Aktuelle Software im Kurztest

Aus LinuxUser 08/2020

Aktuelle Software im Kurztest

Angetestet

Platten im Blick behalten Di 4.48, Pures Browsen mit Netsurf 3.10, Dank Ugrep 2.2.1 Daten schnell durchsuchen, SSH-Server finden mit Findssh 1.4.0

Plattenkontrolleur

Plattenplatz im Blick behalten mit Di 4.48.

Selbst in Zeiten von Terabyte-Festplatten geht manchem der Platz schnell aus. Um den aktuellen Füllstand einer Partition zu ermitteln, greifen Anwender meist zu Df. Dessen Ausgabe ist zwar sehr übersichtlich, erfordert aber beim weiteren Verarbeiten etwas Aufwand. Das Tool Di versucht, hier Abhilfe zu schaffen. Sein Funktionsumfang entspricht dem von Df, allerdings erlaubt es, die Ausgabe frei zu formatieren.

Das erspart das übliche Nachbearbeiten mit Tools wie Awk oder Sed. So unterbinden Sie etwa mit dem Parameter -n die Ausgabe einer Kopfzeile. Arithmetische Funktionen, über die Sie die Werte einer Spalte summieren, geben Sie mit dem Parameter -t an. Ohne entsprechende Option gibt das Programm die Daten in Megabyte aus. Mit -d geben Sie andere Einheiten wie Kilo-, Tera- oder Petabyte an.

Die formatierte Ausgabe gehört zu den Stärken der Software. Mit -f geben Sie eine eigene Ausgabe vor. In der Manpage zeigt das Kapitel Format Strings die Möglichkeiten auf. Mit -c gibt das Programm außerdem bei Bedarf die Daten im CSV-Format aus.

Standardmäßig trennt das Tool die Spalten mit Tabulatoren. Um diese mit Kommata zu trennen, geben Sie den Parameter -C an. Mit -I beschränken Sie die Ausgabe auf bestimmte Dateisysteme.

Genau wie Df gibt Di in der Standardeinstellung nur wichtige Eckdaten wie Partition oder Device, Mountpoint, Gesamtgröße, verbrauchter und verfügbarer Platz und das Dateisystem an. Dabei sortiert es die Ausgabe nach Mountpoint. Mit -s haben Sie darauf Einfluss; mit -A erhalten Sie eine ausführlichere Ausgabe.

Möchten Sie Di ausprobieren, finden Sie in den Repositories der gängigen Distributionen meist eine ältere Version des Tools. Die aktuelle Version bringt hauptsächlich Fehlerkorrekturen mit sich, neue Eigenschaften sind nicht im Gepäck.

Di 4.48

 

Lizenz: Zlib/Libpng

Quelle: https://gentoo.com/di/

Netzsurfer

Browsen ohne viel Schnickschnack mit Netsurf 3.10.

An Browsern besteht unter Linux kein Mangel. Neben bekannten Namen wie Chrome oder Firefox gibt es zahlreiche kleinere Alternativen wie Netsurf. Während viele Browser vor Zusatzfunktionen nur so strotzen, beschränkt sich dieser auf das Wesentliche: die Anzeige der Webseite. In C implementiert, glänzt das Tool durch Geschwindigkeit und einen geringen Bedarf an Ressourcen. Laut Entwicklern läuft die Software sogar auf einem Raspberry Pi der ersten Generation recht ordentlich.

Standardmäßig unterstützt der Browser HTML 4.01 und CSS 2.1. Seit Version 3.9 gesellt sich Javascript hinzu. Dies erfordert aber, dass Sie die Funktion explizit in der Konfiguration aktivieren. Als Zeichenkodierung unterstützt das Programm nur Unicode.

Mit BMP, PNG, Gif, Jpeg und SVG beherrscht das Tool alle wichtigen Grafikformate. Für Menschen mit wenig Drang zum Tippen bietet die Software außerdem eine Auto-Vervollständigung bei der Eingabe der URL, basierend auf dem Verlauf im Browser.

Wie für moderne Programme dieser Art üblich unterstützt sie HTTPS als Übertragungsprotokoll. Allerdings gibt es bei manchen Seiten Probleme: Im Test ließ sich die Seite von LinuxUser nur via HTTP aufrufen. Der Zugriff auf die Seiten des Schwester-Magazins Linux-Magazin funktionierte hingegen verschlüsselt. Trotz aktivierter JavaScript-Unterstützung eignet sich Netsurf nicht für Multimedia-Seiten. Beim Zugriff auf Youtube oder Soundcloud verweigern diese den Dienst.

Webseiten verwalten Sie via Reiter. Die Anzeige jedes Reiters dürfen Sie individuell skalieren. Zur schnellen Suche in Webseiten beginnt Netsurf schon während der Eingabe mit der Suche nach den bekannten Textmustern. Für die Suche im Netz steht in der URL-Zeile ein Suchfeld bereit, das alle Anfragen an Google sendet. In der Konfiguration wählen Sie bei Bedarf andere Suchmaschinen aus.

Für etwas mehr Privatsphäre beim Surfen sendet das Programm den Request “Do not Track”. Zum Verwalten von Cookies steht ein eigener Dialog bereit. Haben Sie keinen direkten Zugang zum Netz, konfigurieren Sie den Zugang, wenn möglich, über einen Proxy-Server.

Alles in allem ist Netsurf eine interessante Browser-Alternative, die alle wichtigen Funktionen beherrscht und kaum Ressourcen nutzt. Ideal um Statusseiten im Auge zu behalten oder Online-Dokumentationen zu lesen. Für Aktive in Sachen Social Media ist das Tool eher nicht geeignet.

Netsurf 3.10

 

Lizenz: GPLv2

Quelle: http://www.netsurf-browser.org/

Datenwühler

Schneller Dateien durchsuchen mit Ugrep 2.2.1.

Bei der Suche nach einem Textmuster in einer Datei gilt der erste Griff meist zum bewährten Grep. Wem dessen Geschwindigkeit nicht ausreicht, dem steht mit Ugrep eine schnellere Alternative bereit. Dabei steht das “U” im Namen laut Entwickler für “ultra-schnell”.

Als saubere Neuentwicklung in C++-11 haben die Developer das Tool auf Geschwindigkeit optimiert. Das ermöglicht unter anderem ein neuer Algorithmus und der Einsatz von Prozessorfunktionen wie SSE2 oder AVX. Außerdem arbeitet das Programm mit mehreren Threads, was nicht nur die Suche selbst, sondern das Entpacken von komprimierten Dateien bei der Suche beschleunigt.

Um den Wechsel möglichst leicht zu gestalten und den Austausch gegen Grep in Skripten zu vereinfachen, haben die Entwickler viele Parameter von Grep übernommen. Allerdings bietet die Software darüber hinaus eigene Funktionen: So beschränken Sie mit -t die Suche auf Dateien eines bestimmten Typs. Alternativ geben Sie dazu mit -M das sogenannte Magic Byte eines Dateityps an.

Sind Sie sich nicht sicher, wie das Muster genau aufgebaut sein sollte, nutzen Sie eine Annäherung für eine unscharfe Suche. Dazu dient der Parameter -Z. Dagegen ermöglicht -z das Suchen in komprimierten Dateien und Archiven. An dieser Stelle weicht Ugrep in den Parametern von Grep ab.

Im Gegensatz zum Urvater ermöglicht die Variante Ugrep die Ausgabe der Ergebnisse in einem bestimmten Format. Standardmäßig stehen CSV, XML und Json bereit. Mit -format geben Sie ein individuelles Format vor. Hinter dem Parameter -Q verbirgt das Programm einen interaktiven Modus, über den Sie von Hand in den Dateien suchen. Eine Kombination mit den Ausgabeparametern unterstützt der interaktive Modus nicht.

In den Repositories aktueller Distributionen ist das Tool noch nicht zu finden. Es stehen aber fertige Binärpakete im Github-Repository bereit.

Ugrep 2.2.1

 

Lizenz: BSD

Quelle: https://github.com/Genivia/ugrep

Portfinder

SSH-Server finden mit Findssh 1.4.0

Die Zeiten, in denen jeder Haushalt nur einen Rechner hatte, sind lange vorbei. Heute haben selbst Hobby-Anwender komplexe Heimnetzwerke, in denen sie Rechner oder IoT-Geräte verwalten. Geschieht das mittels SSH, verschaffen Sie sich mit den Python-Tool Findssh einen Überblick über offene SSH-Ports. Im Gegensatz zu anderen Scannern greift das Tool nicht auf Nmap zurück. Es sind lediglich ein aktuelles Python 3 und die Bibliothek concurrent.future erforderlich. Diese hilft beim Einsatz von Threads und damit beim parallelen Verarbeiten von Daten.

Zum Ausführen der Software brauchen Sie keine Administratorrechte. Sie konfigurieren das Tool via Parameter beim Aufruf. Das zu scannende Netzwerk geben Sie mit -b vor. Standardmäßig sucht das Programm auf Port 22 nach erreichbaren Servern. Mit -p leiten Sie die Suche auf einen alternativen Port ein. Über die Angabe eines anderen Ports ließe sich das Werkzeug für die Suche nach anderen Diensten zweckentfremden.

Allerdings reagiert das Programm nur auf Dienste, die beim Aufbau der Verbindung ein Banner senden, wie etwa MySQL. Dabei wertet es immer die erste Zeile des Banners aus. Wollen Sie die Ausgaben auf bestimmte Dienste beschränken, geben Sie mit -s eine Zeichenfolge vor, die im Banner enthalten sein muss. Bei schlechten Verbindungen passen Sie mit -t das Intervall an, in dem Findssh auf eine Antwort wartet.

Standardmäßig scannen entsprechende Programme im sogenannten Asyncio-Modus. Findssh öffnet nur einen Thread und ist damit schneller und schont außerdem die Ressourcen als im Threadpool-Modus. Die Ausgabe ist gut strukturiert und einfach in eigenen Skripten weiterzuverarbeiten. Python-Entwickler haben darüber hinaus die Möglichkeit, die Software als Bibliothek einzubinden und so auf alle Funktionen direkt zuzugreifen. (agr)

Findssh 1.4.0

 

Lizenz: MIT

Quelle: https://github.com/scivision/findssh

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