Verbesserungen und Neuheiten im kommenden Suse Linux 10.0

Aus LinuxUser 10/2005

Verbesserungen und Neuheiten im kommenden Suse Linux 10.0

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Farbenfroh

Ab Oktober soll Sie im Laden sein: die neue Suse Linux 10.0. LinuxUser wirft einen Blick auf die Neuerungen gegenüber Suse Linux Professional und verrät Ihnen, was Sie von Open Suse erwarten dürfen.

Novell will die Linux-Community mehr an Suse Linux teilhaben lassen: Das Rezept dazu heißt Open Suse [1]. Es bildet ab sofort den Grundstein der neuen Suse Linux Box- und Enterprise-Produkte. Open Suse soll eine von der Community und den Suse-Entwicklern gemeinsam verwaltete Codebasis schaffen. Aus diesem Code entsteht dann im gewohnten Halbjahres-Rhythmus das Boxenprodukt Suse Linux (der Zusatz Professional fällt weg) und die freie Version Suse Linux OSS.

Offenes Suse

Open Suse beinhaltet ausschließlich freie Software und steht jederzeit zum Download zur Verfügung. Unter [2] finden Sie dazu direkte Links zu den ISO-Abbilddateien, sowie Bittorent-Files. Entwickler und andere Interessierte können auch zwischen den offiziellen Releases einen Blick auf den aktuellen Stand von Open Suse werfen. Novell verkauft Suse Linux weiterhin als Box-Produkt. Am Umfang der Box soll sich nichts ändern, neu ist hingegen der Preis von rund 60 Euro. Eine Update- oder Studentenversion ist hingegen nicht mehr geplant. Auf der Codebasis von Suse Linux baut Novell dann die nächste Version der Business-Produkte Suse Linux Enterprise Server, Novell Open Enterprisel Server und Novell Linux Desktop.

Das Konzept von Open Suse gleicht dem Ansatz, den Red Hat mit Fedora Core verfolgt. Während allerdings Red Hat den Code seiner Distribution der Community von einem Tag auf den anderen anvertraute, sieht Novell eine schrittweise Öffnung vor. Maintainer, die Pakete in Open Suse einbringen möchten, müssen deshalb noch etwas Geduld aufbringen. Entwickler, die schon jetzt an Open Suse mitarbeiten möchten, können zum Beispiel Yum-Repositories oder YaST-Installationsquellen auf http://opensuse.org verlinken. Auch das Wiki, Mailinglisten und IRC-Channel ermöglichen bereits jetzt eine aktive Mitarbeit.

Zu einem späteren Zeitpunkt will Novell auch ein komplettes Build-System für RPM-Pakete zur Verfügung stellen und die Suse Support-Datenbank (SDB) in einem Wiki für die Community öffnen.

Installation

Für diesen Artikel stand dem LinuxUser die Beta4 von Suse Linux 10.0 zur Verfügung. Am Installationsworkflow hat sich generell nichts geändert. Nach dem Begrüßungsbildschirm – zur Abwechslung wieder einmal in Blau – und der Auswahl der Sprache müssen Benutzer Novells Lizenzbedingungen akzeptieren, bevor YaST mit der Installation fortfährt. Ein optionaler Media-Check-Dialog hilft, CD- oder DVD-Fehler noch vor der Installation zu bemerken. Open Suse kommt damit den Benutzern entgegen, die ISO-Abbilddateien übers Netz herunterladen.

Novell hat auch am Layout einige kleine Änderungen vorgenommen. Der Übersichtsbildschirm zur Installation ist nun auf zwei Reiter verteilt. In der Grundeinstellung sind nur die Bereiche System, Tastaturlayout und Partitionierung zu sehen. Die vollständigen Informationen zeigt der Reiter Experten an. In einem neuen Auswahldialog entscheidet der Benutzer, welche grafische Oberfläche er installieren möchte. Während Suse Linux in den früheren Versionen bei einem Klick auf Weiter automatisch das KDE-Standardsystem installierte, muss sich der Benutzer jetzt explizit für KDE oder Gnome entscheiden (Abbildung 1).

Abbildung 1: Gleichberechtigung von KDE und Gnome: Der Benutzer muss sich explizit für eine Desktop-Umgebung entscheiden. Die Online-Hilfe verzichtet auf Details und macht die Unterschiede am Mailprogramm und am Browser fest.

Abbildung 1: Gleichberechtigung von KDE und Gnome: Der Benutzer muss sich explizit für eine Desktop-Umgebung entscheiden. Die Online-Hilfe verzichtet auf Details und macht die Unterschiede am Mailprogramm und am Browser fest.

Novell entfernte in YaST sämtliche Grafiken aus der Kopfzeile. Bei Display-Auflösungen ab 1024 x 768 Bildpunkten wirken deshalb zahlreiche Dialoge etwas leer. Weiter sind an vielen Stellen der Installation kleine Änderungen zu sehen, die allerdings nicht immer zur Benutzerfreundlichkeit des Systems beitragen. Angesichts der Tatsache, dass heutige Linux-Systeme die meisten Hardware-Elemente und Dienste automatisch einrichten, sind einige YaST-Module auch schlicht zu kompliziert. Hier wäre eine vollständige Überarbeitung von YaST wünschenswert. Trotzdem finden sich auch an diversen Stellen Verbesserungen. So ist es zum Beispiel möglich, die wichtigsten Werte der Bildschirmkonfiguration wie Auflösung, Farbtiefe und 3D-Beschleunigung einzustellen, ohne dazu Sax2 starten zu müssen.

Der erste Start

Suse Linux 10.0 bootet auf den getesteten Rechnern spürbar schneller als die Vorgängerversionen 9.3 und 9.2. Auch das neue Bootsplash-Thema (Abbildung 2) gefiel dem Autoren gut. Die ersten Tests mit einem Multifunktionsgerät von HP und einem als USB-Stick benutzten MP3-Player überstand das System problemlos. Dies ist keine Selbstverständlichkeit, da die Suse-Entwickler für diese Version Hotplug komplett aus dem System entfernten und es durch Udev und den moderneren Hardware Abstraction Layer (HAL) ersetzten [3].

Auch für größere externe Festplatten soll Suse Linux 10.0 – endlich – eine Lösung bringen: Findet das System in der Partitionstabelle /etc/fstab einen Eintrag für das entsprechende Gerät, hängt der HAL-Daemon die Platte nicht über Subfs, sondern konventionell ein. In der von der Redaktion getesteten Beta4 funktionierte diese Feature allerdings noch nicht so, wie von den Entwicklern beabsichtigt.

Abbildung 2: Zur Abwechslung wieder einmal in Blau: Der neue Look von Suse Linux 10.0.

Abbildung 2: Zur Abwechslung wieder einmal in Blau: Der neue Look von Suse Linux 10.0.

Im K-Menü hat Novell eine Schnellsuche integriert. Ein Klick auf das Eingabefeld unter Alle Programme aktiviert diese (Abbildung 3, rot markierter Bereich). Bereits nach den ersten paar Zeichen reduziert das K-Menü die Auswahl der Programme auf die gefundenen Suchbegriffe. Erfahrene Anwender verzichten auf die Maus und starten die Suche über die [/]-Taste.

Abbildung 3: Eine neue Suchfunktion hilft die Programmauswahl über einen Suchbegriff einzuschränken. Die Funktion sucht nicht nur in Programmnamen, sondern auch nach Stichworten.

Abbildung 3: Eine neue Suchfunktion hilft die Programmauswahl über einen Suchbegriff einzuschränken. Die Funktion sucht nicht nur in Programmnamen, sondern auch nach Stichworten.

Versionsnummern

Komponente Version
Kernel 2.6.13
X.org 6.8.2
KDE 3.4.2
Gnome 2.11.92
Gtk 2.8.2
Gcc 4.0.2
Samba 3.0.20
Firefox 1.0.6
Thunderbird 1.0.6
Mozilla 1.7.11
Scribus 1.2.2
OpenOffice.org 1.9.125

YaST

YaST steht zweifellos vor einer größeren Revision. Allein schon der Umstand, dass Novell die Suse-Grafiken aus der Kopfzeile des Tools entfernen ließ (Abbildung 4), deutet darauf hin, dass sich hier etwas anbahnt. Die 10.0 bringt denn auch erstmals kein einziges neues YaST-Modul mit.

An vielen Stellen haben die Entwickler jedoch neue Features eingefügt. So unterstützt die 10.0 als Installationsquelle erstmals auch Yum-Repositories. Diese über YaST einzurichten, ist allerdings nicht sehr benutzerfreundlich, da unter Software / Installationsquelle wechseln kein separater Eintrag für Yum-Repositories vorhanden ist. YaST wertet zudem keine Einträge aus /etc/yum.repos.d/ aus oder trägt dort welche ein. Für Yum-Experten eignet sich daher die Kommandozeile oder das grafische Tool Kyum (Abbildung 5) besser.

Abbildung 4: Vertraut und trotzdem ungewohnt: Das Kontrollzentrum ohne Suse-Logo und YaST-Überschrift.

Abbildung 4: Vertraut und trotzdem ungewohnt: Das Kontrollzentrum ohne Suse-Logo und YaST-Überschrift.

Abbildung 5: Suse Linux 10.0 bringt jetzt auch native Unterstützung für Yum-Repositories mit. Einsteiger unterstützt dabei das grafische Frontend Kyum.

Abbildung 5: Suse Linux 10.0 bringt jetzt auch native Unterstützung für Yum-Repositories mit. Einsteiger unterstützt dabei das grafische Frontend Kyum.

Bemerkenswert

Handy- und Bluetooth-Freaks können sich freuen. So unterstüzt Suse Linux 10.0 zum Beispiel die Bluetooth-Fernbedienungen von neueren Sony-Ericsson-Telefonen out-of-the-box. Auch die Synchronisation von Handy und PC klappt dank Multisync in der Version 0.90 deutlich besser als in früheren Versionen. Für ältere Mobiltelefone mit IrMC-Support stellt auch Kitchensync eine gut funktionierende Lösung dar.

Suse Linux 9.3 hängt CDs und DVDs nach dem Label des Datenträgers ein. Da dieses Feature mehr Probleme als Lösungen brachte, kehrt die 10.0 nun wieder zu den gewohnten Mount-Punkten /media/dvd, /media/cdrom und so weiter zurück. Konqueror zeigt unter der Adresse media:/ für CDs und DVDs weiterhin das Label an, sodass die Benutzerfreundlichkeit hier bestehen blieb. Externe Festplatten, digitale Kameras und USB-Sticks benutzen – sofern vorhanden – weiterhin das Label des Gerätes als Einhängepunkt.

Grundlegend neu behandelt Suse PCMCIA-Karten. Anstelle des Cardbus-Managers Cardmgr verwaltet nun ein separates Kernelmodul die Erweiterungskarten. Ereignisse koordiniert der HAL, sodass das Startskript /etc/init.d/pcmcia nicht mehr benötigt wird.

Auch Kommandozeilen-Benutzer müssen sich umstellen: Während unter früheren Versionen von Suse Linux ein normaler su-Befehl in der Regel genügte, um Programme als root auszuführen, setzt die Version 10.0 nun auch su - voraus, damit die Shell sämtliche Umgebungsvariablen übernimmt.

Lohnt der Kauf?

Die Beta4 von Suse Linux 10.0 hinterließ einen guten Eindruck. Allein darauf gestützt zum Kauf zu raten oder davon abzuraten, wäre allerdings etwas verfrüht. Da Novell praktisch zeitgleich mit dem Verkaufstart von Suse Linux auch Suse Linux OSS zum freien Download anbietet, stellt sich natürlich die Frage, für wen sich der Kauf der Boxversion lohnt.

Während Open Suse nur freie Software enthält, bringt die Box neben der gedruckten Dokumentation und dem Installationssupport weiterhin einige wichtige, nicht freie Programme mit. Dazu gehören zum Beispiel die CAPI-Treiber für den Faxversand, Real- und Flash-Player, Acrobat Reader und einige weitere Programme. Die Box bringt auch eine werbefreie Version des Browsers Opera und eine Vollversion von AppArmor inklusive YaST-Modul. Einen ausführlichen Test der Box-Version bringt die Ausgabe 12/2005 des LinuxUser.

Infos

[1] Projektseite: http://www.opensuse.org

[2] Download: http://www.opensuse.org/index.php/Download

[3] Hotplug und Hal: Oliver Frommel, Marcel Hilzinger und René Rebe, “Mit heißer Nadel – Hotplugging mit Udev, HAL und D-Bus”: LinuxUser 2005/03, S. 91.

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