Portable Linux-Spielekonsole GP2X

Aus LinuxUser 10/2006

Portable Linux-Spielekonsole GP2X

Taschenspieler

Wer Commander Keen, Duke Nukem oder die LucasArts-Adventures liebt, kommt mit der GP2X voll auf seine Kosten. MP3s und MPEG-Videos gibt’s als Bonus obendrein.

Direkt aus der Verpackung lässt sich mit der GP2X herzlich wenig anfangen – Gamepark liefert weder ein passendes 3-Volt-Netzteil noch einen Satz Batterien mit. Die Softwareausstattung ist ebenfalls mager, lediglich eine Preview-Version des Asteroids-Clones Vektor und eine Demo eines kommerziellen Spiels hat der Hersteller vorinstalliert.

Das Potenzial der GP2X ist jedoch groß: Auf der deutschen Homepage [1] hat sich bereits eine große Entwicklergemeinde zusammengefunden, die fast täglich neue Games auf den GP2X portiert. Dabei handelt es sich sowohl um freie Spiele als auch um alte Automaten-ROMs oder DOS-Programme. Dies ist jedoch urheberrechtlich nicht unkritisch, da selbst 20 Jahre alte Spiele nach wie vor Schutz genießen – es sei denn, der Hersteller hat die Programme inzwischen freigegeben.

Für die beschleunigte Grafikausgabe verwendet Gamepark eine Portierung der SDL-Bibliothek. Der Video-Prozessor ARM 940T ist immerhin leistungsfähig genug, selbst 3D-Spiele wie Doom ruckelfrei auf dem Display darzustellen. Durch den Einsatz der weit verbreiteten SDL-Bibliothek bei der GP2X hat es Gamepark den Linux-Entwicklern leicht gemacht, Spiele auf die Konsole zu portieren. Zudem bietet der Hersteller auf seiner Homepage ein SDK für Eigenentwicklungen an.

Uneinheitliche Bedienung

Im Test probierten wir verschiedenste Emulatoren sowie alte Spiele von Atari, Sega und Gameboy aus – bis auf gelegentliche Abstürze liefen alle Programme flüssig. Die Bedienung ist jedoch trickreich, kaum zwei Spiele oder auch nur Emulatoren verwenden die Tasten für die gleichen Zwecke. Am Anfang jedes Spiels stand daher die Aufgabe, zunächst die Steuerungsmöglichkeiten herauszufinden – dokumentiert ist die Bedienung ebenfalls nicht. In manchen Emulatoren gibt es zudem eine Bildschirmtastatur, die umständlich über eine Taste an der oberen Geräteseite eingeblendet wird. Ein Touchscreen wäre hier deutlich sinnvoller und vor allem auch einfacher zu bedienen.

Auch die Benutzeroberfläche der GP2X – Gamepark verwendet ein grafisches Frontend mit mehreren Ebenen – ist keineswegs einheitlich gehalten: Jedes Menü nutzt eine andere Farbe, zurück zur vorhergehenden Ebene geht es je nach Eintrag mit den Tasten [B],[X] oder auch [Start]. Dabei unterscheidet die GUI [B] und [X] mitunter – [B] speichert in manchen Menüs veränderte Werte, während [X] ohne Speichern zurückkehrt. Auch hier ist das Bedienkonzept alles andere als klar und verständlich.

Hohe Stromaufnahme

Hat man die Bedienung erst einmal herausgefunden, bereitet die GP2X viel Spielfreude – das Gerät liegt gut in der Hand, die Bedienelemente sind weitgehend sinnvoll angeordnet. Lediglich der Lautsprecheranschluss wirkt deplatziert, er gehört an die untere Seite der Konsole verlegt. Über einen USB-Anschluss lassen sich weitere Bedienelemente wie Tastatur und Maus anschließen – das erfordert jedoch ein spezielles Adapterkabel, das nicht zum Lieferumfang gehört.

Die Stromaufnahme der GP2X beträgt durchschnittlich 500 mA (gemessen im Spiel Commander Keen, Abbildung 1). Herkömmliche Mignon-Batterien halten so gerade einmal drei bis vier Stunden durch. Auch mit Akkus kommt die GP2X problemlos klar. Für den Betrieb zu Hause empfiehlt sich jedoch die Anschaffung des optionalen 3-Volt-Netzteils, das an der rechten Seite angeschlossen wird. Besser hätte Gamepark den Stromanschluss an die Unter- oder Oberseite des Geräts verlegt, da der Stromstecker beim Spielen erheblich behindert – die rechte Hand kann die GP2X nicht mehr sicher greifen.

Abbildung 1: Die Entwickler-Gemeinde rund um die GP2X hat eine Reihe Emulatoren und Spiele portiert, die aus urheberrechtlichen Gründen jedoch nicht mit ausgeliefert werden können.

Abbildung 1: Die Entwickler-Gemeinde rund um die GP2X hat eine Reihe Emulatoren und Spiele portiert, die aus urheberrechtlichen Gründen jedoch nicht mit ausgeliefert werden können.

Netzwerk mit Hindernissen

Die GP2X besitzt keinen Ethernet-Anschluss, sondern verwendet für Netzwerkverbindungen die USB-Buchse rechts am Gerät. An einen PC angeschlossen, meldet sich die Konsole als USB-Netzwerk-Gadget, für dessen Betrieb das Kernel-Modul cdc_ether zuständig ist. Das zugehörige Netzwerkgerät auf dem Rechner heißt usb0 und lässt sich wie eine herkömmliche Ethernet-Karte per ifconfig konfigurieren.

Dabei erhalten die GP2X und der Rechner jeweils zwei verschiedene IP-Adressen aus dem gleichen Subnetz – Hersteller Gamepark liefert die GP2X ab Werk mit der IP-Adresse 192.168.0.2 aus, die Schnittstelle usb0 des PCs sollte man daher mit der Adresse 192.168.0.1 oder 192.168.0.3 konfigurieren. Natürlich steht das Netzwerkgerät usb0 auf dem PC erst zur Verfügung, nachdem die GP2X angeschlossen und die Netzwerkschnittstelle der Konsole aktiviert wurde.

Ab Werk funktionierte die Netzwerkschnittstelle bei dem getesteten Gerät mit der Firmware-Version 2.0.0 jedoch nicht – ein im GP2X-Forum [2] wohlbekanntes Problem: Das Kernel-Modul g_ether.o benötigt einen Patch, ohne den keine Netzwerkverbindung zum GP2X möglich ist. Das geänderte Modul von [3] muss anschließend auf das GP2X transferiert und dort in das Modulverzeichnis kopiert werden – ohne ein Terminal zur Verfügung zu haben. Der Trick ist, eine SD-Karte als Transportmedium einzusetzen und dem GP2X ein Bash-Skript unterzuschieben.

Im ersten Schritt kopieren Sie die Datei g_ether.o am PC auf die SD-Karte und legen eine Textdatei mit dem Namen patch_gpether.gpe an – Dateien mit dieser Endung interpretiert die GP2X als Spiele. Listing 1 enthält einen Verschiebe- und einen Kopierbefehl, die das unbrauchbare Kernel-Modul sichern und an seiner Stelle das veränderte einbauen.

Listing 1

# patch_gether
mv /lib/modules/2.4.25/kernel/drivers/usb/gadget/g_ether.o /lib/modules/2.4.25/kernel/drivers/usb/gadget/g_ether.o.orig
cp /mnt/sd/g_ether.o /lib/modules/2.4.25/kernel/drivers/usb/gadget/g_ether.o

Update-Spiel

Das Programm patch_gether rufen Sie über das Games-Menü und dort im Verzeichnis der SD-Speicherkarte auf. Anschließend bleibt jedoch der Bildschirm schwarz, weshalb Sie die GP2X aus- und wieder einschalten müssen. Ab dann steht eine Netzwerkverbindung zur Verfügung und Sie können sich, etwa per telnet, auf der Spielekonsole einloggen – ein Root-Passwort ist nicht gesetzt.

Damit stehen Ihnen nahezu beliebige Manipulationsmöglichkeiten offen. Neben dem Telnet-Zugang bietet die GP2X auch einen FTP- und einen Samba-Server, zusätzlich können Sie einen Samba-Client nachinstallieren. Doch dabei sollten Sie vorsichtig sein – nachdem sich der Autor, ohne weitere Dateien auf die GP2X zu transferieren oder zu verändern, ein wenig im Betriebssystem umsah, bootete die GP2X beim nächsten Akku-Wechsel nicht mehr und war bis Redaktionsschluss nicht zu reaktivieren. Ob ein Software- oder Hardware-Fehler letztlich die Ursache für den Totalausfall war, blieb ungeklärt.

Fazit

Die Spielekonsole GP2X von Gamepark ist eine interessante Plattform für Spiele-Entwickler und Liebhaber alter Automaten- oder Emulatoren-Spiele. Mit Hilfe der SDL-Bibliothek lassen sich auch aktuelle Linux-Spiele auf die GP2X portieren, wobei in den meisten Fällen massive Anpassungen an die Bedienung anfallen.

Die sehr aktive GP2X-Community hat bereits hunderte Spiele portiert, so dass man als Anwender im Internet schnell fündig wird. Dabei gerät man jedoch auch schnell mit dem Gesetz in Konflikt: Viele Spiele-Hersteller horten noch immer ihre Schätze, und bei einigen Programmen wie etwa Monkey Island kursieren sogar gecrackte Versionen ohne Kopierschutz – das ist eindeutig illegal.

Wer hingegen einfach nur die von Linux bekannten Spiele unterwegs genießen möchte, macht mit dem GP2X für 185 Euro nichts falsch. An eine Sony Playstation Portable oder Nintendo DS kommt die GP2X jedoch noch nicht heran.

Gamepark GP2X

Prozessor: ARM920T, 100 MHz
Speicher: 64 MByte RAM (32 MByte verfügbar), 64 MByte ROM
Display: 3,5 Zoll, 320×240 Pixel, TFT
Anschlüsse: SD-Card, SD/IO, USB 2.0, EXT-Anschluss, Kopfhörer
Bedienung: zwei Tastenkreuze und sieben Zusatztasten
Firmware-Version: 2.0.0
Kernel: Linux 2.4.25
optionale Emulatoren: Mame, Atari, C64, Colecovision, Gameboy, Genesis, Sega, (S)NES, PC, VCS2600 u.a.
Video-Formate: MPEG 2/4, Divx 3.11 bis 5.x, Xvid
Audio-Formate: MP3, OGG/Vorbis
Bildformate: JPEG, BMP, PCX, GIF
Abmessungen/Gewicht: 14,4 x 8,3 x 3,4 cm / 205 Gramm
Lieferumfang: Spielekonsole, USB-Adapterkabel, Ersatz-Joystick-Kappe, Handbuch auf CD
Preis: 185 Euro

Glossar

SDL

Simple Directmedia Layer. Eine freie Multimediabibliothek für verschiedenste Plattformen, die eine Programmierschnittstelle für Grafik-, Sound- und Eingabegeräte bereitstellt.

Infos

[1] Deutsche GP2X-Homepage: http://www.gp2x.de

[2] GP2X-Forum: http://forum.gp2x.de

[3] Ethernet-Modul für GP2X: http://gp2x.blackmac.de/uploads/g_ether.o

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