Ungarische Regierung schreibt neuen Rahmenvertrag aus

Ungarische Regierung schreibt neuen Rahmenvertrag aus

Ungarn setzt vermehrt auf offene Standards

Wie in zahlreichen Ländern üblich gibt es auch in Ungarn einen Rahmenvertrag zwischen der Regierung und den großen Software-Lieferanten. Bislang profitierte davon aber nur Microsoft.

Letzte Woche schrieb die ungarische Regierung nun die Rahmenbedingungen für den Software-Einkauf neu aus. Ungarn wäre nicht Ungarn, hätte es nicht in letzter Minute noch kleine Änderungen an der Ausschreibung gegeben. Statt der geplanten 12 Milliarden Forint (rund 40 Millionen Euro) für Microsoft und damit gleichwertige Software und der ebenfalls geplanten 12 Milliarden Forint für freie Software, hat man das Volumen nun in sechs Ausschreibungen aufgeteilt:

  • 10 Milliarden HUF für Lizenzen von Microsoft oder damit gleichwertige Produkte in der Verwaltung
  • 2 Milliarden HUF für Lizenzen von Microsoft oder damit gleichwertige Produkte an Schulen
  • 4 Milliarden HUF für Lizenzen von Novell oder damit gleichwertige Produkte in der Verwaltung
  • 2 Milliarden HUF für Lizenzen von Novell oder damit gleichwertige Produkte an Schulen
  • 4 Milliarden HUF für Softwarelizenzen, die über offene Standards komplette Zusammenarbeit in der Verwaltung ermöglichen
  • 4 Milliarden HUF für Softwarelizenzen, die über offene Standards komplette Zusammenarbeit an Schulen ermöglichen

Im Vergleich zur geplanten Ausschreibung haben sich somit nicht nur die Beträge zu Gunsten von Novell geändert (Novell sollte ursprünglich mit Microsoft im 12 Milliarden-Topf landen) sondern auch die Formulierung: So nutzt die aktuelle Ausschreibung (PDF, Seite 16) anstelle von Open-Source-Software die Umschreibung “auf offenen Standards beruhende Software” (nyílt szabványokon keresztüli teljes együttm?ködést biztosító szoftverek). In den übrigen Teilen verweist das Dokument aber auf den Begriff Open-Source-Software (nyílt forráskódú szoftver).

Großer Schritt nach vorne

Unabhängig davon, wie die Ausschreibung letztendlich konkret verlaufen wird und welche Projekte von der Regierung den Zuschuss erhalten, stellt die neue Ausschreibung in jedem Fall einen Verlust für Microsoft dar. Im Vergleich zum letzten Jahr (25 Mrd. HUF) fließt nur noch das halbe Kapital nach Redmond. Zu den Gewinnern zählt neben den freien Software-Produkten und freien Standards auch Novell mit neu 6 Mrd. HUF (2 Mrd. im Vorjahr). Inwieweit Novell Ungarn dieses Kapital aber für Suse-Linux-Enterprise-Lösungen oder andere quelloffene Projekte nutzen wird, bleibt abzuwarten.

Zur Umstimmung in der Regierung hat unter anderem der Protest einiger Open-Source-Firmen in Ungarn beigetragen. Konkret reichten die drei Firmen Open SKM, Multiráció und ULX Beschwerde bei der Wettbewerbsbehörde ein. Für internationales Aufsehen sorgte auch ein ungarischer Student, der Steve Ballmer in Budapest mit Eiern bewarf und die 25 Mrd. HUF von ihm zurückverlangte.

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