Das Adventure Trüberbrook begeistert mit handgefertigten Kulissen

Aus LinuxUser 10/2019

Das Adventure Trüberbrook begeistert mit handgefertigten Kulissen

© Computec Media GmbH

Mysteriöses Landleben

Im SF-Adventure Trüberbrook landet der Physiker Hans Tannhauser in einem abgelegenen Dorf, wo er zusammen mit einer Paläoanthropologin das Rätsel um ein merkwürdiges Bergwerk löst.

Hans Tannhauser leidet an einer Denkblockade. Die kommt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt, schreibt er doch gerade an einer wichtigen Abhandlung über Quantenphysik. Für etwas Ablenkung soll eine Reise ins schöne Trüberbrook sorgen, die Hans bei einem Preisausschreiben gewonnen hat.

Besagtes deutsches Örtchen liegt zwischen dicht bewaldeten Bergen an einem lauschigen See. Die malerische Landschaft sollte, zusammen mit etwas Ruhe, das Gehirn wieder in Schwung bringen. Allerdings kann sich der junge Physiker nicht daran erinnern, überhaupt an einem Gewinnspiel teilgenommen zu haben. Zudem ist es mit der geplanten Ruhe schon kurz nach seiner Ankunft vorbei.

Diebstahl mit Folgen

Gleich in der ersten Nacht wird Hans Tannhauser von einem Einbrecher geweckt, der sämtliche Aufzeichnungen des Physikers an sich reißt und damit flüchtet. Bei der Verfolgung des Diebs stößt Hans auf die Paläoanthropologin Gretchen, die gerne in den Bergen ein paar alte germanische Stätten untersuchen würde. Die liegen zufällig genau in der Richtung, in die auch der Einbrecher das Weite gesucht hat.

TIPP

Warten Sie unbedingt den ersten Teil des Abspanns noch ab!

Da die Polizei offenbar nur extrem langsam bis nach Trüberbrook gelangt, schließt sich Tannhauser kurzerhand Gretchen an und versucht, den Unbekannten auf eigene Faust zu finden. Dummerweise braucht der einzige Weg nach oben in Form eines Sessellifts dringend eine Reparatur. Wie sich schnell herausstellt, ist das jedoch noch das kleinste Übel: Im weiteren Verlauf muss Tannhauser unter anderem aus einem Sanatorium fliehen, den Untergrund von Trüberbrook erkunden und eine Katze von einem Baum retten.

Das Point-and-Click-Adventure Trüberbrook versetzt den Spieler zurück in die 1960er-Jahre [1]. Mit Mausklicks steuert er den Protagonisten durch das entlegene Dörfchen (Abbildung 1). Das wiederum besteht komplett aus handgefertigten Kulissen: Sämtliche Räume haben die Entwickler mit viel Liebe zum Detail aus Papier, Pappe, Holz und Draht zusammengeklebt.

Abbildung 1: Sobald der Spieler einen benutzbaren Gegenstand mit der Maus berührt, hebt das Spiel diesen hervor, wie hier die Tür.

Abbildung 1: Sobald der Spieler einen benutzbaren Gegenstand mit der Maus berührt, hebt das Spiel diesen hervor, wie hier die Tür.

Die fertigen Miniaturmodelle rückte das Team noch ins richtige Licht, fotografierte sie ab und wandelte sie schließlich mit dem sogenannten Photogrammetrie-Verfahren in 3D-Computermodelle um. Dadurch erhält die Welt von Trüberbrook ihre ganz eigene Optik, die immer wieder an eine belebte Modelleisenbahn erinnert.

Filmreif

Die Steuerung haben die Entwickler extrem einfach gehalten: Bei einem Klick auf einen Gegenstand oder eine Person klappt ein kreisförmiges Menü auf (Abbildung 2). Es offeriert alle Aktionen, die in der entsprechenden Situation sinnvoll beziehungsweise möglich erscheinen. So bietet das kleine Menü beispielsweise nach einem Klick auf den See nur den Gebrauch der mitgeführten Angel an, den des ebenfalls mitgeführten Bierdeckels jedoch nicht.

Abbildung 2: Nach einem Klick auf einen Gegenstand erscheint dieses Menü. Hier könnte Hans über die Lupe die Planeten näher untersuchen oder sie über das Zahnrad auf irgendeine Weise benutzen.

Abbildung 2: Nach einem Klick auf einen Gegenstand erscheint dieses Menü. Hier könnte Hans über die Lupe die Planeten näher untersuchen oder sie über das Zahnrad auf irgendeine Weise benutzen.

Wer die Szene nicht selbst mit der Maus nach brauchbaren Objekten absuchen möchte, darf sich mit einem Druck auf die Leertaste helfen lassen. Wie in den meisten anderen Adventures laufen auch in Trüberbrook Gespräche nach dem Multiple-Choice-Prinzip ab (Abbildung 3). Hans Tannhauser quetscht auf diese Weise die Bewohner des Dorfs aus, wodurch er wiederum neue Hinweise oder weitere Aufgaben erhält. Die Gespräche und das Lösen der Rätsel treibt gleichzeitig langsam die Geschichte voran.

Abbildung 3: Die Dialoge und Gespräche fallen oft recht witzig aus, das Spiel selbst schlägt jedoch einen etwas ernsteren Ton an.

Abbildung 3: Die Dialoge und Gespräche fallen oft recht witzig aus, das Spiel selbst schlägt jedoch einen etwas ernsteren Ton an.

Hinter Trüberbrook steht die Kölner Firma btf GmbH, die eigentlich Kurzfilme, Serien und vor allem Fernsehsendungen produziert [2], wie etwa die ZDF-Sendung “Neo Magazin Royale” mit Jan Böhmermann. Eben jener leiht sogar einer Figur im Spiel seine Stimme. Auch die aus dem “Tatort” bekannte Schauspielerin Nora Tschirner konnten die Entwickler als Synchronsprecherin verpflichten. Alle übrigen Rollen sind ebenfalls mit professionellen Sprechern besetzt, die Vertonung liegt komplett in Deutsch vor.

Zahltag

Die Entwicklung des Spiels finanzierte die btf GmbH zunächst selbst. Um das Spiel zu komplettieren, bat sie auf der Internet-Plattform Kickstarter um Unterstützung. Wer dort Geld spendete, erhielt nicht nur das Spiel, sondern – abhängig vom überwiesenen Betrag – unter anderem noch den Soundtrack, ein Artbook und sogar ein echtes Modell aus dem Spiel. Bereits nach 30 Stunden kamen die von den Entwicklern angesetzten 80?000 Euro zusammen. Weitere Finanzmittel steuerten das Medienboard Berlin-Brandenburg sowie der Vertrieb Headup Games bei.

Sie erhalten Trüberbrook für 30 Euro auf der Plattform Steam [3] und bei Gog.com [4]. Nur in letztgenanntem Online-Shop erhalten Sie eine Version ohne Kopierschutz. Ordern Sie bei Steam, müssen Sie zudem den Steam-Client installieren. Die bei Gog.com erhältliche Fassung lag zum Redaktionsschluss nur in einer 32-Bit-Version vor, der Installationsassistent verlangte jedoch zwingend nach einem 64-Bit-System. Als Spieler benötigen Sie folglich eine 64-Bit-Distribution, die 32-Bit-Software ausführen kann. Im Handel finden Sie Trüberbrook schließlich noch auf einer DVD in einer Schachtel, die allerdings lediglich die Steam-Version enthält [5].

Entwickler:

btf GmbH / Headup

Lizenz:

kommerziell

Preis:

29,99 Euro (Gog.com, Steam, Humble Store und Direktvertrieb)

USK:

keine offizielle Angabe

Voraussetzungen:

aktuelle Linux-Distribution (offiziell: Ubuntu 16.04/18.04), CPU Intel Core i3 der vierten Generation oder besser, min. 4 GByte RAM, GPU ab Intel HD 4000, AMD Radeon 5800 oder Nvidia 550Ti, 7 GByte freier Speicherplatz auf der Festplatte.

Fazit

Man merkt Trüberbrook an, dass die Macher aus dem Fernsehbereich kommen: Die filmreif und spannend inszenierte Geschichte spielt in mit viel Liebe zum Detail entworfenen Kulissen, die deutsche Vertonung ist exzellent gut gelungen. Allerdings leidet das Spiel unter den teilweise nicht sehr gut gestalteten Rätseln. So steht häufig zweifelsfrei fest, welche Aktion es als Nächstes auszuführen gilt. In einigen Fällen biegen die Entwickler zudem die Logik bis an die gerade noch vertretbare Grenze: So muss Hans etwa ein Stromkabel in einem eigentlich dafür gänzlich ungeeigneten Schutzanzug reparieren.

Wer an einer Stelle nicht mehr weiterweiß, muss dank der stark vereinfachten Steuerung einfach nur alle möglichen Aktionen durchprobieren. Mitunter löst man beim Erkunden der Umgebung sogar unbeabsichtigt ein Puzzle. Hinzu kommt, dass einige Gegenstände sehr klein ausfallen oder sich sehr gut unter anderen verstecken. Dennoch lösen Adventure-Experten das Spiel an einem Wochenende. Umgekehrt spricht Trüberbrook mit seiner einfachen Steuerung auch Spieler an, die weniger knobeln möchten oder aus Zeitgründen keine epischen Adventures spielen können.

Die verlangten 30 Euro erscheinen angesichts der kurzen Spielzeit zwar etwas happig, doch wenn Sie Mystery-Geschichten im Stil von “Twin Peaks” oder “Akte X” mögen und Wert auf eine gut erzählte Geschichte legen, sollten Sie dennoch zugreifen. Falls nicht, warten Sie besser eine Rabattaktion in den Online-Shops ab. 

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1 Kommentar
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August Meier
6 Jahre her

Hallo, ich habe mir dieses Spiel zuerst für den Computer und dann auch noch für die PS4. Die Spielidee ist eigentlich witzig, aber äusserst langfädig umgesetzt und der Protagonist lässt sich nicht wirklich schnell bewegen. Leider ist die tolle handgefertigte Umgebung dann doch nicht so interessant, dass ich sie ständig betrachten möchte. Auch die Rätsel sind nicht wirklich spannend. Die Geschichte lässt sich auf genau eine Art zu Ende bringen und das schon in relativ kurzer Zeit. Ich muss gestehen, dass ich ziemlich enttäuscht bin und mir für den gesalzenen Preis doch einiges mehr erwartet hätte. Da bieten pixelige Abenteuer… Mehr »

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