Neues auf dem Linux-Software-Markt

Aus LinuxUser 10/2000

Neues auf dem Linux-Software-Markt

Weiche Ware

Täglich sprudeln die internationalen Linux-Newsticker und Software-Portale über vor Pressemitteilungen und Ankündigungen von Neuerscheinungen freier wie kommerzieller Software für Linux. Um Sie über die aktuellen Entwicklungen auf dem Software-Markt auf dem Laufenden zu halten, stellen wir monatlich interessante Programme vor.

XFce 3.5.0

Haben Sie genug von den ressourcen-fressenden Feature-Overkills von KDE oder Gnome, möchten aber unter X11 nicht auf eine ansehnliche grafische Benutzeroberfläche verzichten? Dann werfen Sie doch mal einen Blick auf die XFce-Desktop-Umgebung. XFce 3.5 erinnert durch sein Aussehen stark an den Unix-Desktop-Klassiker Common Desktop Environment (CDE), basiert aber wie Gnome auf dem hübsche(re)n GTK+-Toolkit. Natürlich gibt es auch für XFce einen Dateimanager (XFTree), verschiedene Konfigurations-Tools (XFMouse, XFSound,…) und Features wie Session Management. Die neue Version von XFce bringt u. a. Drag & Drop-Funktionalität, ein GNOME-Compliance-Modul und einen automatischen Themen-Generator mit. Lust bekommen? Sie finden XFce auf unserer Heft-CD oder unter http://www.xfce.org/

Bildbetrachter xzgv 0.5

Bei dem etwas kryptisch anmutenden Programm xzgv handelt es sich um einen kleinen, aber nicht minder komfortablen Bildbetrachter. Xzgv enthält einen Datei-Browser, mit dem man sein gesamtes Dateisystem auf bequeme Weise nach Bilddateien durchsuchen kann. Enthält ein Verzeichnis Grafiken, so werden diese zunächst als Thumbnails dargestellt. Das Programm bietet darüber hinaus auch einige interessante Funktionen zur Skalierung von Bildern. In der aktuellen Version 0.5 wurde neben einigen Bugfixes vor allem die Ladezeit der Thumbnails optimiert und eine Skalierung ohne Einhaltung der Bildrelationen implementiert. Sie finden xzgv auf unserer Heft-CD oder unter: http://rus.members.beeb.net/xzgv.html

Netzwerkadministration mit kmuser 1.0

Ursprünglich für die Verwaltung von Schulnetzen konzipiert, dürfte sich das Administrationstool kmuser durchaus auch für andere Intranets mit einer Vielzahl von Benutzern eignen. Das KDE-Tool, das ein installiertes Shadow-Passwort-System voraussetzt, erlaubt eine flexible Benutzerverwaltung und dürfte bereits so manchem Systemadministrator das Leben erleichtern. Der Entwickler Klaus-Dieter Möller hat kmuser in einem Schulnetz ausführlich getestet, so dass er sich vor kurzem dazu entschloss, es als Version 1.0 zu veröffentlichen. Interessierte finden kmuser entweder auf unserer Heft-CD oder unter http://kdm.linuxave.net/kmuser/kmuser.html

Matrox-Treiber für XFree86 4.0.1

Matrox Graphics, Inc. hat neue Beta-Treiber für seine Grafikkarten-Produktfamilien Marvel, Mystique und Millenium veröffentlicht. Neben einer allgemeinen Steigerung der 2D- und 3D-Performance bringen die XFree86-Treiber für die G400-Serie Unterstützung von DualHead, digitalem Flatpanel und TV-Ausgang, für die G450-Serie Unterstützung von DualHead und für die G200-Multi-Monitorserie Unterstützung von “multiple display” mit. Bei Problemen mit den aktuellen Beta-Treibern können sich Linux-User zwar nicht (wie ihre Windows-Kollegen) an den offiziellen Matrox Graphics Technical Support wenden. Immerhin will Matrox aber ein spezielles Matrox Tech Support Forum” einrichten, in dem sich Linux-Benutzer bei Problemen gegenseitig helfen können. http://www.matrox.com/mga/drivers/latest_drivers/

TurboPrint für Linux

Die deutsche Firma IrseeSoft, die sich mit ihrer Grafik- und Druckersoftware bereits in der Welt der Amiga-Computer einen Namen gemacht hat, arbeitet seit Kurzem an einer Linux-Portierung ihrer Printer-Software Turboprint. Damit könnte es in absehbarer Zeit auch in der Linux-Welt eine Software-Lösung geben, mit der man als Anwender seinen Tintenstrahl- oder Laserdrucker auf komfortable Weise für eine optimale Druckausgabe konfigurieren kann. Die herunterladbare Beta-Version von TurboPrint ist zwar noch rein konsolenbasiert, unterstützt aber nach Angaben von Irseesoft bereits ca. 20 neuere (Tintenstrahl-) Drucker von Canon, Epson und HP. Damit dürfte IrseeSoft eine echte Marktlücke erschließen! Über das geplante Lizenzmodell und die Preisgestaltung schweigt man sich momentan zwar noch aus. In Anbetracht der Preispolitik der Amiga-Software kann man sich als Endkunde jedoch auf einen Preis von 50 bis 150 DM einstellen. http://www.turboprint.de/

ISDN-CAPI 2.0 mit Capi4linux

Der Hersteller von ISDN-Controllern AVM hat Mitte August CAPI2.0-Treiber für Linux veröffentlicht. Damit können Besitzer einer passiven ISDN-Karte (ISA, PNP, PCI und PCMCIA) der Fritz-Produktfamilie nun endlich auch unter Linux prinzipiell die erweiterten Möglichkeiten von CAPI 2.0 nutzen. Das eigentliche CAPI4Linux-Paket vermittelt zunächst aufgrund der Namensgebung (*suse*) den Eindruck, ausschließlich für Benutzer der SuSE-Distribution bestimmt zu sein. Obwohl AVM diese Zielgruppe aufgrund der hohen Verbreitung dieser Distribution in der BRD bevorzugt unterstützt, lassen sich die ISDN-Treiber mit ein paar kleineren Modifikationen durchaus auch auf anderen Distributionen einsetzen. Die CAPI2.0-basierten Komponenten ermöglichen einen einfachen und komfortablen ISDN-Zugriff auf IP-basierte Anwendungen wie WWW-Browser oder FTP-Clients und unterstützen bereits existierende FaxG3-Anwendungen mit einem speziellen CAPI2.0-Interface.

Für Entwickler, die Anwendungsprogramme mit integrierter ISDN-Funktionalität schreiben möchten, stellt AVM darüber hinaus ein CAPI2.0 Software Development Kit (SDK) in Form eines unter der GPL stehenden Quellcodes zur Verfügung. Anwendungen, die mit diesem SDK entwickelt wurden, haben laut AVM den Vorteil, dass sie unabhängig von der verwendeten Hardware sind und nahezu beliebig herstellerübergreifend eingesetzt werden können. AVM selbst hat für die unter Linux populäre GPL-basierte Fax-Software ein CAPI2.0-Interface entwickelt. Alle genannten Treiber und Software-Pakete befinden sich auf unserer Heft-CD oder unter http://www.avm.de/deutsch/press/p0800-2.htm

x-DSL mit RP-PPPoE 2.2

Für alle diejenigen LinuxUser, die bereits auf den xDSL-Zug springen wollen, stellt die Firma Roaring Penguin Software, Inc. seit einiger Zeit eine freie Zugangssoftware zur Verfügung. Der unter der GPL veröffentlichte PPPoE-Client stellt RFC-2516-konforme Verbindungen zu solchen xDSL-ISPs her, die das Protokoll “PPP over Ethernet” verwenden. Roaring Penguin’s Client-Software erfordert bei bereits funktionsfähiger Netzwerkkarte keine Kernel-Neukompilierung und bringt eine “intelligente” Sniffer-Funktionalität mit, die bei der Einrichtung der Provider-Zugangsdaten behilflich ist. Die aktuelle Version 2.2 von rp-pppoe zeichnet sich vor allem durch einen komfortableren Verbindungsaufbau und überarbeitete Manpages aus. Für Betreiber eines LANs, die ihren xDSL-Zugang über ein PPPoE-Gateway realisieren, hält Roaring Penguin ein zusätzliches Konfigurations-Schmankerl namens “MSS Clamp” bereit. Das aktuelle Software-Paket finden Sie auf unserer Heft-CD oder unter http://www.roaringpenguin.com/pppoe.html

HTML-Editoren Bluefish 0.5 und Screem 0.3.0

Auch auf dem freien Software-Markt der HTML-Editoren hat sich im letzten Monat wieder einiges getan. Das GPL-Projekt Bluefish, das wir Ihnen in LinuxUser 07/2000 bereits vorgestellt haben, hat den Versionssprung von 0.3.6 auf 0.5 hinter sich gebracht. Zu den wichtigsten Neuerungen zählt sicherlich die integrierte Unterstützung der neuen Web-Standards XHTML (HTML-Nachfolger) und WML (WAP-Handys), eine Preview-Option für DHTML, ein CSS-Dialog sowie eine umfassende Referenz (über 900 Funktionen!) für die Server-seitigen Webapplikationssprachen PHP3, SSI und RXML. Einer der größten Mängel der Vorgängerversion war das Fehlen von Projektmanagement und Syntax-Highlighting. Beides haben die Entwickler von Bluefish nun implementiert. Webentwickler, die HTML-Code nicht scheuen, sollten sich Bluefish auf jeden Fall mal näher anschauen. Die aktuelle Version befindet sich auf unserer Heft-CD oder unter unten stehendem URL.

Ein ähnliches Projekt ist das Site CReation & Editing EnvironMent um David A. Knight. Screem befindet sich noch in einer früheren Entwicklungsphase als Bluefish. Sie finden es ebenfalls auf unserer Heft-CD. http://bluefish.openoffice.nl/http://www.screem.org

Weblications mit SashXB

Sash ist eine noch relativ neue Technologie von IBM. Die zugrundeliegende Idee ist, dass Webentwickler mit gewöhnlichem HTML-Code und der Javascript-ähnlichen Websprache Sashscript netzwerkfähige Applikationen, sogenannte Weblications, schreiben können, die unabhängig von Webbrowsern lauffähig sind und sich weitgehend in die zugrundeliegende Desktopumgebung integrieren lassen. Möglich wird dies durch einen speziellen Programmmanager, den Sash Weblication Manager. Lange Zeit war IBMs Sash-Technologie auf die Windows-Plattform beschränkt. Nun gibt es endlich für Linux eine von Grund auf neugeschriebene LGPL-Implementation namens SashXB, die vielversprechende Webtechnologie (Mozilla Gecko, Xerces XML-Parser) mit diversen GNOME-Komponenten verschmelzt. Auf der im nachfolgenden genannten Einstiegsseite zu SashXB finden Interessenten neben den Quellen auch einige Mailinglisten zum Projekt. http://oss.software.ibm.com/developerworks/opensource/sashxb/

Open Source UML-Tool ArgoUML 0.8

An Universitäten und in professionellen Software-Schmieden hat sich längst das objektorientierte Entwicklungsparadigma durchgesetzt. Objektorientierte Analyse (OOA) und Design (OOD) erfolgen häufig mit der Modellierungssprache UML. ArgoUML ist ein Open-Source-UML-Tool auf Java-Basis, das in der aktuellsten Version dem aktuellen UML-Standard 1.3 der OMG entspricht. Als Austauschformat kommt erstmals XMI in der Version 1.0 zum Einsatz. Das Entwicklungstool richtet sich vor allem an Entwickler, die ihre Projekte mit UML modellieren. Die neue Version 0.8 von ArgoUML benötigt das Java SDK 2 bzw. das JRE 1.2. Interessenten finden es auf der Heft-CD oder unter http://argouml.tigris.org/

Neue Distributionen

Corel Linux OS 2nd Edition, Stormix

Seit Mitte August ist die “Second Edition” von Corel Linux OS erhältlich. Die kanadische Softwareschmiede Corel bietet die auf Debian/GNU 2.2 basierende Distribution weiterhin in drei Varianten an: eine kostenlose Download-Version, eine Standard-Version, die für 24.99 US-$ erhältlich ist und die neben der Distributions-CD zusätzlich ein Benutzerhandbuch, 30-Tage Installationssupport und die Spieledemo-Sammlung “Loki Entertainment Pack” enthält sowie eine Deluxe-Version(79.99 US-$), der darüber hinaus noch diverse kommerzielle Anwendungen und ein 12 Zoll großer aufblasbarer Linux-Pinguin beiliegen. http://www.linux.corel.com/products/linux_os/

Corel-Konkurrent Stormix hat im August eine aktualisierte Deluxe-Version seiner im Frühjahr veröffentlichten Distribution Storm Linux 2000 nachgeliefert. Storm Linux 2000 Deluxe-Edition enthält auf 5 CDs neben der ebenfalls auf Debian GNU 2.2 basierenden Distribution weitere kommerzielle Linux-Anwendungen wie StarOffice 5.2 und Macromedia’s Flash Player 4.0. Sie ist für 69.95 US-$ unter anderem erhältlich unter http://www.stormix.com/products/hail/deluxe

Was es sonst noch so Neues gibt…

Die bekannten Internet-Größen AOL und Yahoo haben nun endlich auch für Linux einen eigenen Prototyp ihrerMessenger-Clients entwickelt. Die aktuellen Linux-Versionen bieten zwar momentan noch nicht die vollständige Funktionalität ihrer Windows-Pendants, sie lassen sich jedoch bereits einigermaßen vernünftig einsetzen.

AOL Instant Messenger: http://www.aol.com/aim/Linuxbeta.html

Yahoo! Messenger: http://messenger.yahoo.com/messenger/download/unix.html

RealNetworks, Inc., stellt seit kurzem eine “freie” Version seines bekannten RealPlayers für die wichtigsten Unix-Plattformen zum kostenlosen Download zur Verfügung. Das Unternehmen gibt für die Unix-Varianten des RealPlayers zwar keinerlei Support oder Weiterentwicklungsgarantie. Immerhin hat man aber ein “Community Supported Player Forum” eingerichtet.

Download: http://proforma.real.com/real/player/unix/unix.html

Community Support Forum: http://realforum.real.com/cgi-bin/unixplayer/wwwthreads.pl

Seit kurzem kann man sich als GNOME-Liebhaber einen ersten Vorabeindruck von der nächsten Dateimanager-Generation machen. Die amerikanische Firma Eazel hat unter folgendem URL eine erste Preview ihres Wunderwerkzeugs Nautilus veröffentlicht: http://nautilus.eazel.com/

Zum Abschluss noch ein heißer Buchtipp: Der Linux-Klassiker “Linux in a Nutshell” ist im August beim Oreilly Verlag in der 3. Auflage (bisher nur englisch) erschienen. Neu mitaufgenommen wurden u. a. Kapitel über gängige Konfigurationsaufgaben in KDE, GNOME und fvwm2. Die 800 Seiten starke Linux-Referenz ist für 34.95 US-$ erhältlich unter http://www.oreilly.com/catalog/linuxnut3/

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