker.
KDE Indien gegründet
Seit Dezember gibt es das Projekt KDE.in, das sich um alle Belange von KDE in Indien kümmert. Zur Gründung hat sich eine Gruppe von Anwendern und Entwicklern auf der FOSS.IN-Konferenz in Bangalore getroffen. Das KDE.in-Projekt dient bestehenden Gruppen als Dachorganisation. So kümmern sich etwa mehrere Teams darum, die Desktopumgebung in die verschiedenen indischen Dialekte zu übersetzen.
Übe die gemeinsame Plattform (http://in.kde.org) sollen aber auch neue Projekte entstehen, um KDE für indische Anwender anzupassen. Unterstützer und Gründungsmitglieder von KDE.in sind der KDE-Veteran Sirtaj Singh Kang sowie Entwickler Till Adam, der unter anderem am E-Mail-Client KMail mitarbeitet.
Zur Ankündigung von KDE Indien diente der Spruch “Kaun Banega KDE Hacker” (“Who wants to be a KDE Hacker?”) in Anspielung an den englischen Titel der Erfolgsshow “Wer wird Millionär?”.
Qualitätssicherung für KDE
Anfang Dezember trafen sich KDE-Entwickler auf Einladung der Firma Froglogic in Hamburg. Das Thema Qualitätssicherung stand auf der Tagesordnung – und nicht allein die Qualität des Quellcode war gemeint. Auch der Aufbau von Handbüchern und die Konsistenz von Applikationen wurden diskutiert.
Mit Hilfe der Usability-Expertin Ellen Reitmayr von OpenUsablity.org entwickelten die Teilnehmer unter anderem Werkzeuge zur automatischen Überprüfung von Programmen auf verschiedene Usability-Probleme hin. Auf diese Weise, da waren sich die Konferenzteilnehmer einig, könnten viele, wenn auch bei weitem nicht alle Ungereimtheiten in der Benutzbarkeit im Vorfeld ausgeräumt werden. Die Firma Froglogic stellte den Entwicklern zudem eine Testlizenz ihres Testwerkzeug Squish zur Verfügung. Weitere Treffen zum Zweck der Qualitätssicherung sollen folgen. Die Werkzeuge dafür sollen in die KDE-Entwicklung einfließen.
Qt 4.1 freigegeben
Die norwegische Firma Trolltech hat mit Version 4.1 neue Features in ihr Toolkit integriert. Es dient auch dem KDE-Desktop als Grundlage. Durch Anregungen von Kunden und aus der KDE-Community, unter anderem während der KDE Konferenz in Malaga, sind zahlreiche Detailverbesserungen in Qt 4.1 eingeflossen.
Daneben kennt das Toolkit nun mehr Grafikformate: Qt 4.1 kann SVG-Dateien nach dem SVG Tiny Standard des W3C darstellen und beherrscht neben PostScript auch PDF als Ausgabeformat. Die neue Version enthält ein so genanntes “Backing Store” für Widgets, was das Zeichnen von transparenten Applikationen beschleunigen soll. Syntax-Hervorhebung für Texte ist ein weiteres Feature, das mit Ausgabe 4.1 wieder Einzug in Qt hält.
Entwickler erstellen mit Hilfe des Qt-Designers nun auch komplette Hauptfenster – bislang war das Tool auf Dialogfenster beschränkt. Mit der neuen Version soll außerdem das Hinzufügen von Menü- und Werkzeugleisten sowie Dockern einfacher sein. Zusätzlich ist die Bibliothek QTestLib integriert, die beim Automatisieren von Tests hilft.
Amarok fürs Netz
Wer viel Arbeit in die Pflege seiner Amarok-Musiksammlung investiert, hat mehrere Möglichkeiten, sie von überall aus dem Internet zu nutzen.
Das Amarok Web-Frontend (http://www.sourceforge.net/projects/amarokwebfront) erlaubt das Auswerten und Browsen der Musiksammlung – vorrausgesetzt sie ist in einer MySQL-Datenbank abgespeichert. Zudem benötigt das Web-Frontend einen PHP-fähigen Webserver und muss manuell aufgesetzt werden.
Wer das standardmässig eingestellte SQLite-Backend verwendet oder keinen eigenen Webserver aufsetzen möchte, kann zu Wabarok greifen. Dieses Plugin für Amarok findet sich direkt über die Plugin-Download-Funktion von Amarok und ermöglicht sogar Audio-Streaming. Da das Plugin einen eigenen Webserver mitbringt, ist aber bis zur ersten stabilen Version Vorsicht angebracht: Setzen Sie Wabarok am Besten nur im internen Netz ein oder beschränken Sie den Zugriff per Firewall auf bestimmte Rechner.
DVB-Tuner mit Recordingfunktion
Das Team der neuen DVB-Anwendung Klear schickt einen neuen Player für Fernsehzuschauer mit digitaler TV-Karte ins Rennen. Das Programm unterstüzt digitales Fernsehen über Satellit (DVB-S), Kabel (DVB-C) und das als “Überallfernsehen” beworbene digitale Fernsehen per Antenne (DVB-T).
Klear kommt in der aktuellen Version 0.5.3 bereits mit elektronischem Programmführer (EPG), der sich ins Fernsehbild einblenden lässt. Wer vor dem Bildschirm am PC sitzt, durchsucht das Programm in einem eigenen Fenster. Auch die Aufnahme von Sendungen auf die Festplatte gehört zu den Grundfähigkeiten von Klear. Zeitversetztes Abspielen (Timeshift)ist ebenfalls möglich.
Wermutstropfen: Bislang ist ein automatischer Sendersuchlauf nicht möglich. Diese Funktion steht, wie der klassische Videotext, auf der To-do-Liste für eine der nächsten Versionen.
Klear (http://www.klear.org)liegt bislang im Quelltext sowie als Binary für die Distributionen ArchLinux, Gentoo und Mandriva verfügbar. Suse-Pakete stellt Packman bereit.
Touchpad tunen
Viele Laptop-Besitzer arbeiten lieber mit einer externen Maus als mit dem eingebauten Touchpad. Neben dem kleinen Bedienfläche stört die meisten das Fehlen des Mausrades beim Arbeiten.
Der X-Server von X.org liefert wie sein Vorgänger vom XFree86 Projekt den sogenannten Synaptics-Treiber für Touchpads aus. Den Treiber an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, erforderte jedoch Expertenwissen für die korrekte Einstellung der X-Konfigurationsdateien.
Das Programm KSynaptics springt hier hilfreich zur Seite. Als Plugin für das KDE-Kontrollzentrum erlaubt es die Einstellung von Druckempfindlichkeit und die Emulation eines Mausklicks durch Druck auf das Pad. Sogar das Scrollen lässt sich trickreich emulieren.
Zwei Techniken bieten sich als Scrollrad-Ersatz an: Einige Touchpads verfügen am rechten Rand über eine ausgewiesene Fläche, die mit der Scrolling-Funktion des X-Servers verbunden ist. Leider ist die Methode nur bedingt nützlich – für das Blättern durch lange Listen bei kleinen Touchpads sogar ungeeignet.
Als Alternative erlaubt KSynaptics deshalb den Circular Scolling Modus. Ähnlich wie bei einem iPod kann der Benutzer dabei scrollen, in dem er auf dem Touchpad mit dem Finger einen Kreis beschreibt.
Unter dem Namen QSynaptics ist das Tool auch separat erhältlich. Diese Version startet als eigenständiges Programm und besitzt keinerlei Abhängigkeiten zu KDE. Debian- und Quellpakete für beide Programme hält die Homepage unter http://qsynaptics.sf.net bereit, Suse-Benutzer finden fertige RPMs im Packman Repository.







