Autorenwerkzeuge helfen dabei, eine gute Idee in ein Buch zu verwandeln. Wir stellen drei kommerzielle Programme vor.
Hersteller von kostenpflichtigen Textverarbeitungen für Autoren werben gerne mit namhaften Anwendern. Da sollten doch auch angehende Autoren mit den Programmen schnell zum eigenen spannenden Manuskript kommen. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Wer einen Roman oder ein Drehbuch schreibt, der tut gut daran, weder einen Strang der Handlung versehentlich zu durchtrennen, noch die Blumenverkäuferin kurz vor dem Ende plötzlich in einen Floristen zu verwandeln.
Spezielle Autorenwerkzeuge helfen dabei, solche Schnitzer zu verhindern. In diesen aufgebohrten Textverarbeitungen schreiben Sie nicht nur das eigentliche Manuskript, sondern planen den Ablauf der Geschichte, behalten die Lebensläufe der Protagonisten im Blick und speichern Ideen und Notizen. Idealerweise führen diese Programme Sie schrittweise von der Idee bis zum fertigen Werk.
Im Internet buhlen neben einigen kostenlosen Tools zahlreiche kommerzielle Applikationen um Ihre Gunst. Wichtige kostenlose Vertreter der Gattung haben wir bereits in Ausgabe 04/2017 unter die Lupe genommen [1]. Für Linux existieren derzeit nur drei aktiv weiterentwickelte kommerzielle Programme: Drama Queen [2], Fade In [3] und Writer’s Café [4]. Ein Vergleich zeigt, was die drei Werkzeuge leisten und für wen sie sich eignen. Außer Konkurrenz läuft der Dienst Storywriter von Amazon mit (siehe Kasten “Online schreiben”).
Online schreiben
Der Versandhändler Amazon betätigt sich mittlerweile auch als Film- und Serienproduzent. Mit Amazon Storywriter stellt das Unternehmen seit 2015 ein eigenes Programm für Drehbuchautoren bereit. Um es zu nutzen, benötigen Sie lediglich einen Amazon-Account, mit dem Sie sich auf der entsprechenden Seite anmelden [8]. Anschließend nutzen Sie das Werkzeug kostenlos im Browser. In Chrome lässt sich die Software als App installieren, sodass Sie Manuskripte offline schreiben können [9].
Nach der Anmeldung sehen Sie eine leere Seite, auf der Sie sofort loslegen dürfen (Abbildung 1). Das Werkzeug formatiert dabei den Text automatisch. Mit einem Klick auf die entsprechende Vorlage helfen Sie bei Bedarf nach. Textteile lassen sich unterstreichen sowie fett oder kursiv drucken – womit der komplette Funktionsumfang auch schon beschrieben ist.
Das fertige Drehbuch exportieren Sie in die Formate PDF, Final Draft (FDX) oder Fountain. Die Texte bleiben auf den Amazon-Servern, bis Sie sie dort explizit löschen. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, ein Skript für andere Nutzer freizugeben oder direkt bei den Amazon Studios einzureichen [10].
DramaQueen
Im brandenburgischen Gosen-Neu Zittau arbeiten ehemalige Mitglieder der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf an der Software DramaQueen. Die darf man zunächst 30 Tage lang gratis ausprobieren, maximal jedoch drei Monate. Anschließend verwandelt sich das Werkzeug in die abgespeckte, aber weiterhin kostenlose “Free”-Variante.
Für knapp 100 Euro erhalten Sie die “Plus”-Version, die zusätzliche Ansichten bietet, wie etwa eine Übersicht aller Schauplätze der Geschichte. Benötigen Sie den kompletten Funktionsumfang, dann erwerben Sie für knapp 300 Euro die “Pro”-Variante, die den folgenden Ausführungen zugrunde liegt. Für “Plus” und “Pro” bieten die Entwickler zudem eine Ratenzahlung (Mietkauf) an.
Offiziell unterstützt das Programm nur Ubuntu ab Version 12.04 und steht als DEB-Paket für 32- und 64-Bit-Systeme bereit. Auf unserem Testsystem mit Ubuntu 17.04 mussten wir die von der Software verlangten Abhängigkeiten manuell auflösen (Listing 1).
Listing 1
$ sudo apt-get install default-jre libgnome2-0 libgnomeui-0 libwebkitgtk-1.0-0
Nach dem Start entscheiden Sie, ob Sie ein Drehbuch oder Prosa schreiben möchten. Abhängig von der Wahl formatiert das Programm das Manuskript passend. Es geht davon aus, dass Sie zunächst ein Exposé erstellen, in dem Sie die Geschichte kurz umreißen, dann ein Konzept (“Treatment”) mit dem Aufbau schreiben und sich schließlich an das eigentliche Drehbuch beziehungsweise den Roman wagen.
In der “Plus”-Version erstellen Sie für Exposé, Konzept und Manuskript jeweils ein eigenes Dokument. Bei der “Pro”-Variante besteht die Möglichkeit, diese Teile in einem Dokument zu verwalten.
Im Hauptfenster zeigt jede Spalte eine andere Ansicht auf die Geschichte (Abbildung 2). So finden Sie etwa unter Outline eine Liste mit der Abfolge der Szenen beziehungsweise Kapitel. Über die Reiter am oberen Rand fügen Sie jederzeit weitere Spalten hinzu oder schalten vorhandene ab.

Abbildung 2: Das Programm DramaQueen bringt ein Manuskript zu Hänsel und Gretel als Beispiel mit. Jede Spalte verändern Sie in ihrer Breite oder vergrößern Sie zum Vollbild.
Auf diese Weise behalten Sie zwar alle wichtigen Informationen im Blick, die Anzeige der Spalten verlangt jedoch einen möglichst breiten Monitor. Ein paar Videos sowie eine knapp gehaltene Online-Hilfe helfen beim Einstieg (Abbildung 3). Ein Wiki im Internet vermittelt zudem dramaturgische Grundlagen [5].

Abbildung 3: In DramaQueen dürfen Sie die Reihenfolge der Spalten nicht anpassen. Lediglich beim Anlegen der Storylines nimmt das Programm den Autor an die Hand.
Als Autor erfassen Sie zunächst alle beteiligten Figuren und Schauplätze, zu denen Sie jeweils bei Bedarf eine Beschreibung hinterlegen. Bei den Figuren fragt die Software zusätzlich einige vorgegebene Eigenschaften ab, wie etwa den Beruf oder das Alter. Eigene Eigenschaften dürfen Sie nicht ergänzen. Eine Figur darf außerdem nur männlich oder weiblich sein, nicht aber außerirdisch. Die Namen der Figuren und Schauplätze tauschen Sie später mit wenigen Mausklicks im gesamten Manuskript aus. Dabei erkennt das Programm sogar Abwandlungen beziehungsweise Fälle, wie “Gretels”.
Einen Roman unterteilt die Software in Akte, (Buch-)Teile, Kapitel und Unterkapitel. Ein Drehbuch gliedert DramaQueen in Sequenzen, Steps und Szenen. Bei Bedarf markieren Sie Teile, Kapitel, Steps und Szenen mit vorgegebenen Stichwörtern, um beispielsweise eine Szene als “unfertig” zu kennzeichnen. Figuren weisen Sie nach Belieben den Szenen und Kapiteln zu. Bei Drehbüchern erkennt das Programm automatisch die im Manuskript verwendeten Schauplätze und Tageszeiten sowie, ob die Szene innen oder außen spielt.
Über ein Formular legen Sie einen neuen Handlungsstrang in einer Geschichte an, die sogenannte Storyline. Dieser weisen Sie anschließend die entsprechenden Szenen beziehungsweise Kapitel zu. Das Tool geht fest davon aus, dass jede Storyline aus drei Akten besteht: dem Anfang, einem Mittelteil und dem Ende [6]. Die Wendepunkte zwischen diesen Teilen legt im ersten Anlauf die Software fest.
Sie dürfen diese Vorgaben verändern, indem Sie Trennlinien zwischen den einzelnen Szenen beziehungsweise Kapiteln verschieben. Das erwies sich im Test als etwas mühselig. Das Diagramm Erzählbögen zeigt, wann eine Storyline für den Protagonisten positiv oder negativ verläuft (in Abbildung 2 rechts). Ein Zickzackkurs deutet etwa auf starke Schwankungen der Gefühle hin. Markieren Sie die Storylines samt ihren Szenen farblich, fällt es leichter, sie voneinander zu unterscheiden.
Zur Eingabe der eigentlichen Texte stellt DramaQueen einen Editor bereit, der die Szenen und Kapitel automatisch anhand von Formatvorlagen passend formatiert. Drehbücher erscheinen etwa im branchenüblichen Font mit fester Laufweite, wobei die Software Dialoge entsprechend einrückt.
Bei Bedarf weisen Sie einem Abschnitt jederzeit selbst eine Vorlage zu. Darüber hinaus bietet der eigentliche Editor in Bezug auf Konfiguration nur die Möglichkeit, den Schriftschnitt und die Farbe zu wählen. Schriftart, Größe der Seite sowie weitere Parameter dürfen Sie in den Grundeinstellungen nur für das komplette Dokument oder einzelne Absatzvorlagen ändern. Dabei bleiben allerdings kaum Wünsche offen: Sogar die Laufweite der Schrift regulieren Sie hier bei Bedarf.
DramaQueen versucht außerdem, Hurenkinder und Schusterjungen zu vermeiden (einzelne Zeilen am Anfang oder Ende einer Seite). Daneben gibt es eine deutsche Rechtschreibprüfung, deren Einsatz unter Linux jedoch voraussetzt, dass Sie die entsprechenden Dateien per Hand nachinstallieren. Dann prüft das Programm aber zusätzlich die Grammatik und den Stil der Texte. Die Autokorrektur fügt das korrekte Zeichen für Auslassungen ein und stellt typografisch saubere Anführungen und Trennzeichen sicher.
Sie dürfen den Text zudem mit Notizen versehen. Schreiben Sie an einem Drehbuch, unterstützt DramaQueen Sie mit einer Funktion, die beim Schreiben eines Dialogs den Namen einer Figur vorschlägt. Die Software erzeugt auf Wunsch einige einfache Berichte, wie etwa eine Liste mit allen Schauplätzen. Bei Bedarf erstellen Sie ein Dialogbuch, das ausschließlich die Textzeilen für die Schauspieler enthält. Das fertige Buch exportiert DramaQueen in den Formaten PDF, FDX, RTF, DOC, DOCX oder EPUB.
Fade In
Auf Drehbücher hat sich die Software Fade In spezialisiert. Nach Angaben des Herstellers GCC Productions läuft das Programm unter anderem auf den Rechnern einiger Autoren der Star-Wars-Filme. Fade In kostet einmalig knapp 80 US-Dollar, Interessenten dürfen es in Form einer Demo-Version ausprobieren.
Ergänzend spendiert das Unternehmen kostenlos zwei spezielle Courier-Schriftarten, die sich besonders für Drehbücher eignen. 32- und 64-Bit-Varianten des Programms stehen als DEB-, RPM- und TAR-Pakete bereit. Fade In benötigt allerdings die Bibliothek Libpng12, die aktuellen Ubuntu-Versionen nicht mehr beiliegt.
Das Programm bietet unter anderem Vorlagen für Filme, Theateraufführungen und Fernsehserien. Weitere Vorlagen finden Sie auf der Homepage, unter anderem solche, die den von Warner Bros. geforderten Vorgaben für Drehbücher folgen. Zum Angebot zählt eine Vorlage für Autoren von Romanen, wenngleich die Werkzeuge in Fade In primär auf Drehbücher ausgerichtet sind.
Das Hauptfenster zeigt standardmäßig links die gerade vom Autor bearbeitete Seite des Drehbuchs, rechts daneben weitere Bereiche mit zusätzlichen Informationen und Funktionen (Abbildung 4). Bei Bedarf können Sie jederzeit die Bereiche im Hauptfenster umordnen und in der Größe verändern. Mehrere Dokumente öffnet das Programm in Registern.

Abbildung 4: Fade In nummeriert die Szenen auf Wunsch nach einem frei wählbaren Schema durch, hier in Form von arabischen Zahlen.
Fade In formatiert den Text automatisch, bei Bedarf weisen Sie aber per Mausklick einem Absatz ein anderes Format zu. Anhand des gewählten Formats erkennt die Software die auftretenden Figuren, die Schauplätze und die einzelnen Szenen. Letztere listet der Navigator auf, über den Sie zu einer ganz bestimmten Szene springen. Auf Wunsch stellt das Programm wie in Abbildung 5 jede Szene als Karteikarte dar. Die Namen von Figuren und Schauplätzen verändern Sie mit wenigen Mausklicks im gesamten Manuskript.

Abbildung 5: Karteikarten, deren Reihenfolge Sie per Drag & Drop anpassen, repräsentieren die einzelnen Szenen und nehmen bei Bedarf Notizen auf.
Sie dürfen jederzeit Art, Größe, Farbe und Schnitt der Schrift ändern. Ergänzend heben Sie Passagen mit einem virtuellen Marker hervor. Die Parameter für Ränder, Einzüge und andere Formatierungen geben Sie für das komplette Dokument vor. Wie DramaQueen bietet auch Fade In eine Autovervollständigung und schlägt etwa in der Beschreibung der Szene passende Begriffe vor. Die Rechtschreibprüfung nutzt die deutschen Hunspell-Wörterbücher.
Sie dürfen Bilder, Links, Lesezeichen und Notizen in das Drehbuch einfügen. Das Tool mahnt auf Wunsch zu häufig genutzte Wörter an und überprüft, ob Sie die Formate konsistent anwenden. Im Vollbildmodus blendet es auf Wunsch die Benutzeroberfläche aus, sodass es leichter fällt, sich auf den Text zu konzentrieren.
Spezielle Werkzeuge helfen beim Überarbeiten von Dokumenten. So listet der Dialog Tuner alle Dialoge einer Figur auf, die Sie auf diese Weise schnell bearbeiten und an einen einheitlichen Tonfall anpassen. Das Werkzeug Quick Reformat geht das Dokument Absatz für Absatz durch und korrigiert bei Bedarf das jeweilige Format. Vergleichen Sie zwei Drehbücher miteinander, hebt das Programm die Unterschiede optisch hervor.
Fade In besitzt zudem eine eingebaute Versionsverwaltung, mit der Sie einzelne Szenen einfrieren und später bei Bedarf wiederherstellen. Mehrere Autoren können gemeinsam an einem Drehbuch arbeiten, passende Werkzeuge helfen bei der Revision von Texten. Auf Knopfdruck erzeugt die Software einen von mehreren vorgegebenen Berichten, die etwa alle Figuren mit der Anzahl ihrer Dialoge auflisten.
Dokumente speichert Fade In im offenen, auf XML basierenden Open-Screenplay-Format. Das fertige Drehbuch exportiert die Software in die Formate PDF, HTML, Avid Text, EPUB, FDX, reinen Text, Fountain, RTF, Scrivener und das Open-Scheduling-Format. Auf Wunsch versieht das Programm das Manuskript mit Wasserzeichen.
Writer’s Café
Wer ein Werkzeug für Autoren sucht, stolpert dabei unvermeidlich immer wieder über Writer’s Café, das mit dem deutschen Bestseller-Autoren Andreas Eschbach als Kunde wirbt. Die Software stammt von der Romanautorin Harriet Smart, die Käufern ein 83-seitiges E-Book mit vielen Tipps und ihren eigenen Erfahrungen schenkt. Ergänzend liefert das Programm immer wieder nützliche Hinweise. Die ersten Schritte erleichtert ein 15-seitiger Schnelleinstieg. Bis auf einige Tipps liegen alle Hilfen sowie die Benutzeroberfläche in deutscher Sprache vor.
Das Programm kostet in der Version für den deutschen Markt 35,70 Euro. Als Appetithappen gibt es eine auf 20 Szenen limitierte Demo-Version. Für Linux steht die Software in einer 32- und 64-Bit-Version bereit. Neben DEB- und RPM-Paketen gibt es noch TAR-Archive sowie ein Skript, das die Installation für Gentoo und Arch Linux erledigt. Wie Fade In benötigt Writer’s Café die Bibliothek Libpng12, deren Installation ein Eintrag in den FAQ erklärt [7].
Nach dem Start präsentiert das Hauptfenster eine Art Desktop, auf dem Sie die verschiedenen Werkzeuge über Symbole aufrufen (Abbildung 6). Beim Erstellen eines neuen Projekts fragt ein Assistent die Eckdaten der Geschichte ab. Dazu gehört neben der gewünschten Gliederung die Entscheidung, ob es sich um ein Drehbuch oder einen Roman handelt.

Abbildung 6: Writer’s Café wirkt aufgrund der vielen Funktionen überladen. Einsteiger kommen daher um die Lektüre der gut gemachten Hilfe kaum herum.
Sie legen zunächst alle geplanten Szenen in Form von Karteikarten an (Abbildung 7). Diese bringen Sie auf einem Zeitstrahl per Drag & Drop in die richtige Reihenfolge. Besteht die Geschichte aus mehreren Handlungssträngen (“Storylines”), aktivieren Sie für jeden davon einen weiteren Zeitstrahl (siehe Kasten “Im Café nach Vissalya”).

Abbildung 7: Writer’s Café präsentiert links oben eine Hierarchie aller Szenen, rechts auf der Karteikarte den Text der Szene. Am unteren Rand erscheint die Abfolge der Szenen, wobei jede Linie einem Strang der Handlung entspricht.
Durch diese Ansicht behalten Sie den zeitlichen Ablauf der Geschichte gut im Blick. Weisen Sie den Karten Stichwörter (Tags) zu, besteht später die Möglichkeit, alle Karten mit den gleichen Tags anzuzeigen. Abschließend ordnet der Autor die einzelnen Karten den jeweiligen (Unter-)Kapiteln zu.
Zu jeder Figur dürfen Sie einige Eigenschaften hinterlegen, wie Alter oder Haarfarbe. Das Programm gibt bereits ein paar Eigenschaften vor, die Sie nach Bedarf ausblenden oder um weitere ergänzen. Ein Generator erzeugt auf Wunsch zufällige englische Namen. Zu jedem Schauplatz bietet die Software die Möglichkeit, eine Beschreibung sowie dessen Funktion innerhalb der Geschichte zu hinterlegen – mehr aber auch nicht.
Den Text einer Szene tippen Sie in einen zunächst recht kleinen Editor. Über die Trennlinien verändern Sie die Bereiche im Hauptfenster, den Editor öffnet das Programm auf Wunsch zudem in einem eigenen Fenster. In den Text fügen Sie bei Bedarf Aufzählungen, Bilder und Links ein. Des Weiteren dürfen Sie eigene Vorlagen für Absätze anlegen, wobei das Programm für viele Zwecke bereits entsprechende Dateien mitbringt.
Wie die Konkurrenz aktiviert Writer’s Café automatisch die nächste passende Vorlage für einen Absatz. Möchten Sie die deutsche Rechtschreibprüfung nutzen, müssen Sie sie explizit aktivieren. Die Auto-Ersetzen-Funktion wählt selbstständig die passenden Anführungszeichen aus und ersetzt frei wählbare Kürzel durch einen Text – wie etwa (euro) durch das Euro-Symbol.
Möchten Sie Ihre Schreibkünste schulen, fordern Sie von Writer’s Café eine per Zufall generierte Aufgabe an. Mit dem eingebauten Wecker messen Sie entweder Ihre Arbeitszeit oder zwingen sich gezielt etwa 15 Minuten zum Schreiben.
Aus dem eingegebenen Text erzeugt das Programm sogenannte Berichte, die anhand einer Formatvorlage die Szenentexte zu einem kompletten Manuskript zusammensetzen. Auf diese Weise besteht die Möglichkeit, die Geschichte sowohl als Drehbuch als auch als Liste mit allen Szenen auszugeben. Die Software aktualisiert die Berichte automatisch beim Schreiben des Texts.
Für Ideen oder gesammeltes Material stehen gleich mehrere Werkzeuge bereit: Während das Notizbuch einfache Texte aufnimmt, sammelt das sogenannte Ablagebuch alle Ideen, Links, Bilder und Ergebnisse der Recherche. Sie dürfen dort sogar kleine Diagramme zeichnen und so Abläufe oder Zusammenhänge visualisieren.
Alternativ steht eine virtuelle Pinnwand bereit, an die Sie Bilder und Notizen heften. Gesammelte Bilder zeigt Writer’s Café in einer Diashow an. Das Journal funktioniert schließlich noch wie ein virtuelles Tagebuch, in dem Sie primär die Ideen speichern, die Ihnen am jeweiligen Tag in den Sinn kommen.
Writer’s Café exportiert das Buch ins Open-Document-Format von LibreOffice, als reinen Text, als HTML oder als Anthemion HTML (ein Format für Online-Hilfe-Dateien). Das eingebaute Backup-Tool sichert die Manuskripte in einem Archiv.
Im Café nach Vissalya
Wie organisiert man das Wissen eines neuen Universums? Diese Frage stellte sich der junge Autor J. D. Fischer, als er merkte, dass der Stoff für seine Fantasy-Saga mehr als nur ein Buch hergab. Seine Geschichte, in der mehrere junge Helden ihre Abenteuer in der Welt Vissalya [11] erleben, war zu groß und umfangreich geworden. Das erste Buch “Das Zepter von Vissalya” erschien im März 2017, das zweite ist bereits in Arbeit, insgesamt sind fünf Bände geplant.
“Steht die Story erst einmal fest, füllen sich die Seiten fast von allein. Es ist so, als erzähle ich mir selbst die Geschichte, während ich sie aufschreibe”, berichtet Fischer. “Die größere Herausforderung besteht darin, alle Fakten auf dem Schirm zu behalten.”
Bereits nach dem ersten Teil seiner Serie kamen 166 Personen, 28 neue Sprichwörter, 35 geografische Stationen und eine neue Sprache zusammen. “Mit Klebezetteln und Flipcharts bin ich schon nach einigen Tagen durcheinander gekommen. Deshalb habe ich mir verschiedene Autorenwerkzeuge unter Linux angesehen. Bei Writer’s Café gefallen mir die vielfältigen Möglichkeiten, Daten zu strukturieren und die Stabilität des Programms. Bisher gab es noch keine Abstürze.”
Fischer nutzt separate Storylines, um einen Überblick über die verschiedenen Handlungsstränge der einzelnen Hauptpersonen zu behalten. Dadurch weiß er immer, wo sich zu welchem Zeitpunkt in der Geschichte die einzelnen Personen aufhalten und was sie dort tun (Abbildung 8). “Die Merkzettel eignen sich wunderbar, um Infos in Form von Karteikarten anzulegen – etwa, um die neu erfundenen Fabelwesen zu beschreiben und zu katalogisieren.”
“Ich brauche beim Schreiben visuelle Unterstützung, deshalb arbeite ich gerne mit Schaubildern und Organigrammen. Das Ablagebuch dient dabei als Kollage, die Text mit Bildern und Zeichnungen kombiniert. So weiß ich ganz schnell, wer wo an der Tafel des Königlichen Rats sitzt und welchen Rang die Männer in Sektion Dreizehn haben. Das Ablagebuch eignet sich gut als Register, um verschiedene Arten von Daten zusammenzutragen: Quellen im Internet, Zeichnungen und Bilder, Textschnipsel sowie im Programm neu erstellte Kollagen.”

Abbildung 8: Mit einer eigenen Storyline für jede Person behalten Sie jederzeit den Überblick über die Handlung, selbst wenn diese sich über mehrere Bücher erstreckt.
Fazit
Keines der Programme nimmt angehende Autoren wirklich an die Hand; DramaQueen und Writer’s Café setzen sogar auf recht unübersichtliche Benutzeroberflächen. Sie müssen also eine längere Einarbeitungszeit einplanen.
DramaQueen und Fade In richten sich vor allem an Drehbuchautoren. DramaQueen nagelt Sie dabei auf ein 3-Akte-Modell fest. Fade In bietet dagegen nur rudimentäre Möglichkeiten, Figuren, Schauplätze und die Handlungsstränge zu verwalten. Hier kann es notwendig werden, auf andere (Mindmapping-)Programme auszuweichen.
In Writer’s Café fühlen sich neben angehenden Schriftstellern auch solche Schreiberlinge wohl, die ihre zahlreichen Ideen und Notizen ordnen möchten. Eine große Hilfe bieten die E-Books und die übersichtliche Ansicht mit einer Zeitleiste. Durch die strikte Unterteilung des Manuskripts in einzelne Szenen dürften sich jedoch Autoren eingeschränkt fühlen, die gern längere Teile am Stück schreiben.
Der Funktionsumfang der kommerziellen Programme ähnelt frappierend jenem der Open-Source-Konkurrenz. Bevor Sie also einen Roman in Angriff nehmen, sollten Sie noch einen Blick in den letzten Test werfen [1]. Sagt Ihnen dort kein Programm zu, können Sie immer noch zu den Demo-Versionen der Kandidaten aus diesem Beitrag greifen.
|
Programm |
DramaQueen Pro |
Fade In |
Writer’s Café |
|---|---|---|---|
|
URL |
|||
|
Version |
2.2.6 |
3.0.565 |
2.41.0 |
|
Preis |
“Free” kostenlos, “Plus” 99 Euro, “Pro” 297 Euro |
79,95 US-Dollar |
35,70 Euro |
|
Geeignet für |
Drehbücher, Prosa |
Drehbücher |
Drehbücher, Prosa |
|
(Online-)Handbuch |
nein (Video-Tutorials) |
Online-Hilfe |
ja |
|
Deutsche Benutzeroberfläche |
ja |
nein |
ja |
|
Deutsche Rechtschreibprüfung |
ja |
ja |
ja |
|
Eigene Wörterbücher |
nein |
ja |
ja |
|
Verwaltung der Figuren / mit freier Beschreibung |
ja / ja |
ja / nein |
ja / ja |
|
Verwaltung der Schauplätze / mit freier Beschreibung |
ja / ja |
ja / nein |
ja / ja |
|
Verwaltung von Gegenständen |
nein |
nein |
nein |
|
Verwaltung von Erzählsträngen |
ja |
nein |
ja |
|
Eingebauter Notizblock |
ja |
nein |
ja |
|
Freie Wahl von Schriftart und Größe |
ja |
ja |
ja |
|
Bilder im Text möglich |
nein |
ja |
ja |
|
Hyperlinks möglich |
nein |
ja |
ja |
|
Ablenkungsfreier Vollbildmodus |
nein |
ja |
nein |
|
Statistiken (Textlänge u.a.) |
ja |
ja |
nein |
|
Textanalyse (häufige Phrasen u.a.) |
ja |
eingeschränkt |
nein |
|
Versionsverwaltung |
nein |
ja |
nein |
|
Export in |
PDF, FDX, RTF, DOC, DOCX, EPUB |
PDF, HTML, Avid Text, EPUB, Fountain, TXT, FDX, RTF, Scrivener, OSF |
ODT, TXT, HTML, Anthemion HTML |
Infos
-
Kostenlose Autorenwerkzeuge: Tim Schürmann, “Intelligente Schreibmaschinen”, LU 04/2017, S. 54, https://www.linux-community.de/38930
-
DramaQueen: http://dramaqueen.info/about/
-
Fade In: https://www.fadeinpro.com
-
Writer’s Café: http://www.writerscafe.co.uk
-
DramaQueen Wiki: http://dramaqueen.info/wiki/was-ist-dramawiki/
-
Wikipedia-Artikel zum 3-Akte-Modell: https://de.wikipedia.org/wiki/Spielfilmdramaturgie#3-Akte-Modell
-
Writer’s Café FAQ: http://www.writerscafe.co.uk/faq.htm
-
Amazon Storywriter: https://storywriter.amazon.com/
-
Amazon Storywriter App: https://chrome.google.com/webstore/detail/amazon-storywriter/hmcnhpcghhifadgblhkonelnmbenkeep
-
Amazon Studios: https://studios.amazon.com/
-
Vissalya: http://www.vissalya.de






