Ein legendärer Schwerenöter ist wieder da: In seiner dritten Inkarnation seit 1987 kämpft sich Leisure Suite Larry jetzt unter Linux durch die Nachtlokale des Städtchens Lost Wages.
Leisure Suit Larry Reloaded
| Bezugsquelle | https://www.replaygamesinc.com/ |
| Entwickler | Replay Games und N-Fusion |
| Altersfreigabe | Ab 16 |
| Lizenz | Kommerziell |
| Preis | 20 Dollar |
| Voraussetzungen | Aktuelle Linux-Distribution mit aktivierter 3D-Grafik |
Die Stadt Lost Wages ist ein zweites Las Vegas – nur kleiner, weniger glitzernd und zudem sichtlich heruntergekommen. In eben jenem Lost Wages stürzt sich Larry Laffer übermütig in das Nachtleben. Als mit Ende 30 immer noch unberührter Mann möchte er endlich einmal eine Frau aufreißen. Die Voraussetzungen dazu scheinen jedoch nicht ganz so optimal: Neben einem riesigen Selbstbewusstsein besitzt Larry unübersehbare Geheimratsecken, chronischen Mundgeruch, überhaupt kein Taktgefühl – und natürlich einen schicken weißen Polyesteranzug, den Leisure Suit.
Im Adventure Leisure Suit Larry Reloaded dirigieren Sie den End-Dreißiger per Mausklick durch die Straßen von Lost Wages. Damit Larry eine Aktion ausführt oder einen Gegenstand aufhebt, gilt es zunächst den Mauszeiger in ein passendes Symbol zu verwandeln. Das geschieht wahlweise über ein Menü oder wiederholtes Drücken der rechten Maustaste. Dabei stehen nicht nur gebräuchliche Aktionen parat, wie Nehmen oder Benutzen: Larry kann an allen möglichen Dingen riechen, lecken, herumfummeln sowie den Reißverschluss seiner Hose öffnen (Abbildung 1). Mit diesen nahezu unbegrenzten Möglichkeiten müssen Sie zahlreiche Kombinationsrätsel lösen, um so wiederum möglichst viele Damen in ein noch zu mietendes Bett zu locken.

Abbildung 1: Um eine Aktion auszulösen, wählen Sie zunächst das passende Symbol am oberen Bildschirmrand und klicken dann den Gegenstand an. Einige Personen im Spiel sind übrigens Unterstützer aus der Kickstarter-Aktion.
Déjà-vu …
Leisure Suit Larry Reloaded ist schon die zweite Neuauflage eines älteren Kultspiels. Die ursprüngliche Fassung veröffentlichte der Adventure-Spezialist Sierra bereits 1987 unter dem zungenbrecherischen Namen “Leisure Suit Larry in the Land of the Lounge Lizards”. Vor allem durch die Mundpropaganda von männlichen pubertierenden Jugendlichen erreichte das Spiel schnell einen hohen Bekanntheitsgrad. Es wurde so erfolgreich, dass Larry in den kommenden Jahren noch fünf weitere Abenteuer bestehen musste.
Beflügelt vom Erfolg brachte Sierra 1991 den ersten Teil mit modernisierter Grafik und einer verbesserten Bedienung noch einmal auf den Markt. Musste man in der ursprünglichen Fassung noch Textkommandos eintippen, konnte man im Remake den Helden nun in einer quietschbunten Comic-Grafik bequem Anweisungen mit der Maus erteilen.
Nach dem Untergang von Sierra wanderte die Marke Larry Laffer zur Firma Codemasters. Von ihr erwarb 2012 der amerikanische Spielehersteller Replay Games [1] eine Lizenz für ein erneutes Remake. Dieses sollte mit zeitgemäßer Grafik, leicht überholten Inhalten und ein paar neuen Rätseln aufwarten. Die mit der Umsetzung beauftragten Entwickler orientierten sich dabei vorwiegend am zweiten Remake, von dem sie die Steuerung und den Grafikstil übernahmen. Als Berater konnte man zudem Al Lowe gewinnen, den geistigen Vater und Autor der alten Larry-Adventures.
Das Geld für die Produktion sammelte Replay Games über die Plattform Kickstarter [2]. Wer dort mindestens 15 US-Dollar spendete, erhielt später eine Kopie des Spiels. Für höhere Beiträge gab es exklusive Devotionalien, wie den Soundtrack oder ein T-Shirt. Bis zum Ende der Kampagne kamen so über 650?000 Dollar zusammen.
Das fertige Leisure Suit Larry Reloaded vertreibt Replay Games seit Mitte Juni über Steam [3] sowie ohne Kopierschutz auf seiner eigenen Homepage. Die in Elektronikmärkten angebotene Schachtel mit einer DVD enthält nur die Windows- und Mac-OS-X-Version, Linux-Spieler sollten sie folglich im Regal stehen lassen. Wie das Original verzichtet auch Leisure Suit Larry Reloaded auf erotische oder pornografische Darstellungen, aufgrund der teilweise derben Witze und Anspielungen kassierte es hierzulande jedoch eine Altersfreigabe ab 16 Jahren.
… mit Fehlzündungen
Die von uns direkt beim Hersteller erworbene Linux-Version sprach ausschließlich Englisch, das Windows-Pendant bietet hingegen auch deutsche Untertitel. Das Spiel liegt zudem nur als 32-Bit-Version vor, auf 64-Bit-Systemen muss man folglich die entsprechenden Kompatibilitätspakete einspielen. Um das Spiel zu starten, verwenden Sie folgenden Befehl:
$ LANG=C ./Larry-Linux -screen-width 1024 -screen-height 768
Die Angabe des LANG-Parameters umgeht einen Bug, der anderenfalls zu zerstörten Speicherständen führt. Die Bildschirmauflösung müssen Sie nicht zwingend definieren. Allerdings verwendet das Spiel standardmäßig eine Auflösung im 4:3-Format, die ja nach Monitor zu einer verzerrten Darstellung führt.
Zu Redaktionsschluss war noch nicht bekannt, ob und wann die Entwickler diese Unzulänglichkeiten und Fehler beheben.
Abkürzungen
Zu Beginn versucht das Spiel anhand eines Multiple-Choice-Tests zu prüfen, ober der Spieler auch das notwendige Alter für das etwas schlüpfrige Adventure aufweist. Allerdings sind alle Fragen vollständig auf US-Amerikaner zugeschnitten und treiben Europäer in die Verzweiflung, selbst solche fortgeschrittenen Alters. Glücklicherweise lässt sich die lästige Quizrunde mit der Tastenkombination [Strg]+[Alt]+[X] überspringen.
Um an Glücksspielautomaten dem Zufall etwas auf die Sprünge zu helfen, speichern Sie den Spielstand, setzen das komplette Geld (über die lilafarbenen Tasten) und startet den Automaten. Verlieren Sie, laden Sie einfach wieder den gespeicherten Spielstand und versuchen ihr Glück erneut.
Abgestanden
Das ursprüngliche Leisure Suit Larry zog seinen Reiz vor allem aus seinem ebenso abgedrehten wie originellen Szenario, seinem schlüpfrigen Ruf, den teilweise irrwitzigen Reaktionen auf die Textkommandos und nicht zuletzt seiner Pixelgrafik, die der Fantasie reichlich Spielraum ließ. Mit all dem kann die Neufassung nicht aufwarten. Vielmehr fördert sie die großen, grundlegenden Schwächen des Spiels zutage: Die wenigen vorhandenen Rätsel sind teilweise völlig unlogisch, die ständige Geldnot nervt, jeden Augenblick kann man sterben, und eine stringente Hintergrundgeschichte fehlt komplett.
Als wäre das noch nicht genug, fügt das Remake ein paar weitere Mängel hinzu: Die Grafik schwankt zwischen detailverliebter und laienhafter Comic-Optik (Abbildung 2), die Animationen wirken teilweise recht hölzern, und aufgrund der umständlichen Steuerung klickt man sich im Laufe des Spiels halb zu Tode (Abbildung 3). Wirklich hören lassen kann sich hingegen der Soundtrack, für den sogar eine Big Band aufspielte.
Fazit
Unter dem Strich zählt Leisure Suit Larry Reloaded eindeutig zu den weniger guten Adventures – das galt aber auch schon für das Original von Sierra. So richtet sich die 20 Dollar teure Neuauflage wohl in erster Linie an Nostalgiker, die schon 1987 im Lefty’s einen Drink bestellt haben. Nach dem Erfolg der Kickstarter-Kampagne zu schließen, scheint es davon ja durchaus einige zu geben.
Infos
[1] Projekt-Homepage: https://www.replaygamesinc.com/
[2] Kickstarter-Aktion: http://www.kickstarter.com/projects/leisuresuitlarry/make-leisure-suit-larry-come-again
[3] Leisure Suit Larry Reloaded auf Steam: http://store.steampowered.com/app/231910/?l=german






