Auf der CeBIT kündigte Terratec den ersten DVB-T-Stick für den EeePC an. Wir haben das Gespann getestet und zeigen, wie der Empfang auf jedem Rechner klappt.
Die Installation des Cinergy XS FM Hybrid auf dem Asus EeePC dauert je nach Internetanbindung rund 15 Minuten und stellt keine höheren Anforderungen, als ein Setup.exe zu starten. Mit etwas Handarbeit kooperiert der TV-Stick von Terratec mit fast jeder Linux-Distribution. Als Resultat winkt bei einem Anschaffungspreis von knapp 100 Euro ein perfektes Fernsehbild in analog oder digital, Radio-Empfang und eine beschränkt funktionsfähige Fernbedienung.
Treiberdownload
Wer auf der Terratec-Homepage [1] den Menüpunkt Treiber & Support anklickt und sich mühsam durch die Stick-Auswahl kämpft, erhält als Resultat am Schluss nur einen Link auf den Windows-Treiber. Die Homepage unterschlägt den Treiber aber nicht: Sie finden die nötigen Informationen, indem Sie den Hauptmenüpunkt TV anklicken, danach links auf TV unter Linux. Hier finden Sie eine kurze Anleitung im Textformat sowie eine im Browser eingebettete, sehr detaillierte Präsentation.
Wie in der Anleitung beschrieben benötigen Sie für die Installation eine Internetverbindung. Schließen Sie den Stick an den Rechner an, öffnen Sie ein Terminal über [Strg]+[Alt]+[T] (oder [Strg]+[T] im Dateimanager für die KDE-Konsole) und laden Sie mit
wget mcentral.de/empia/installer.sh
das Installationsskript herunter. Sie machen es über chmod 777 installer.sh ausführbar und starten dann die eigentliche Installation mit sh installer.sh. Das Skript zieht zunächst sämtliche Updates zum EeePC herunter und richtet anschließend den Treiber em28_xx_dvb sowie die grafischen Elemente für das Menü ein. Als DVB-T-Programm kommt Kaffeine zum Einsatz, das Radio steuert GQradio. Für das analoge TV-Vergnügen zieht das Skript TVtime aus dem Netz.
Der Cinergy-Stick fällt etwas breiter aus als ein handelsüblicher USB-Stick. Möchten Sie ihn auf der rechten Seite des EeePC anschließen, setzen Sie am besten das Verlängerungskabel ein: Sonst kommen Sie an den zweiten USB-Anschluss nicht mehr heran.
Ab ins Vergnügen
Nach der Installation und dem obligatorischen Reboot finden Sie auf dem Reiter Spielen die drei neuen Einträge Analogue TV, DVB Digital TV, und FM Radio. Ein Klick auf DVB Digital TV startet Kaffeine. Das dauert beim ersten Mal rund 10 Sekunden, und Kaffeine zeigt automatisch den Dialog für das DVB-Setup an. Eventuell müssen Sie hier die passende Region auswählen – im Test fand der Stick aber auch mit AUTO die Sender rund um München. Einzig der Empfang von ARD, Arte, Phoenix und EinsPlus bereitet etwas Schwierigkeiten. Mit diesem Transponder kämpfen aber die meisten DVB-T-Empfänger in München. Kaffeine kommt ohne Sprachdateien, das Programm startet deshalb in Englisch. Möchten Sie die deutsche Version benutzen, kopieren Sie die Datei kaffeine.mo von einem beliebigen Linux-Rechner aus per scp ins Verzeichnis /usr/share/locale/de_DE/LC_MESSAGES und starten Kaffeine neu (Abbildung 1).

Abbildung 1: Fast perfekt: Mit einer passenden Sprachdatei zeigt sich Kaffeine in Deutsch auf dem EeePC.
Gutes und Schlechtes
Zu unserer Überraschung funktioniert auch die beiliegende Fernbedienung out-of-the-box – zumindest die wichtigsten Funktionen. So können Sie mittels der numerischen Tasten einen Sender direkt ansteuern. Von den übrigen Tasten sendet etwa die Hälfte Keycodes, darunter auch die zur Lautstärkesteuerung, sowie die Einschalt und die Home-Taste. Möchten Sie Kaffeine beispielsweise über die Power-Taste der Fernbedienung starten (Keycode 222), fügen Sie in die Datei ~/.Xmodmap folgende Zeile ein:
keycode 222 = XF86AudioMedia
Danach öffnen Sie in einem Terminal über den Befehl kcontrol das KDE-Kontrollzentrum und wählen General Settings | Key Assignment | Keyboard Shortcuts. Hier wechseln Sie auf den Reiter Befehlskürzel und markieren unter Multimedia den Eintrag Kaffeine. Markieren Sie unter Kürzel für ausgewählten Befehl den Eintrag Benutzerdefiniert und klicken Sie auf die Taste daneben. Drücken Sie nun auf der Fernbedienung die Power-Taste, zeigt der KDE-Dialog die Taste XF86AudioMedia an. Auf die gleiche Weise weisen Sie den übrigen Tasten über einen Eintrag in der Xmodmap-Datei eine XF86-Taste zu. Diese können Sie dann direkt in Kaffeine benutzen, zum Beispiel um die Lautstärke zu steuern, den Sender zu wechseln oder eine Aufnahme auf eine externe Festplatte zu starten. Welche Codes die Fernbedienung schickt, testen Sie über xev in einem Terminal.
Die Bildqualität ist unter Linux wie gewohnt sehr gut; hiervon macht auch der EeePC keine Ausnahme. Vorsicht sollten Sie beim Time-Shifting walten lassen, da bei einer Standardinstallation nur rund 1 GByte freier Platz zur Verfügung steht, der schnell verbraucht ist. Für Aufnahmen bieten sich deshalb ein größerer USB-Stick oder eine externe Festplatte an. Auch diese Aufgabe bereitet dem Minirechner keine Probleme. Die Akkulaufzeit während einer Aufnahme bei voll beleuchtetem Display und moderater Lautstärke liegt bei gut zwei Stunden. Das reicht zwar für ein Fußballspiel, aber nicht mehr für die Verlängerung oder gar das Elfmeterschießen.
Linux nach Wahl
Der Cinergy XS FM Hybrid arbeitet nicht nur mit dem Xandros auf dem EeePC zusammen, sondern mit jeder aktuellen Linux-Distribution. Allerdings finden sich die Treiber nicht im offiziellen V4L-DVB-Zweig, sondern der Autor Markus Rechberger pflegt dazu ein separates Repository em28xx-new. Es enthält nur den Zarlink-Treiber und lässt sich somit deutlich schneller kompilieren. Um den Treiber herunterzuladen, installieren Sie zunächst das Versionsverwaltungstool mercurial, danach geben Sie folgenden Befehl auf der Kommandozeile ein:
hg clone http://mcentral.de/hg/~mrec/em28xx-new
Das Kompilieren und die Installation übernimmt das Skript build.sh: Rufen Sie zunächst sh build.sh build auf, danach mit administrativen Rechten sh build.sh install. Nach der Installation sollten Sie den Rechner erfahrungsgemäß neu booten, danach lädt der Kernel beim Anschließen des Sticks die passenden Module automatisch (Abbildung 2). Tut er das nicht, führen Sie im Quellverzeichnis den Befehl sh build.sh load aus, der sämtliche Module lädt. Hier sehen Sie dann auch etwaige Fehlermeldungen.

Abbildung 2: Sehen Sie diese Meldungen im Systemlog, hat Ihr Rechner den Hybrid-Stick problemlos erkannt.
In den Tests klappte diese Vorgehensweise unter OpenSuse 10.3 problemlos. Mit Ubuntu 8.04 und Fedora Core 9 ließen sich die Treiber im ersten Anlauf aber nicht übersetzen. Zumindest für Ubuntu 8.04 gibt es im Em2880-Wiki [2] einen detaillierte Beschreibung inklusive Workaround, die auch für Fedora 9 funktioniert. Dazu müssen Sie einen komplett neuen Kernel übersetzen. Die Entwickler sparen in der Anleitung übrigens nicht mit Kritik am Ubuntu-Kernel und empfehlen, Debian zu nutzen.
Fazit
Den Hybrid-Stick Cinergy XS von Terratec auf dem EeePC in Betrieb zu nehmen, benötigt keine besonderen Linux-Kenntnisse, auf anderen Distributionen müssen Sie etwas Hand anlegen und den Treiber selbst kompilieren. Mit einem Preis von knapp 100 Euro kostet der Terratec-Stick zwar etwas mehr als die Konkurrenz, er unterstützt aber neben DVB-T auch analoges Fernsehen und den Radio-Empfang.
[1] Terratec-Homepage: http://www.terratec.net/de/
[2] Installationsanleitung: http://mcentral.de/wiki/index.php5/Installation_Guide





