Multimedia-Geräte mit USB-Anschluss

Aus LinuxUser 01/2001

Multimedia-Geräte mit USB-Anschluss

Multimedia in Serie

Ob Lautsprecher, Radio oder MP3-Player: Ein Großteil der momentan auf dem Markt erhältlichen USB-Geräte können auch mit Linux verbunden werden – es gibt allerdings auch schwarze Schafe. Mehr dazu in diesem Testbericht.

Multimedia unter Linux? Das wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Die Domäne von Unix war stets der Server-Bereich, und dort reicht es, wenn der Rechner einen Ein-/Ausgabe-Port hat: den Netzwerkanschluss. Aber in letzter Zeit hat sich viel getan, und vor allem durch die Popularität von Linux im Privatbereich ist ein großer Markt entstanden – der leider noch nicht von allen Hardware-Unternehmen erkannt wurde. Gerade deshalb empfiehlt es sich derzeit noch, sich vor dem Kauf von neuer Hardware erst zu informieren, ob das gewünschte Gerät auch unter Linux funktionieren wird, denn sonst kann man böse Überraschungen erleben, wie sie leider auch bei unserem Test nicht ausblieben. Näheres zur aktuellen USB-Treiberunterstützung unter Linux finden Sie auch unter http://www.qbik.ch/usb/devices/ und unter http://www.geocrawler.com/lists/3/SourceForge/4563/0/.

USB-Lautsprecher unter Linux

Unter Linux gibt es ein Kernel-Modul, welches für die Einbindung von USB-Lautsprecher zuständig ist (audio.o). Die USB-Sound-Ausgabe fügt sich nahtlos in die bestehende Sammlung der Sound-Karten-Treiber ein. Deshalb wird auch das Modul soundcore benötigt (welches durch modprobe automatisch geladen wird). Der Vorteil dieser Treiberlösung ist, dass die Anwendungsprogramme sich normalerweise um nichts weiter kümmern müssen. Alle Mixer, Abspielprogramme oder sonstigen Krachmacher funktionieren sofort nach Laden des Modules. Dieses ist auch beim USB-Backport-Patch für Kernel 2.2 enthalten und läuft dort stabil – so sollte bei allen Mainstream-Distributionen (wie etwa bei der im Test verwendeten SuSE 7.0) ein modprobe audio ausreichen, um die Lautsprecher uneingeschränkt benutzen zu können. Damit dies bei Bedarf automatisch geschieht, muss man noch folgende Zeilen in der Datei /etc/modules.conf ergänzen:

alias char-major-14  soundcore
 alias char-major-116 snd
 alias sound-slot-0   snd-card-0
 alias snd-card-0     audio

Achten Sie darauf, dass in keiner anderen Zeile char-major-14 steht. Kommentieren Sie diese ggf. einfach mit Voranstellen von # aus.

Philips DSS 330

Packt man dieses Subwoofer-Satelliten-System aus, prahlt ein großes Logo: 600 Watt PMPO (Peak Maximum Power Output). Wenn man sich die Anleitung genauer ansieht stellt man fest, dass gerade mal 50 Watt übrig bleiben: 25 für den Subwoofer und 12,5 je Satellit – das ist absolut genug für fast jeden normalen Anwendungsfall, zeigt aber wieder, welchen Einfluss Marketing-Leute haben und wie ernst große Zahlen zu nehmen sind. Im Gegensatz zu den weiter unten vorgestellten Yamaha-Boxen ist hier der Line-In-Eingang nicht geregelt: Das eingehende Signal wird also stets maximal verstärkt. Wer versucht, ein Gerät im laufenden Betrieb einzustecken, riskiert gar, die Lautsprecher zu beschädigen. Ein weiterer unschöner Nebeneffekt ist, dass die Boxen deshalb leicht rauschen. Dies merken aber ohnehin nur die Besitzer von flüsterleisen Rechnern. Die einzige Einstellmöglichkeit am Gerät ist die Subwoofer-Lautstärke. Die Kabelfernbedienung erscheint unter Linux als Tastatur mit nur zwei Tasten: lauter und leiser. Sie wird genauso konfiguriert wie die in LinuxUser 11/2000 vorgestellte Microsoft-Tastatur. Die restlichen Knöpfe – “Power” und “Surround” – sind fest verdrahtet und funktionieren ohne weitere Software-Hilfsmittel. Unter Linux lassen sich neben der Lautstärke auch Balance, Höhen und Tiefen einstellen.

Teac PowerMax Traveller

Dieses mit USB-Logo beworbene Produkt hat sehr zur Erheiterung des Testers beigetragen: Zwar gibt es ein USB-Kabel, das vom Computer zum Endgerät führt, aber an dessen Ende gipfelt das Verbindungsstück in einem zweipoligen Stecker für die 5-Volt-Stromversorgung. Das heißt also, diese Lautsprecher missbrauchen den USB-Anschluss lediglich als Ersatz für ein (wohl zu teures) Steckernetzteil – der Sound muss über eine konventionelle Sound-Karte und passenden Analog-Audiokabel zu den Boxen geführt werden. Beim Einstecken in den USB-Anschluss wird dementsprechend auch kein neues Gerät gefunden – wie auch? Allerdings überwacht der USB-Controller den Stromverbrauch und schaltet gegebenenfalls ab. Das USB-Logo auf der Verpackung ist dementsprechend “leicht” irreführend – erst aus der seitlich aufgedruckten Produktbeschreibung geht hervor, dass diese Boxen keine USB-Geräte im eigentlichen Sinne sind. Selbstredend funktionierte der Krachmacher mit Linux und passender Sound-Karte problemlos

Yamaha YST-M45D

Diese Boxen im klassischen Design passen zu jedem Monitor. Von der Brüll… äh Musikleistung her reichen sie als Computer-Boxen völlig – man sollte sie allerdings nicht für den Ersatz einer Stereoanlage einplanen. Neben der Musikübertragung über USB kann man außerdem zwei analoge Signale mit je einer 3,5 mm Klinke einspeisen. Alle Anschlüsse und Einstellungen sind am rechten Lautsprecher zusammengefasst. Von dort geht nur noch ein kleines Kabel zu der linken Box. Die Lautsprecher verfügen nicht über ein internes Netzteil, so dass stets ein Stromumwandlerklotz herumliegen muss. Unter Linux verhält sich das getestete Produkt vorbildlich – nach dem Laden des Treibermoduls (siehe Kasten) kann man sofort loslegen. An Einstellmöglichkeiten bietet der Mixer neben der Lautstärkeregelung zusätzlich Bass- und Höhenanhebung – allesamt funktionstüchtig. Diese Parameter lassen sich außerdem direkt am Gerät regeln – sehr praktisch, denn der physikalische Zugriff geht meist schneller vonstatten.

Yamaha MS35D

Das kleinste Subwoofer-Satellitensystem in unserem Test verwendet genau das selbe externe Netzteil wie die YST-M45D: es sind ebenfalls zwei analoge 3,5mm-Klinke-Eingänge vorhanden. Hinsichtlich der Bauart ist es das schon die einzige äußerliche Gemeinsamkeit zwischen den beiden Systemen. Höhen- und Tiefenregler fielen bei dem Kleinen weg, dafür gibt es hier einen Regler, mit dem man den Verstärkungsgrad des Basswürfels festlegen kann. Der Power-Schalter und der Lautstärkeregler sind praktischerweise an dem rechten Satelliten angebracht. Das Ganze erinnert leicht an Bose-Systeme. In technischer Hinsicht gleichen sich die beiden Systeme schon eher: Dieses dreiteilige System mit verstellbarem Fuß funktioniert genau so zuverlässig und bietet unter Linux genau die selben Einstellmöglichkeiten wie bei dem oben vorgestellten Bruder-System: Höhen-, Tiefen- und Lautstärkenregelung.

Yamaha YST-MS55D

Im Gegensatz zu seinen kleineren Brüdern verweigerte das Yamaha Top-Modell jegliche Zusammenarbeit. Es konnte nicht einmal die Standardinitialisierung durchgeführt werden (keine Einträge in /proc/bus/usb/devices). Der einzige Weg, dem Gerät doch noch Sound zu entlocken, führt über eine Sound-Karte mit analogem Verbindungskabel. Dann aber kommt der kräftige Bass absolut zur Geltung: ein 80-Watt-Verstärker sorgt für gute Stimmung, und auch die Zwei-Wege-Satelliten zeigen ihre Qualität – aber das hilft alles nichts. Zur Zeit gibt es leider keinen USB-Support für diese Boxen.

Da helfen auch gewaltige Bässe nicht weiter: mit USB machen die Yamaha YST-MS55D Boxen keinen Mucks!

Da helfen auch gewaltige Bässe nicht weiter: mit USB machen die Yamaha YST-MS55D Boxen keinen Mucks!

D-Link DRU-R100

Wer noch kein Radio hat, für den ist dieses externe Gerät genau das Richtige. Für alle anderen ist es ein nettes Spielzeug, oder eine nette Deko auf dem Schreibtisch. Das Gerät verrichtet erfreulicherweise auch unter Linux seinen Dienst. Jedoch leider erst ab einem Kernel der 2.4´er Serie, denn der nötige Treiber ist nicht im Backport enthalten. Die Frequenzabstimmung erfolgt über die video4linux-Schnittstelle. Deshalb muss das videodev-Modul geladen sein. Nun muss nur noch das eigentliche Modul dsbr100 geladen werden – fertig. Zur Ansteuerung gibt es unter Linux eine große Anzahl an Programmen. Auch für KDE und GNOME gibt es spezielle Versionen, die allesamt eigentlich nur die Frequenz verändern können, denn der Regler für die Lautstärke funktionierte leider bei keinem der getesteten Programmen. Das Erstaunlichste an diesem Gerät: der Sound wird nicht über USB transportiert. Es gibt dafür eine 3,5-mm-Klinke, die in den Line-In-Eingang der Sound-Karte oder an die Boxen gestöpselt werden muss.

Beim D-Link DRU-R100 Radio lässt sich lediglich die

Beim D-Link DRU-R100 Radio lässt sich lediglich die

Frequenz per USB einstellen. Der Sound muss analog angezapft werden.

WinTV USB

Mit diesem Gerät sollte eigentlich neben dem Hören von Radio auch noch Fernsehen möglich sein. Leider ist aber auch hier bisher noch kein Linux-Treiber vorhanden. Für alle diejenigen, die sich die WinTV schon zugelegt haben, gibt es aber Hoffnung. Auf der USB-Mailingliste wurde vor kurzem über einen Treiber im Entwicklungsstadion berichtet. Interessiere können sich bei Nacho (< ahref="mailto:jig@satec.es">jig@satec.es oder Jorg (mailto:heckenbach@fgan.de) melden.

Webcams unter Linux

Bei den Webcams ging bei diesem Test gleich alles schief. Von den vier Testexemplaren, die sich im Testlabor eingefunden hatten, funktionierte zunächst kein einziges. Georg Acher, einer der USB-Kernentwickler nahm sich nach einem Interview (siehe Linux-Magazin 10/2000) der Logitech Quickcam Express an, und siehe da: mittlerweile gibt es einen Treiber, der einige Funktionen dieser Kamera unterstützt. Er ist komplett durch aufwendiges Reengineering entstanden, da Logitech selbst keine Spezifikationen herausgibt. Deshalb ist der Treiber momentan auch noch nicht hunderprozentig stabil. Für diejenigen, die sich dieses Modell bereits zugelegt haben, ist er aber auf alle Fälle einen Test Wert.

Philips

Am meisten Hoffnung hatten wir bei den Webcams von Philips, denn dies ist der einzige Hersteller, der überhaupt Informationen preisgibt. Von den angeforderten Webcams erreichte aber lediglich die neue ToUcam Pro die Redaktion – schade, denn genau dieses Gerät wird von Linux noch nicht unterstützt. Offensichtlich war noch keiner der USB-Entwickler bereit, das Non-Disclosure-Agreement zu unterschreiben, um von Philips die zur Erstellung eines Linux-Treibers erforderlichen Spezifiaktionen zu bekommen. Bislang hatte sich nur Nemosoft Unv. (Pseudonym) dazu bereit erklärt und Treiber für die Modelle PCA645VC, PCA646VC, PCVC675K (Vesta), PCVC680K (Vesta Pro), PCVC690K (Vesta Scanner) programmiert. Sie sind zwar nur als fertig kompilierte Module zu beziehen (http://www.smcc.demon.nl/webcam), funktionieren jedoch nach Aussagen auf der USB-Mailingliste problemlos. Es scheint sich aber auch bei der ToUcam (PCVC 740K) etwas zu tun: Nemosoft hat angekündigt, dass er sich diesbezüglich demnächst mit Vertretern von Philips trifft.

Dlink

Auch bei Dlink hatten wir kein Glück. Statt der angeforderten Webcam DSB-C300 bekamen wir die DRU-350, welche aber, man ahnt es schon, nicht von Linux unterstützt wurde.

Klappte nur mit Nachhilfe durch einen USB-Entwickler: Die Logitech-Webcam

Klappte nur mit Nachhilfe durch einen USB-Entwickler: Die Logitech-Webcam

Personal JukeBox PJB100

Die Personal Jukebox, ein MP3-Player, wurde ursprünglich von Compaq entwickelt und wird inzwischen von einer eigens dafür gegründeten Firma in Lizenz produziert. Im Inneren dieser Box befindet sich eine 6-GB-Festplatte, die für etwa vier Tage ununterbrochenen Musikgenuss sorgen kann (Herstellerangabe: 100 Std. bei 128Kbs), wobei die Festplatte bei Bedarf sogar noch durch ein größeres Modell ersetzbar ist. Theoretisch sollte jede handelsübliche 2,5″-Platte passen. Der Player bekommt seine Songs ausschließlich über den PC. Weder ein analoger noch ein digitaler Sound-Eingang ist vorhanden. Der mitgelieferte Kopfhörer sitzt dank einer ausgereiften Konstruktion sehr gut und drückt trotzdem nicht zu stark auf die Ohren. Zum Transportieren kann man ihn zusammenfalten. Einziges Manko: der Player besitzt leider keine Kabelfernbedienung, aber dafür ist das restliche Zubehör erwähnenswert: Steckernetzteil, ein Zigarettenanzünder-Adapter und ein Kassettenadapter.

Datenaustausch

Die Übertragung der digitalen Audiodaten erfolgt natürlich über den USB-Bus. Das passende Kernel-Modul muss von http://phobos.fs.tum.de/pjbox/ oder http://crl.research.compaq.com/downloads/register.cgi?download=Linux+Jukebox heruntergeladen werden und es funktioniert nur unter 2.3 bzw. 2.4er Kerneln. Als Frontend steht entweder das mitgelieferte Kommandozeilen-Programm pjb zur Verfügung oder alternativ für GNOME pjbmanager (http://mews.org.uk/pjb bzw. für KDE der Jukebox Manager (http://sourceforge.net/projects/jukeboxmgr). Leider kann keines dieser Programme die Dateien wieder zurücklesen. Die Bedienung der JukeBox erfolgt über sechs Tasten: “Start”, “Stop” sowie vier Cursor-Tasten. Mit den Auf-/Ab-Tasten kann man in dem Menü navigieren; mit rechts/links werden die gewählten Einstellungen verändert. Der Benutzer kann zwischen verschiedenen Abspielmodi wechseln (Album/Interpret, Genre). Aber auch die normalen Funktionen, wie etwa “zufällige Auswahl” und “Wiederholen”, fehlen nicht. Die Laufzeit wird mit 10 Std. angegeben. Weicht die Sampelrate von 128kbps ab, so wird dies im Display angezeigt.

Rüttelfest

Die Festplatte ließ sich übrigens auch durch kräftiges Schütteln nicht aus der Ruhe bringen. Der Player sollte sich also auch zum Joggen eignen. Außerdem läuft die Platte ohnehin nicht ständig: sie fährt nur kurz hoch, lädt das Lied in den RAM-Speicher und schaltet den Motor gleich wieder ab. Dieses Verfahren hat nur einen kleinen Nachteil: wenn man während des Abspielen einen neuen Song wählt, dauert es drei bis vier Sekunden bis es weiter geht. Am Liedende gibt es diese Pause nicht, da die Harddisk schon vor dem Ende der Spielzeit wieder anfährt.

Mit etwa 100 Stunden Dauermusik lässt der MP3-Player Personal JukeBox PJB100 kaum Wünsche offen – auch nicht in Verbindung mit Linux

Mit etwa 100 Stunden Dauermusik lässt der MP3-Player Personal JukeBox PJB100 kaum Wünsche offen – auch nicht in Verbindung mit Linux

Fazit

Obwohl für USB-Multimedia-Geräte inzwischen eine beachtliche Anzahl von Linux-Treibern existieren, ist der blinde Kauf eines solchen Produkts nach wie vor ein Glückspiel. Erst wenn es normal ist, dass die Hardware-Hersteller neben Windows-Treibern auch entsprechende Linux-Treiber entwickeln, und dies dann auch auf den Produktschachteln kenntlich gemacht wird, vereinfacht sich für den normalen Linux-Anwender die Neuanschaffung solcher Geräte deutlich.

In der nächsten Ausgabe werden wir uns USB-Druckern und -Scannern widmen.

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