Steam macht Wine zu Proton: Valve verspricht, so den Großteil aller Windows-Spiele unter Linux zum Laufen zu bringen.
Die Einstellung von Spiele-Entwicklern zu Linux als Plattform für ihre Produkte war lange Jahre eher von Desinteresse geprägt, kommerzielle Games in einer nativen Linux-Version gab es sehr selten. Mit etwas Glück ließ sich das gewünschte Windows-Spiel über die Laufzeitumgebung Wine unter Linux betreiben – oft funktionierte das aber nur mit älteren Titeln und nur mit viel Recherche und Bastelei.
Zwei Unternehmen haben diese Situation in den letzten Jahren massiv zum Positiven beeinflusst. Zum einen zeigte sich bei den Humble Bundles [1], dass Linux-Nutzer klaglos für Linux-Spiele zahlen – in der Regel sogar deutlich mehr als Windows-Anwender [2]. Zum anderen gibt es seit 2013 den Steam-Client auch für Linux. Damit stehen über die kommerziell erfolgreichste Vertriebsplattform für Spiele auch native Linux-Games zu Verfügung.
Update von Steam Play
Als Steam Play bezeichnet Steam die Möglichkeit, gekaufte Titel unter Windows, Mac OS X und Linux (soweit verfügbar) zu nutzen. Seit der Einführung der Funktion gibt es über 3000 Titel, die damit auf allen gängigen PC-Betriebssystemen laufen. Um den Pool zu erweitern, hat Steam im Sommer dieses Jahres eine neue Version der Funktion angekündigt [3]: Mithilfe eines Wine-Forks, von Steam Proton getauft, soll in Zukunft so gut wie jedes Spiel auch unter Linux funktionieren.
Systemvoraussetzungen
Steam Play erfordert eine moderne Distribution mit Python 3 und aktuelle Grafiktreiber. Für Ubuntu 18.04 empfiehlt Valve die Installation der neuesten Nvidia-Treiber über das PPA graphics-drivers (mindestens Version 396.54) oder – bei Intel und AMD – Mesa 18.1 oder neuer sowie LLVM7 [8].
Aktuell steht die August letzten Jahres vorgestellte Neuerung nur Nutzern der Beta-Version zu Verfügung. Die Testversion lässt sich über Steam | Settings | Account aktivieren. Nach einem Neustart der Anwendung sollte in den Einstellungen unter Steam Play Proton als Compatibility tool aufgeführt werden (Abbildung 1). Theoretisch lässt sich Proton auch über den bei Github gehosteten Quellcode [4] in eigener Regie bauen.

Abbildung 1: Für die aktuelle Version von Steam Play mit Proton muss man die Beta-Version des Steam-Clients aktivieren.
In der Ankündigung nennt Steam eine Reihe von offiziell kompatiblen Titeln. Dazu zählen ältere Spiele wie das Point-and-Click-Adventure “Curse of Monkey Island”, aber auch (halbwegs) aktuelle Games mit höheren Ansprüchen an die Grafikleistung, darunter der 2016 veröffentlichte Reboot von “Doom” oder “Tekken 7” von 2017.
Proton in der Praxis
Der Steam-Client zeigt kompatible Spiele bislang nicht gesondert an. Sie sollten sich daher aktuell auf die offiziell unterstützten Spiele beschränken oder sich zuvor mithilfe von Projekten wie der ProtonDB [5] über die Lauffähigkeit informieren. Die Datenbank der Initiative zählt über 3000 kompatible Spiele auf und informiert nicht nur über deren Kompatibilität, sondern auch über die Hardware-Anforderungen und Erfahrungen von Nutzern.
In der Praxis erwies sich die Steam-Play-Beta als unauffällig: Ein über den Steam-Client unter Arch Linux gekauftes reines Windows-Spiel ließ sich wie ein natives Pendant direkt über den Client herunterladen. In der Bibliothek signalisiert die Anmerkung Runs on this computer via Steam Play, dass es sich nicht um ein natives Linux-Spiel handelt. Beim Starten des Titels informiert ein Popup-Fenster zudem noch einmal, dass hier eine Kompatibilitätsschicht zum Einsatz kommt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Per Proton unter Windows lauffähige Spiele markiert Steam über die Anmerkung Runs on this computer via Steam Play.
Die angetesteten Spiele wussten im Test in Kombination mit Steam Play auf dem Arch-System zu überzeugen: Die Frame-Raten glichen mehr oder minder denen beim Daddeln der Spiele unter Windows 10 auf demselben Rechner. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Kollegen unserer Schwesterzeitschrift PC Games Hardware, die ihre Erfahrungen auch in einem Video dokumentiert haben [6].
Fazit
Zusammen mit der quelloffenen Vulkan-API, die plattformübergreifend den hardwarenahen Zugriff auf die GPU erlaubt, steht Linux in Sachen Spiele so gut da wie noch nie [7]. Valve verspricht, die Liste der Steam-Play-Games fortlaufend zu ergänzen. Nur für Spiele mit komplexen DRM- oder Anti-Cheat-Systemen sieht Valve schwarz – die lassen sich wohl auch in Zukunft nicht oder nur schwer unter Linux nutzen.
Infos
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Humble Bundle: https://www.humblebundle.com
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“Die Mär von der Kostenlos-Mentalität”: https://www.heise.de/ct/artikel/Die-Woche-Die-Maer-von-der-Kostenlos-Mentalitaet-998031.html
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“Eine neue Version von Steam Play”: https://steamcommunity.com/games/221410#announcements/detail/1696055855739350561
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Github-Projekt zu Steam Proton: https://github.com/ValveSoftware/Proton
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ProtonDB: https://www.protondb.com
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“Linux-Gaming mit Proton im Test”: http://www.pcgameshardware.de/Linux-Software-26761/Specials/Gaming-Steam-Proton-Test-1266218/
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Vulkan: https://www.khronos.org/vulkan
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Systemvoraussetzungen: https://github.com/ValveSoftware/Proton/wiki/Requirements





