Im abschließenden Artikel unserer USB-Serie stehen Kommunikationsgeräte auf dem Prüfstand. Eitel Sonnenschein wie beim Druckertest im letzten Heft ist diesmal nicht angesagt. Zwar gibt es bei Modems noch vereinzelte Lichtblicke, jedoch verhageln ISDN-Geräte und Netzwerkkarten die Bilanz. Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf die USB-Anbindung eines Visor-PDAs von Handspring.
Jeder Hersteller kocht sein eigenes Süppchen, und letztendlich hat keiner was davon, schon gar nicht der Hardware-Käufer. Im USB-Bereich betrifft das vor allem ISDN-Endgeräte. Für Modems ist in den USB-Spezifikationen jedoch ein Standard festgelegt, welcher in Linux implementiert ist. Das zugehörige Modul heißt “acm” (Abstract Control Model); die Gerätedateien sind /dev/ttyACM0 bis /dev/ttyACM3. USB-Modems, die diesem Standard genügen, verhalten sich wie ganz normale serielle Modems und können wie diese über den AT-Befehlssatz angesteuert werden – es ist keine spezielle Unterstützung durch die Programme notwendig. Außer Modems und ISDN-Karten haben wir noch Netzwerkkarten (auch hier wieder mit mäßigen Resultaten) und einen PDA unter die Lupe genommen. Unsere Tests erfolgten alle mit den Kernelversionen 2.2.18 und 2.4.2. Unterschiede konnten wir dabei nicht feststellen.
Modems
Das Elsa MicroLink 56k USB ist das erste Gerät im gesamten USB-Test, das sich völlig unterschiedlich verhält, je nachdem welcher Controller-Chipsatz auf dem Mainboard des Rechners sitzt. Während andere Geräte an OHCI-Hostcontrollern einfach schneller laufen, braucht das MicroLink 56k diesen Controller, um überhaupt stabil zu funktionieren. Ist auf dem Motherboard der UHCI-Chip, so muss man mit Abstürzen des Modems rechnen: Es reagiert unter Umständen auf keine Befehle mehr. Auch ein einfaches Entladen des Kernelmoduls mit anschließendem Neuladen per rmmod acm; insmod acm schafft keine Abhilfe. Erst nachdem das Modem kurzzeitig komplett vom Rechner getrennt wurde, war es wieder benutzbar – bis zum nächsten Absturz. Da diese hauptsächlich während großer Aktivität auftraten, liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein Timing-Problem handeln könnte. OHCI-Controller entlasten die CPU des Rechners nämlich viel stärker als UHCI-Controller. Deshalb ist auch nicht auszuschließen, dass das Problem bei schnelleren CPUs (>500 MHz) nicht mehr auftritt.
Sobald man das Modem über den OHCI-Controller anspricht, läuft alles wie erwartet: Die automatische Erkennung via wvdial und die Einwahl bei verschiedenen Providern funktionierten vorzüglich. Dass nur Geschwindigkeiten im V42bis-Standard mit 46666 bps erreicht wurden, liegt wahrscheinlich an dem eingesetzten AB-Wandler.
Die beiden anderen Modems, Typhoon V.90 56K USB und Typhoon Modem Quick Com 56 USB funktionieren leider nicht, da sich Typhoon nicht an die USB-Spezifikationen gehalten hat und ein eigenes Protokoll verwendet.
ISDN-Geräte
Nachdem die Tests für den letzten Artikel vom USB-Standpunkt aus absolut problemlos abgelaufen sind, sind diesmal bereits im Vorfeld Probleme erwartet worden; denn wie regelmäßige Leser von de.alt.comm.isdn4linux schon wissen, gibt es so gut wie kein USB-ISDN-Gerät, welches auch unter Linux funktioniert. Fritz! USB funktioniert genau so wenig wie Teledat USB 2a, Siemens I-Surf USB, Siemens Gigaset 3070isdn usw. usw. Man muss sich also vor dem Kauf wirklich gut informieren, um nicht im Nachhinein festzustellen, dass das neue Gerät nicht funktioniert.
Dass es mit den ISDN-Geräten solche Probleme gibt, hat auch einen Grund: Es gibt kein standardisiertes Protokoll. Das einzige Standardprotokoll, welches vielleicht verwendet werden könnte, ist das eingangs erwähnte ACM. Dies bedarf jedoch einer Menge Mehraufwand, denn die komplette Umsetzung zwischen AT-Befehlssatz und ISDN-Protokoll muss in dem externen Gerät stattfinden. Dadurch erhöhen sich die Kosten für dieses Gerät jedoch enorm, und so sind diese Produkte selten und teuer. Eines dieser Geräte haben wir letzten Endes auftreiben können:
3Com U.S. Robotics ISDN Pro TA
Dieses Gerät hat neben dem USB-Anschluss auch noch eine serielle Schnittstelle. Außerdem ist ein AB-Wandler eingebaut, es sind also auch analoge Verbindungen und das Versenden von Faxen möglich. Als einziges Gerät in diesem Test benötigt dieser Terminal-Adapter eine externe Stromquelle, wodurch der AB-Wandler aber auch bei ausgeschaltetem Computer verwendet werden kann. Über die zahlreichen LEDs (Strom, Senden, Empfangen, Online) hat man stets den aktuellen Status vor Augen. Von der internen Kompression konnten wir auch bei verschiedenen Providern nichts feststellen – 7,5 kbps – das ist genau volle ISDN-Übertragungsrate (die restlichen 500 bps gehen bei den Protokollen TCP, IP und PPP verloren) – mehr war nicht drin. In der Konfiguration weicht dieses Gerät erwartungsgemäß gerade mal beim Init-Befehl von normalen Modems ab.
Die anderen zwei ISDN-Adapter, welche auch noch in unserem Test waren, gehörten leider zu der Kategorie jener Adapter, welche kein Modem emulieren. Deshalb ist weder das Typhoon Quick Com 128 USB noch das Elsa MicroLink ISDN USB unter Linux einsetzbar. Im Falle des Microlinks wird auf Elsas eigener Homepage (http://www.elsa.de/specials/linux_sp/fundgrube/elsa.htm) behauptet, dass es sich wie eine serielle Schnittstelle mit angeschlossenem Terminal-Adapter verhalten solle, jedoch weigerte sich der usbserial-Treiber ebenso wie das acm-Modul, mit dem Gerät zusammenzuarbeiten.
Netzwerkadapter
In unserem Testlabor haben sich auch drei Netzwerkkarten mit zwei verschiedenen Chipsätzen eingefunden. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Auch hier funktioniert genau eine. Dabei handelt es sich um die D-Link DU-E100. Die Installation ist denkbar einfach: in /etc/conf.modules die Zeile alias eth0 pegasus eintragen, und schon kann der Adapter wie eine ganz normale Netzwerkkarte konfiguriert werden (z. B. mit Yast). Der Adapter unterstützt sowohl 10 als auch 100 MBit/s, wobei die Geschwindigkeit sich dadurch nicht mehr ändert. Das war auch nicht zu erwarten, denn schließlich ist gesamte Kommunikation über den USB-Bus auf 12 MBit beschränkt. Effektiv bleiben die Werte 350 kb/s mit einem UHCI- und 700 kb/s bei einem OHCI-Controller.
Bei den zwei anderen Netzwerkkarten, Netgear EA 101 und 3Com 3c19250 gibt es keinen Treiber im Kernel, jedoch ist unter http://drivers.rd.ilan.net/kaweth/ ein Patch zu finden. Leider ist die Dokumentation sehr spärlich; genauso leider auch das Ergebnis. Beide Netzwerkkarten wurden zwar vom Treiber erkannt, doch bei beiden scheiterte der Upload der Firmware und damit die Initialisierung. Auch der Download und das Kompilieren eines 2.4.0-test1-Kernels war erfolglos – das vorkompilierte Modul funktionierte genau so wenig. Schade, denn es gibt durchaus schon positive Meldungen mit diesem Treiber.
Handspring Visor Platinum
Dieses Gerät passt zwar nicht so recht in die aktuelle Kategorie, aber es hat noch nirgends hineingepasst. Im weitesten Sinne geht es aber auch hier um Kommunikation, und da dieser Handheld sehr weit verbreitet ist, dürfte der Test für viele interessant sein. Handspring verwendet für alle Geräte das selbe Protokoll. Also sollten alle Angaben auch auf die anderen Modelle dieser Firma zutreffen. Beim Visor wird die serielle Schnittstelle einfach via USB getunnelt, das entsprechende Modul heißt usbserial. Beim Test wurde der Visor nicht sofort gefunden, erst durch die Modul-Parameter vendor=0x82d product=0x100 konnte auf das Gerät zugegriffen werden. Wer diesen Handheld das erste mal anschließt, sollte sich nicht wundern, dass nichts passiert – erst durch das Aktivieren des Hot-Syncs wird auch der USB-Teil des Gerätes aktiv und tritt unter Linux in Erscheinung. Kurz nachdem der Hotsync aktiviert wurde, kann man dann via pilot-xfer syncronisieren:
pilot-xfer /dev/ttyUSB0 -b ~/visor/
synchronisiert den Visor mit den Daten in ~/visor. Eine ausführliche Beschreibung von pilot-xfer und anderen Alternativen ist im LinuxUser 02/2001 erschienen. Nach dem Synchronisationsvorgang meldet sich der Visor wieder vom USB ab; für jeden weiteren Transfer muss wieder der Hot-Sync-Knopf gedrückt werden.
# init.d/usb stop
Hier endet unsere USB-Testserie. Die Artikel der vergangenen Ausgaben haben gezeigt, dass zwar eine große Zahl von Geräten bereits mit Linux zusammenarbeiten, dass sich aber vor dem Kauf auf jeden Fall ein Blick in Kompatibilitätslisten lohnt, denn viele Geräte werden eben doch nicht unterstützt.








