Distributionen

Aus LinuxUser 02/2011

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Linux Mint frischt die Debian-Edition auf

Eigentlich baut das Linux-Mint-Projekt (http://www.linuxmint.com) seine Distribution ja auf Basis des jeweils aktuellsten Ubuntu-Releases, landete aber Anfang September mit einer stattdessen direkt auf Debian “Testing” beruhenden Mint-Variante einen viel beachteten und gelobten Volltreffer. Durch die Integration proprietärer Treiber und Codecs spielt die mit einem Gnome-Desktop ausgestattete Linux Mint Debian Edition (LMDE) von Haus aus die gängigsten Medienformate ab. Zudem handelt es sich um eine sogenanne Rolling-Release-Distribution, die laufend aktualisierte Software einspielt und dadurch dedizierte Versionsupgrades überflüssig macht. Dank der vollen Kompatibilität zu Debian lässt sich dessen riesiger Paketfundus auch unter LMDE nutzen.

Zu Weihnachten legten die Mint-Entwickler nun LMDE 201012 nach, das den aktuellen Stand in ein Installationsimage bannt. Es bringt alle mit dem kurz zuvor erschienenen Mint 10 eingeführten Features auch in den Debian-Ableger der Distribution. So werten beispielsweise die Integration der PPP- und Mesa-Bibliotheken sowie der jeweiligen Tools die Connectivity und den Hardware-Support auf. Beim Sound-Support beseitigten die Entwickler Adressierungskonflikte zwischen Pulse Audio und Flash. Der Installer unterstützt jetzt auch Btrfs sowie mehrere Festplatten und kann den Bootloader für den Multiboot-Betrieb statt im MBR auch in Partitionen ablegen. Der Software-Bestand wurde auf die neuesten Versionen aufgefrischt, der Cgroups-“Wunder”-Patch im Kernel soll für verbesserte Desktop-Reaktionszeiten sorgen.

Aufgrund der rundum positiven Reaktionen auf LMDE und des großen Zuspruchs der Anwender macht das Linux-Mint-Projekt seinen ursprünglich als Experiment deklarierten Debian-Ableger ab sofort wohl zur festen Einrichtung. Zwar erwähnen die Release Notes das nicht explizit, doch es gibt diesmal anders als beim Erstling nicht nur eine 32-Bit-Ausgabe, sondern auch eine 64-Bit-Edition. Zudem ist bereits die Rede von weiteren Versionen mit anderen Desktops, insbesondere mit KDE SC 4. Eine Liste der Download-Mirrors für die rund 980 MByte großen LMDE-ISO-Images finden Sie unter http://www.linuxmint.com/download_lmde.php.

Die Linux Mint Debian Edition glänzt mit einer soliden Basis, einem aufgeräumten Desktop, einer gelungenen Software-Ausstattung und ausgeprägten Multimedia-Fähigkeiten.

Die Linux Mint Debian Edition glänzt mit einer soliden Basis, einem aufgeräumten Desktop, einer gelungenen Software-Ausstattung und ausgeprägten Multimedia-Fähigkeiten.

Aptosid 2010-03 mit verbessertem Hardware-Support

Bei Aptosid (http://aptosid.com) handelt es sich um eine Rolling-Release-Distribution auf Basis von Debian Unstable (“Sid”), die in der Hauptversion einen KDE-Desktop mitbringt, aber auch in einer Variante mit dem schlanken LXDE vorliegt. Nach den Weihnachtsfeiertagen haben die Entwickler nun das Release 2010-03 mit dem Codenamen “Apate” freigegeben, das auf dem Softwarebestand von “Sid” zum 26. Dezember 2010 beruht.

Das hervorstechendste Merkmal der neuen Version ist der Kernel 2.6.36.2, der zahlreiche Verbesserungen beim Hardware-Support mitbringt. Diese betreffen vor allen Dingen die Unterstützung von (USB-)WLAN-Chipsätzen, darunter solche von Atheros (AR24xx, AR51xx, AR52xx, AR7010, AR92xx), Broadcom (BCM43xx), Intel (IPW3945, IPW4965 und andere) Ralink (RT28x0, RT30xx, RT35xx) sowie Realtek (RTL818x). Daneben bietet das verbesserte Kernel Mode Switching jetzt Unterstützung für ATI-Radeon- und Intel-Grafik sowie DRI-Support für ATI-Radeon-Chipsätze bis r7xx. Aktualisierungen erfuhren zudem auch der X-Server (X.org 7.5), der KDE-Desktop (KDE SC 4.4.5) und der Webbrowser Iceweasel (3.5.16).

Das Projekt offeriert drei verschiedene Versionen der Distribution in 32- und 64-Bit-Ausführungen als ISO-Image zum Download (http://tinyurl.com/lu1102-aptosid). Bei der als “KDE-full” bezeichneten Variante (2030 MByte) handelt es sich um eine kombinierte x86/x86_64-Installer-DVD. Als separate 32- und 64-Bit-Versionen gibt es diese Spielart auch als “KDE-lite” (jeweils rund 600 MByte). Ebenfalls in 32- und 64-Bit-Ausführung existiert noch eine Ausgabe mit LXDE-Desktop (je 500 MByte).

Das auf Debian "Sid" basierende Aptosid 201012 macht auch mit dem schlanken LXDE-Desktop eine gute Figur. Die Hauptversion setzt allerdings auf KDE SC 4.

Das auf Debian “Sid” basierende Aptosid 201012 macht auch mit dem schlanken LXDE-Desktop eine gute Figur. Die Hauptversion setzt allerdings auf KDE SC 4.

XBMC 10.0 mit mehr Formaten und Plugins

Nach fast einem Jahr Entwicklungszeit erschien Mitte Dezember die finale Version 10.0 “Dharma” des freien Mediacenters XBMC (http://xbmc.org). Sie spielt Video- und Audiodateien verschiedenster Formate ab, präsentiert Bildsammlungen als Diaschauen und erlaubt das Fernsteuern via iPhone oder Android-Smartphones. Die dafür benötigten Apps stehen in den App-Stores von Android und Apple zum kostenlosen Download bereit. XBMC gibt es sowohl als Standalone-Version in Form einer installierbaren Live-CD auf Ubuntu-Basis (auch auf der Heft-DVD dieser Ausgabe), als auch als als nachinstallierbare Anwendung für Linux, Windows und Mac OS X.

XBMC versteht sich nicht nur als Mediaplayer für lokale Dateien, sondern bietet ein breit gefächertes Spektrum zum Darstellen und Abspielen von Multimediadaten aus dem Internet. Die dafür benötigten Schnittstellen installieren Sie als Plugin nach. Mehrere Dutzend davon stehen alleine zur Wiedergabe von Filmen bereit, aber auch für den Zugriff auf Bilddatenbanken wie Flickr oder Picasaweb. Ebenfalls als Plug-in bietet XBMC verschiedene Downloadmanager wie jDownloader, Transmission oder rTorrent an, die es Ihnen ermöglichen, im Torrent-Netzwerk gehostete Dateien direkt herunterzuladen und danach mit dem Videoplayer abzuspielen.

An Codec-Unterstützung lässt die Suite kaum Wünsche offen. Sie spielt Videodateien unter anderem in den Formaten H.263/4, MPEG-1, MPEG-4 (Xvid, DivX), Realvideo und Quicktime ab. An Audio-Codecs bietet die Software auch MP3, OGG, WMA, APE und FLAC. Die aktuelle Version unterstützt darüber hinaus Googles neues Videoformat WebM/VP8. Eine Übersicht aller unterstützten Formate finden Sie im XBMC-Wiki.

XBMC, eine der ausgereiftesten Mediacenter-Lösungen für Linux, glänzt in Version 10.0 "Dharma" mit Unterstützung für noch mehr Formate und einem neuen Plugin-Konzept.

XBMC, eine der ausgereiftesten Mediacenter-Lösungen für Linux, glänzt in Version 10.0 “Dharma” mit Unterstützung für noch mehr Formate und einem neuen Plugin-Konzept.

Mageias neues Logo

Nach über 8 Wochen Diskussionen und mehreren “Vorwahlen” hat sich die Mageia-Community auf ein Logo für das als Fork von Mandriva Linux entstandene Projekt geeinigt. Von Anfang Oktober bis zum Einsendeschluss Anfang Dezember beteiligten sich 113 Einsender mit über 400 Vorschlägen an der Identitätssuche. Das ausgewählte Logo (http://blog.mageia.org/de/?p=98) zeigt einen stilisierten Hexenkessel – in Anlehnung an “Cauldron”, den Namen der Entwicklerversion von Mageia. Daneben symbolisiert die Grafik die Verwandtschaft zum Namen des Projekts: Mageia ist das griechische Wort für “Magie”.

Kurz notiert

Für das Linux-basierte Tablet WeTab stehen jetzt die Betriebssystemquellen und Entwicklerwerkzeuge zum Download bereit (http://tinyurl.com/lu1102-wetab). Der Hersteller 4tiito bietet zudem ein auf Virtualbox basierendes des WeTabOS-Image sowie ein via USB-Stick einspielbares Recovery-System an.

Mit dem Release von Salix OS 13.1.2 LXDE gibt es jetzt erstmals eine 64-Bit-Ausgabe der auf Slackware basierenden Distribution mit dem leichtgewichtigen Desktop. Daneben bietet das Projekt (http://www.salixos.org) auch Install- und Live-CD-ISOs für 32-Bit-Systeme an.

Kurz vor Weihnachten ist die Sabayon 5.4 Gaming-Edition im DVD-Format erschienen, deren 4,3 GByte großes ISO eine breite Auswahl an Spielen aus den Bereichen Arcade, Strategie und Shooter bereithält (http://tinyurl.com/lu1102-sabayon). Dazu gehören unter anderem FreeCiv, Micropolis, Neverball, Nexuiz, Scorched 3D, Simutrans, Torcs, Wesnoth und Warzone 2100.

Das Ubuntu-Projekt hat seine Schriftart über die Projekt-Website http://font.ubuntu.com sowie im Web-Schriftenverzeichnis von Google freigegeben. Der Font Ubuntu steht ab sofort im Truetype-Format sowie und als Quellcode zum Download bereit. Anders als im Ubuntu-internen Beta-Test vor fünf Monaten gibt es auch kursive und fette Schriftschnitte. Als Lizenz gilt die Ubuntu Font License 1.0.

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