Nach langem Warten steht auch Linux-Benutzern Google Earth zur Verfügung, um die Welt via Satellit zu erkunden. Mit der neue Beta-Version des Desktop-Programms erübrigen sich Notlösungen wie Wine und der Web-Dienst Google Maps.
Die Suchmaschine Google erhebt den Anspruch, die unüberschaubare Welt des World Wide Web so gut wie niemand sonst zu kennen und Internetbenutzer sicher hindurch zu lotsen. Für manchen Computer-Freak kaum vorstellbar: Die Welt außerhalb des Internet ist noch größer. Wer sich davon überzeugen möchte, verwendet ebenfalls ein Google-Produkt: Die Beta-Version der Ausgabe 4 von Google Earth [1] läuft erstmals auch unter Linux.
Von außen betrachtet
Bei Google Earth handelt es sich um eine Schnittstelle zur Google-Datenbank für Satellitenfotos. Es setzt deshalb eine Internetanbindung voraus, ohne sie gibt es keine Bilddaten und somit nichts zu sehen. Google empfiehlt eine Bandbreite von mindestens 128 Kilobit pro Sekunde, was in etwa dem einem doppelten Standard-ISDN-Anschluss entspricht. Bei geringerer Bandbreite funktioniert das Programm zwar immer noch, allerdings schränken lange Wartezeiten das Vergnügen beträchtlich ein.
Als Mindestanforderung nennt die Download-Seite unter Linux einen Prozessor mit 500 MHz, 128 MByte Arbeitsspeicher sowie 400 MByte freien Festplattenplatz. Empfohlen sind allerdings ein Pentium-4-Prozessor mit 2,4 GHz und 512 MByte Arbeitsspeicher sowie ein DSL-Anschluss. Google empfiehlt außerdem eine unterstützte 3D-Grafikkarte mit aktivierter Hardware-Beschleunigung – andernfalls läuft die Software wesentlich langsamer.
Probleme bereiten in der aktuell verfügbaren Beta-Version die in manchen Laptops verwendeten Grafik-Chips von Intel – zumindest beim Zusammenspiel zwischen den Kerneltreibern, des X-Servers X.org und Google Earth. Bei dieser Kombination erscheint häufig nur ein Teil des Bilds im Google-Earth-Fenster, der Rest bleibt schwarz. Derartige Fehler sind in einer Betaversion verzeihlich. Das Unternehmen hält sich allerdings bezüglich des Erscheinungsdatums der finalen Release noch bedeckt.
Bequemer Installer
Die Installation erledigt nach dem 17 MByte großen Download aus dem Web [1] das Kommando sh GoogleEarthLinux.bin. Rufen Sie den Befehl mit Root-Rechten auf, landet das Programm standardmäßig im Verzeichnis /usr/local/google-earth; das Startskript steht dagegen unter /usr/local/bin/googleearth allen Benutzern des Systems bereit. Ohne Root-Rechte bringt der vom ehemaligen Linux-Spielehersteller Loki bekannte Installer die Dateien im Home-Verzeichnis des Benutzers unter.
Anschließend startet der Aufruf googleearth das Programm mit einer Ansicht aus dem Weltraum auf die Erde. Die Startperspektive wählt es aus der eingestellten Systemsprache (Abbildung 1). Die Navigation erfolgt komfortabel per Maus: Das Mausrad zoomt hinein und hinaus, wobei die Richtung gewöhnungsbedürftig ist, denn ein Drehen nach oben verkleinert das Bild. Mit gedrückter linker Maustaste verschiebt der Benutzer den gezeigten Bildausschnitt.

Abbildung 1: Google Earth zeigt Satellitenfotos in Zoomstufen von der Weltraumperspektive bis hin zu einzelnen Autos in einigen Regionen.
Bewegen Sie den Mauszeiger in die rechte obere Fensterecke, erhalten Sie Zugriff auf weitere Navigationswerkzeuge (in Abbildung 1 sind sie eingeblendet). Die vertikale Skala am oberen Bildrand spitzt den Blickwinkel zu, der Betrachter schaut dann nicht mehr senkrecht von oben herab, sondern schräg. Allerdings spiegelt Google Earth den Effekt lediglich vor, da die Satellitenbilder nur zweidimensional vorliegen. Verändern Sie die Perspektive so weit, dass Sie höhere Gebäude von der Seite sähen, zeigt sich dieses Manko deutlich, da die Gebäude flach auf dem Boden liegen.
Die Knöpfe mit den Pfeilen im Kreis unter der Blickwinkelskala ermöglichen es, mit einzelnen Mausklicks durch die Welt zu manövrieren, anstelle des Ziehens mit gehaltener Maustaste. Das Rad simuliert außerdem einen Kompass, über den Sie die Anordnung der Himmelsrichtungen ändern und vom Standard mit dem oben angesiedelten Norden abweichen. Schließlich existiert am rechten Bildrand eine vertikale Skala, die das Hinein- und Hinauszoomen ohne Mausrad ermöglicht.
Ort gesucht
Am linken Fensterrand bietet eine Seitenleiste eine Suchfunktion, die Orts- und Straßennamen der ganzen Welt entgegennimmt. Findet die Datenbank den gesuchten Eintrag, startet Google Earth von der aktuellen Position aus eine Kamerafahrt zum Zielort. Im abschließenden Ausschnitt markiert es den oder die Treffer (Abbildung 2).

Abbildung 2: Die Suchfunktion führt in einer Kamerafahrt zu Straßen oder Ortschaften und markiert diese im neuen Kartenausschnitt.
Der Reiter Wegbeschreibung der Seitenleiste rechnet Autofahrern die Route zwischen zwei Ortschaften aus (Abbildung 3). Dabei zoomt das Programm automatisch so weit weg oder heran, dass der komplette Weg auf den Bildausschnitt passt. Die Seitenleiste zeigt dazu eine Wegbeschreibung mit den wichtigsten Straßennamen.

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Abbildung 3: Die FunktionWegbeschreibung sucht Autofahrern die Route zwischen zwei Orten aus.Google Earth berücksichtigt auch kommerzielle Interessen. Wer im Reiter Branchen einen Suchbegriff wie Computer und darunter einen Ort eingibt, findet auf der Karte die entsprechenden Fachgeschäfte einer Stadt. Diese Liste weist allerdings zumindest für Deutschland noch große Lücken auf und gibt somit nur einen groben Überblick.
Die möglichen Zoomstufen weichen teilweise stark voneinander ab. Während in amerikanischen Großstädten sogar Umrisse einzelner Personen zu sehen sind, bleiben beispielsweise asiatische Dörfer oft unscharf. Europa liegt etwa in der Mitte zwischen diesen Extremen: Die Google-Bilddatenbank erfasst Großstädte recht detailliert; bei ländlichen Regionen erscheinen dagegen schnell graue Flächen. Die im Web verfügbaren Landkarten [3] stellen die Qualität der Daten dar – je höher der Balken, desto schärfer die Bilder einer Region.
Die nächste Dimension
Eine echte dreidimensionale Ansicht fehlt Google Earth bislang. Allerdings nicht vollständig, denn in vielen amerikanischen Städten überlagert die Software über die Option 3D-Gebäude die Satellitenfotos mit 3D-Modellen von den Häusern. Die Fassaden erscheinen dann allerdings einheitlich grau, denn der Aufwand, auch diese Darstellung mit echten Fotos zu versehen, scheint gigantisch – andererseits hat Google in der Vergangenheit auch vor anderen scheinbar unlösbaren Problemen nicht kapituliert. Dennoch bleiben realitätsnahe virtuelle Ausflüge wohl noch für eine Weile Zukunftsmusik.
Die kostenlose Version von Google Earth unterliegt einigen Einschränkungen. Die Zusatzangebote Google Earth Plus und Google Earth Pro funktionieren jedoch nur unter Windows. Sie ermöglichen zum Preis von 20 beziehungsweise 400 US-Dollar pro Jahr hochauflösende Ausdrucke sowie den Import von GPS-Daten und enthalten ein Zeichenprogramm, um eigene Markierungen auf den Karten einzubringen. Pro-Kunden erhalten außerdem Support sowie ein Werkzeug zum exakten Messen von Distanzen.
Das Alter des Kartenmaterials liegt zwischen einem und drei Jahren. Es unterscheidet sich teilweise selbst bei Gebieten in direkter Nachbarschaft. Wer also wissen möchte, was aktuell in der Innenstadt vor sich geht, dem bleibt somit trotz Google Earth nur der eigene Gang vor Ort.

Abbildung 4: Google Earth bringt Sie im Urlaub günstiger zu antiken Sehenswürdigkeiten als jeder Billigflieger.
Infos
[1] Google Earth: http://earth.google.com
[2] Google Maps: http://maps.google.com
[3] Datendichte bei Google Earth: http://earth.google.com/data.html




