Fedore Core 3 Preview

Aus LinuxUser 12/2004

Fedore Core 3 Preview

Alte Schale, neuer Kern

Red Hats freie Community-Distribution Fedora Core erscheint demnächst in Version 3. Oberflächlich hat sich nicht viel geändert, aber einige Neuerungen machen das des Endusers leichter. Ein Blick auf den letzten Release-Kandidaten gibt einen Vorgeschmack.

Was ist eigentlich Fedora? Viele Linux-Benutzer sind skeptisch, wenn sie von der Distribution diesen Namens hören. Fedora [1] beruht zwar auf bewährte Red-Hat-Technologie, was der Namen aber nicht verrät. Die Firma Red Hat hat die Entwicklung der End-User-Version vor einiger Zeit offiziell an die freie Software-Community übergeben. Trotzdem arbeiten Red-Hat-Entwickler weiterhin an wichtigen Bestandteilen der Distribution. Die Erfahrungen mit Fedora fließen teilweise wieder in das Red-Hat-Enterprise-Linux ein.

Update oder Neuinstallation

Im Test brachten wir ein laufendes Fedora Core 2 mit Yum auf den Stand Core 3 Release-Kandidat 5 (siehe [2]). Die endgültige Version (Final Release) soll am 8. November erscheinen. Von Fehlerbehebungen (Bugfixes) abgesehen werden sich die beiden aber kaum unterscheiden.

Das Update, wie in [3] beschrieben, verlief ohne größere Probleme. Wir mussten lediglich einige Paketabhängigkeiten von Hand auflösen, was vor allem mit Nicht-Fedora-Paketen zusammenhing. Auch eine Neuinstallation mit einer selbstgebrannten DVD funktionierte reibungslos. Ein Update auf die endgültige Fassung wird genauso vonstatten gehen.

Ob man auch einen Release-Kandidaten updaten kann, wurde auf der Mailing-Liste diskutiert, allerdings mit offenen Ergebnis: Mit etwas Know-How kann es klappen. Garantie gibt es aber keine, denn es ist kein offizieller Weg. Mit Erscheinen dieses Hefts wird die Final-Release ohnehin auf allen Servern und Mirrors liegen.

Hardwareverwaltung einfacher

Das Leben des Endbenutzers soll ein neues Hardwaremodell erleichtern, der Hardware Abstraction Layer (HAL). Wie man das von Windows kennt, erscheint ein passendes Icon auf dem Desktop, wenn der Anwender zum Beispiel eine Kamera im PC einsteckt. Im Test zeigte der Gnome-Desktop dann auch den eingesteckten USB-Stick als Icon an (Abbildung 1). Dafür sorgen die entsprechenden hal-Pakete, der gnome-volume-manager und das neue Gerätedateisystem udev.

Abbildung 1: Das neue Fedora mountet automatisch den eingesteckten USB-Stick und zeigt unter Gnome das passende Icon auf dem Desktop

Abbildung 1: Das neue Fedora mountet automatisch den eingesteckten USB-Stick und zeigt unter Gnome das passende Icon auf dem Desktop

Bisher besaß jedes Stück Hardware eine feste Gerätedatei im Verzeichnis dev. Weil die Distributor nicht wissen konnten, welche Hardware der User besitzt, legten sie sicherheitshalber für jedes bekannte Gerät eine solche Datei an. Deshalb liegen dort meist um die 1500 Dateien – nicht gerade sehr übersichtlich. Das neue Udev legt für neue Hardware nach Bedarf Gerätedateien an. Natürlich lassen sich mit Udev auch fixe Einträge anlegen, was im Test für den Nvidia-Treiber nötig war. Mit dem gibt es übrigens bislang auch noch andere Schwierigkeiten: Weil der offizielle Treiber eine Kernelvariable nutzt, die die Kernelentwickler entfernt haben, lässt er sich nun nicht mehr kompilieren. Im Internet findet man Anleitungen, den Treiber selbst so zu verändern, dass das klappt. Nvidia bot bis Redaktionsschluss jedenfalls keine aktualisierte Software an.

Stiefkind Multimedia

Immer noch fehlen in Fedora wichtige Bibliotheken, um genau die Medien abzuspielen, die vermutlich die meisten Anwender interessieren: DVDs und MP3. Grund dafür ist die hinlänglich bekannte juristische Situation [5], die mittlerweile praktisch alle Distributoren eingeschüchtert hat. Vielleicht könnten sich eines schönen Tages die Firmen, die mittlerweile mit Linux Milliardenumsätze machen, zusammentun und eine legale Lösung für das DVD-Problem erarbeiten. Bis dahin müssen sich auch Fedora-Nutzer mit halblegalen Lösungen begnügen, so dem RPM-Server rpm.livna.org, der in Zukunft auch Pakete für Fedora 3 führen wird (siehe auch dazu [3]). Bis Redaktionsschluss konnte man die Site jedoch nicht als Yum-Server nutzen, denn deren Verzeichnisformat hat sich geändert. Wer selbst einen Yum-Server einrichten will, muss dafür nun XML-Dateien ablegen, die das Programm create-repo schreibt. Allerdings passen die Livna-RPM-Pakete zum größten Teil auch zu Fedora Core 3. Das Paket xmms-mp3-1.2.10-0.lvn.2.2.i386.rpm, direkt von http://rpm.livna.org/fedora/2/i386/RPMS.stable/ heruntergeladen, machte im Test das installierte XMMS MP3-fähig.

Anschluss an Exchange

Wer hoffte, dass Fedora endlich das Gnome-Menü aufräumt, wird enttäuscht. Immer noch gibt es für systemnahe Anwendungen mindestens drei Menüs: Präferenzen, Systemeinstellungen und Systemprogramme (Abbildung 2). Zumindest bringt Fedora die aktuellsten Versionen der großen Desktops mit, also Gnome 2.8 und KDE 3.3.3. Neu ist auch der “Entfernte Desktop” (Remote Desktop), der den ganzen Desktop auf anderen Rechnern anzeigen kann und sogar bedienbar macht. Im Menü findet sich der Punkt unter AnwendungenPräferenzenEntfernter Desktop. Im folgenden Fenster stellt man ein, wer unter welchen Umständen den Desktop zum Beispiel mit vncviewer auf fremden Rechner ansehen darf.

Abbildung 2: Bitte aufräumen! Die Startmenüs sind so unübersichtlich wie eh und je.

Abbildung 2: Bitte aufräumen! Die Startmenüs sind so unübersichtlich wie eh und je.

Unter dem Desktop läuft Xorg 6.8, das neue Features wie Fenster mit Transparenz und Schatten mitbringt. Fedora enthält aber nicht die nötigen Programme, um diese noch etwas experimentellen Funktionen einzuschalten. Der experimentierfreudige Power-User lädt sich die passenden Daten herunter, kompiliert sie selbst nach der Anleitung [4] und wird dann mit eine Anblick ähnlich Abbildung 3 belohnt. Wer sie trotzdem ausprobieren will, lädt sie direkt von X.org herunter.

Abbildung 3: Fedoras neue GUI basiert auf Xorg 6.8.1, das auch transparente Fenster unterstützt – aktivierbar allerdings nur mit externen Tools.

Abbildung 3: Fedoras neue GUI basiert auf Xorg 6.8.1, das auch transparente Fenster unterstützt – aktivierbar allerdings nur mit externen Tools.

Die Internationalisierung der Desktops ist weiter fortgeschritten. Statt unterschiedlicher Eingabemethoden für die Sprachen der Welt benutzt Fedora dafür nun einheitlich das Framework IIIMF. Hat man übrigens bei Installation der Distribution nicht alle gewünschten Sprachen ausgewählt, hat man Pech: Es gibt keinen offiziellen Weg sie nachzuinstallieren – ein Bug, den auch die Final Release nicht beheben wird, sondern erst zukünftige Versionen.

Der “Personal Information Manager” Evolution kommt in Version 2.0 mit einem Adapter für Microsoft Exchange und Novell Groupwise (Abbildung 4). Benutzerdaten übernimmt Evolution von alten Versionen.

Abbildung 4: Evolution gibt sich noch ein Stück professioneller und bietet nun Anschluss für Exchange und Groupwise.

Abbildung 4: Evolution gibt sich noch ein Stück professioneller und bietet nun Anschluss für Exchange und Groupwise.

Unter der Haube gibt sich Fedora nun etwas standardkonformer und benennt Verzeichnisse zumindest teilweise nach dem unter Linux üblichen Standard FHS (Filesystem Hierarchy Standard) [6]. Der soll dafür sorgen, dass sich Anwendungen leichter zwischen verschiedenen Distributionen austauschen lassen. Externe Medien mountet es nun unter /media, Internetdienste kommen nach /srv – zumindest theoretisch, von Haus aus benutzt Fedora es nicht.

Mehr Sicherheit

Das schon in Core 3 enthaltene Sicherheitspaket SELinux haben die Programmierer weiter ausgebaut. Akzeptiert man bei der Installation die Voreinstellung und aktiviert SELinux, erscheinen beim Booten schon eine Menge an Meldungen, die nicht ohne weiteres verständlich sind. Einige Sicherheitsprofile für Internetdienste wie den Webserver Apache oder den Nameserver liefert Fedora schon mit. Damit hat man ein Stück weit mehr Sicherheit, ohne gleich selbst zum Security-Experten zu werden. Das ist allerdings nötig, will man SELinux wirklich richtig nutzen.

Fazit

Große Veränderungen gibt es bei Fedora Core 3 nicht. Das liegt allerdings auch daran, dass schon Core 2 auf Kernel 2.6 umgestellt hat. Die verbesserte Geräteunterstützung kommt auch Privatanwendern zugute, viele andere Änderungen zielen eher auf den Serverbereich ab. Mit diesem Trend befindet sich Fedora allerdings in guter Gesellschaft, wie das Beispiel Suse zeigt.

Wer ein modernes Linux sucht, das auf Gnome setzt, ist mit Fedora Core 3 jedenfalls gut bedient, zumal es die Distribution in verschiedenen Varianten zum freien Download gibt [2].

Infos

[1] Fedora-Homepage: http://fedora.redhat.com

[2] Release-Kandidat 5: http://sunsite.mff.cuni.cz/OS/Linux/Dist/Fedora.RC/3/

[3] Roman Jordan: Immer auf dem Laufenden, LinuxUser 10/04 S. 52 http://www.linux-user.de/ausgabe/2004/10/052-yum/

[4] Effekte in X.org aktivieren http://personal.eunet.fi/pp/joakim/nx7010.html#xorg

[5] Hans-Georg Eßer, DVD und MP3 – nein danke? Multimedia und Rechte, easylinux 09/04, S. 64, http://www.easylinux.de/Artikel/ausgabe/2004/09/064-basics/

[6] Filesystem Hierarchy Standard: http://www.pathname.com/fhs/

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