Die neue Version der kostenlosen Office-Suite StarOffice 5.2 ist auf dem Markt. Die überarbeitete Rechtschreibprüfung ist eine der lange erwarteten Neuerungen. Wir nennen in diesem Test aber nicht nur die größten Neuerungen, sondern sagen auch, ob und wo der Hase im Pfeffer liegt.
Laut Sun sollen über 100 Verbesserungen in das fertige StarOffice 5.2 eingegangen sein. Wie die Versionsnummer schon andeutet, spiegeln sich diese Neuerungen aber im wesentlichen in Detailverbesserungen wieder.
Die Installation läuft wie gewohnt über den, schon aus StarOffice 5.1 bekannten Assistenten ab, der durch eine automatische Migration dem Benutzer bei der Übernahme der alten Einstellungen aus der Vorversion hilfreich zur Seite steht. Leider wurde bei unserem Test sowohl die angepasste Symbolleiste, als auch das veränderte Menü aus StarOffice 5.1 nicht mit übernommen.
Die Änderungen im Allgemeinen…
Der Desktop bietet nach dem Start das aus der Version 5.1 gewohnte Bild. Durch die Integration der einzelnen Anwendungen ist die Bedienung leider immer noch unnötig kompliziert. Dies führt gerade bei Neulingen neben Verwirrung auch zu einer relativ langen Einarbeitungszeit. Für den erfahrenen Anwender hat Sun hingegen einige bestehende Funktionen erweitert, so dass sich diese nun effizienter nutzen lassen. Beispielsweise wurde die, bereits in StarOffice 5.1 integrierte AutoComplete Funktion, auf weitere Teile des Office-Pakets ausgedehnt. In den Dateidialogen oder im Eingabefeld der Internetadresse wird z.B. direkt nach der Eingabe der ersten Buchstaben, der Rest automatisch ergänzt. Bei mehreren Möglichkeiten genügt ein einfacher Tastendruck, um alle in Frage kommenden Einträge durchzuschalten. Weiterhin sollen die erweiterten Kontextmenüs und der verbesserte Navigator in der Textverarbeitung, zur Erhöhung des Bedienkomforts beitragen.
Die wohl von StarOffice Nutzern begehrteste Neuerung war die längst überfällige Unterstützung der neuen deutschen Rechtschreibung, wobei die alte Schreibweise auf Wunsch auch weiterhin zur Verfügung steht. Gleichzeitig wurde die Einbindung zusätzlicher Sprachen ausgebaut, so dass sich neben den vielen mitgelieferten Sprachen nun sogar Wörterbücher von Fremdanbietern einhängen lassen. Wer die CD-Version von StarOffice 5.2 besitzt, hat hier neben dem gesparten Download von ca. 100MB noch einen weiteren Vorteil: auf der CD befinden sich zusätzliche Sprachmodule, die nicht über das Internet erhältlich sind. Zu einer Grammatikprüfung, wie sie übrigens bislang nur WordPerfect Office 2000 bietet, hat es allerdings nicht mehr gereicht.
Wie bereits alle anderen Office-Pakete zuvor, wirbt auch StarOffice mit seinen neuen, erweiterten Datei Im- und Exportfiltern, die eine vollständige Kompatibilität zu Microsoft Office 97 bzw. 2000 Dokumenten sicherstellen sollen. Wie wir bei unserem Test feststellen konnten, hat es Sun unter StarOffice tatsächlich geschafft, die besten Importergebnisse aller von uns getesteten Office-Pakete zu erzielen. Unsere Office 97 Testdateien, die bislang nie ganz korrekt verarbeitet wurden, importierte StarOffice bis auf wenige Positionsverschiebungen der Bilder einwandfrei. Sollte eine Datei VisualBasic-Code enthalten, so klammert StarOffice diesen automatisch aus. Eine Umwandlung in die StarOffice eigene Skriptsprache “StarBasic” ist nicht vorgesehen und muss deshalb vom Benutzer mühsam manuell vorgenommen werden.
Negativ viel uns auch die etwas mangelhafte TrueType-Unterstützung auf. Druckbar sind diese Schriftarten nur nach einer Umwandlung in das Type-1 Format. Die anderen Office-Pakete bieten hier, gerade auch im Hinblick auf die Schriftartenverwaltung, eine wesentlich komfortable Handhabung durch einen externen Schriftenmanager. Ebenfalls unschön ist ein grober und noch nicht behobener Fehler: Der Versuch in StarDraw den 3D-Convolver, der aus einem zweidimensionalen Objekt ein dreidimensionales zaubert, aufzurufen, endete immer mit einem schwarzen Bildschirm und einer sofortigen, automatischen Zwangsterminierung des gesamten X-Windows-Systems.
… und im besonderen
StarWriter kennt jetzt, wie schon der Konkurrent Applixware, eine Art “Textbausteine”, die hier als “AutoText” bezeichnet werden. Mit dieser Funktion kann einem Textkürzel eine ganze Textpassage zugewiesen werden. Nach der Eingabe des entsprechenden Kürzels im Dokument, wird dieses dann gegen den zugehörigen Text ausgetauscht. Insbesondere bei häufig wiederkehrenden Textpassagen oder bei Standardformulierungen, wie sie z.B. in Geschäftsbriefen immer wieder auftauchen, können diese Textbausteine eine erhebliche Erleichterung für den Anwender darstellen.
Ebenfalls neu ist das, offensichtlich von WordPerfect abgekupferte, Erstellen von verschiedenen Verzeichnissformen, wie z. B. Inhalts- oder Stichwortverzeichnisse. StarOffice erlaubt sogar das Generieren eines Literaturverzeichnisses, das seine Daten aus einer entsprechenden Datenbank bezieht. Für kleinere Dokumente sind diese Verzeichnisfunktionen unter StarOffice einfacher zu handhaben als unter WordPerfect. Insbesondere die dabei angezeigten Visualisierungen erweisen sich als ungemein praktisch. Bei großen Dokumenten hat sich im Test aber das etwas komplizierter wirkende Verfahren unter WordPerfect als komfortabler erwiesen, da dort dauerhaft eine hilfreiche Symbolleiste angezeigt wird.
Die Schriftarten unter StarWriter werden jetzt im entsprechenden Aufklappfenster in ihrer jeweiligen Schriftart dargestellt, so dass man gerade bei einer großen Anzahl an installierten Schriften einen wesentlich besseren Überblick erhält. Diese Funktion geht allerdings nicht so weit, wie die Echtzeitvorschau aus WordPerfect Office 2000.
Praktisch ist auch die verbesserte Integration des Formeleditors: Sofern man der zugehörigen Kommandosprache mächtig ist, muss bei der Eingabe von Formeln nun nicht mehr das zugehörige Formeleditorfenster explizit aufgerufen werden. Es genügt jetzt die Eingabe der Formelkommandos direkt im Textdokument und ein anschließendes Aufrufen der entsprechenden Funktion.
Der Rest vom Schützenfest
Unter StarCalc fällt am deutlichsten, der jetzt im Autopilot zur Verfügung stehende Euro-Umrechner auf und für die integrierte Datenbank StarBase wurde extra Adabas D lizensiert. Leider ist dieser alternative Datenbankmotor kein direkter Bestandteil von StarOffice, so dass man für dieses Modul erneut ein zirka zehn MB großes Paket von der StarOffice-Internetseite herunter laden muss. Das Vektorzeichen-Programm StarDraw kann jetzt mit Transparenz umgehen und damit entsprechende Farbverläufe erzeugen. Im Gegensatz dazu fristet das Modul zur Bearbeitung von Bitmapgrafiken auch weiterhin ein Schattendasein. Die immer noch mangelhaften Möglichkeiten der Bildbearbeitung in diesem Modul bedürfen einer dringenden Erweiterung.
Dagegen bleibt das Präsentationsprogramm StarImpress von seinem Funktionsumfang unter Linux immer noch ungeschlagen. Ebenso wie StarDraw kann StarImpress jetzt mit Transparenz umgehen und interaktiv Farbverlaufseffekte generieren. Darüber hinaus ist StarOffice als bislang einziges Office Paket unter Linux in der Lage, in seinem Präsentationsmodul Animationen zu erzeugen, wie sie auch z. B. von bewegten GIF-Bildern her bekannt sind. Weiterhin wurden die Ausgabeoptionen stark erweitert, insbesondere im Hinblick auf die Netzwerkfähigkeit. So ist es nun möglich, eine Präsentation als sogenannte “WebCast” zu exportieren. Dabei werden alle benötigten Dateien zunächst auf einem Server im HTML-Format abgelegt. Der Vortagende steuert den Ablauf seiner Präsentation dann von seinem Computer, indem er von dort aus bestimmt, wann eine neue Folie in den Internetbrowsern der Zuschauer angezeigt werden soll. Um Präsentationen auch auf Computern abspielen zu können, auf denen StarOffice nicht installiert ist, wurde nun extra ein kleines, externes Abspielprogramm namens “StarOffice Player” entwickelt, das ebenfalls kostenlos zum Download bereit steht.
Zum Abschluss sei noch das in StarOffice eingebaute E-Mail-Programm erwähnt, das als wesentliche Verbesserung eine integrierte PGP Verschlüsselungsmöglichkeit verpasst bekommen hat, für die aber eine installierte Java-Umgebung zwingend vorausgesetzt wird.
Fazit
Das Preis-/Leistungsverhältnis von StarOffice ist und bleibt ungeschlagen. Mit seinen Funktionen reicht das Office-Paket fast an den wesentlich teureren Konkurrenten WordPerfect Office 2000 heran, von dem auch offensichtlich einige Funktionen abgeschaut wurden. Lediglich die, durch die Integration der Anwendungen nicht ganz intuitive Benutzerführung sollte vom Hersteller Sun noch einmal überarbeitet werden. Ebenfalls nervig sind die teilweise viel zu langen Ladezeiten. Allein der Start dauert länger als beim Konkurrenten WordPerfect Office 2000, das ja selbst für seine Schnelligkeit nicht gerade berühmt ist.
Die meisten Neuerungen der Version 5.2 dienen sowohl Detailverbesserungen als auch einer effizienteren Bedienbarkeit. Unter dem Strich erhält man mit StarOffice 5.2 ein Paket, dessen Installation sich ganz sicher nicht nur für Umsteiger lohnt.





