Test des deutschen WordPerfect Office 2000

Aus LinuxUser 09/2000

Test des deutschen WordPerfect Office 2000

Deutsches Funktionenmonster

Nachdem in Ausgabe 07/2000 des Linux-Magazins bereits die englische Version von Corel WordPerfect Office 2000 einem gründlichen Test unterzogen wurde, nahmen wir nun die deutsche Verkaufsversion näher unter die Lupe.

Abbildung 1: WordPerfect Office 2000 jetzt auch in Deutsch.

Abbildung 1: WordPerfect Office 2000 jetzt auch in Deutsch.

Nach dem Öffnen der 349 DM teuren Schachtel fallen dem Käufer neben drei CD-ROMs auch drei Handbücher und, als nette Dreingabe, ein kleiner Plüsch-Pinguin entgegen. Im Gegensatz zur amerikanischen Version ist das deutschsprachige Office-Paket, wie übrigens alle lokalisierten Fassungen, nur in der “Deluxe”-Variante erhältlich. Diese umfasst neben den bereits im Linux-Magazin-Test vorgestellten Komponenten [1] WordPerfect 9 (Textverarbeitung), QuattroPro 9 (Tabellenkalkulation), Presentations 9 (Präsentations- und Malprogramm) und CorelCentral 9 (ein Terminkalender) zusätzlich noch das Datenbankprogramm Paradox 9 sowie eine Bonus-CD mit weiteren Schriftarten, über 200 Fotos und einer Vielzahl von zusätzlichen Clip-Arts. Auf der dritten CD befindet sich eine Basisversion der Linux-Distribution CorelLinux OS, der lobenswerterweise sogar ein Buch zum schnellen Einstieg in das Betriebsystem beigelegt wurde.

Babylon

Bei der Übersetzung ins Deutsche hat sich Corel [2] zwar Mühe gegeben – sogar die Funktionsnamen in Quattro Pro wurden konvertiert – verliert dabei aber in einigen Fällen den Zusammenhang aus dem Auge. So wurde z. B. die Funktion zur linksseitigen Ausrichtung eines Textes mit Verknüpfungen statt Links benannt. Auf der anderen Seite stolpert man an vielen Stellen noch über einige englische Originalausdrücke, wie z. B. bei den Registerbeschriftungen in der Online-Hilfe. Bei einem kommerziellen Programm für so viel Geld hätten wir an der Stelle etwas mehr Sorgfalt erwartet.

Die Hilfe und das Handbuch sind, wie schon in der englischen Version, sehr umfangreich und insgesamt gut gelungen. Allerdings schneidet das Handbuch einige der Themen nur kurz an und verweist ziemlich oft auf die Online-Hilfe. Als drittes gedrucktes Handbuch erhält der Anwender einen kompletten Katalog aller zusammen mit WordPerfect Office 2000 ausgelieferten Schriftarten, Grafiken und Fotos. Diese Übersicht erleichtert die Vorauswahl enorm und verhindert das langwierige Suchen auf den entsprechenden Datenträgern.

Keine Nachbesserung

Sieht man einmal von der Übersetzung ab, unterscheiden sich die Programme nicht von der englischen Version. Das bedeutet zwar, dass der große und reichhaltige Funktionsumfang auch in der deutschen Version vollständig enthalten ist, die Chance, einige Mängel aus der englischen Version zu beseitigen, blieb jedoch ungenutzt. So ist das Office-Paket von Corel im Gegensatz zu StarOffice immer noch etwas behäbig, und ab und an fallen einige störende Grafikfehler unangenehm auf.

In diesem Zusammenhang sei auch die Setup-Routine erwähnt, deren Benutzerführung immer noch spartanisch schlicht einher kommt und nach wie vor alle Programme bedingungslos in die von Corel fest vorgegebenen Unterverzeichnisse installiert. Inzwischen funktioniert der besagte Installationsassistent auch unter SuSE Linux, so dass eine manuelle Installation der Dateien jetzt glücklicherweise nicht mehr nötig ist. Besitzer der englischen Version können sich übrigens ein überarbeitetes Setup-Programm auf den Internetseiten von Corel herunter laden.

Rechtschreibung

Die Rechtschreibprüfung ist standardmäßig auf die neuen deutschen Rechtschreibregeln eingestellt. Eine Auswahl zwischen alter und neuer Schreibweise, wie sie die englische Version noch zuließ, ist nun nicht mehr möglich. Die Anzahl der bekannten Wörter ist zwar relativ hoch, aber es finden sich auch noch Wörter in der alten Schreibweise.

Fazit

Alles in allem ist Corel die deutsche Version des WordPerfect Office 2000 gut gelungen. Leider trüben die während der Arbeit immer wieder auftauchenden kleineren Macken den sonst so hervorragenden Gesamteindruck. Ob sich das Office-Paket, gerade bei einem für ein Linux-Produkt doch relativ hohen Preis, gegenüber dem zwar nicht so leistungsfähigen aber dafür kostenlosen StarOffice behaupten kann, bleibt abzuwarten.

Umsteiger von Windows, die ihre Schriftarten oder Grafiken unter Linux weiterverwenden wollen, und die jenigen, die entweder mit dem Desktop von StarOffice nicht zurechtkommen oder den Funktionsumfang von WordPerfect benötigen, sollten auf jeden Fall einen Blick auf WordPerfect Office 2000 riskieren.

Infos

[1] Schürmann, Tim: Funktionsmonster, Linux-Magazin 07/2000, S. 76

[2] Corel Deutschland: Corel Linux Community: http://linux.corel.com

Der Autor

Tim Schürmann ist Student der Informatik an der Universität Dortmund und möchte sich bei einem Leser für seine Informationen über “foo” bedanken. (http://www.huis.hiroshima-u.ac.jp/Computer/Jargon/LexiconEntries/Foo.html)

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