Sie war Apples Shootingstar im vergangenen Jahr: Die MightyMouse. Wir zeigen, wie das Plastiksteil sich mit Linux verträgt.
Es sind eben die kleinen Dinge im Leben, die manchmal mehr Aufruhr verursachen, als erwartet: Als Steve Jobs Anfang 2005 die MightMouse vorstellte, ging ein Raunen durch die Presselandschaft. Damit hatte nun wirklich keiner gerechnet. Ausgerechnet Apple, das seit Jahren propagierte, eine Maustaste reiche völlig aus, warf eine Mehrtasten-Maus mit Scrollball auf den Markt – mit viel Tam-Tam, versteht sich.
Offiziell ist die Mighty Mouse natürlich für Mac OS konzipiert. Das heißt aber ja nicht, dass sie ausschließlich mit dem Apple-System funktioniert. In diesem Artikel erfahren Sie, wie gut das Gerät unter Linux arbeitet.
Verpackungsinhalt
Die MightyMouse geht mittlerweile zu Straßenpreisen von 55 bis 60 Euro über den Ladentisch. Neben der Maus erhalten Sie ein kurzes Handbuch, die Garantieklauselnsowie der Treiber-CD, die für Linux-Anwender allerdings nutzlos ist.
Die Hardware gibt es aktuell ausschließlich kabelgebunden. Apple plant eine schnurlose Maus, nennt dafür aber weder konkrete Details noch einen offiziellen Erscheinungstermin. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass das Unternehmen mit der Wireless Mouse, einer Bluetooth-Variante von Apples Standardmaus, negative Erfahrungen im Bezug auf den Leistungsverbrauch gemacht hat. Nicht selten fiel dort ein monatlicher Batteriewechsel an.
Form und Funktion
Die Maus entspricht im Grunde dem Apple-typischen Design für Zeigergeräte: Sie hat keine zwei einzelnen Maustasten. Stattdessen funktioniert die gesamte Maus eine Taste. Ein Druck bewirkt, dass sich die obere Schale der Maus komplett nach vorne neigt und so den Druck der Maustaste simuliert.
Die MightyMouse weist drei Neuerungen auf: Zunächst verfügt sie links und rechts am Rand über jeweils eine Zusatztaste. Obendrauf befindet sich zudem eine Scroll-Kugel, die sich auch seitwärts bewegt (Abbildung 1). Diese fungiert ebenfalls als Taste. Schließlich verfügt die Maus im Inneren über einen Sensor, der parallel zum Klick mit dem Mausknopf registriert, ob ein Finger auf der linken oder auf der rechten Seite der Maus lag. Abhängig davon simuliert das Gerät einen Links- oder ein Rechtsklick.
Kennen Sie die Mäuse für Windows, kommen Sie vermutlich nicht sofort mit einer Maus im Apple-Design klar. Fest steht aber, dass diese Form gewisse Vorteile hat: Zum einen ist die Maus so viel leichter, als eine kabellose Windows-Maus und schont damit die Handgelenke. Zum anderen erlaubt dieses Maus-Design eine flexiblere Handhaben des Geräts – und macht es für Rechts- und Linkshänder interessant.
Gerade dieses Problem tritt bei aktuellen, besonders ergonomisch geformten und mit besonders tollen Designs versehenen Mäusen häufig auf. Von der Tatsache einmal abgesehen, dass Menschen mit größeren Händen mit der Form dieser Mäuse oft Probleme haben.
Konfiguration
Sie schließen die Maus über den handelsüblichen USB-Bus an. Sie funktioniert dabei sowohl mit USB-1- als auch mit USB-2-Ports. Im Testparcour musste sich die Hardware unter Novell OpenSuse 10, Mandriva Linux 2006 sowie Debian 3.1 bewähren. Dabei gab es eine Überraschung: Nach dem Einstecken der Maus lieferte der Kernel bei allen Distributionen im dmesg Meldungen, die die Maus ganz eindeutig als einfaches Eingabegerät nach der USB-HID-Norm entlarvte.
HID steht für Human Interface Device (Menschliches Schnittstellengerät). Das meint, ein externes Gerät, mit dem Menschen Eingaben an den Computer senden. Mittlerweile gilt es als Standardprotokoll für alle Eingabegeräte am Computer und kommt demnach auch bei Tastaturen zum Einsatz.
Protokollbedingt
Dass die Maus sich als Standard-USB-Eingabegerät ausgibt, erleichtert die Konfiguration unter Linux enorm, weil der Kernel bereits eine HID-Implementation verfügt. Das heißt: Linux unterstützt die Apple-Maus im Grunde schon von Haus. Tatsächlich funktionierte das Plastikteil sofort nach dem Anschluss an die Rechner mit OpenSuse, Mandriva sowie Debian.
Allerdings existieren derzeit einige Einschränkungen: Die beiden Standardmaustasten funktionierten problemlos, ebenso führte das Bewegen des Scrollballs nach oben und unten zum Scrollen. Seitwärtsscrollen hingegen funktionierte nicht, weil XFree86 und Xorg dafür die notwendigen Voraussetzungen noch nicht mitbringen.
Die drei zusätzlichen Maustasten waren allesamt mit der Funktion der mittleren Maustaste belegt. Ein Klick fügte also den aktuellen Inhalt des Zwischenspeichers in das gerade aktive Fenster ein. Bislang erlaubt es keine Implementation, den beiden Tasten an den Seiten der Maus seperate Funktionen zuzuweisen – beide tun stets das Gleiche, weil sie beim X-Server die selbe Aktion auslösen.
Fazit
Ob das seitwärtige Scrollen künftig zum Funktionsumfang unter Xorg gehört, hängt vom Eifer der Entwickler ab. Jedoch auch ohne diese Funktion ist die MightyMouse aber ein durchaus sehr ernstzunehmender Kandidat auf dem Schlachtfeld der Desktop-Mäuse.
Nicht zuletzt für alle, die regelmäßig an Mac-Rechnern mit Mäusen von Apple arbeiten, mögen es schätzen, bei Linux mit gleicher Hardware weiterzuarbeiten. Einziges Manko bleibt damit die Tatsache, dass sich die beiden Tasten an den Seiten nicht mit unterschiedlichen Aufgaben belegen lassen.





