Aktuelle Software im Kurztest

Aus LinuxUser 08/2024

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Download-Beschleuniger Getparty 1.21.1, Befehlskettenspeicher Just 1.25.2, Logfile-Navigator Lnav 0.12.2, OSINT-Werkzeug Sherlock 0.14.4, Netzwerkstatistiker Vnstat 2.12, Web Rendering Proxy Wrp 4.6.2.

Turbolader

Mit Getparty 1.21.1 parallelisieren Sie Downloads und beschleunigen sie so.

Auf modernen Linux-Distributionen stehen zahlreiche Download-Manager für alle möglichen Übertragungsprotokolle zur Verfügung. Mit dem Go-basierten Werkzeug Getparty steht nun ein weiterer Kandidat für diesen Zweck bereit. Sie müssen Getparty nicht selbst kompilieren, sondern können auf eines der fertigen Binärpakete auf Github zurückgreifen.

Der wesentliche Vorteil des Tools liegt in der Aufteilung des Downloads in mehrere Übertragungen. Standardmäßig startet Getparty allerdings nur eine Übertragung, mit -p können Sie jedoch große Dateien problemlos auf mehrere parallele Übertragungen verteilen. Zugangsdaten wie Benutzername und Passwort übergeben Sie ebenfalls beim Aufruf als Parameter. Getparty unterstützt nur HTTP-basierte Übertragungen. Damit selbst signierte Web-Zertifikate keine Probleme bereiten, können Sie die Prüfung mit --no-check-cert deaktivieren. Standardmäßig startet Getparty zehn Versuche, um die Daten zu übertragen. Mit -r können Sie diesen Wert bei Bedarf anpassen. Geben Sie mehrere Quellen für eine Datei an, ermittelt das Tool mit -b die am besten geeignete Quelle. Bei Webservern identifiziert sich Getparty als Google Chrome. Vorhandene Dateien überschreibt es nicht, es sei denn, Sie erzwingen das explizit mit -f. Während der Übertragung zeigt die Software den Durchsatz für jeden Kanal einzeln an. Erscheint Ihnen das zu unübersichtlich, deaktivieren Sie diese Ausgabe mit -q.

Die Dokumentation von Getparty fällt recht dürftig aus, es steht lediglich mit -h eine Online-Hilfe zur Verfügung. Auch die Anwendungsbeispiele auf Github sind eher spärlich. Dennoch bestechen die flinken, parallelen Downloads mit Getparty. Wenn Sie etwas Experimentierfreude aufbringen können, sollten Sie das Tool testen.

Getparty 1.21.1

 

Lizenz: BSD-3-Clause

Quelle: https://github.com/vbauerster/getparty

Kommandospeicher

Mit Just 1.25.2 verwalten Sie Befehlsfolgen für wiederkehrende Aufgaben.

Bei der Administration von Linux kommt es immer wieder vor, dass man für wiederkehrende Aufgaben mehrere Befehle in Folge eingeben muss. Die gängigste Lösung: Man vereinfacht die Aufgabe durch ein eigenes Skript. Wenn Ihnen auch das zu umständlich erscheint, dann ist das Rust-basierte Tool Just genau das Richtige für Sie. Einige Distributionen bringen das Werkzeug bereits mit, darunter Alpine und Arch Linux. Verwenden Sie ein anderes Linux-Derivat, dann können Sie auf eines der fertigen Binärpakete bei Github zurückgreifen.

Just verwaltet seine Befehlsketten in einem sogenannten Justfile, das im YAML-Format aufgebaut ist. Dabei darf eine Datei mehrere Befehlsketten enthalten. Jede Befehlskette, auch Recipe genannt, wird unter einem eindeutigen Titel zusammengefasst. Es folgen die auszuführenden Befehle, wobei jeder Befehl mit seinen Parametern in einer eigenen Zeile steht. Beim Aufruf können Sie dem jeweiligen Recipe auch Parameter mitgeben, die Just an die auszuführenden Befehle durchreicht. Anwendungsbeispiele finden Sie im Just-Handbuch auf der Projektseite. Zur Erzeugung eines leeren Justfile rufen Sie das Tool mit dem Parameter --init auf. Mit der Option -e können Sie die Datei bearbeiten. Letztlich öffnet das Werkzeug dabei das Justfile lediglich im Standardeditor des Systems. Zum Ausführen der Recipes greift Just auf die Standard-Shell des Systems zurück, eine alternative Shell geben Sie bei Bedarf mit --shell an. Für den Test eines Recipes offeriert das Tool den Parameter --dry-run. Dabei prüft Just die Syntax der Befehle und die Verarbeitungsreihenfolge, führt aber keinen Befehl aus.

Die Software bietet noch zahlreiche weitere Funktionen, die wir hier nicht alle ansprechen können. Ein Test des cleveren Werkzeugs lohnt sich auf jeden Fall.

Just 1.25.2

 

Lizenz: CC0 1.0 Universal

Quelle: https://github.com/casey/just

Lesehilfe

Mit Lnav 0.12.2 durchforsten Sie umfangreiche Log-Dateien.

Auf intensiv genutzten Linux-Systemen fallen die Log-Dateien immer groß und unübersichtlich aus. Damit Sie in der Masse an Informationen die gesuchte Meldung einfacher finden, gibt es Helfer wie Lnav. Das in C++ geschriebene Werkzeug bereitet den Inhalt der Syslog-Datei auf und hebt dabei wichtige Einträge farblich hervor. So gibt es Warnmeldungen in gelber Schrift aus, während Fehlermeldungen in Rot erscheinen. Die Navigation zwischen den Einträgen erfolgt mittels der Pfeiltasten.

Ähnlich wie beim Editor Vi(m) öffnen Sie mit : eine Befehlseingabe. Hier wechseln Sie mit der Anweisung :goto zu einer bestimmten Zeile des Protokolls oder legen mit :filter-out einen Filter fest, der Zeilen mit bestimmten Einträgen ausblendet. Dabei lassen sich auch reguläre Ausdrücke als Filter angeben. Mit [Strg]+[F] deaktivieren Sie einen gesetzten Filter wieder. Über das Tastenkürzel [Umschalt]+[,] (;) wechseln Sie in den SQL-Modus von Lnav, in dem Sie Abfragen in der ubiquitären Standard Query Language formulieren. Im Hintergrund nutzt das Tool dazu die Virtual-Table-Funktion von SQLite3 und stellt den Protokollinhalt als Tabelle in der Datenbank dar. Neben reinen Textdateien verarbeitet Lnav auch Protokolle im gängigen JSON-Format. Als Dokumentation stehen eine ausführliche Manpage sowie eine umfangreiche Online-Hilfe zur Verfügung, die Sie mit [Umschalt]+[ß] (?) erreichen. Mit [Umschalt]+[ 7] (/) durchstöbern Sie das Protokoll nach bestimmten Begriffen.

Viele Distributionen führen bereits ältere Lnav-Versionen in den Paketquellen, das aktuelle Release müssen Sie jedoch selbst aus den Quellen kompilieren. Es bietet unter anderem Anpassungen an der Benutzerschnittstelle und eine bessere Integration von Journalctl.

Lnav 0.12.2

 

Lizenz: BSD-2

Quelle: https://github.com/tstack/lnav

Sherlock

Über Sherlock 0.14.4 verfolgen Sie Nicknames in Social Networks.

Auch mit leistungsfähigen Suchmaschinen gelingt es oft nur schwer, Personen zu finden, von denen man lediglich ein Pseudonym kennt. Hier erweist sich ein privater Ermittler wie das Python-basierte Tool Sherlock als praktisch, das Sie bei der Suche unterstützt. Sherlock gehört in die Kategorie Open Source Intelligence (kurz OSINT) und durchforstet über 300 Social-Media-Plattformen nach einem Pseudonym oder Benutzernamen. Dabei berücksichtigt es nicht nur populäre Plattformen wie Tiktok oder Instagram, sondern kontrolliert selbst weniger verbreitete Vertreter wie Chaos.social. Auch Plattformen mit spezifischen Aufgaben wie Github oder Soundcloud finden Beachtung.

In den Repos der gängigen Distributionen findet sich Sherlock nicht, Sie müssen es selbst aus dem Github-Repository herunterladen und installieren. Das Tool wird permanent weiterentwickelt, sodass sich die Installation aus den Quellen lohnt. Alternativ gelingt auch ein Betrieb im Docker-Container. Eine Bauanleitung und Aufrufbeispiele hält die Github-Seite parat.

Für eine schnelle Suche geben Sie Sherlock den oder die gesuchten Namen beim Aufruf als Parameter mit. Als Ergebnis liefert es in der Konsole eine Liste der Plattformen, auf denen das Pseudonym auftaucht. Mit --output leiten Sie die Ausgabe in eine Datei um. Laut Dokumentation sollen die Schalter --csv und --xlsx die Ausgabe im jeweiligen Format erlauben, was auf dem Testsystem jedoch nicht funktionierte. Die maximale Suchdauer pro Plattform beschränken Sie mit -v. Mit dem Schalter -t schickt Sherlock seine Anfragen über das Tor-Netzwerk und ermöglicht so eine verdeckte Suche. Dabei nutzen Sie gegebenenfalls mit --unique-tor für jede Anfrage eine neue Verbindung, was allerdings zulasten der Laufzeit geht.

Sherlock 0.14.4

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/sherlock-project/sherlock

Durchflussmesser

Mit Vnstat 2.12 behalten Sie den Überblick über den Netzwerkverkehr.

Wie schnell ist die Netzwerkverbindung, wie hoch der Datendurchsatz? Eine Antwort auf solche Fragen liefert das in C geschriebene Tool Vnstat. Einige Distributionen führen ältere Versionen in den Paketquellen, das aktuelle Release müssen Sie selbst aus den Sourcen übersetzen. Zum Ermitteln der Durchsatzdaten greift Vnstat auf Statistikinformationen des Kernels zurück, die sich im Proc- und im Sys-Verzeichnisbaum des Betriebssystems finden. Es bereitet die gesammelten Daten auf und fasst sie nach Schnittstellen sortiert zusammen. Das Ergebnis landet in Form einer Binärdatei unter /var/lib/vnstat/. Um die Binärdaten zu aktualisieren, rufen Sie das Tool mit dem Parameter -u auf. Möchten Sie das Aktualisieren automatisieren, greifen Sie auf das Werkzeug Vnstatd zurück, das Sie dazu als Dienst einrichten. Beispielskripte für die Integration in Init-Systeme wie SysVinit und Systemd finden sich im Quellarchiv.

Die Konfiguration von Vnstat und Vnstatd erledigen Sie wahlweise über Kommandozeilenparameter beim Aufruf oder mittels einer Konfigurationsdatei. Die Standardkonfiguration erwartet das Tool in der Datei /etc/vnstat.conf, anwenderspezifische Konfigurationen nehmen Sie in $HOME/.vnstatrc vor. In der Konfigurationsdatei geben Sie die auszuwertenden Schnittstellen an, passen das Zeitstempelformat an und legen die maximal verfügbare Bandbreite fest. Auf Wunsch fasst Vnstat die erfassten Daten zu einem Bericht zusammen, dessen Layout Sie über die Konfigurationsdatei anpassen können. Möchten Sie die erfassten Daten direkt betrachten, starten Sie Vnstat mit -l im Live-Modus. Eine Übersicht aller Parameter liefern die Online-Hilfe (--help) und die Manpage des Tools. Weitere Informationen finden Sie auf der Projektseite.

Vnstat 2.12

 

Lizenz: GPLv2.0

Quelle: https://github.com/vergoh/vnstat

Nostalgiker

Das handliche Wrp 4.6.2 ermöglicht, alte Webbrowser weiter zu nutzen.

Retro beschränkt sich in der IT nicht auf 8- oder 16-Bit-Hardware, viele Nutzer verwenden auch gern ältere Software. Historische Webbrowser können allerdings oft moderne Webseiten nicht korrekt darstellen oder werden vom Webserver direkt blockiert. Abhilfe schafft hier der Go-basierte Web Rendering Proxy Wrp, der zwischen Browser und Webauftritt vermittelt. Dabei gibt er sich den Webseiten gegenüber als Chrome-Browser aus. Zum Aufruf eines Auftritts verbinden Sie sich mit der Webseite von Wrp und geben dort die gewünschte URL an. Der Proxy lädt die zugehörige Seite und generiert daraus ein PNG-, JPEG- oder GIF-Bild mit anklickbaren Elementen, in dem Sie wie auf der Originalseite navigieren.

Wrp fehlt bislang in den Paketquellen der meisten Distributionen, Sie greifen auf die Binaries aus dem Github-Repo zurück. Der Proxy erwartet eingehende Verbindungen an Port 8080. PNG-Bilder erzeugt er in einer Auflösung von 1152 x 600 Pixeln mit einer Web-sicheren Palette mit 216 Farben. Wünschen Sie eine andere Auflösung, geben Sie diese beim Start mit -g an. Einen alternativen Port oder eine bestimmte Schnittstelle legen Sie mit -l fest. Ohne weitere Angabe erzeugt der Proxy GIFs, andere Zielformate geben Sie mit -t an. Für die HTTP-Requests greift Wrp im Hintergrund auf den Chrome-Browser zurück. Dazu sucht es explizit nach der ausführbaren Datei google-chrome. Fehlt sie auf dem System, terminiert Wrp mit einer Fehlermeldung. Möchten Sie das Google-Produkt nicht installieren, setzen Sie stattdessen einfach einen Symlink auf Chromium.

Wrp bietet eine interessante Lösung, um alte Browser oder Web-Tools weiter zu nutzen. Aufgrund diverser Einschränkungen eignet es sich allerdings eher zum Experimentieren als für den produktiven Einsatz. (Uwe Vollbracht/jlu)

Wrp 4.6.2

 

Lizenz: Apache 2.0

Quelle: https://github.com/tenox7/wrp

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDF
LinuxUser 08/2024 KAUFEN
EINZELNE AUSGABE
ABONNEMENTS
TABLET & SMARTPHONE APPS
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:

Hinweis: Dieser Artikel ist älter als ein Jahr, enthaltene Informationen sind möglicherweise veraltet.

0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben