Die Auswahl an Empfangskarten für digitales Satellitenfernsehen wird immer umfangreicher, dieser Artikel gibt Ihnen einen Leitfaden, welche Haken und Ösen die einzelnen Modelle haben und wie gut ihre Linux-Unterstützung ist.
Das digitale Fernsehen rückt mit riesigen Schritten voran, die große Ablösung und Abschaltung der analogen Sender ist schon für 2010 geplant. Das bedeutet für alle analogen Sat-Zuschauer, dass neue Receiver fällig sind und die Satellitenanlage auf digitales Fernsehen umgerüstet werden muss, sofern nicht bereits geschehen.
Eine gute Alternative zu herkömmlichen Receiver sind PCs mit DVB-S-Empfangskarten: So genannte Full-Featured- oder Premium-Modelle haben einen Composite-Video-Anschluss für den Fernseher und einen Infrarot-Empfänger für die Fernbedienung, leistungsfähige Software wie etwa VDR [1,2] sorgt für eine einfache Bedienung.
Der große Unterschied zwischen den 150 bis 250 Euro teuren Full-Featured und den Budget-Modellen für 40-100 Euro ist, dass die Full-Featured-Karten einen eigenen MPEG-2-Decoder-Chip sowie einen Anschluss für den Fernseher haben. Bei den Budget-Karten ist ein separater MPEG-Decoder, etwa in Software, erforderlich.
Wer sich mit dem VDR-Projekt beschäftigen möchte, dem sei unbedingt eine der folgenden Full-Featured-Karten angeraten, da VDR genau für diese Karten programmiert wurde.
Technotrend Premiums
Die Premium-Karten von Technotrend waren die Basis für die Entwicklung des DVB-Treibers und von VDR. Hierzu zählt auch Hauppauges WinTV Nexus-s, die Hauppauge unter eigenem Namen verkauft, aber von Technotrend produzieren lässt.
Alle unter dem Markennamen Technotrend verkauften Premium-Karten sehen fast identisch aus und unterscheiden sich nur im Tuner und der eingeätzten Revisionsnummer oberhalb des Tuner-Gehäuses.
Typisch für Revision-1.3-Karten, dem ältesten Modell, ist der Tuner ALPS BRSV2 mit zwei Sat-Anschlüssen: An den oberen wird das Sat-Kabel der Schüssel angeschlossen, der untere stünde einem zweiten Receiver zur Verfügung, wenn die DVB-Karte nicht in Betrieb ist. Die Karten-Revision wurde auch von Hauppauge sowie Fujitsu-Siemens sowie Galaxy verkauft, wobei die Fujitsu-Siemens-Modelle (Abbildung 1 oben) besonders sorgfältig gefertigt wurden: Auf dem Slotblech erklärt ein Aufkleber alle Anschlüsse und die Blechlasche des Tuner-Gehäuse-Deckels liegt flächig auf dem Tuner-Chip auf und kühlt in gut.

Abbildung 1: Die Technotrend-Premium-Karten unterscheiden sich äußerlich kaum, der Hauptunterschied liegt bei den Tunern. Die Revision-1.3-Karte (oben) besitzt noch einen durchgeschleiften Sat-Ausgang, die Revisionen 1.5 (Mitte) und 1.6 (unten) haben in nicht mehr.
Der Einsatz einer Revision-1.3-Karte ist nicht immer unkritisch, schätzungsweise 10 Prozent der Karten werden besonders heiß und benötigen einen zusätzlichen Lüfter, um stabil zu laufen.
Dieses Temperaturproblem gibt es bei den Kartenrevisionen 1.5 (Abbildung 1 Mitte) und 1.6 (Abbildung 1 unten) nicht. Die Revision-1.5-Karten sind jedoch immer schwieriger zu beschaffen, da die Produktion dieses Modells Ende letzten Jahres ebenfalls eingestellt wurde. Dieses Modell ist aufgrund des Tuners besonders interessant, es ist der gleiche wie bei der sehr gut unterstützten Hauppauge WinTV Nexus-s und akzeptiert deutlich niedrigere Bit-Raten als die Revision 1.6 mit dem Grundig-Tuner.
Wer die Möglichkeit hat, eine Revision-1.5-Karte zu kaufen, sollte also noch zuschlagen, ansonsten ist die Revision 1.6 die nächstbeste Wahl – die Beschränkungen beim Tuner spielen im europäischen Raum praktisch keine Rolle.
Allen Technotrend-Karten gemein ist, dass sie auf dem Slot-Blech einen Cinch-Anschluss mit dem Composite-Video-Signal und eine 3,5-mm-Klinkenbuchse für das Audiosignal besitzen. Wer eine besonders gute Bildqualität erreichen oder seinen Dolby-Digital-Receiver für den Ton verwenden möchte, für den ist der so genannte J2-Anschluss genau in der Mitte der Karte besonders interessant: Auf diesem 10-poligen Pfostenstecker liegen die Signale für RGB, S-Video, Stereo-Audio und S/P-DIF. Über ein separates AV-Board herausgeführt ergibt sich damit ein vollwertiger Scart-Anschluss und ein optischer oder elektronischer S/P-DIF-Ausgang.
Hauppauge WinTV Nexus-s
Hauppauges Full-Featured-Karte ist knapp 100 Euro teurer als die technisch vergleichbaren Technotrend-Premium-Karten, allerdings ist der Lieferumfang auch größer: Neben der Karte erhält der Kunde eine Kabelpeitsche für die Audio- und Video-Signale, einen IR-Empfänger zum Anschluss an die Karte und eine Fernbedienung.
Audio und Video sind bei Hauppauges Nexus-s über eine Kabelpeitsche nach außen geführt. Dem Benutzer stehen jeweils Cinch-Kupplungen für Composite Video, analog Audio sowie S/P-DIF zur Verfügung, zusätzlich liegt das analoge Audio-Signal auf einem 3,5-mm-Klinkenstecker, den man direkt in die Soundkarte des Rechners stecken kann.
Leider hat Hauppauge auf einen J2-Anschluss für hochwertige Videosignale verzichtet (Abbildung 2), wer RGB oder S-Video benötigt, muss diese Signale sehr umständlich von diversen Anschluss-Pins der Chips abgreifen – keine angenehme Lötarbeit.

Abbildung 2: Hauppauges Nexus ist mit rund 250 Euro relativ teuer, enthält dafür aber eine Kabelpeitsche mit S/P-DIF-Signal, Infrarotempfänger und eine Fernbedienung. Leider fehlt der J2-Anschluss für hochwertige Video-Signale.
Die Empfindlichkeit des IR-Empfängers ließ im Test zu wünschen übrig, ein herkömmlicher serieller LIRC-Empfänger auf Basis eines TSOP 1738 war deutlich leistungsstärker. Vorteil der Hauppauge-Lösung ist jedoch, dass der IR-Empfänger direkt an der DVB-Karte angeschlossen wird und unter Linux als Input-Device zur Verfügung steht – nicht jedes Mainboard besitzt noch eine serielle Schnittstelle.
Dennoch ist der Straßenpreis von 250 Euro überaus stolz, als unverbindliche Preisempfehlung gibt der Hersteller gar 300 Euro an – dafür bekommt man gleich zwei Premium-Karten von Technotrend.
Budgets im Technotrend-Design
Budget-Karten im Technotrend-Design werden sowohl unter dem Original-Hersteller-Label Technotrend als auch von Hauppauge vertrieben. Technisch unterscheiden sich die Karten oft nur in Details, etwa einem anderen Tuner wie in Abbildung 3 zu sehen oder eine geringfügig andere Bestückung.
Der unterschiedliche Tuner hat Einfluss auf die Abwärme, so hat der Autor bei der Technotrend-Budget-Karte in Abbildung 3 oben einen kleinen Kühlkörper aufgeklebt, das hält den Tuner-Chip erheblich kühler als die Blechlasche des Weißblech-Gehäuse-Deckels.

Abbildung 3: Die Budget-Karten im Technotrend-Design unterscheiden sich nur geringfügig: Der kleine Kühlkörper auf der Technotrend DVB-S Budget S1102 (oben) sorgt für zusätzliche Kühlung, bei Hauppauges WinTV Nova-s (unten) genügt der Blechdeckel.
Die Linux-Unterstützung sowohl der Technotrend Budget DVB-S S1102 als auch der Hauppauges WinTV Nova-s ist exzellent, was unter anderem auf die lange Produktlebenszeit zurück zu führen ist: Technotrend und Hauppauge liefern die Karte seit über drei Jahren nahezu unverändert aus, insgesamt sind dem Autor vier verschiedene Tuner bekannt.
Die Bauform beider Karte verhindert den Einsatz in niedrigen Gehäusen, die Karte überragt sogar das Slotblech um einen halben Zentimeter. Bei Versionen mit Anschluss für ein CI-Modul müssen Sie vorsichtig sein: Zum einen wurde bei Redaktionsschluss der CI-Adapter an den Budget-Karten noch nicht unterstützt, zum anderen ist der CI-Adapter ein anderer wie bei den Full-Featured-Karte und nicht damit kompatibel– Sie sollten sich also nicht von dem günstigen Preis eines Budget-CI-Adapters blenden lassen, momentan benötigen Sie für Pay-TV noch einen CI-Adapter für eine Full-Featured-Karte.
Wer eine Budget-Karte im Technotrend-Design kaufen möchte, dem rät der Autor zur Technotrend DVB-S Budget S1102, sie kostet lediglich 60 Euro. Mit 90 Euro für denn gleichen Leistungsumfang wie die Technotrend-Karten ist die Hauppauge Nova-s sehr teuer.
Technisat SkyStar 2

Abbildung 4: Mit knapp über 50 Euro ist die Budget-Karte SkyStar 2 von Technotrend sehr interessant, zumal ein funktionierender IR-Empfänger und eine brauchbare Fernbedienung mitgeliefert werden.
Die Budget-Karte SkyStar 2 Revision 2.6d (Abbildung 4) wird bereits seit längerer Zeit vom Standard-Kernel unterstützt, zuständig für den Betrieb ist das Modul skystar2. Mit etwa 50 Euro beim DVB-Shop http://www.dvbshop.tv sind die Technisat-Karten deutlich billiger als die Budgets von Technotrend oder Hauppauge.
Ungeklärt sind derzeit Kompatibilitätsprobleme im Zusammenspiel mit Full-Featured- und Budget-Karten im Technotrend-Design, etwa wenn eine SkyStar 2 als dritte Karte in einem System mit einer Technotrend DVB-S Revision 1.5 und einer Hauppauge WinTV Nova-s eingesetzt wird. Die SkyStar 2 vertrug sich zwar im Test mit allen anderen Technotrend-Karten, dennoch gibt es immer wieder Berichte von Anwendern, wo es im Langzeitbetrieb mit drei Karten zu Ausfällen des Datenstroms kommt – nach Entfernen der SkyStar 2 lief in allen Fällen das System wieder normal.
Die Technisat SkyStar 2 wird im Bundle mit einer Fernbedienung und einem seriellen IR-Empfänger ausgeliefert (Abbildung 5). Der IR-Empfänger funktionierte im Test mit LIRC einwandfrei und wurde als “Active Low Receiver” erkannt. Der Infrarot-Empfänger ist in einem einfachen Steckergehäuse untergebracht, als “Linse” fungiert ein Silikon-Stopfen, der das IR-Signal ins transparente Gehäuse leitet. Normalerweise wird der IR-Empfänger direkt auf die serielle Schnittstelle aufgesteckt – die sich normalerweise auf der Rückseite des Rechners befindet, also in der denkbar ungünstigsten Position.

Abbildung 5: Der Infrarot-Empfänger wird direkt auf die serielle Schnittstelle gesteckt und von LIRC problemlos erkannt. Die Fernbedienung eignet sich gut für die Bedienung von VDR, auch wenn einige Tasten nicht die beschriftete Funktion einnehmen können.
Ein Versuch mit einer vergleichsweise sendestarken Skymaster SM-2416 Universalfernbedienung zeigte jedoch, dass schon die Reflexion auf der (weißen) Tapete für eine sichere Bedienung aus zwei bis drei Metern Entfernung ausreichte. Der Autor empfiehlt dennoch, den IR-Empfänger mit Hilfe eines seriellen Verlängerungskabels besser zu positionieren.
Die von Technisat mitgelieferte Fernbedienung eignet sich relativ gut für die Bedienung von VDR, die Farbtasten unmittelbar unter dem Tastenkreuz sind sehr ergonomisch platziert. Leider fehlen Tasten für die Lautstärkeregelung, so dass man hier entweder zwei der grauen Tasten ganz unten zweckentfremden oder die Lautstärke über den Fernseher regeln muss.
Insgesamt macht die Technisat SkyStar 2 einen guten Eindruck – wären da nicht die Problemberichte im Zusammenhang mit zwei Karten im Technotrend-Design, könnte sie der Autor uneingeschränkt empfehlen. Als zweite Karte in einem VDR versah sie jedoch völlig problemlos ihren Dienst.
Twinhan DTV Sat-Express
Bei der Twinhan DTV Sat handelt es sich um eine Budget-Karte, die aufgrund des Preises von knapp 40 Euro bei Reichelt Elektronik (http://www.reichelt.de) besonders interessant ist. Berichten nach läuft die Karte problemlos mit Kernel 2.6.10 sowie dem aktuellen CVS-Auszug des DVB-Treibers – ein Test war nicht möglich, die Karte traf nicht mehr rechtzeitig zum Redaktionsschluss ein.
Im Gegensatz zu den bekannten Karten im Technotrend- oder Technisat-Design ist die Twinhan DTV Sat-Express nicht mit einem gekapselten Tuner bestückt, der im Betrieb heiß läuft. Die Twinhan-Karte kommt statt dessen mit zwei kleinen Chips aus. Zudem hat die Karte nur halb so groß wie eine herkömmliche PCI-Karte (Low Profile), so dass sie problemlos in niedrige Gehäuse passt – gerade im Bereich von Alu-Gehäusen eröffnet dies neue Möglichkeiten.
Typhoon TV Sat DVB-S
Auch die Typhoon TV Sat DVB-S wird den Berichten nach ab Kernel 2.6.10 respektive vom aktuellen DVB-Treiber aus dem CVS unterstützt. Ein Testexemplar blieb der Redaktion jedoch versagt, der Hersteller konnte nicht mehr rechtzeitig liefern.
Ihr Design ähnelt den bekannten Technotrend-Budget-Karten, denn auch Typhoon verwendet den Tuner-Chip Philips SAA-7146A plus einen herkömmlichen, in Weißblech gekapselten Tuner.
Mit rund 80 Euro bei Reichelt Elektronik http://www.reichelt.de ist die Typhoon TV Sat DVB-S teuer als eine herkömmliche Technotrend-Budget-Karte, die Unterstützung ist daher eher für Umsteiger interessant, die bereits eine Typhoon-Karte besitzen.
Fazit
Wer sich in nächster Zeit einen VDR aufbauen möchte, sollte schnell handeln und noch eine der Technotrend DVB-S Revision 1.5 erwerben – bevor die Karten nur noch auf E-Bay erhältlich sind und die Preise explodieren. Die Revision 1.6 beherrscht zwar eine geringere Bandbreite bei den Bit-Raten, das ist jedoch für den europäischen Raum nicht von Belang. Hauppauges Nexus-s ist ebenfalls ein guter Tipp, zumal hier bereits der S/P-DIF-Anschluss über die Kabelpeitsche herausgeführt ist. Leider fehlt ihr der J2-Anschluss, RGB und S-Video lassen sich nur über einen komplizierten Umbau gewinnen.
Bei den Budget-Karten ist die Twinhan DTV Sat-Express besonders günstig, Technisats SkyStar 2 jedoch nur unwesentlich teurer – dafür aber besser unterstütz als die Twinhan-Karte. Im Zweifel sollte man sich für die SkyStar 2 entscheiden. Aber auch die bekannten Technotrend-Budgets sind mit rund 60 Euro noch erschwinglich und bekanntermaßen völlig problemlos im Betrieb. Nur Hauppauges Nova-s fällt mit 90 Euro aus dem Rahmen.
Marktübersicht DVB-S-Karten
Infos
[1] Video Disk Recorder VDR: http://www.cadsoft.de/vdr
[2] Mini-VDR-Distribution LinVDR: http://linvdr.org/projects/linvdr
[3] LinuxTV.org: http://www.linuxtv.org












