Schach via Internet mit FICS

Aus LinuxUser 05/2008

Schach via Internet mit FICS

Zug um Zug

FICS verbindet Schachfreunde rund um die Welt. Wir weisen Ihnen den Weg, durch den Befehlsdschungel des freien Schachservers und zeigen, welche Clients es für Linux gibt.

Nicht umsonst gilt Schach, eines der ältesten Brettspiele auf Erden, als “Königliches Spiel”. Legenden und Geschichten ranken sich um das als kriegerischen Wettstreit angelegte Duell und füllen so ganze Bände. Das Internationale Olympische Komitee nahm 1980 Schach sogar als Olympische Disziplin bei den damaligen stark boykottierten Spielen in Moskau auf. Seit 1886 tragen die besten Spieler eine Weltmeisterschaft aus, deren Sieger auch außerhalb der 64 Felder für Schlagzeilen sorgten – wie zum Beispiel Robert “Bobby” Fischer [1].

So verwundert es nicht, dass auch für den PC diverse Programme gibt, die dabei helfen, über den heimischen Schachclub hinaus mit entfernten Spielpartnern der gemeinsamen Leidenschaft zu frönen. Jedem Schachbesessenen steht es dabei frei, kostenlos mit einem Clientprogramm einer großen Community beizutreten, um dort Schach zu spielen oder anderen bei eben dieser Tätigkeit zusehen – im Schach-Slang “kiebitzen”. Auch die Teilnahme an großen Turnieren ermöglichen die Schachserver, und wer internationale Großmeisterturniere live am Bildschirm mitverfolgen möchte, ist hier ebenfalls richtig. Dabei setzen die Systeme auf verschiedene Plattformen auf.

HTML-Schach

Am schnellsten und unkompliziertesten gelangen Sie über die zahlreichen, wie Pilze aus dem Boden geschossenen Onlinespiele-Portale zu einer Partie Schach. Neben allerlei Puzzles, Brettspielen wie Dame oder Backgammon und den einschlägigen Casino-Spielarten findet sich dort oft auch eine Schachecke. Stellvertretend für die große Zahl der Anbieter seien hier nur die Portale http://pogo.de und der Spielebereich von Yahoo [2] genannt.

Die meist in Java oder Flash programmierten Oberflächen (Abbildung 1) fallen mal mehr, mal weniger gelungen aus. Einige bieten zusätzlich Chatfunktionen an. Meist tummeln sich aber nur sehr wenige und vor allem kaum ernsthafte Spieler auf diesen Plattformen. Immerhin: Einen speziellen Client benötigen Sie dafür nicht, ein Browser mit passendem Plugin genügt. Sie spielen Sie in der Regel kostenlos, müssen aber einer Flut von blinkenden Werbebildchen ertragen.

Abbildung 1: Die Java-basierten Spielumgebungen vieler kostenloser Anbieter bieten Raum für eine schnelle Partie Schach.

Abbildung 1: Die Java-basierten Spielumgebungen vieler kostenloser Anbieter bieten Raum für eine schnelle Partie Schach.

Eine andere Spielart im Online-Schach ermöglicht beispielsweise der Server http://www.freechess.de. Er bietet wie andere dieser Bauweise neben dem Einstieg in eine feste Community auch Turniere und Wertungslisten an. Die Stellungsbilder zur Partie zeigt der Browser an (Abbildung 2). Die Site Freechess.de dient in erster Linie dem Fernschach. Das heißt, die Spieler dürfen, je nach Regel, auch mehrere Tage über einen Zug grübeln. Obwohl der Domainname ein kostenfreies Spiel suggeriert, erhebt der Betreiber für ein sinnvolles Benutzen des Dienstes Jahresgebühren zwischen 10 und 20 Euro – je nach Anzahl der Partien, die man gleichzeitig spielen mag.

Abbildung 2: Rein HTML-basiert, dafür mit deutlich mehr Funktionen als bei den Java-Pendants präsentiert sich das Angebot von Freechess.de.

Abbildung 2: Rein HTML-basiert, dafür mit deutlich mehr Funktionen als bei den Java-Pendants präsentiert sich das Angebot von Freechess.de.

Freier Schachtummelplatz

Seinen wahren Ursprung hatte das Online-Schach aber bereits in den Achtziger Jahren mit einer echten Client-Server-Infrastruktur in Form des Internet Chess Server (ICS), auf dessen Grundlage noch heute zwei der bedeutendsten Schachserver aufbauen: Der FICS (Free Internet Chess Server) und der ICC (Internet Chess Club). Warum sich beide in Aufbau und Bedienkonzept so sehr ähneln, der eine aber kostenlos für alle und der andere nur gegen eine hohe Jahresgebühr seine Pforten öffnet, klärt Kasten “ICS, ICC und FICS”.

ICS, ICC und FICS

Nachdem der ICS seit den Achtziger Jahren viele Jahre kostenlos bereit stand und freiwillige Helfer ihn weiterentwickelten, beschlossen einige Programmierer rund um den ab 1992 als Hauptentwickler tätigen Daniel Sleator, Professor für Informatik an der Carnegie Mellon University, den Server 1995 für den freien Verkehr zu schließen und in ein kostenpflichtiges Angebot umzuwandeln.

Das brachte natürlich die riesige Spielergemeinschaft gegen den neugegründeten ICC auf, so dass dieser erst einmal einen rapiden Mitgliederschwund verzeichnete. Zeitgleich spaltete sich eine Gruppe des ehemaligen ICS/ICC ab und stellten unter der Leitung von Chris Petroff den FICS auf die Beine, der am 5. März 1995 einen kostenfreien Dienst aufnahm.

Der ICC erholte sich dank der regelmäßigen Einnahmen und der Mitgliedschaft großer Spielerpersönlichkeiten an den Server sehr schnell und zählt heute laut eigener Angabe mehr als 30?000 Mitglieder. Eine einjährige Mitgliedschaft kostet rund 50 Euro. Großmeister (GM) und Internationale Großmeister (IM) spielen selbstverständlich kostenlos.

Weil sehr viele GMs und IMs auch außerhalb ihrer festen Turniertermine im ICC spielen und der Server sämtliche wichtigen Turniere und Matches live überträgt, gilt der ICC als eine der bedeutendsten Schachplattformen weltweit. Sein großer Konkurrent Chessbase beherrscht schachlich die Windows-Welt (siehe Kasten “Chessbase”).

Nicht weniger eifrig ging das freie Gegenstück FICS ans Werk. Die Programmierer bauten den Server so auf, dass er sich in Funktionalität und Bedienbarkeit kaum von der kommerziellen Konkurrenz unterscheidet. Laut eigener Angabe zählt FICS über 300?000 registrierte Mitglieder. Scheinbar existieren in den FICS-Datenbanken aber eine Vielzahl von Karteileichen, denn im direkten Vergleich beider Server wirkt der ICC etwas bevölkerter als der FICS.

Beim FICS speisen Freiwillige live die Daten beliebter und wichtiger Turniere zum Verfolgen ein. Darüber hinaus spielen gelegentlich bedeutende Spieler auf dem Server – wenngleich nicht so oft, wie im ICC. Für das Erstellen geeigneter Clients verließen sich die Entwickler vollends und zurecht auf die Open-Source-Gemeinschaft. So stehen schachspielenden Linuxer mittlerweile eine Reihe ansprechender grafischer Clients bereit, die auch zum Einsatz mit dem kommerziellen ICC taugen.

Knoppix-Erfinder Klaus Knopper pflegte in Studienzeiten einen weiteren ICS-Fork: den German Internet Chess Server (GICS). Der läuft zwar noch, scheint aber keine Pflege mehr zu erhalten und beherbergt dadurch kaum noch aktive Mitglieder. Folglich versinkt der Server in der Bedeutungslosigkeit.

Chessbase

FICS und ICC sowie deren Clients für Linux regieren die Online-Schachwelt natürlich nicht allein. Auch Windows-Benutzer tummeln sich auf den Servern – zum Verdruss vieler Linuxer mit deutlich komfortableren Clients. So gilt neben der ICC-Hausmarke BlitzIn die Freeware BabasChess [3] als besonders gelungene Anbindung an die schachspielende Außenwelt.

Der Schachgigant der Windows-Welt nennt sich aber Chessbase, vor allem berühmt für seine exzellente Datenbank. Die von Chessbase vertriebene Hauptmarke “Fritz” bietet, wie auch ein einzelner kostenloser Client, Zugriff auf den hauseigenen Schachserver. Auf dem frönen laut Chessbase täglich über 3000 Nutzer dem königlichen Spiel – selbstverständlich gegen Entgeld.

Damit dürfte er zu den größten, wenn nicht gar als der größte Server weltweit zählen. Wie bei vielen rein kommerziellen Windows-Angeboten (Chessbase gilt als das “Microsoft der Schachsoftware”) nutzt die Masse es auch hier eifrig, obwohl alle Welt darüber schimpft. In den einschlägigen Foren lesen Sie viele Beiträge über angebliche Missstände auf dem Server, was dessen Erfolg aber keinen Abbruch tut.

Dieser Artikel widmet sich in erster Linie dem Umgang mit dem freien FICS. Sollten Sie jedoch den Mehrwert des ICC gegen Jahresgebühr nutzen wollen, profitieren Sie ebenso von den Informationen, da sich die meisten Funktionen und Befehle ähneln.

Auch als FICSer sollten Sie eine Registration auf der Internetseite [4] nicht scheuen. Zum einen stehen Ihnen mehr Funkionen zur Verfügung und zum anderen neigen viele andere alt eingesessene Spieler dazu, Gast-Accounts zu ignorieren. Um als echter Linux-Anwender einmal ein Gefühl für diesen Server zu bekommen und einige Befehle zu erlernen, gönnen Sie sich Ihr erstes Login doch einfach mal auf der Kommandozeile, auch wenn es ausreichend grafische Clients für Linux gibt. Geben Sie in einer Konsole Ihrer Wahl telnet freechess.org ein. Eine nette ASCII-Grafik nebst einem einladenden login begrüßt Sie daraufhin (Abbildung 3).

Abbildung 3: Sehr spartanisch gibt sich die Serveranbindung mittels Telnet-Client.

Abbildung 3: Sehr spartanisch gibt sich die Serveranbindung mittels Telnet-Client.

Melden Sie sich mit Ihren Daten an und warten Sie auf den Eingabeprompt fics%. Geben Sie nun sought (“gesucht”) ein, um aktuelle Spielgesuche zu studieren. Die erste Zahl in einer Zeile der darauf erscheinenden Liste von Gesuchen benötigen Sie später, um zusammen mit dem Befehl play ein Spiel zu eröffnen:

fics% play 17

Die zweite vierstellige Zahl bezeichnet die ELO-Zahl des Offerierenden. Sie misst sozusagen die Schachintelligenz Ihres Gegenüber. Als Anfänger sollten Sie sich eine möglichst geringe Zahl herauspicken. Alle Spieler jenseits der 2000er-Marke spielen wirklich gut. Es folgt der Nickname sowie die gesamte Bedenkzeit für jeden Gegner in Minuten plus einer in Sekunden angegebenen, sogenannten Aufschlagszeit, welche sich für jeden Zug hinzu addiert.

Das Feld Rated beziehungsweise Unrated legt fest, ob die Partie sich auf Ihre eigene ELO-Wertung auswirkt. Es folgt die Spielbezeichnung und das Festlegen der Figurenfarben sowie einer ELO-Grenze. Steht hinter dem Nicknamen in Klammern ein C, so handelt es sich dabei um einen Computer. Nehmen Sie nun zum Test ein Spiel an – am besten gegen einen Computergegner, damit Sie niemanden mit Ihren Gehversuchen ärgern.

Die folgende Kette aus Kleinbuchstaben beschreibt die Figurenaufstellung in dieser Reihenfolge: Turm (r - rook), Springer (n - knight), Läufer (b - bishop), Dame (q - queen) und König (k - king) sowie die Figuren der Königsseite. Die zweite Reihe besteht bekanntermaßen aus Bauern (p - pawns). Sie geben Ihre Züge über die Koordinaten des Schachfeldes ein. So schickt beispielsweise ein e2-e4 ihren Königsbauern zwei Felder nach vorn und beginnt eine so genannte offene Partie.

Wollen Sie eine bestimmte Figur auf ein bestimmtes Feld platzieren, so wählen Sie den zu Beginn gezeigten Anfangsbuchstaben der Figur und die Zielkoordinaten. Die Eingabe nf3 befördert zum Beispiel den Springer von g1 nach f3. Ihr Gegner antwortet stets mit einer sehr kryptisch wirkenden Ausgabe, von welcher Sie aber nur das Ende zu interessieren braucht: Dort stehen nämlich die Zug-Koordinaten.

Als wahrer Purist und Kommandozeilenliebhaber stellen Sie sich aber doch lieber ein Schachbrett mit Figuren bereit, um die Züge nachzuvollziehen. Mittels adjourn bieten Sie an, die Partie zu vertagen. Weitere wichtige Kommandos entnehmen Sie der Tabelle “Kommandos”. Ein Auflisten und Beschreiben aller Befehle des FICS würde den Rahmen sprengen. Sie dürfen alle Kommandos soweit abkürzen, dass sie noch eindeutig sind. So genügt beispielsweise bei kiebitz genügt ein kib als Kommando.

Kommandos

finger Informationen zu einem bestimmten Spieler
who Spieler auflisten
players verfügbare Spieler auflisten
statistics eigene Ratings anzeigen
Partie suchen und spielen
sought Gesuche auflisten
abort Abbruch einer Partie anfragen
ajourn Vertagen einer Partie anfragen
resume vertagte Partie fortsetzen (falls der Gegenspieler online spielt)
draw ein Remis fordern
stored alle vertagten Partien auflisten
history Spieler letzte 10 Partien eines Spielers anzeigen
say während des Spiels eine Mitteilung an den Mitspieler senden
Beobachten und Nachspielen
observe/unobserve NummerSpieler laufendes Spiel beobachten/Beobachten beenden
his letzten 10 eigenen Partien auflisten
ex EigenerNickNummer Partie aus dieser Liste analysieren
bsetup start Analysebrett mit Grundstellung aufbauen (Setup-Modus)
bname/wname Name für Schwarz/Weiß ändern
bsetup done Analysebrett benutzen (Setupmodus verlassen)
commit Stellung als Grundstellung festlegen
allobs Matchnummer Kiebitze anzeigen
mex Name Zuschauer zum Mit-Analysierer befördern (darf ziehen)
revert zum Textzug zurückkehren (nach Variantenspiel)
unex Analysemodus verlassen
kib Text “auf dem Brett” mit den Kiebitzen chatten
Kommunikation
tell SpielerText einem Spieler etwas mitteilen
tell KanalText allen im Kanal etwas mitteilen
shout Text allen Spielern etwas mitteilen
+channel Nummer Kanal hinzufügen
-channel Nummer Kanal entfernen
=channel abonnierte Kanäle anzeigen

Kommunikation

Die anderen Spieler helfen Ihnen gern weiter, wobei Sie einige Dinge beachten sollten: Nutzen Sie das Kommunikationssystem des FICS, helfen ein paar grundlegende Kenntnisse des alten IRC-Systems (Internet Relay Chat) weiter. Allerdings gestaltet sich FICS Plauderecke als recht umständlich zu bedienen. Das System gliedert sich, wie auch der IRC, in so genannte Channels, aus denen Nachrichten auf Ihren Monitor dringen.

Alle Mitglieder hören zu Beginn automatisch den Kanal 1 – eine englischsprachige erste Anlaufstelle. Allerdings strömt von dort eine wahre Flut von Nachrichten auf Sie ein. Darum setzen Sie die Empfangsbereitschaft für solche allgemeinen Mitteilungen mittels set shout 0 und set cshout 0 auf Null herunter. Den deutschsprachigen Kanal 72 fügen Sie über den Befehl +channel 72 hinzu. Benötigen Sie also Hilfe und möchten diesem Kanal eine Anfrage starten, lautet der Befehl tell 72 Ihr Text.

In Kanal 85 schwatzen übrigens vor allem Linux-Anwender über ihre Passion. Unglücklicherweise erfordern die meisten Linux-Clients stets die Eingabe solch umständliche Codegebilde. Lediglich Eboard macht hier mit etwas mehr Komfort eine Ausnahme.

Mit dem help-Kommando erhalten Sie auch zu jedem Befehl eine ausführliche, aber englischsprachige Hilfe. So listet der Befehl help channel sämtliche Variablen zum Befehl channel auf und beschreibt diese. Wer tiefer in die Materie dringen möchte, besucht am besten das sehr gute Forum [5]. Einige Mitglieder schrieben dort bereits über richtiges Analysieren oder die Teilnahme an Turnieren auf FICS. Wem dieser Umgang mit dem Server aber als nicht mehr zeitgemäß erscheint, der wählt unter den zahlreichen Clientprogrammen für Linux.

Xboard

Sicher verdient die Software Xboard den Titel “Dinosaurier” unter den Schach-GUIs. Aber dem Puristen, der nicht mehr als ein Schachbrett zum Visualisieren der Partie benötigt, genügt das Urgestein. Sie starten das Match am besten mit dem Befehl xboard -ics -icshost freechess.org in einer Konsole. Es erscheint die von der Telnet-Schnittstelle bekannte Ausgabe, zeitgleich startet auch das grafische Schachbrett (Abbildung 4).

Abbildung 4: Wer sich im Befehlsdschungel des FICS gut auskennt, dem genügt die spartanische Schach-GUI Xboard.

Abbildung 4: Wer sich im Befehlsdschungel des FICS gut auskennt, dem genügt die spartanische Schach-GUI Xboard.

Einige wichtige Kommandos erreichen Sie unter Xboard auch über die Menüs. So brauchen Sie die Befehle adjourn, resign, abort oder auch draw nicht mehr per Konsole einzugegeben, sonder finden diese im Menü Action. Außerdem verfügt Xboard über eine Funktion, die die Partie im verbreiteten PNG-Format sichert. Wollen Sie solche Partien anschließend offline analysieren, steht mit der sehr guten Engine Crafty ein leistungsfähiger Spielpartner bereit. Wechseln Sie dafür im Menü Mode einfach auf Analysis Mode.

Jin

Noch etwas komfortabler fällt die Partie über FICS mit dem Java-Client Jin [6] aus, welcher derzeit in der Version 2.14.1 vorliegt. Sie laden das rund 17 MByte große Tar-Archiv einfach von der Homepage herunter, entpacken es mit tar -xfz jin-2.14.1-unix.tar.gz und starten das Skript jin in dem entstandenen Ordner. Ändern Sie bei Bedarf mit dem Befehl chmod +x jin die Zugriffsrechte. Es begrüßt Sie ein Login-Bildschirm (Abbildung 5), der nicht nur den Zugriff auf den voreingestellten freien Schach-Server erlaubt, sondern auch ein ICC-Login anbietet.

Abbildung 5: Das Login von Jin erlaubt voreingestellte Zugriffe auf FICS und den ICC. Auf Wunsch speichert das Programm auch das Passwort.

Abbildung 5: Das Login von Jin erlaubt voreingestellte Zugriffe auf FICS und den ICC. Auf Wunsch speichert das Programm auch das Passwort.

Die Oberfläche kennt zwei Darstellungsmodi: Zum einen das Multiple Document Interface, das alle Fenster in einem Hauptfenster sammelt. Über den Menüpunkt Preferences | User Interface schalten Sie in das Single Document Interface mit seinen einzelnen Fenstern um (Abbildung 6). Dank Java Swing erlaubt es die Applikation, die Oberflächen an die persönlichen Vorlieben anzupassen.

Als besonderes Merkmal bringt der Jin-Client einen sogenannten Sought-Graphen mit. Er zeigt in einem Koordinatensystem mittels farbiger Punkte die offerierten Partien an. Die X-Achse beziffert die Dauer der Bedenkzeit, und die Y-Achse die Höhe der ELO-Zahl des Gegners. Grüne Vierecke verraten die nichtregistrierten Gäste unter den Nutzern, grüne Punkte die registrierten. Umgibt den grünen Punkt ein blauer Kreis, handelt es sich bei dem Gegner um eine Maschine.

Fahren Sie mit der Maus über die Symbole, um am unteren Rand des Graphen die genaue Offerte zu lesen. Ein Klick auf einen solchen Punkt öffnet ein Schachbrett, welches über die Schalter auf der rechten Seite gleich ein konsolenfreies Steuern der Partie erlaubt. Jin zeigt problemlos mehrere Partien gleichzeitig an. So verfolgen Sie während eines live eingespeisten Turniers bequem mehrere Tische.

Abbildung 6: Im Multiple Document Interface fasst Jin alle Unterfenster in einer Oberfläche zusammen.

Abbildung 6: Im Multiple Document Interface fasst Jin alle Unterfenster in einer Oberfläche zusammen.

Auch mit dem langen und daher komplizierten Seek-Befehl zum Absetzen eines Partiegesuches brauchen Sie sich nicht mehr herumzuschlagen. Im Fenster Show Actions übernimmt dies die Schaltfläche Find an Opponent für Sie. Jin bietet allerdings keine grafische Chatfunktion, sodass Ihnen nichts anderes übrig bleibt, als über die Befehle say, tell und kib mit den anderen Teilnehmern zu kommunizieren. Auch eine Schnittstelle zum Einbinden einer Schachengine bleibt uns der ansonsten gut gelungene Java-Client schuldig.

Eboard

Nach langem Entwicklungsstillstand scheinen sich nun einige Freiwillige endlich wieder des Programms angenommen zu haben. Diese versprachen eine neue Version 1.0.5 bereits für Juli des Jahres. Weit verspätet, aber noch pünktlich zu Redaktionsschluss beehrten die Entwickler nach Version 1.0.4 die Community mit einem Versionssprung auf 1.1.1 und kündigen auf Ihrer Homepage [7] auf gleich die Folgeversion 1.1.2 für April dieses Jahres an. Das RPM bauten die Programmierer zwar für CentOS, aber auch OpenSuse 10.2 und 10.3 pflegten es anstandslos in ihre Datenbank ein.

Erste augenscheinliche Vorzüge des Programms springen gleich beim Start der Software ins Auge: Eboard gibt es in Deutsch, es passt sich dank Gtk in die Desktopumgebung an (KDE passt die Optik an das eigene Qt-Framework an), und es unterstützt Fensterreiter für eine bessere Übersichtlichkeit (Abbildung 7). Der Menüpunkt Partner | Verbinde mit FICS loggt Sie nach Nick- und Passwortabfrage sofort auf dem Server ein.

Abbildung 7: Durch die verschiedenen Reiter, welche Sie über die linke Spalte auswählen, erhöht sich der Bedienkomfort unter Eboard deutlich.

Abbildung 7: Durch die verschiedenen Reiter, welche Sie über die linke Spalte auswählen, erhöht sich der Bedienkomfort unter Eboard deutlich.

Außerdem brauchen Sie eine Kanalnachricht oder eine Mitteilung an einen bestimmten Spieler nur einmal mit vollem Befehl einzugeben. Die erste Antwort öffnet einen weiteren Fensterreiter mit dem Namen des Partners oder des Kanals. Betätigen Sie in der Befehlseingabe im unteren Teil des Programmfensters den linken Schalter [cmd], erscheint daraufhin [chat] Kanalnummer. Ohne weitere Kommandos dürfen Sie nun munter drauflos plaudern.

Die Schaltfläche Seek Graph am rechten Rand präsentiert Ihnen die aktuellen Partiegesuche. Ein Klick auf einen der Punkte öffnet ein neues Schachbrett, die Partie-Uhr beginnt mit dem ersten Zug zu zählen. Runde blaue Punkte stellen menschliche Gegner dar, hinter den Vierecken verstecken sich Maschinen, und bei weißumrandeten Symbolen handelt es sich um unbewertete Partien. Nach dem Ende der Partie rufen Sie über das Menü Partner | Spiel gegen Engine einen der installierten Trainingspartner auf, um Ihre letzten Fehler zu analysieren. Das Eboard eignet sich jedoch nur bedingt als Schach-GUI für Engines, weil es das Einbinden von Eröffnungsbüchern und Endspieltabellen nicht unterstützt.

Eboard unterstützt eine ganze Reihe von Befehlen über grafische Schalter per Mausklick. Die Möglichkeit, die Fenster über eine Extraleiste zu steuern und die etwas bessere Integration der Chatfunktion machen Eboard zur ersten Wahl unter den Linux-Clients, wenn Sie sich auf das eigentliche Spiel konzentrieren wollen und zu viele Befehle scheuen.

Knights

Knights ging einst als reine Schach-GUI für die zahlreichen, unter Linux verfügbaren Engines an den Start, verharrt aber seit mehreren Jahren in der unvollkommenen Version 0.6. Als echte KDE-Anwendung finden Sie die Software sicher in jeder Distribution, die KDE unterstützt.

Über Datei | Mit Server verbinden gelangen Sie unproblematisch auf den freien Server, welcher ein Fenster auf dem Desktop startet (Abbildung 8). Dieses enthält drei Reiter: die Konsole, eine Tabelle für aktuelle Gesuche und einen Sought-Graph, ähnlich dem von Jin. Das war schon alles an Bedienkomfort – für alles andere ziehen Sie wieder Ihre Befehlskenntnisse zu Rate.

Abbildung 8: Das nicht mehr gepflegte Knights bietet zwar viele bunte Themes, aber wenig Bedienkomfort.

Abbildung 8: Das nicht mehr gepflegte Knights bietet zwar viele bunte Themes, aber wenig Bedienkomfort.

Dafür erlaubt es Knights, Schachbretter mit allerhand Themes über Einstellungen | knights konfigurieren | Anzeige in sehr gewöhnungsbedürftige bunte Gebilde zu verwandeln. Nutzer, welche solche Spielereien zu schätzen wissen und auf ein KDE-Programm bestehen, finden in Knights einen netten FICS-Client.

Fazit

Wer gerne Schach spielt, findet im Internet Angebote zuhauf. Für das schnelle Spiel ohne Anspruch genügt sicher eine der zahlreichen Schachecken der einschlägigen Spieleportale. Wer aber mehr erwartet, an Turnieren teilnehmen möchte, gern Meisterpartien verfolgt und eine nette Community schätzt, kommt an einem der großen Schachserver nicht vorbei.

Ob Sie in Zukunft FICS besuchen oder sich den ICC-Mehrwert erkaufen, liegt an Ihren Ansprüchen. Die Kombinationen FICS/Jin und FICS/Eboard erlauben in jedem Fall den komfortablen Zugriff auf eine große schachspielende Welt. So bleibt es bei Ihnen, den Schritt zum königlichen Spiel zu wagen – an Gegnern wird es nicht mangeln.

Infos

[1] David J. Edmond: “Wie Bobby Fischer den kalten Krieg gewann”, Dva 2005, ISBN 978-3-421-05654-2, http://www.randomhouse.de/book_new/edition.jsp?edi=226701

[2] Spieleseite: http://de.games.yahoo.com

[3] BabasChess: http://www.babaschess.net

[4] FICS-Homepage: http://www.freechess.org

[5] Forum: http://www.schachfeld.de

[6] Jin-Client: http://www.jinchess.com

[7] Eboard: http://www.bergo.eng.br/eboard/

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