Systemadministration unter OpenSuse Leap 16.0

Aus LinuxUser 06/2026

Systemadministration unter OpenSuse Leap 16.0

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Blick ins Cockpit

OpenSuse Leap 16 mustert den sperrigen, aber leistungsfähigen traditionellen Installer YaST aus und ersetzt ihn durch das Webfrontend Cockpit. Wir zeigen, was den Admin-Piloten erwartet.

Der neue Installer von Leap 16.0 kommt bei Optik und Bedienung dem bei Ein- und Umsteigern geschätzten Ubuntu-Pendant näher. Ein manuelles Partitionieren sowie die Nutzung bestehender Partitionen ist möglich, die Optionen verstecken sich allerdings im Ausklappmenü Speicherplatz ausfindig machen (Abbildung 1). Fortgeschrittene Linux-Funktionen wie die Konfiguration eines RAIDs fehlen bei der Installation jedoch.

Abbildung 1: Die Standardeinstellung des neuen Installers lautet <span class="ui-element">Die ganze Festplatte l&ouml;schen</span>/<span class="ui-element">Delete current content</span>. Erst die Option <span class="ui-element">Custom</span> im (irref&uuml;hrend benannten) Ausklappmen&uuml; <span class="ui-element">Speicherplatz ausfindig machen</span> &ouml;ffnet den Partitionseditor.

Abbildung 1: Die Standardeinstellung des neuen Installers lautet Die ganze Festplatte löschen/Delete current content. Erst die Option Custom im (irreführend benannten) Ausklappmenü Speicherplatz ausfindig machen öffnet den Partitionseditor.

Wer es gewohnt ist, sein System aktiv zu administrieren, stellt bei Leap 16 fest, dass die Suche nach YaST im Startmenü ins Leere läuft. Als Ersatz präsentieren die Leap-Entwickler das webbasierte Cockpit (Abbildung 2). Auch wenn es auf den ersten Blick nicht auffällt, läuft unter Leap 16 KDE 6 statt 5. Das alte X-Window-System gilt dabei als ausrangiert, nach der Installation steht nur noch eine Wayland-Sitzung zur Wahl. Eine X.org-Session für KDE lässt sich unter OpenSuse allerdings nachinstallieren.

Abbildung 2: Die neue Anwendung Cockpit Client bettet das Webfrontend der Systemverwaltungssoftware Cockpit in eine Desktop-Anwendung ein und soll so den Umstieg von YaST erleichtern.

Abbildung 2: Die neue Anwendung Cockpit Client bettet das Webfrontend der Systemverwaltungssoftware Cockpit in eine Desktop-Anwendung ein und soll so den Umstieg von YaST erleichtern.

Der Wechsel vom Soundsystem Pulseaudio zum rückwärtskompatiblen Pipewire ist für den Anwender zunächst gleichfalls nicht zu erkennen. Steckt eine Nvidia-Grafikkarte im Rechner, braucht man außerdem unter Leap 16 keine zusätzlichen Repositories mehr einzubinden und spezielle Pakete per Hand einzuspielen.

Viele Anwender bedauernd den Wegfall von YaST. Allerdings waren mittlerweile nicht nur viele Module des Systemadministrationswerkzeugs veraltet. Auch die technische Basis war so sehr in die Jahre gekommen, dass sich niemand mehr fand, der sie pflegen und ihren Funktionsumfang den gegenwärtigen Anforderungen anpassen wollte. So steht YaST zwar im Moment noch zur Installation zur Verfügung, doch das ist nicht in Stein gemeißelt und kann sich bei Upgrades der technischen Basis jederzeit ohne Vorankündigung ändern.

OpenSuse setzt also auf das von Fedora stammende Konfigurations-Webfrontend Cockpit (Abbildung 2). Der erst seit März verfügbare Cockpit-Desktop-Client (Paket cockpit-client-launcher) erleichtert YaST-Anwendern den Umstieg, sollten die sich weiterhin ein lokal ausführbares Programm statt eines Webfrontends wünschen.

Konfliktpotenzial

Seltsamerweise ist Cockpit in Leap nicht vorinstalliert. Am einfachsten richten Sie es per Pattern in der konsolenbasierten Paketverwaltung mit sudo zypper in -t pattern cockpit ein. Die neue grafische Paketverwaltung Myrlyn erbt den Funktionsumfang des früheren YaST-Moduls Software, inklusive des Umgangs mit Patterns oder deutsch Schemata – dazu später mehr.

Bei der Installation von Cockpit meldet die Paketverwaltung zu allem Überfluss einen Konflikt – das überrascht beim designierten Nachfolger einer so zentralen Komponente wie YaST. Leap sollte Cockpit eigentlich vorinstalliert ausliefern, statt die Installation durch einen Paketkonflikt erschweren. Der ist bei genauerer Prüfung aber harmlos: Cockpit gestattet, ebenso wie das in Konflikt stehende busybox-hostname, das Verändern des Hostnames im Netzwerk. Der Konflikt lässt sich kurzentschlossen mit Lösung**1: Deinstallation von busybox-hostname auflösen.

Steuerzentrale

Wer Cockpit aufruft, egal ob im Browser oder Desktop-Client, der findet Entsprechungen für die meisten für Heimanwender relevanten YaST-Module. Als erster Punkt im Menü links ist ein Protokoll-Browser zu finden, der die wichtigsten Filterfunktionen der Systemd-Log-Komponente Journalctl unterstützt und seine Anzeige live aktualisiert.

Die zweideutig benannte Rubrik Speicher zeigt die gegenwärtige Last des I/O-Systems an, listet alle bestehenden Laufwerke sowie Partitionen auf und fasst sämtliche das I/O-System betreffenden Systemmeldungen zusammen. Die Hamburger-Icons am Ende der Zeile jedes Eintrags in der Liste der Geräte und Partitionen umfasst je nach Typ Operationen wie Partitionstabelle erstellen oder Formatieren.

Auch RAIDs oder LVM-Verbünde lassen sich anlegen. Btrfs-spezifische Operationen wie das Erstellen von Snapshots oder Subvolumes zählen ebenfalls zum Angebot. Cockpit liefert damit die wichtigsten im Zusammenhang mit Festplatten und SSDs gefragten Funktionen. Entsprechend gilt es, sich zu überlegen, ob man Cockpit nur durch ein Passwort geschützt im Netzwerk freigeben möchte. Im Auslieferungszustand von Leap steht der zugehörige Port 9090 in der Firewall nach Installation von Cockpit jedenfalls offen.

Was fehlt, ist die Unterstützung der in Btrfs integrierten RAID-Funktionalität, im Gegensatz zum DMRAID genannten Kernel-basierten Plattenverbund. Zum Glück gelingt es auf der Kommandozeile leicht, eine einzelne Btrfs-Partition zu einem RAID zu erweitern.

Haben Sie beispielsweise OpenSuse in eine gewöhnliche Btrfs-Partition installiert, wie der Installer es vorschlägt, dann fügen Sie dem Root-Volume mit dem Kommando aus der ersten Zeile von Listing 1 eine zweite Partition hinzu. Sofern /dev/sdb1 dieselbe Größe hat wie die bisherige Root-Partition /dev/sda2, baut der Befehl aus der zweiten Zeile die beiden Partitionen im laufenden Betrieb ohne Datenverlust zu einem redundanten RAID 1 [1] um. Da Btrfs alle Daten per Checksumme prüft, kann es anders als das alte Kernel-Software-RAID Fehler automatisch korrigieren, die nur auf einer der beiden RAID1-Partitionen auftreten.

Listing 1

RAID erzeugen

# btrfs device add /dev/sdb1 /
# btrfs balance start -mconvert=raid1 -dconvert=raid1 /

In der Rubrik Netzwerk überwacht Cockpit den Netzwerk-Durchsatz und zeigt zugehörige Systemmeldungen an. Die Firewall lässt sich hier ein- und ausschalten sowie ihre Regeln und Zonen bearbeiten. Wie früher im YaST-Modul Firewall genügt es, den Namen eines Diensts zu kennen, um seinen Port an einer Netzwerkschnittstelle freizuschalten. Die Portnummer müssen Sie nur bei exotischen Diensten angeben, oder wenn sie vom Standardwert abweicht.

Cockpit aktiviert und deaktiviert Netzwerkschnittstellen, weist ihnen feste IPv4/IPv6-Adressen zu oder passt den MTU-Wert an, falls Netzwerkprobleme das erfordern. Außerdem legt das Tool Wireguard-VPN-Zugänge, Netzwerk-Bridges [2], Bondings [3] und VLAN-Segmentierungen an. Die Leistungsfähigkeit übersteigt also die des alten YaST-Moduls deutlich. Einzige Ausnahme ist die Auswahl eines bestimmten Kernel-Moduls für eine Netzwerkkarte, die heute nur noch selten erforderlich ist.

Außerdem verwaltet Cockpit Container inklusive der praktischen Distroboxen [4] sowie virtuelle Maschinen und deren Speicherpools und Netzwerke. Beim Anlegen neuer VMs lädt es die Installationsabbilder bekannter Distributionen ohne zusätzlichen Arbeitsschritt herunter. Der etwas unhandliche Virt-manager [5] bietet deutlich mehr Konfigurationsmöglichkeiten, die allerdings eher selten zum Einsatz kommen. Vielen Anwendern dürfte der Funktionsumfang von Cockpit für die Verwaltung ihrer virtuellen Maschinen genügen.

Das Administrationswerkzeug kümmert sich daneben um Benutzer und Benutzergruppen sowie Systemdienste. Letztere stoppt und startet Cockpit oder konfiguriert sie zum Start beim Booten. Wie schon in anderen Rubriken zeigt es die zu jedem Dienst gehörigen Protokollmeldungen. Unter OpenSuse installiert oder deinstalliert Cockpit Softwarepakete aus den eingebundenen Repositories, zeigt verfügbare Aktualisierungen an und installiert sie.

Gemäß dem Ansatz, Verwaltungsfunktionen und Log-Viewer zu kombinieren, lässt sich herausfinden, welche Pakete frühere Updates ins Spiel gebracht haben – eine wichtige Informationsquelle, wenn nach einer Aktualisierung Regressionen auftreten.

Vollwertiger Ersatz

Fortgeschrittene Funktionen zur Serveradministration wie das Einrichten eines Mailservers, das Initiieren eines iSCSI-Laufwerks sowie Module zum Einrichten eines Scanners oder Druckers fehlen. Letztere dürften Heimanwender in den letzten Jahren ohnehin kaum angefasst haben. Für die Verwaltung des Druckdiensts Cups bringen die Desktop-Umgebungen längst zeitgemäßere GUIs mit. Unter der URL http://localhost:631 lässt sich zudem das Webfrontend von Cups erreichen.

Wenn Cups den Drucker nativ unterstützt, genügt es, nach dem Anschließen per USB das Modul Drucker der KDE-Systemeinstellungen zu öffnen. Es schlägt automatisch den richtigen Treiber vor. Das funktioniert zwar nicht für alle Druckermodelle [6], doch viele Drucker der letzten zehn Jahre unterstützten sogenanntes treiberloses Drucken [7] ohne modellspezifischen Treiber.

Damit dieses eigentlich für das Drucken im Netzwerk vorgesehene Verfahren unter OpenSuse lokal funktioniert, müssen Sie das Paket ipp-usb installieren. Das Modul Drucker der Systemeinstellungen listet dann den lokal per USB an den Rechner angeschlossenen Drucker unter Network und bietet dabei die Option Driverless an. Abbildung 3 zeigt das am Beispiel eines Canon G1020. Nach Übernahme der gleichnamigen Option mit Vorgeschlagenen Treiber auswählen ist das Gerät einsatzbereit. Eine Installieren des von Canon zwar für Linux angebotenen, doch stiefmütterlich behandelten Druckertreiber entfällt.

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Abbildung 3: Für den treiberlosen Betrieb geeignete Drucker sind seit etwa zehn Jahren zum Glück recht verbreitet und machen modellspezifische Druckertreiber überflüssig.

Unter Linux Mint erscheinen mit treiberlosem Drucken kompatible, per USB an den Rechner angeschlossene Drucker sogar ganz ohne Zutun des Anwenders im Drucksystem. Wünschen Sie sich dieses Verhalten, aktivieren Sie den entsprechenden Cups-Dienst via sudo systemctl enable cups-browsed --now. Die automatische Erkennung von WLAN-fähigen Druckern setzt zusätzlich die Aktivierung des Diensts Avahi-dnsconfd voraus.

Bei der Druckerverwaltung hat sich zwischen Leap 15.6 und 16 also nichts Grundlegendes verändert. Leider, will man anmerken, denn Cups plant, in Zukunft nur noch das treiberlose Drucken anzubieten. Dass damit der Support für etliche im Moment funktionierende Drucker wegfällt, ist eine Sache. Eine andere ist, dass treiberloses Drucken es vielen OpenSuse-Anwendern erspart, generische RPM-Pakete auf ihrem System zum Laufen bringen zu müssen. Da OpenSuse das dafür nötige Paket nicht vorinstalliert und Hinweise darauf im Internet seltsamerweise schwer zu finden sind, bleibt es vielen Nutzern künftig verborgen, wie reibungslos die Druckerunterstützung unter Linux funktionieren kann.

Paketdienst

Cockpit ist mit seiner Bündelung von informativen und administrativen Funktionen zu vielen Themenbereichen ein würdiger Ersatz für die wichtigsten YaST-Module. Eine Ausnahme macht die Softwareverwaltung, die eher rudimentär ausfällt.

Ein früherer YaST-Entwickler hat jedoch dafür gesorgt, dass sich hier in der Post-YaST-Periode keine Lücke auftut: Stefan Hundhammer löste das Modul Software aus YaST heraus. Die so entstandene Anwendung heißt Myrlyn und besitzt inzwischen alle Funktionen ihres Vorgängers (Abbildung 4).

Abbildung 4: Die neue grafische Paketverwaltung Myrlyn stammt vom YaST-Modul <span class="ui-element">Software</span> ab und ist damit &uuml;ber weite Strecken, wie hier bei der Aufl&ouml;sung eine Paketkonflikts, optisch und funktional identisch.

Abbildung 4: Die neue grafische Paketverwaltung Myrlyn stammt vom YaST-Modul Software ab und ist damit über weite Strecken, wie hier bei der Auflösung eine Paketkonflikts, optisch und funktional identisch.

Die Anordnung der Unterfenster im Hauptfenster gerät im Vergleich zum alten YaST-Modul sogar übersichtlicher. Der Fortschritt größerer Downloads und Installationsvorgänge lässt sich so einfacher überblicken. Nach wie vor spielt die Software ihre Stärke beim Aufzeigen und Auflösen von Abhängigkeitsproblemen aus.

Solche Probleme sollten zwar bei der Installation unterstützter Pakete aus den offiziellen Repositories nie auftreten. Doch OpenSuse wäre nicht OpenSuse ohne den Build Service [8] mit experimentellen Paketen. Bei solchen Experimenten spielt die leistungsfähige, grafische Paketverwaltung, wie sie in dieser Form keine andere Distribution bietet, ihre Stärken aus: Sie identifiziert Pakete, die Probleme verursachen. Anschließend lässt sich der Übeltäter entweder deinstallieren, oder Myrlyn zeigt eine Lösung auf, wie das Paket trotzdem installiert bleiben kann.

Myrlyn verwaltet zudem Paket-Repositories. Das für OpenSuse unverzichtbare Community-Repo Packman mit nicht aus lizenzrechtlicher Vorsicht beschnittenen Multimedia-Codecs binden Sie wie früher mit einem Mausklick ein. Für das Einspielen von Aktualisierungen verlässt sich Leap 16 wie sein Vorgänger auf die Applets der Desktop-Umgebung. KDE 6 bringt für Anwender hier keine Veränderungen.

Updates bestehen unter Leap größtenteils aus Sicherheitsaktualisierungen. Da Snapper nach wie vor die Möglichkeit bietet, jede Paketoperation notfalls zurückzudrehen, können Sie beruhigt die Option Automatisch im Punkt Softwareaktualisierung der KDE-Systemeinstellungen wählen (Abbildung 5).

Abbildung 5: KDE bietet an, Aktualisierungen automatisch einzuspielen. OpenSuse-Leap-Anwender k&ouml;nnen dies dank der Snapper-System-Snapshots, die Upgrades reversibel machen, gefahrlos annehmen.

Abbildung 5: KDE bietet an, Aktualisierungen automatisch einzuspielen. OpenSuse-Leap-Anwender können dies dank der Snapper-System-Snapshots, die Upgrades reversibel machen, gefahrlos annehmen.

Klangvoll

Statt in jede Audioanwendung eigene Konfigurationsdialoge für Geräte wie Mikrofone und Lautsprecher einzubauen, ist es effektiver, das Handling in einen Soundserver auszulagern. Der erledigt dann das Routing, etwa ein Umschalten zwischen Lautsprecher und Kopfhörer, oder eine anwendungsspezifische Lautstärkeregelung. Mehr als ein Jahrzehnt lang galt dafür Pulseaudio als Platzhirsch. Seit 2021 erobert zunehmend das modernere und leistungsfähigere Pipewire das Audio-Revier.

Die wesentlichste Neuerung für den Bereich Sound besteht darin, dass Pipewire nun sowohl das Pulseaudio-Protokoll als auch das Jack-Protokoll für geringe Latenz umsetzt. Für Alltagsanwendungen wie ein Musikwiedergabeprogramm spielt es keine Rolle, wenn nach dem Start der Wiedergabe eine Viertelsekunde vergeht, bis der erste Ton erklingt. Bei der Musikproduktion stören dagegen schon sehr viel geringere Verzögerungen. Endlich sind beide Anforderungsprofile – Pulseaudio für mäßige Systemlast und Jack für minimale Latenz – ohne Start eines zusätzlichen Soundservers vereint. Zusätzlich dehnt Pipewire das Routing auf Videoaufnahmegeräte aus.

Der Umstieg von Pulseaudio zum neueren, als stabiler geltenden Pipewire, den Fedora bereits 2021 vollzog, fällt unspektakulär aus, weil Pipewire volle Rückwärtskompatibilität zu Pulseaudio anstrebt und erreicht. Die Programme zur Audiowiedergabe wie Audioplayer und Firefox funktionieren unverändert weiter. Dasselbe gilt für Verwaltungs- und Konfigurationsprogramme wie Pavucontrol (Abbildung 6) und die Rubrik Klang in den Systemeinstellungen der Desktop-Umgebungen.

Abbildung 6: Der alte Pulseaudio-Mixer Pavucontrol, hier in der Qt-Version f&uuml;r eine KDE-Umgebung, funktioniert auch unter Pipewire noch, ebenso die Lautst&auml;rkeregler der Desktop-Umgebungen.

Abbildung 6: Der alte Pulseaudio-Mixer Pavucontrol, hier in der Qt-Version für eine KDE-Umgebung, funktioniert auch unter Pipewire noch, ebenso die Lautstärkeregler der Desktop-Umgebungen.

Um eine akzeptable Latenz für auf Jack aufsetzende Musikprogramme zu erzielen, gilt es, die Prozesspriorität des Soundservers zu erhöhen. Dank des unter OpenSuse vorinstallierten Rtkit braucht es dafür keine Konfigurationsänderungen auf Systemebene. Es genügt, die Pipewire-Konfiguration anzupassen. Platzieren Sie dazu eine Konfigurationsdatei jack.conf mit dem Inhalt aus Listing 2 im Verzeichnis ~/.config/pipewire/.

Listing 2

jack.conf

context.modules = [
  # Uses RTKit to boost the data thread priority.
  { name = libpipewire-module-rtkit
    args = {
      nice.level   = -11
      rt.prio      = 88
      rt.time.soft = -1
      rt.time.hard = -1
    }
    flags = [ ifexists nofail ]
  }
]

Starten Sie Anwendungen dann zum Beispiel mit PIPEWIRE_LATENCY="128/48000" Anwendung auf der Konsole für eine 128-Sample-Pufferperiode bei 48 KHz. Das entspricht einer Latenz von 2,67 ms. Sollte es dabei zu Pufferüberläufen kommen, sogenannten XRuns, dann erhöhen sie die Pufferperiode von 128 auf 256 oder 512 (Abbildung 7).

Abbildung 7: Programme wie die Audio-Workstation Ardour, die den Low-Latency-Soundserver Jack benutzen, sind unter Leap nicht mehr auf einen manuellen Start der Soundservers angewiesen.

Abbildung 7: Programme wie die Audio-Workstation Ardour, die den Low-Latency-Soundserver Jack benutzen, sind unter Leap nicht mehr auf einen manuellen Start der Soundservers angewiesen.

Genussreif

Während Leap 15 noch die seit Januar 2025 nicht mehr unterstützte KDE-Plasma-Version 5 enthielt, setzt Leap 16 auf die seit Anfang 2024 verfügbare Version 6. Dass dies auf den ersten Blick gar nicht auffällt, ist ein gutes Zeichen. Den KDE-Entwicklern ging es beim Switch der Major-Version ausdrücklich nicht darum, größere Änderungen am Bedienkonzept vorzunehmen. Das Ziel waren vielmehr Umbauten unter der Haube, allen voran der Umstieg von der grafischen Bibliothek Qt 5 auf Qt 6.

Bei der KDE-Plasma-Version in Leap 16 handelt es sich auch keineswegs um die erste Fassung nach dem Major-Versionssprung, sondern um die Version 6.4. Die durch den Entwicklungssprung ausgelösten Regressionen gelten als bereits ausgebügelt. Die wichtigste Änderung ist der Umstieg von der seit den 1980er-Jahren genutzten grafischen X-Window-Umgebung auf Wayland. Damit sind unter anderem HDR-Monitore (Abbildung 8) jetzt salonfähig. Korrekturfilter für Farbenblindheit bringt Wayland ebenfalls mit.

Abbildung 8: Nicht nur Drucker, auch die Bildschirmaufl&ouml;sung verwalten die Konfigurationszentren der Desktop-Umgebungen l&auml;ngst umfassend. In KDE&nbsp;6 kam unter Wayland ein HDR-Support hinzu.

Abbildung 8: Nicht nur Drucker, auch die Bildschirmauflösung verwalten die Konfigurationszentren der Desktop-Umgebungen längst umfassend. In KDE 6 kam unter Wayland ein HDR-Support hinzu.

In der Paketausstattung von Leap fehlen jetzt allerdings manche beliebte Programme wie der RAW-Entwickler Darktable oder die Virtualisierungslösung Virtualbox. Sie stehen nicht länger als native Pakete bereit. Die Zahl der distributionsübergreifend einsetzbaren Flatpak-Pakete wächst dagegen immer weiter an. Die Flatpak-Paketmanagementsoftware ist unter Leap vorinstalliert. Das Standard-Repository Flathub gilt es noch, mit dem Befehl aus Listing 3 einzubinden, bevor sich Pakete daraus installieren lassen.

Listing 3

Flathub einbinden

$ flatpak remote-add --if-not-exists flathub https://flathub.org/repo/flathub.flatpakrepo

Das gelingt mit dem Kommandozeilenprogramm flatpak, dem KDE-Software-Store Discover oder seinem Gnome-Pendant Gnome Software. Nach dem erfolgreichem Einbinden von Flathub ist oft eine Wahl zwischen einem nativen OpenSuse-Pakete und einer Flatpak-Alternative möglich (Abbildung 9).

Abbildung 9: Nach dem Aktivieren des Flathub-Repositorys zeigen die Software-Stores von KDE (Discover, links) und Gnome (Software, rechts) f&uuml;r viele Programme eine native OpenSuse- und eine Flatpak-Spielart.

Abbildung 9: Nach dem Aktivieren des Flathub-Repositorys zeigen die Software-Stores von KDE (Discover, links) und Gnome (Software, rechts) für viele Programme eine native OpenSuse- und eine Flatpak-Spielart.

Fazit

OpenSuse Leap 16.0 glättet viele Ecken und Kanten der Distribution. Das Release gibt den sperrigen, doch leistungsfähigen Installer und das in vielen Aspekten altbackene, doch von vielen Anwendern immer noch geschätzte YaST zugunsten von Cockpit auf. KDE Plasma 6 und damit einhergehend Qt 6 tun ein Übriges zur Modernisierung. Ob die Annäherung an den Mainstream der Verbreitung von Leap gut tut oder OpenSuse-Fans in Zukunft die Alleinstellungsmerkmale der Distribution vermissen, muss sich noch zeigen. (uba)

Glossar

MTU

Maximum Transmission Unit. Die maximale Paketgröße einer OSI-Layer-3-Nutzlast, die ohne Fragmentierung in einen Layer-2-Frame passt. Bei Ethernet sind das 1500 oder 9000 (GbE mit Jumbo-Frames) Byte.

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