InfinityBook 14 im Test: Viel Akku, wenig Lärm

Aus LinuxUser 11/2017

InfinityBook 14 im Test: Viel Akku, wenig Lärm

© Tuxedo

Dauerläufer

Gut, wenn Sie unterwegs einen Laptop wie das Tuxedo InfinityBook 14 dabei haben: Eine Akkuladung hält die lüfterlose Notebook-Flunder mehr als 12 Stunden am Leben.

Wer mit seinem Laptop auf Reisen geht, braucht ein kompaktes Gerät mit langer Akkulaufzeit – einen 17-Zoll-Backstein möchten nur wenige durch die Gegend schleppen. Dementsprechend tummeln sich in der Klasse der Business-Laptops Geräte mit Displays von 13 bis 14 Zoll und flachen Gehäusen – aus Aluminium oder in der Oberklasse aus Magnesium und Karbon. Das brandneue Tuxedo InfinityBook 14 [1] versucht sich nun in dieser Kategorie und besticht mit interessanten Details sowie einem vorinstallierten Linux.

Das im schwäbischen Königsbrunn bei Augsburg angesiedelte Unternehmen Tuxedo richtet sich bereits seit mehreren Jahren an Käufer mit Interesse an Linux-Computern. Die Geräte stammen von der in der Firmengruppe Tronic5 [2] organisierten Schwesterfirma Schenker [3], die wiederum die Geräte beim taiwanischen Computerhersteller Clevo [4] einkauft. Auch andere auf Linux-Computer spezialisierte Marken wie System76 setzen auf die Geräte des Unternehmens.

Tuxedo InfinityBook 14

Tuxedo verspricht für das InfinityBook 14 Akkulaufzeiten von bis zu 24 Stunden – wenn Sie das Gerät mit abgeschaltetem Display ohne CPU-Last vor sich hin dümpeln lassen. Bei normaler Last, mit WLAN und Bluetooth sowie 50 Prozent Display-Helligkeit, beträgt die Laufzeit nach Angaben des Herstellers immerhin noch 12 Stunden. Im Test muss sich das InfinityBook daher als Dauerläufer beweisen – keine leichte Aufgabe, gilt doch Linux nicht gerade als besonders stromsparendes Betriebssystem.

Tuxedo bietet das System ab einem Preis von 849 Euro an. Dafür erhalten Sie ein Laptop mit Intel Core i5-7Y54, mattem Full-HD-Display, 8 GByte Arbeitsspeicher und einer 250 GByte großen SSD (siehe Tabelle “Technische Daten”). Viele Optionen, das Gerät weiter anzupassen, offeriert Tuxedo nicht, lediglich bei der SSD (bis zu 1 TByte) und dem WLAN/Bluetooth-Modul gibt es Wahlmöglichkeiten. Beim Betriebssystem dürfen Sie sich zwischen Varianten von Ubuntu 16.04 beziehungsweise 17.04 entscheiden, der Hersteller rät zum hauseigenen “Tuxedo Xubuntu” [5].

Komponente

Details

CPU

Intel Core i5-7Y54 (3,2 GHz Dual-Core)

GPU

Intel HD Graphics 615

RAM

8 GByte (2 x 4 GByte Dual-Channel) DDR3, 1866 MHz

Display

14 Zoll IPS, Full-HD (1920 x 1080), matt

SDD

Samsung 850 EVO, 250 GByte (bis 1 TByte möglich)

WLAN, Bluetooth

Intel Dual AC 3168 & Bluetooth (M.2 2230)

Ethernet

via USB-zu-LAN-Adapter (GBit-Ethernet)

Webcam

2,0 Megapixel

Kartenleser

Micro-SD

USB-Ports

1 x USB 3.1 Typ-C mit DisplayPort & Ladefunktion, 1 x USB 3.1 Typ-A Gen1, 2x USB 2.0 Typ-A

Monitor

1 x Micro-HDMI 1.4b mit HDCP (max. 2560 x 1600@60Hz) oder via USB

Akku

Lithium-Ionen 39,96 Wh (austauschbar)

Größe, Gewicht

340 x 235 x 17 mm (B x T x H), 1,45 kg

Preis

ab 849 Euro (Testgerät entspricht Basiskonfiguration)

Das auf dem Testgerät vorinstallierte Tuxedo-System empfängt den User mit dem für eine OEM-Installation typischen Einrichtungsassistenten. Hier findet sich die Möglichkeit, den WLAN-Zugang einzurichten, dem Rechner einen Namen zu geben und das Benutzerkonto einzurichten. Untypisch erfolgt nach dem ersten Login noch ein weiterer Installationsschritt, der das System am Ende nochmals neu starten muss. Am Ende landen Sie auf einem typischen XFCE-Desktop, den Tuxedo gegenüber dem klassischen Xubuntu noch etwas angereichert hat (Abbildung 1).

Abbildung 1: Tuxedo stattet das hauseigenes Xubuntu-Derivat mit zusätzlichen Programmen sowie einer Reihe von Spielen aus.

Abbildung 1: Tuxedo stattet das hauseigenes Xubuntu-Derivat mit zusätzlichen Programmen sowie einer Reihe von Spielen aus.

So findet sich auf dem Rechner beispielsweise von Haus aus die Bildbearbeitung Gimp, Virtualbox für virtuelle Maschinen sowie eine Reihe von nützlichen Werkzeugen und etliche Spiele (Extreme Tux Racer, Freeciv, Super Tux Cart und mehr). Ähnlich wie bei Apple-Computern ergänzt ein Dock am unteren Bildschirmrand den Desktop. Hier greift Tuxedo nicht zu einem weiteren Tool wie etwa Plank [6], sondern baut einfach nur ein zweites XFCE-Panel an die Unterkante des Bildschirms. Der schlanke Desktop hält viele Ressourcen für wichtigere Aufgaben frei.

Tuxedo Xubuntu

Der Aufbau des InfinityBook 14 erinnert stark an das bereits von LinuxUser getestete InfinityBook mit 13-Zoll-Display [7]. Die Abmaße halten sich wie beim kleinen Bruder in engen Grenzen. An der dicksten Stelle ist der 14-Zöller lediglich 17 mm hoch. Das Gewicht beträgt inklusive des kompakten Netzteils 1,7 Kilogramm, das Notebook allein wiegt rund 1450 Gramm.

Laut Hersteller lässt sich das Gerät über den USB-Typ-C-Port laden, sodass man sich das Netzteil komplett sparen könnte und auf Reisen nur ein Handy-Netzteil bräuchte. Im Test ließ sich das InfinityBook jedoch mit drei verschiedenen USB-Netzteilen und unterschiedlichen Kabeln nicht aufladen. Die Tastatur bietet nur wenig Hub, erlaubt aber dennoch ein angenehmes Tippen. Das vollflächig aktive Touchpad besitzt zwei physische Tasten am unteren Rand.

Das matte Full-HD-Display leuchtet hell genug, um auch an sonnigen Tagen draußen arbeiten zu können. Die auf der Schutzfolie des Displays erkennbaren Spuren deuten allerdings darauf hin, dass Sie das Gerät im zusammengeklappten Zustand am besten nur mit einem Schoner zwischen Display und Tastatur transportieren.

Die Löcher auf der Unterseite des Geräts dienen lediglich als Auslässe für das Stereo-Lautsprecherpaar, einen Lüfter gibt es beim InfinityBook 14 nicht. Das Gerät arbeitet somit komplett lautlos. Im Test ließ sich das System von einem 3D-Benchmark auch nach mehreren Stunden nicht aus dem Tritt bringen.

Im Praxistest weiß das InfinityBook 14 zu überzeugen. Das Versprechen einer “sehr langen Akkulaufzeit” erfüllt es voll und ganz: Bei aktiviertem WLAN und 50 Prozent Display-Leuchtstärke stand der Akku des Testgeräts nach einer Laufzeit von fast 13 Stunden bei immer noch knapp über 10 Prozent (Abbildung 2). Während dieser Zeit wurde das Notebook zum Schreiben dieses Artikels verwendet. Es kamen also Texteditor, Browser und E-Mail-Programm zum Einsatz; das Notebook ging für keine Sekunde in den Standby, das Abschalten oder Abdunkeln des Displays bei Inaktivität war deaktiviert.

Abbildung 2: Das von Tuxedo optimierte Xubuntu-System geht sehr sparsam mit dem Akku um: mehr als 13 Stunden (links) anstatt nur knapp über 8 (rechts).

Abbildung 2: Das von Tuxedo optimierte Xubuntu-System geht sehr sparsam mit dem Akku um: mehr als 13 Stunden (links) anstatt nur knapp über 8 (rechts).

Unter der Haube des Tuxedo Xubuntu nutzt der Hersteller ein eigenes Repository, das nicht nur optische Elemente wie ein eigenes GTK-Theme für Desktop und Wallpaper enthält, sondern auch Grafiktreiber, Firmware für den Intel-Chipsatz sowie einen angepassten Kernel in der Version 4.13.0-12 (Abbildung 3). Diese Tuning-Maßnahmen tragen in Kombination mit dem großen Akku (39,96 Wh Kapazität) zur langen Laufzeit bei. Mit einem Xubuntu 17.04, frisch von der Original-ISO-Datei installiert, hält das Gerät lediglich gut 8 Stunden durch, bei ansonsten identischen Bedingungen.

Abbildung 3: Tuxedo integriert eigene Paketquellen ins System. Daraus stammen sowohl die Firmware für den Intel-Chipsatz als auch ein optimierter Kernel.

Abbildung 3: Tuxedo integriert eigene Paketquellen ins System. Daraus stammen sowohl die Firmware für den Intel-Chipsatz als auch ein optimierter Kernel.

Nachhaltig

Den kompakten Abmaßen geschuldet, bietet das Gerät (typisch für die Klasse) nur wenige Schnittstellen: Auf der linken Seite finden sich zwei USB-2.0-Ports, rechts jeweils einmal USB 3.1 Typ-C und Typ-A, eine 3,5-mm-Klinkenbuchse für Kopfhörer sowie ein Leser für Micro-SD-Speicherkarten. Um die Bilder einer Digitalkamera auf dem Notebook anzusehen, müssen Sie für die in solchen Geräten typischen “normalen” SD-Karten also einen zusätzlichen Kartenleser mitführen. Für Beamer und externe Monitore gibt es einen Micro-HDMI-Port, ein Adapterkabel auf HDMI liegt bei. Zudem ist es möglich, einen Monitor über die USB-3.1-Schnittstelle zu verbinden, über diese das Gerät Auflösungen bis hoch zu 4K bei vollen 60 Hz unterstützt.

Ins Netzwerk gelangt das InfinityBook 14 nur über WLAN. Eine integrierte Ethernet-Schnittstelle besitzt das Gerät nicht. Sollten Sie auf kabelgebundenes Netzwerk angewiesen sein, müssen Sie nichts weiter kaufen: Im Paket liegt eine kleine Kombi-Box, die als USB-3.0-Hub sowie Gigabit-Ethernet-Adapter fungiert. Sie wird vom System automatisch erkannt und funktioniert ohne weiteres Zutun. Sollten Sie einmal das System “verbiegen”, lässt sich der Computer über den WebFAI-USB-Stick in den Ausgangszustand zurückversetzen [8]. Alternativ installieren Sie andere Ubuntu-Varianten über den bootfähigen Speicherstick.

Anders als ähnlich kompakte Geräte von Dell oder Apple legt Ihnen das InfinityBook keine Steine in den Weg, wenn Sie das Gehäuse öffnen möchten. Nach dem Lösen von 13 kleinen Kreuzschlitzschrauben heben Sie den rückseitigen Deckel in einem Stück ab (Abbildung 4). Es gibt zwar keinen Platz für zusätzliche Laufwerke, doch zumindest lässt sich bei Bedarf der Akku ausbauen und gegen einen neuen austauschen.

Abbildung 4: Das Tuxedo-Notebook lässt sich mit wenigen Handgriffen öffnen. Platz für Erweiterungen bietet das Gehäuse nicht, dafür lässt sich der Akku tauschen.

Abbildung 4: Das Tuxedo-Notebook lässt sich mit wenigen Handgriffen öffnen. Platz für Erweiterungen bietet das Gehäuse nicht, dafür lässt sich der Akku tauschen.

Fazit

Bei den Akkulaufzeiten von mobilen Geräten schummeln die Elektronikhersteller ebenso gern wie die Autobauer beim Spritverbrauch und den Abgaswerten: Die Angaben gelten nur unter Laborbedingungen, im Alltag geht Smartphones und Notebooks viel schneller der Saft aus. Mit dem InfinityBook 14 beweist Tuxedo, dass das nicht so sein muss: Das Unternehmen hält, was es verspricht. Mit Spielen, Kompilierorgien oder zahlreichen virtuellen Maschinen lässt sich der Akku freilich schneller leersaugen, doch mit Bürotätigkeiten hält das Gerät auch den längsten Arbeitstag ohne Nachladen durch.

Tuxedo richtet sich mit der 14-Zoll-Version seines InfinityBooks an Anwender, die einen kompakten Rechner mit akzeptabler Rechenleistung und langer Laufzeit suchen, garniert mit gutem Linux-Support. Der Einstiegspreis von 849 Euro liegt 200 Euro unter dem des kleineren Bruders, dafür gibt es jedoch “nur” einen Core i5 und auch keine Option für eine zweite SSD oder eine schnellere CPU. Im Gegensatz zum kompakteren Modell kommt die 14-Zoll-Variante des InfinityBooks allerdings komplett ohne Lüfter aus. 

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2 Kommentare
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flow
8 Jahre her

Deutlich zutreffender ist gar kein Lärm/Geräusch. Das Modell ist absolut Lüfterfrei und gibt auch keine sonstigen Laute von sich. Ich habe mir das InfinityBook 14 vor ein paar Monaten gekauft und bin absolut zufrieden. Die Tastatur ist sehr angenehm und im Vergleich zu z.B. Lenovos ebenfalls recht leise. Statt der angeboteten Vorinstallationen habe ich Debian 9 installiert. Hier funktioniert alles auf Anhieb und ohne zusätzliche Treiber. Einziges kleines Hindernis ist, dass für Wifi firmware-nonfree benötigt wird, was im Netinstaller natürlich schwer wird. Da ich aber direkt ein USB3 LAN-Interface mitbestellt habe, das Plug&Play funktioniere (Netinstall per Wifi wist ohnehin grauenvoll)… Mehr »

Janosh
7 Jahre her
Reply to  flow

Hast du im Büro mehrere Bildschirme oder nur einen am Notebook?

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