Duden-Korrektor 5.0 für OpenOffice

Aus LinuxUser 06/2009

Duden-Korrektor 5.0 für OpenOffice

Prüfung bestanden

Die Bifab AG müht sich seit geraumer Zeit, auch für OpenOffice einen Korrektor mit Duden-Qualitäten anzubieten. Mit der neuen Version 5 gewinnt das Produkt deutlich an Nutzwert.

OpenOffice gehört heutzutage zur Standardausstattung nahezu aller Linux-Distributionen. Da sich die freie Bürosuite wegen ihrer technischen Überlegenheit und ihrer ausgereiften Features kontinuierlich größerer Beliebtheit erfreut, bietet bereits seit einigen Jahren die Bifab AG als Herausgeber der bekannten Duden-Nachschlagewerke für OpenOffice und dessen kommerzielle Schwester StarOffice einen Korrektor an, der orthografische, grammatikalische und Interpunktionsfehler zuverlässig aufspüren und beseitigen soll. Seit wenigen Wochen gibt es den neuen Duden-Korrektor 5.0 für OpenOffice [1].

Produktüberblick

Duden Korrektor 5.0 für OpenOffice und StarOffice

ISBN 987-3-411-06712-1

19,95 Euro

http://www.duden.de

Spartanisch

Der neue Korrektor kommt in einer unscheinbaren DVD-Box aus milchigem Hartplastik, in der sich lediglich die CD-ROM befindet, nicht jedoch ein gedrucktes Handbuch. Als Softwarevoraussetzungen gibt der Hersteller auf der Rückseite der Box OpenSuse ab Version 10.3, Ubuntu ab Version 7.10 sowie Gnome oder KDE an. Wir haben das Produkt daher unter Ubuntu 8.04.1 LTS getestet.

Auf der CD-ROM finden sich mehrere einfache Textdateien, ein Handbuch im PDF-Format sowie Unterverzeichnisse für verschiedene Betriebssysteme und Programme. Die ASCII-Datei installation.txt klärt in wenigen Sätzen über die Einrichtung nicht nur des Korrektors, sondern auch der in der aktuellen Version 5.0.3.0 mitgelieferten Office-Bibliothek und des elektronischen Lexikons Die deutsche Rechtschreibung auf. Sie gibt insbesondere darüber Aufschluss, dass zur Installation des Korrektors weitere Softwarepakete vorhanden sein müssen. Dazu zählen neben einem aktuellen Java Runtime Environment (JRE) OpenOffice ab Version 3.0.1 oder StarOffice ab Version 9.0. Da Ubuntu 8.04.1 LTS wie nahezu alle derzeit aktuellen Linux-Distributionen noch kein OpenOffice 3.0.1 beinhaltet, testeten wir zunächst, ob sich der Korrektor auch mit älteren OpenOffice-Varianten zur Kooperation bewegen lässt.

Die Rechtschreibprüfung auf die Platte zu packen und in OpenOffice zu integrieren, erfordert nur wenige Arbeitsschritte: Im Menü Extras des Büropakets öffnen Sie den Eintrag Extension Manager und klicken auf Hinzufügen. Nach der entsprechenden Pfadeingabe des Linux-Verzeichnisses auf der CD-ROM beginnt die Installation. Doch bei den OpenOffice-Versionen 2.4.1 unter Ubuntu und 3.0.0 unter OpenSuse 11.1 verweigerte die Einrichtungsroutine nach Abfrage der Versionsnummer hartnäckig mit einer Fehlermeldung ihre Arbeit (Abbildung 1).

Abbildung 1: Ältere Versionen bleiben außen vor – erst ab OpenOffice 3.0.1 lässt sich der Duden Korrektor 5.0 installieren.

Abbildung 1: Ältere Versionen bleiben außen vor – erst ab OpenOffice 3.0.1 lässt sich der Duden Korrektor 5.0 installieren.

Möchten Sie also den neuesten Duden-Korrektor einsetzen, kommen Sie nicht umhin, die rund 150 MByte umfassende OpenOffice-Version 3.0.1 herunterzuladen und auf dem heimischen System zu installieren, bevor die Bifab-Software in Aktion treten kann. Wir nutzen die zum Testzeitpunkt aktuelle Variante 3.0.1-1 von OpenOffice [2]. Anschließend ließ sich die Korrektor-Software wie oben beschrieben als OpenOffice-Extension integrieren, wobei sie rund 120 MByte Plattenplatz mit Beschlag belegte.

Büchersammlung

Nach dem Start von OpenOffice mit Korrektor-Extension fallen sofort oben rechts in der Symbolleiste zwölf im typischen Duden-Gelb gehaltene Buchsymbole ins Auge. Lediglich die fünf ersten, ganz links angeordneten Symbole aktivieren oder deaktivieren jedoch eigentliche Korrekturfunktionen.

Bevor Sie diese jedoch sinnvoll nutzen können, gilt es noch im Menü Extras | Optionen | Spracheinstellungen | Linguistik die verfügbaren Sprachmodule anzupassen: Zwar fanden wir hier beim Duden-Korrektor-Sprachmodul ein Häkchen, der in OpenOffice per Standardeinstellung integrierte Spellchecker Hunspell war jedoch ebenfalls noch aktiviert. Dies führt im Betrieb zu einer drastisch erhöhten CPU-Last und einem nur noch ruckelnd reagierenden System, sofern die Prüfungsmodule bereits während der Texteingabe arbeiten. Daher sollten Sie auf jeden Fall Hunspell deaktivieren, wenn Sie den Duden-Korrektor nutzen (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Duden-Korrektor sollte exklusiv als Sprachmodul arbeiten.

Abbildung 2: Der Duden-Korrektor sollte exklusiv als Sprachmodul arbeiten.

Das sechste Buchsymbol von links gestattet das Einstellen diverser Duden-spezifischer Optionen. Hier sollten Sie insbesondere im Untermenü Wörterbücher den Eintrag Korrektor-Benutzerwörterbuch aktivieren.

Eine außerordentlich nützliche Funktion bietet das achte Symbol von links, das ein einfaches Buch zeigt. Sofern Sie die mitgelieferte Office-Bibliothek mit dem ebenfalls im Lieferumfang befindlichen Lexikon Die deutsche Rechtschreibung installiert haben, öffnen Sie mit einem einzigen Klick auf dieses Symbol die Retrieval-Software und schlagen unklare Begriffe nach. Da die Office-Bibliothek auch mit anderen linguistische Werke aus dem Hause Duden zusammenarbeitet, können Sie dann zusätzlich beispielsweise Synonyme oder Fremdwörter nachschlagen, sofern die entsprechenden Lexika installiert sind.

Korrekturfunktionen

Weniger ausgereift hingegen präsentieren sich die eigentlichen Prüfungs- und Korrekturfunktionen der Duden-Software. Bei eingeschalteten Prüfungsmodulen kennzeichnet der Korrektor in Writer, Calc und Impress fehlerhafte oder nicht erkannte Schreibweisen mit einer roten Wellenlinie unter dem entsprechenden Begriff. Die Grammatikprüfung steht ausschließlich in Writer zur Verfügung und macht sich durch eine blaue Wellenlinie unter reklamierten Begriffen bemerkbar.

Während die orthografische Prüfroutine Begriffe in allgemeinen Texten ohne fachspezifischen Wortschatz noch recht ordentlich erkennt, fallen schon kleinste Abweichungen vom üblichen Allgemeinwortschatz durch das Raster: So erkennt der Duden-Korrektor etwa weder den Begriff “Writer” noch die Distribution “Ubuntu” (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der EDV-Fachwortschatz des Duden-Korrektors bedarf der Überarbeitung.

Abbildung 3: Der EDV-Fachwortschatz des Duden-Korrektors bedarf der Überarbeitung.

Richtig abenteuerlich gestaltet sich jedoch die viel gepriesene Grammatikprüfung: Bei unseren Tests wurden einige der zunächst mit roter Wellenlinie gekennzeichneten Begriffe auch nach fertiger Korrektur oder Aufnahme in die Benutzerwörterbücher erneut mit einer blauen Wellenlinie gekennzeichnet, was zu teils abstrusen Ergebnissen führt. Zudem moniert die Grammatikprüfung allgemein übliche Begriffe, obwohl hier keinerlei Fehler vorliegt (Abbildung 4). Teils schlägt der Korrektor sogar Verschlimmbesserungen vor, wie beispielsweise laut Prüfungsmodul groß zu schreibende Verben mitten im Satz.

Abbildung 4: "CD-ROM" als Grammatikfehler? Hier besteht offenbar Verbesserungsbedarf.

Abbildung 4: “CD-ROM” als Grammatikfehler? Hier besteht offenbar Verbesserungsbedarf.

Stilfrage

Die Stil- und Satzlängenprüfung des Korrektors arbeitet dagegen recht ordentlich. Im Menü Optionen | Duden Korrektor | Stil aktivieren Sie dazu den Eintrag Satzlänge markieren durch ein Häkchen. Zusätzlich müssen Sie im Korrekturfenster unten links die Option Grammatik prüfen mit einem Häkchen versehen. Der Korrektor zählt dann die Wörter eines Satzes und schlägt bei Überschreiten der angegebenen Wortzahl Alarm. Freunde langer und für den Rezipienten schwer verständlicher Schachtelsätze werden somit auf solche stilistischen Schwächen hingewiesen, wobei die Software auch in den meisten Fällen durch einen Punkt beendete Abkürzungen innerhalb eines Satzes korrekt erkennt (Abbildung 5).

Abbildung 5: Überlange Sätze moniert die Stilprüfung des Duden-Korrektors.

Abbildung 5: Überlange Sätze moniert die Stilprüfung des Duden-Korrektors.

Außerordentlich zuverlässig erweist sich zudem die Trennfunktion des Korrektors: Machten gelegentliche Fehler der integrierten Silbentrennung von OpenOffice bislang noch eine manuelle Nachbearbeitung des Textes erforderlich, so glänzt der Duden Korrektor mit einer fehlerfrei arbeitenden automatischen Silbentrennung: Im Test konnten wir bei einem mehrseitigen Text mit eingedeutschten Begriffen aus der englischen Sprache keine Fehler feststellen. Obendrein arbeitet die Duden-Software sehr schnell, sodass auch die Trennung langer Texte nicht zur Geduldsprobe ausartet.

Fazit

Der neue Duden-Korrektor für OpenOffice bringt gegenüber den Vorgängerversionen [2] deutliche qualitative Verbesserungen. Die bisher mit unschöner Regelmäßigkeit auftretenden Probleme bei der Installation des Produkts haben die Entwickler in den Griff bekommen. Die Orientierung an den derzeit aktuellen Versionen von OpenOffice gewährleistet, dass sich das Produkt langfristig einsetzen lässt.

Hervorragende Ergebnisse liefert der Korrektor bei der Silbentrennung und der Rechtschreibprüfung von Texten mit Allgemeinwortschatz. Nach wie vor Raum für Verbesserungen bietet jedoch die Integration von Fachbegriffen aus populärwissenschaftlichen Bereichen. Als in der Praxis unbrauchbar und zudem sehr ressourcenfressend erweist sich dagegen die Grammatikprüfung. Die sehr gut gelungene Integration der Office-Bibliothek erhöht den Nutzen des gesamten Paketes: Sie stellt per Mausklick die ganze Bandbreite der elektronischen Nachschlagewerke aus dem Hause Duden zur Verfügung.

Können Sie auf eine funktionierende Grammatikprüfung verzichten und legen eher Wert auf eine solide orthografische und stilistische Prüfung ihrer Texte sowie eine funktionierende Silbentrennung, dann bietet der Duden-Korrektor eine erwägenswerte Alternative zu den eingebauten Funktionen von OpenOffice.

[1] Produkt-Homepage: http://www.duden.de/produkte/detail.php?isbn=3-411-06712-8

[2] Test Duden-Korrektor für OpenOffice.org: Erik Bärwaldt, “Pfusch am Bau”, LinuxUser 05/2008, S. 67, https://www.linux-community.de/artikel/15570/

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