Die TomTom Adventurer Multisport-GPS-Uhr unter Linux

Aus LinuxUser 12/2017

Die TomTom Adventurer Multisport-GPS-Uhr unter Linux

© Computec Media GmbH

Fit ohne Handy

Der Markt für Fitness-Tracker und Sportuhren boomt. Der Navi-Spezialist TomTom offeriert in dieser Sparte die GPS-Uhr Adventurer, die nicht nur beim Sport überzeugt, sondern auch am Linux-PC.

Anders als das Smartphone hat sich die Smartwatch zum Leidwesen der Elektronik-Konzerne nicht als Erfolgsmodell erwiesen. Nur wenige Anwender schafften sich bislang eine “intelligente” Uhr an, wohl auch, weil das Gerät wie ein Smartphone jeden Abend an die Ladestation muss und außerdem nur wenig Zusatznutzen bietet.

Anders sieht es bei Fitness-Trackern oder Sportuhren aus: Ob Fitbit, Garmin oder Samsung und Sony, zahlreiche Unternehmen versuchen sich an entsprechenden Gadgets. In der Praxis benötigen die “Uhren” aber meist ein Smartphone mit Android oder iOS. Über Bluetooth und eine Handy-App nehmen sie Verbindung mit dem Internet auf und übermitteln die Aktivitäten an das jeweilige Herstellerportal und bei Bedarf weiter an Sport-Communitys wie etwa Strava oder MyFitnessPal.

Doch das setzt eben ein kompatibles Smartphone voraus. Wer nach wie vor lieber ein Feature-Phone verwendet oder auf ein Smartphone mit alternativem Betriebssystem setzt, der bleibt außen vor. Anders bei TomTom: Der für seine Navigationsgeräte bekannte Hersteller bietet für seine Sportuhren und Fitness-Tracker mit TomTom Sports Connect [1] auch ein PC-Programm an und lässt dabei die Linux-Anwender nicht links liegen. Obendrein gibt es auch noch ein passendes Open-Source-Werkzeug für die Kommandozeile. In der Praxis gibt es allerdings ein paar Hürden zu überwinden.

TomTom mag Linux

Die Linux-Version von TomTom Sports Connect finden Sie im Forum des Herstellers [2], sie genießt aber ausdrücklich keinen offiziellen Support. Dennoch funktioniert das Programm zuverlässig, zumindest zum Testzeitpunkt Mitte Oktober 2017. Auf einem Ubuntu-System müssen Sie die DEB-Datei aus dem Netz herunterladen und dann von Hand über die Paketverwaltung einspielen (Listing 1, erste zwei Zeilen). Anwender mit Arch Linux finden im Arch User Repository AUR ein passendes Rezept (letzte Zeile).

Listing 1

### Ubuntu
$ sudo dpkg -i tomtomsportsconnect.x86_64.deb
$ sudo apt-get -f install
### Arch Linux
$ pacaur -S tomtomsportsconnect gstreamer0.10-base

Auf einem aktuellen Ubuntu-System laufen Sie jedoch Gefahr, dass es die vom DEB-Paket angeforderte Version 0.10 der Libgstreamer nicht mehr gibt: Ubuntu liefert Gstreamer inzwischen in Version 1.0 und neuer aus. Die recht alten Bibliotheken gibt es nur noch in Ubuntu 14.04 LTS (“Trusty”) und 16.04 LTS (“Xenial”). Im Test ließen sich allerdings die fehlenden Pakete unter Ubuntu 17.04 ohne Komplikationen einspielen (Listing 2). Danach lief die Installation ohne weitere Fehlermeldungen durch.

Listing 2

$ wget http://fr.archive.ubuntu.com/ubuntu/pool/main/g/gst-plugins-base0.10/libgstreamer-plugins-base0.10-0_0.10.36-1_amd64.deb
$ wget http://fr.archive.ubuntu.com/ubuntu/pool/universe/g/gstreamer0.10/libgstreamer0.10-0_0.10.36-1.5ubuntu1_amd64.deb
$ sudo dpkg -i libgstreamer*.deb

Die Anwendung trägt sich mit dem Namen TomTom Sports Connect in die Anwendungsmenüs ein. Alternativ rufen Sie das Programm über das Binary TomTomSportsConnect auf, das unter /opt/TomTomSportsConnect/bin/ liegt.

TomTom Adventurer

Als Gegenstück fürs Handgelenk verwendeten wir im Test eine TomTom Adventurer (siehe Kasten “Testgerät”). Die Multisport-GPS-Uhr findet per USB-Kabel Anschluss an den PC. TomTom liefert dazu einen speziellen Konnektor mit, den Sie an die Uhr klemmen müssen. Das Kabel lässt sich ein wenig leichter an die Uhr stecken (Abbildung 1), wenn Sie die Uhr aus dem Armband nehmen.

Abbildung 1: Die TomTom Adventurer lässt sich aus dem Armband lösen. Zum Laden und Auslesen braucht es ein spezielles USB-Kabel.

Abbildung 1: Die TomTom Adventurer lässt sich aus dem Armband lösen. Zum Laden und Auslesen braucht es ein spezielles USB-Kabel.

Sobald die Verbindung steht, meldet die TomTom-Software ein Update, das sich mit einem Klick auf Aktualisieren einspielen lässt (Abbildung 2). Um die Uhr dann mit vollem Funktionsumfang nutzen zu können, müssen Sie sich auf dem TomTom-MySports-Portal [3] registrieren.

Abbildung 2: Die TomTom Sports Connect übernimmt das Auslesen der gesammelten Tracks sowie die Installation von Updates, auch unter Linux.

Abbildung 2: Die TomTom Sports Connect übernimmt das Auslesen der gesammelten Tracks sowie die Installation von Updates, auch unter Linux.

Gleichzeitig meldet sich die Uhr als Wechseldatenträger am Rechner an. Über einen Dateimanager laden Sie so sehr einfach Musik auf die Uhr (Abbildung 3). Alternativ lässt sich ein Ordner per Klick auf das Musik-Symbol in der TomTom-App automatisch mit der Uhr abgleichen.

Abbildung 3: Die Uhr meldet sich als 3 GByte großer USB-Speicher am System an. Auf diesem Weg lassen sich allerdings nur Musikdaten auf die GPS-Uhr laden.

Abbildung 3: Die Uhr meldet sich als 3 GByte großer USB-Speicher am System an. Auf diesem Weg lassen sich allerdings nur Musikdaten auf die GPS-Uhr laden.

Am besten legen Sie dort gleich Playlisten samt der referenzierten Songs ab. Mit einem Klick aus der App laden Sie die gewünschten Lieder dann auf die Uhr (Abbildung 4). Zudem lässt sich die Musikwiedergabe am einfachsten über Playlisten von der Uhr aus steuern. Bei Bedarf passen Sie den Pfad zum Musikordner über das Zahnrad-Symbol und Erweiterte Einstellungen  | Playlisten-Ordner an.

Abbildung 4: Mehr Komfort beim Upload von Musik bietet TomTom Sports Connect: Das Programm lädt per Mausklick komplette Playlisten auf die Uhr.

Abbildung 4: Mehr Komfort beim Upload von Musik bietet TomTom Sports Connect: Das Programm lädt per Mausklick komplette Playlisten auf die Uhr.

Testgerät

Im Fokus des Tests steht die von TomTom angebotene Linux-Software zum Ansteuern von GPS-Uhren. Im Rahmen des Berichts kommt eine Multisport-GPS-Uhr des Typs TomTom Adventurer [10] zum Einsatz. Das rund 235 Euro teure Gerät verfügt über einen integrierten GPS-Empfänger und einen Pulsmesser, der die Herzfrequenz am Handgelenk misst. Per Bluetooth nimmt die Adventurer Kontakt zu Smartphones und Peripheriegeräten auf, wie Brustgurten zur präziseren Messung des Pulses oder Trittfrequenzsensoren am Fahrrad. Die Uhr bringt einen internen Speicher von 3 GByte Kapazität mit, der sich mit Musik befüllen lässt. Die Wiedergabe erfolgt über drahtlose Bluetooth-Kopfhörer. Die Adventurer ist komplett aus Kunststoff gefertigt und trägt sich mit einem Gewicht von 55 Gramm im Alltag angenehm leicht, auch beim Sport stört die Uhr am Handgelenk kaum. Aufgrund der Abmessungen sollte der Arm jedoch nicht zu dünn ausfallen. Einen Touchscreen besitzt die Adventurer nicht, die Bedienung erfolgt über ein unter dem Display angebrachtes Steuerkreuz. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase lässt sich die Uhr damit auch während des Sports gut steuern.

Daten in der Cloud

Mit der Uhr am Handgelenk aktivieren Sie über das Steuerkreuz die unterschiedlichen Funktionen. Drücken Sie nach oben, koppeln Sie die Uhr mit einem Bluetooth-Headset und steuern dann die Musikwiedergabe. Ein Druck nach links zeigt Informationen zu den letzten Aktionen an (etwa die Schrittanzahl, verbrauchte Kalorien oder wie lange Sie bereits aktiv waren). Über die untere Taste gelangen Sie ins Einstellungsmenü. Dort definieren Sie Ziele für den Fitness-Tracker oder binden zusätzliche Sensoren an, im Test etwa Fahrradsensoren von Wahoo [4].

Mit der rechten Taste starten Sie dann eine Aktivität, für die die Uhr zahlreiche Profile kennt, von Wandern über Laufen (auf dem Laufband) und Fahrradfahren (auch Rollentrainer) bis hin zu Trail-Running, Fitness-Studio und Schwimmen. Während des Trainings misst die Uhr fortlaufend den Puls, ohne dass man einen Brustgurt tragen muss. Im Vergleich zu einem Wahoo-Elemnt-Fahrradcomputer [5], der parallel per Brustgurt den Puls aufzeichnet, schlägt sich die TomTom-Uhr gar nicht schlecht.

Die Daten zu den aufgezeichneten Aktivitäten überträgt TomTom Sports Connect dann beim nächsten Verbinden der Uhr mit dem Computer. Konfiguriert man die Anwendung in den Einstellungen so, dass sie zusammen mit dem Rechner startet, muss man sie dazu nicht einmal extra aufrufen. Das Ergebnis lädt die Anwendung automatisch in den Webbrowser (Abbildung 5). Einen Offline-Modus, der auf einen Internetdienst verzichtet, bietet TomTom nicht an.

Abbildung 5: TomTom Sports Connect lädt die auf der Uhr gespeicherten Tracks sowie Fitness-Daten (Pulsverlauf, Schritte) zu TomTom MySports hoch.

Abbildung 5: TomTom Sports Connect lädt die auf der Uhr gespeicherten Tracks sowie Fitness-Daten (Pulsverlauf, Schritte) zu TomTom MySports hoch.

Bei Bedarf lassen sich die Daten allerdings in eine ganze Reihe von Formaten exportieren [6], wie GPX, TCX, CSV, FIT, KML und PWX. Dazu aktivieren Sie in den Einstellungen Ihres Profils auf TomTom MySports die Funktion Auf deinem Computer speichern. Die Daten finden Sie dann in Unterordner sortiert in ~/TomTom Sports. Das funktioniert allerdings nur mit noch ausstehenden Aktivitäten, bestehende Aufzeichnungen lassen sich nicht aus dem TomTom-Portal extrahieren.

In Sachen Route, Aktivitätsdauer und Geschwindigkeit stimmen im Test die von der TomTom-Uhr aufgezeichneten Daten mit jenen überein, die ein Wahoo Elemnt und eine Strava-App auf einem Smartphone (LG G6) gleichzeitig aufnehmen. Nur bei den Höhenmetern (Hm) schummeln sowohl die TomTom Adventurer als auch die Strava-App: Bei einer knapp 70 Kilometer langen Radrunde bleibt der Wahoo Elemnt mit 407 Hm nah an der Realität – der Routenplaner von Komoot [7] gibt 440 Hm für die Strecke aus. Die TomTom-Uhr liefert schon 607 Hm, die Strava-App schmeichelt dem Anwender mit vermeintlichen 697 Hm. Auch bei einer zweiten Runde liegt die Adventurer deutlich über der Realität.

FOSS für TomTom

Doch nicht nur der inoffizielle offizielle Client für die TomTom-Uhren widmet sich Linux-Sportlern, es gibt auch passende FOSS-Projekte. So unterstützt die plattformübergreifende Java-Anwendung Turtle Sport [8] verschiedene Fitness-Tracker und Sportuhren von Garmin, Suunto und anderen Herstellern. TomTom-Uhren, zumindest die TomTom Adventurer, gehören jedoch nicht dazu. Die im Juni veröffentlichte Version 2.0 von Turtle Sport meldet beim Versuch, das Gerät anzusprechen, lediglich Konnte kein Garmin Gerät erkennen. Es fehlt eine Auswahlmöglichkeit, um den Gerätetyp näher zu spezifizieren.

Mehr Erfolg verspricht das Kommandozeilen-Tool Ttwatch [9], das sich speziell an Besitzer von TomTom-GPS-Uhren richtet. Das Programm findet sich bislang noch nicht in den Paketquellen von Ubuntu, Debian und Konsorten, unter Arch Linux lässt es sich allerdings sehr leicht über das AUR mit yaourt -S ttwatch-git installieren. Anwender anderer Distributionen müssen Ttwatch von Hand bauen, wozu die Projektseite ausführliche Informationen liefert.

Nach der Installation erhalten Sie über den Aufruf ttwatch eine Übersicht aller Funktionen des Programms. Der Schalter --devices etwa gibt aus, welche TomTom-Uhr das Tool im System findet. Mit den Optionen -a beziehungsweise --auto lassen sich die wichtigsten Wartungsarbeiten (GPS-Daten oder Firmware aktualisieren) erledigen, --list-history listet die gesammelten Aktivitäten auf (Listing 3).

Listing 3

$ ttwatch --devices
HL1486G00557: TomTom GPS Watch
$ ttwatch --auto
Downloading GPSQuickFix data file...
Writing file to watch...
GPSQuickFix data updated
Current firmware is already at latest version
$ ttwatch --list-history
Cycling:
1: 2017/10/16 15:27:17, 9814s, 56086.44m, 2258 calories
2: 2017/10/17 13:02:09, 9432s, 66495.48m, 2861 calories
Hiking:
1: 2017/10/17 16:03:23, 4029s,  3483.02m, 1465 calories

Das Auslesen erfolgt über den Schalter --get-activities. Vorab sollten Sie dazu allerdings mit --set-formats=gpx|tcx definieren, in welchen Formaten das Programm die Tracks abspeichert. Die Daten landen dann in Unterordner einsortiert im Verzeichnis ~/ttwatch/ (Listing 4). Dabei verhält sich Ttwatch wie die offizielle Garmin-Anwendung. Um Platz freizuhalten, löscht das Programm die ausgelesenen Aktivitäten von der Uhr.

Listing 4

$ ttwatch --set-formats=gpx,tcx
$ ttwatch --get-activities
Downloading elevation data
$ tree -if --noreport ~/ttwatch
/home/user/ttwatch
/home/user/ttwatch/TomTom GPS Watch
/home/user/ttwatch/TomTom GPS Watch/2017-10-17
/home/user/ttwatch/TomTom GPS Watch/2017-10-17/Hiking_16-03-23.gpx
/home/user/ttwatch/TomTom GPS Watch/2017-10-17/Hiking_16-03-23.tcx
/home/user/ttwatch/TomTom GPS Watch/2017-10-17/Hiking_16-03-23.ttbin

Sie müssen sich also entscheiden: Entweder nutzen Sie das (in)offizielle TomTom Sports Connect oder Ttwatch. Bei Letzterem müssen Sie zudem auf den automatischen Upload der Aktivitäten zu MySports oder auf anderen Online-Plattformen wie etwa Strava verzichten. Bevorzugen Sie allerdings sowieso eher eine lokale Lösung, ohne dass Internet-Dienste Ihre Fitness-Daten sammeln und auswerten, dann können Sie die TomTom-Uhr auch ohne einen solchen Dienst nutzen.

Zu Diensten

Neben dem Binary ttwatch zum Auslesen einer TomTom-Uhr aus der Kommandozeile enthält das Ttwatch-Paket mit ttwatchd auch einen Dienst, der die Abfrage automatisiert. Mit Root-Rechten gestartet, wartet der Service im Hintergrund, bis Sie die Uhr an den Konnektor anschließen. Danach lädt der Dienst die Daten automatisch von der Uhr herunter. Die Syntax ähnelt jener von Ttwatch: Der Schalter -a lädt die Tracks und aktualisiert die GPS-Daten sowie die Firmware. Damit Ttwatchd die Daten in Ihrem Home-Verzeichnis ablegt, definieren Sie noch den Benutzernamen und die Gruppe. Listing 5 zeigt den kompletten Befehl zum Start des Daemons.

Listing 5

$ sudo ttwatch -a --runas=User:Gruppe

Fazit

Die Multisport-GPS-Uhr TomTom Adventurer verrichtet ihre Aufgabe sehr gut und bleibt dabei leicht und schlank genug, um im Alltag nicht zu stören. Der integrierte Pulsmesser misst recht zuverlässig den Herzschlag, ohne dass man einen Brustgurt tragen muss. Das Display lässt sich selbst in der hellen Mittagssonne gut ablesen, bei Aktivitäten in der Nacht schaltet sich eine Hintergrundbeleuchtung dazu. Nur die trotz Barometer-Hilfe verbesserte Höhenmessung konnte im Test nicht überzeugen.

Auch wenn TomTom nur einen inoffiziellen Linux-Client für seine GPS-Uhren anbietet: Die TomTom Adventurer schlägt sich unter dem freien Betriebssystem sehr ordentlich. Wer bewusst auf ein Smartphone mit Android oder iOS verzichtet, der findet in der Uhr eine Alternative, die auch ohne Handy funktioniert und sogar ohne “Fitness-Community” in der Cloud auskommt. Mit Ttwatch bleiben Ihre Daten in den eigenen vier Wänden. Allerdings müssen Sie dann auf die umfangreichen Auswertungsmöglichkeiten des Fitness-Trackers verzichten, wie Schlafüberwachung, Entwicklung des Ruhepulses oder Anzahl der Schritte am Tag. 

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