HP-Notebook NC4200 mit Ubuntu Linux

Aus LinuxUser 07/2005

HP-Notebook NC4200 mit Ubuntu Linux

Geht nicht, gibt's nicht

Durch meist hochspezialisierte Komponenten lassen sich einige Notebooks nur mit etlichen Kernel-Patches oder gar Windows-Treibern zur Zusammenarbeit mit Linux überreden. Das HP NC4200 ist hier eine Ausnahme: Das mit dem Notebook gelieferte Ubuntu Linux unterstützt nahezu alle Funktionen.

Die Notebook-Welt teilt sich vereinfacht in zwei Bereiche: Jene Geräte mit Centrino-Zertifizierung und solche mit anderer Hardware. Obwohl Centrino lediglich eine riesige Marketing-Masche von Intel ist, um auch den WLAN-Markt zu dominieren, hat die Zertifizierung den Vorteil, dass sich die Centrino-Notebooks aller Hersteller kaum voneinander unterscheiden. Dies gilt auch für das NC4200 von HP, das ab Juli mit einer angepassten Ubuntu-Linux-Distribution an Stelle von Windows XP ausgeliefert werden soll.

Prototyp im Test

Für unseren Test gelang es der Redaktion, schon vorab ein Vorserienmodell in der Ausstattung für den amerikanischen Markt zu ergattern. Das gerade einmal DIN-A4 große Sub-Notebook verfügt in der US-Version über einen Flip-Screen, womit das Gerät zu einem Tablet-PC mutiert, nebst Touchscreen und zusätzlichen Bedientasten an der Seite. Die europäische Variante wird statt dessen mit einem herkömmlichen, fest stehenden TFT-Display mit 12,1 Zoll Bilddiagonale und 1024×768 Pixeln ausgeliefert.

In der übrigen Ausstattung unterscheidet sich das Testgerät nicht von der Serienfertigung: Es handelt sich um ein Centrino-zertifiziertes Notebook mit Pentium Mobile 1,73 GHz, 512 MByte RAM und einer 40-GByte-Festplatte. Ein optisches Laufwerk besitzt das rund 1500 Euro teure Gerät genauso wenig wie einen Laufwerksschacht – aufgrund der geringen Abmessungen hat der Hersteller lediglich externe Laufwerke vorgesehen.

Damit steht der Anwender gleich vor der größten Hürde: Ubuntu Linux 5.0.4 liegt dem Notebook lediglich auf CD bei, auf der Festplatte ist nur Free-DOS vorinstalliert – ohne USB-CD-Laufwerk geht hier also nichts. Dabei spielt die Marke keine Rolle: Wer hier nicht auf ein mobiles Laufwerk von HP Wert legt, kann mit einem Standard-DVD-Brenner in einem günstigen stationären USB-2.0-Gehäuse über einhundert Euro gegenüber einem einfachen CD-ROM des Notebook-Herstellers sparen.

Kontaktfreudig

An Anschlussmöglichkeiten mangelt es dem Notebook hingegen nicht. Neben drei USB-2.0-Ports, einem PCMCIA-Schacht, einen SD/MMC-Slot, Modem- und Ethernet-Buchse sowie VGA-Ausgang und PS/2 hat HP den für Centrino üblichen Intel-WLAN-Adapter mit 54 MBit/s und eine Infrarot-Schnittstelle eingebaut. Ein Bluetooth-Modul gibt es gegen Aufpreis, eine Taste an der linken Seite des Notebooks (Abbildung 2) erlaubt, Bluetooth und WLAN im Betrieb ein- und auszuschalten.

Abbildung 2: Die linke Taste mit dem Antennensymbol schaltet WLAN und Bluetooth ab und ist hardwareseitig zugeordnet, während die rechte Info-Taste neben dem Einschalter einen Scan-Code liefert und standardmäßig mit der Gnome-Hilfe belegt ist.

Abbildung 2: Die linke Taste mit dem Antennensymbol schaltet WLAN und Bluetooth ab und ist hardwareseitig zugeordnet, während die rechte Info-Taste neben dem Einschalter einen Scan-Code liefert und standardmäßig mit der Gnome-Hilfe belegt ist.

Der Akku des Sub-Notebooks fasst rund 50 Wattstunden und reichte im Test für gut drei Stunden netzunabhängigen Betrieb. Da der Akku des Vorserienmodells bereits ein knappes Jahr alt war, verzichtete der Autor auf einen Laufzeittest mittels Tipptester – bei einem Neugerät sollten drei bis vier Stunden ohne Stromanschluss möglich sein.

Die Verarbeitung des Notebooks ist durchweg gut, es gibt keine klappernden Teile. Die Tastatur hat einen deutlich spürbaren Druckpunkt, und als Mausersatz hat HP sowohl einen Trackpoint mit zwei Maustasten unterhalb der Leertaste als auch ein Touchpad eingebaut.

Spezialisiertes Linux

Die Installation von Ubuntu Linux von der mitgelieferten CD haben HP und das Ubuntu-Team stark vereinfacht: Mehr als den Benutzernamen nebst Passwort muss man nicht eingeben. Bei der Auswahl des primären Netzwerkgeräts ist zu beachten, dass das WLAN-Modul als eth0 und die Ethernet-Buchse als eth1 angesprochen werden – bei den meisten anderen Notebooks ist dies umgekehrt.

Was die Hardware-Unterstützung des Notebooks betrifft, leisteten die Ubuntu-Entwickler gute Arbeit: Mit Ausnahme des SD/MMC-Slots, Suspend-to-RAM und des in Europa ohnehin nicht erhältlichen Touchscreens funktionierte jede Komponente out of the box. Für das Intel-WLAN-Modul Pro Wireless 2200BG ist das Kernel-Modul ipw2200 zuständig und emuliert ein herkömmliches Ethernet Device mit Wireless-Extensions unter dem Gerätenamen eth0 an Stelle von wlan0. Bei der Konfiguration der Firewall und beim Routing muss man daher peinlich genau darauf achten, dass man nicht aus Gewohnheit Dienste via WLAN anbietet oder Ports öffnet. Der Daemon slmodemd emuliert für das das Softlink-Modem ein Pseudo-TTY, das wie ein herkömmliches serielles Modem arbeitet. Zudem zeigt der symbolische Link /dev/modem auf dieses Pseudo-TTY, weshalb man den Link in allen Konfigurationsdateien verwenden sollte.

Variable Spezialtasten

Für die Anbindung von Handys und anderen Geräte hat HP einen Bluetooth-Adapter sowie ein Infrarot-Anschluss eingebaut, beide sind nach der Standard-Ubuntu-Installation sofort betriebsbereit. Selbst die Zusatztasten wie Lautstärkereglung und die Info-Taste neben dem Einschalter auf der linken Geräteseite sind implementiert – letztere startet die Gnome-Hilfe. Das einzige Problem der Info-Taste ist, dass sie sich manchmal verkantet: Dann startet Gnome immer neue Hilfe-Browser, bis irgend wann der Speicher voll ist.

Die Zusatztasten lassen sich jedoch auch individuell belegen, da sie allesamt Scan-Codes liefern. Am einfachsten geht das über System / Einstellungen / Tastenkombinationen, wo auch der Sensor für den Display-Deckel des Notebooks voreingestellt ist.

Dritte Maustaste

Das Touchpad als Mausersatz ist gelungen: Neben der sensitiven Fläche und den zwei Maustasten besitzt es am rechten Rand eine Riffelung (Abbildung 3), die das Scroll-Rad einer Maus emuliert. Zudem reagiert der geriffelte Bereich beim Antippen wie die mittlere Maustaste, so dass die bekannten Probleme von Copy & Paste mittels Maus beim HP NC4200 endlich ein Ende gefunden haben. Einzig die Anordnung der Riffelung stört ein wenig: Als Rechtshänder gelangt man sehr schnell bei Drag & Drop in den Bereich des Scroll-Rads – auf der linken Seite wäre es besser untergebracht gewesen.

Abbildung 3: HP verbaut im NC4200 sowohl einen Trackpoint als auch ein Touchpad, um den Anhängern beider Bedien-Philosophien gerecht zu werden. Der geriffelte Bereich am rechten Rand des Touchpads dient als Scroll-Rad und dritte Maustaste.

Abbildung 3: HP verbaut im NC4200 sowohl einen Trackpoint als auch ein Touchpad, um den Anhängern beider Bedien-Philosophien gerecht zu werden. Der geriffelte Bereich am rechten Rand des Touchpads dient als Scroll-Rad und dritte Maustaste.

Die Stromsparmechanismen des Pentium Mobile lassen sich weitgehend ohne Probleme verwenden, einzig Suspend-to-RAM (S3) funktionierte nicht: Zwang der Tester das Notebook in den laut ACPI unterstützten Schlafmodus, wachte es nicht wieder auf. Laut HP soll dies aber in der nächsten Ubuntu-Version korrigiert sein. HP arbeitet auch weiterhin an Verbesserungen in der Linux-Unterstützung, den für die Umsetzung verantwortlichen HP-Mitarbeiter Thomas Schneller erreichen Sie bei Rückfragen unter der Adresse mailto:hp_linux_laptops@swipp.de.

Fazit

Bei der Hardware-Ausstattung des NC4200 hat HP eine gute Wahl getroffen, die Komponenten vertragen sich fast ausnahmslos mit Linux. Das fängt bei der gut unterstützten Centrino-Plattform an und endet bei liebevollen Detailarbeiten der Ubuntu- und HP-Entwickler. Wer das NC4200 lieber mit anderen Distributionen betreiben will, muss ein paar Abstriche bei der Hardware-Unterstützung machen: Die Quellen für Kernel-Änderungen werden voraussichtlich erst bei der Markteinführung des NC4200 mit Ubuntu Linux veröffentlicht.

Durch die geringe Größe muss der Käufer jedoch Beschränkungen in Kauf nehmen – keine internen optischen Laufwerke, ein Zweitakku nur als Unterbau und kein Display mit einer höheren Auflösung als 1024×768 Bildpunkten. Zwar sind Displays mit 12,1 Zoll Diagonale und mehr als XGA-Auflösung selten, dennoch stellen 1024×768 Bildpunkte das untere Minimum dar und sind heute kaum noch zu empfehlen.

Sollte es HP noch gelingen, Suspend-to-RAM oder den SD/MMC-Kartenleser nutzbar zu machen, wäre das NC4200 dennoch ein optimales Linux-Notebook.

HP Compaq NC4200

Hersteller: Hewlett Packard http://www.hewlett-packard.de
Bezugsquelle: LinuxLand http://www.linuxland.de
Prozessor: Pentium-M, 1,73 GHz
Speicher: 512 MB DDR (max. 2 GB)
Laufwerke: Festplatte 40 GB, 2,5 Zoll
Display: TFT, 12,1 Zoll, 1024×768 Pixel
Akku: LiIo, 10,8 Volt, 4500 mAh (48,6 Wh)
Zeigegeräte: Trackpoint, Touchpad mit Scroll-Rad und 3. Taste
Netzwerkgeräte: Intel Pro Wireless 2200BG WLAN-Adapter (802.11b/g), Ethernet-Anschluss 10/100/1000 MBit/s (Broadcom), 56k-Smartlink-Modem, Bluetooth (optional)
Schnittstellen: 3 x USB 2.0, Modem, Ethernet, Monitor, PS/2, Kopfhörer/Mikrofon, PCMCIA, SD/MMC-Slot
Abmessungen: 28,5 cm x 23,5 cm x 3 cm
Gewicht: ca. 1,8 kg
Preis: ca. 1500 Euro
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