Cloud-Alternativen zu Ubuntu One

Aus LinuxUser 06/2014

Cloud-Alternativen zu Ubuntu One

© Hindemitt, Photocase.com

Wolkenlos?

Mit dem baldigen Ende von Canonicals Cloud-Speicher Ubuntu One müssen sich viele Anwender umstellen. Gesucht ist ein Cloud-Client, der die Daten von der Festplatte automatisch mit der Datenwolke synchronisiert.

Canonical, das Unternehmen hinter Ubuntu, sorgt in der Community zwar oft für teils erbitterte Diskussionen, konnte aber auch immer wieder mit guten Ansätzen überraschen. Zu Letzteren gehört ganz sicher der Cloud-Service Ubuntu One, der seit 2009 mit dem Release 9.10 “Karmic Koala” ein fester Bestandteil des Ubuntu-Universums war. Der Dienst ermöglichte, automatisch Daten aus einem lokalen Verzeichnis mit Canonicals Datenwolke zu synchronisieren und obendrein auf den firmeneigenen Musikshop zuzugreifen.

Offensichtlich fanden sich jedoch nicht genug Anwender, die bereit gewesen wären, für Musik oder mehr Cloud-Speicher zu bezahlen: Canonical stellt Ubuntu One zum 1. Juni 2014 ein, die Benutzer müssen ihre Daten spätestens bis zum 31. Juli auf andere Speicherdienste umziehen.

Ganz überraschend kommt der Schritt nicht: Bereits mit Ubuntu 13.04 hatte Canonical die Integration seines Musikshops in Rhythmbox aufgegeben. Zudem haben sich die reinen Cloud-Spezialisten mit der Zeit auch dem freien Betriebssystem gegenüber geöffnet, etliche Anbieter weisen heute gut funktionierende Linux-Clients vor. Haben Sie also bislang auf Ubuntu One gesetzt, müssen Sie auch in Zukunft nicht auf Speicher in der Cloud verzichten.

Dropbox

Zu den bekanntesten Cloud-Hostern gehört zweifellos Dropbox. Unter https://www.dropbox.com steht der Synchronisationsclient für verschiedene Distributionen bereit. Standardmäßig unterstützt Dropbox Debian, Fedora und Ubuntu in 32 und 64 Bit.

Verwenden Sie eine andere Distribution, können Sie den Client aus dem ebenfalls angebotenen Quellcode selbst übersetzen. Das klappt recht unkompliziert, die Dropbox-Website beschreibt das Prozedere leicht verständlich. In aller Regel müssen Sie von dieser Möglichkeit aber gar keinen Gebrauch machen, denn viele Distributionen erlauben die Integration von Dropbox direkt aus ihren Repositories. So steht zum Beispiel für OpenSuse-User eine Integration in den Gnome-Dateimanager Nautilus via YaST bereit, den Daemon richtet das System dann automatisch ein.

Verfügen Sie bereits über ein Dropbox-Konto, melden Sie sich direkt über das grafische Frontend des Daemons an; auch ein neues Konto lässt sich so anlegen. Sofern Sie den Standardeinstellungen folgen, erzeugt der Client einen Ordner namens Dropbox auf der Festplatte, in den er gleich ein PDF-Dokument mit einer kleinen Einführung kopiert. Alternativ geben Sie die zu synchronisierenden Order manuell an (Abbildung 1).

Abbildung 1: Dropbox erlaubt, die zu synchronisierenden Order selbst anzugeben.

Abbildung 1: Dropbox erlaubt, die zu synchronisierenden Order selbst anzugeben.

Im Dropbox-Ordner abgelegte Dateien synchronisiert der Dienst automatisch mit der Cloud. Eine entsprechende Integration steht auch für KDEs Standard-Dateimanager Dolphin zur Verfügung. Innerhalb weniger Minuten ist alles erledigt und die Synchronisation der lokalen Daten mit der Cloud kann beginnen.

Dropbox glänzt unter Linux insbesondere durch die einfache Installation und die gelungene Integration in Gnome und KDE. Daneben bedienen Clients für Android und iOS die Mobil-Fraktion. Allerdings bietet der Dienst nur 2 GByte Speicherplatz gratis an – hier könnte Dropbox ruhig etwas großzügiger sein. Durch verschiedene Bonusprogramme oder den kostenpflichtigen Service Dropbox Pro lässt sich jedoch deutlich mehr Speicherkapazität nutzen.

Spideroak

Weniger bekannt als Dropbox, aber mit einigen interessanten Merkmalen ausgestattet, präsentiert sich Spideroak (https://spideroak.com) als interessante Alternative zu Ubuntu One.

Der Linux-Client (32 und 64 Bit) steht für die Distributionen Debian, Fedora, Slackware und deren Derivate zur Verfügung. Den Quellcode bietet Spideroak allerdings nicht zum Download an, das Kompilieren auf anderen Distributionen klappt also nicht. Ubuntu-User können jedoch auf das Debian-Paket zurückgreifen, OpenSuse-Anwender sollten ihr Glück mit dem Fedora-RPM versuchen. Die aktuelle 64-Bit-Version des Clients ließ sich im Test problemlos auf OpenSuse 13.1 installieren. Größere Probleme gab es nicht, es traten lediglich einige – funktionell aber irrelevante – Grafikfehler in der Benutzeroberfläche auf.

Wie Dropbox spendiert auch Spideroak 2 GByte Gratis-Speicherplatz. Weiteren Speicher gilt es in 100-GByte-Schritten zuzukaufen. Sehr bequem: In der Benutzeroberfläche des Spideroak-Clients dürfen Sie direkt verschiedene Backup-Quellen per Mausklick auswählen, die der Client dann automatisch in die Cloud sichert.

Zusätzlich legt der Spideroak-Client im Home-Verzeichnis einen Ordner namens Spideroak Hive an, über den sich wie bei anderen Speicherdiensten gezielt Dateien in die Cloud kopieren und von dort auch auf mobile Geräte oder andere Rechner verteilen lassen. Neben Linux-Clients unterstützt Spideroak auch Android und iOS. Funktional bietet der Dienst alles, was man braucht, um Daten zu sichern oder auf mehreren Geräten zu verteilen.

Als etwas irritierend erweist sich allerdings die eigenwillige Benennung verschiedener Standardfunktionen: So bezeichnet Spideroak etwa einen Ordner, den Sie für Dritte freigeben, als ShareRoom. Hieran muss man sich erst einmal gewöhnen. Zudem stehen alle Informationen rund um den in USA beheimateten Dienst lediglich auf Englisch zur Verfügung (Abbildung 2), eine deutsche Lokalisierung fehlt.

Abbildung 2: Dem Spideroak-Client fehlt bislang eine deutsche Lokalisierung.

Abbildung 2: Dem Spideroak-Client fehlt bislang eine deutsche Lokalisierung.

Copy.com

Noch recht frisch am Markt ist der Anbieter Copy.com. Seine Besonderheit: Er bietet satte 15 GByte Speicherplatz gratis.

Die Installation des Linux-Clients stellt Linux-Einsteiger vor gewisse Hürden, lässt sich aber durchaus meistern: Auf https://www.copy.com steht der sogenannte Copy-Agent als TGZ-Archiv bereit. Der Tarball enthält die Installationsdateien für die verschiedenen Plattformen. Zur grafischen Installation starten Sie nach dem Auspacken einfach die Datei CopyAgent, ein Installationsassistent führt durch die restlichen Schritte.

Ähnlich wie bei Dropbox dürfen Sie festlegen, welchen Ordner auf der Festplatte der Client mit der Cloud synchronisiert – mehr Einstellungen braucht es nicht. Erfreulicherweise lässt sich Copy.com auch komplett aus der Konsole heraus nutzen. Dazu dient CopyConsole, das sich ebenfalls im heruntergeladenen Archiv befindet und optional auch als Daemon läuft. Vor allem bei der Server-Administration oder zum Einrichten eines automatischen Backups per Skript erweist sich diese Variante als hilfreich.

Zudem gelingt es in der Konsole, sich an mehreren Copy.com-Accounts gleichzeitig anzumelden. Die Benutzung des Konsolen-Clients fällt leicht, die Anzahl der möglichen Parameter bleibt überschaubar. Nachteilig ist allerdings, dass Sie das Passwort in der Befehlszeile im Klartext übergeben müssen. Diese Sicherheitslücke sollten Sie vor allem beim Umgang mit wichtigen Daten im Hinterkopf behalten.

Abbildung 3: Copy.com glänzt mit 15 GByte Speicherplatz und einfachster Bedienung.

Abbildung 3: Copy.com glänzt mit 15 GByte Speicherplatz und einfachster Bedienung.

Fazit

Ubuntu hin, Canonical her – auch andere Cloud-Anbieter weisen inzwischen eine gute Linux-Unterstützung vor, wenn auch längst nicht alle. So wissen wohl nur Larry Page und Sergey Brin allein, warum Google bislang noch keinen Linux-Client für seinen Cloud-Speicher zur Verfügung stellt. Auch andere große Dienstleister wie Box.com gehen noch nicht auf die Linux-Community zu.

Dennoch: Waren Sie bislang zufriedener Anwender von Ubuntu One, müssen Sie sich wegen dessen Endes keine grauen Haare wachsen lassen. Auch der Schritt zur eigenen Cloud mithilfe von Owncloud ist nicht zwingend erforderlich. Bequemlichkeit geht hier allerdings zu Lasten der Privatsphäre: Bei den populären Anbietern lagern Ihre Daten ausnahmslos unter US-Jurisdiktion – also im vollen Zugriff aller Drei-Buchstaben-Dienste. Das war aber auch bei Ubuntu One schon nicht anders. 

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