Egal, ob Laptop oder Desktop: Der Einstieg in das schnelle USB 3.0 ist mit vielerlei Zubehör schon für recht kleines Geld möglich. Wir stellen Lösungen von Buffalo, Freecom und Raidsonic vor.
Hersteller externer Festplatten sehnen USB 3.0 genauso herbei wie die Verwalter großer Datenberge. Wer hier zeitig auf den Markt drängt, findet in USB 3.0 endlich einen Wettbewerbsvorteil in einem hart umkämpften Markt sehr ähnlicher Produkte, in dem Kaufentscheidungen primär vom Maßstab Gigabyte pro Euro abhängen.
Buffalo
Eines der erste im Handel verkauften USB-3.0-Geräte erreicht uns von Buffalo [1]: Die Buffalo DriveStation HD-HXU3 (Abbildung 1) im schwarzen Klavierlack-Finish kommt ganz ohne Knöpfe und mit einem leisen Lüfter. Sie beherbergt eine flotte 3,5-Zoll-Platte des Typs Samsung HD103SJ mit 7200 Umdrehungen pro Minute und 32 MByte Cache. Als Kapazitäten stehen 1, 1,5 und 2 TByte zur Auswahl. Für unser 1-TByte-Testmodell nennt Buffalo eine unverbindliche Preisempfehlung von 190 Euro.
Schon vor der Platte traf die USB-3.0-Expresscard IFC-EC2U3UC von Buffalo im schmalen 34mm-Formfaktor in der Redaktion ein. Mit dieser etwa 65 Euro teueren Karte rüsten Sie als Besitzer eines Laptops mit Expresscard/34- oder Expresscard/54-Slot einfach auf USB 3.0 auf. Platte und Expresscard finden sich im Handel auch als Bundle, Sie sparen dabei im Vergleich zum Einzelkauf jedoch nichts. Für Desktops gibt es von Buffalo auch die PCI-Express-Steckkarte IFC-PCIE2U3.
In Buffalos USB-3.0-Expresscard (Abbildung 2) werkelt ein USB-3.0-Chip von NEC – wie bislang in sämtlichen USB-3.0-fähigen Geräten vom Motherboard bis zu neuesten Laptops. Das verspricht gute Linux-Kompatibilität, schon in unserem großen USB-3.0-Test [2] in Ausgabe 02/2010 verrichtete der Baustein unter Linux anstandslos seinen Dienst.
Buffalos Expresscard funktioniert vom Start weg – und zwar buchstäblich: Die Karte muss sich beim Hochfahren schon im Slot befinden, das Einstecken im laufenden Betrieb (“Hotplugging”) klappt nicht. Die 34mm-Expresscard passt wie erwähnt auch in 54mm-Slots, sitzt in diesen allerdings nicht besonders fest: Halten Sie beim Abstecken nicht den herausstehenden Teil der Karte fest, ziehen Sie sie unweigerlich mit aus dem Laptop. Im herausstehenden Teil finden zwei USB-3.0-Ports Platz. Daneben integriert Buffalo einen Anschluss für ein mitgeliefertes Kabel, das den Strom über einen USB-2.0-Port bezieht – falls die am Expresscard-Slot anliegende Stromversorgung nicht ausreicht.
Geschwindigkeit
Wir testen die Expresscard mit Buffalos HD-HXU3-Festplatte und vergleichen sowohl mit der selben Platte an USB 2.0 als auch am Gigabyte-Motherboard GA-P55A-UD6. Es zeigt sich, dass die Expresscard etwas langsamer arbeitet als der USB-3.0-Chip auf dem Hauptplatine: Statt 114 MByte/s beim Lesen am Gigabyte GA-P55A-UD6 (USB 2.0: 46 MByte/s) messen wir an der Expresscard lediglich 104 MByte/s (USB 2.0: 34 MByte/s). Für die im Laptop-Einsatz typischen, momentan maximal 80 MByte/s schnellen 2,5-Zoll-Harddisks genügt das jedoch allemal.
Testumgebung
Für den Test der USB 3.0-Expresscard nutzen wir ein Acer-Notebook Aspire 8942G. Als Desktop-Testsystem diente ein Gigabyte-Motherboard GA-P55A-UD6 mit USB-3.0-Chip von NEC und einer Intel-CPU des Typs Core i7 870. Ein zum Vergleich herangezogenes MSI-Motherboard (890FXA-GD70, AMD Phenom X6 1090T) erbringt einen deutlich geringeren USB-3.0-Durchsatz (bis zu 45 MByte/s langsamer) als die Intel-Lösung.
Als SSD-Repräsentant im Test tritt die neue Intel X25-V (40 GByte) an, die an einem SATA-Anschluss beim Lesen bis zu 200 MByte/s Daten liefert. Als Vertreter der Magnetplattenfraktion gehen zwei Seagate-Barracuda-Disks (7200.11, ST3500320AS, 500 GByte, 7200 U/min) an den Start, die nativ an SATA angebunden rund 105 MByte Daten pro Sekunde in Richtung Rechner transferieren. Alle Festplatten wurden mit Ext4 formatiert.
Die Messwerte ermittelten wir mit Hdparm, zusätzlich testen wir auch mit Bonnie++. Als Testsystem kam Ubuntu 10.04 in der 64-Bit-Version zum Einsatz, ein Test unter Ubuntu 9.10 lieferte aber fast identische Messwerte.
Freecom
Von Freecom [3] erreicht uns die Hard Drive XS 3.0, eine lüfterlose USB-3.0-Platte mit 1 TByte Kapazität, samt einer dazu passenden USB-3.0-PCI-Express-Karte für Desktops.
Bei dem Gerät (Abbildung 3) handelt es sich um ein ungewöhnliches Konstrukt: Völlig ohne Lüfter oder auch nur Luftschlitze steckt eine 1-TByte-Platte inklusive USB-3.0-Bridge in einer etwa 2 Millimeter starken Gummihülle, die mit einer Klebefläche verschlossen ist. Rückseitig finden sich lediglich Aussparungen für USB-3.0- und Stromstecker, einen Einschalter sucht man vergebens. Das 860 Gramm leichte Gerät baut dank der Gummihülle nur unwesentlich größer als eine nackte 3,5-Zoll-Platte.

Abbildung 3: Freecom USB-3.0-Festplatte Hard Drive XS 3.0 überzeugt durch geringe Größe und fast lautlosen Betrieb.
Mit unserer anfänglichen Vermutung, wegen des Fehlens von Lüftern und selbst Lüftungsschlitzen könne man auf der Platte im Betrieb vermutlich Eier braten, lagen wir völlig daneben: Selbst in intensiven Belastungstests gelang es uns nicht, die Platte auf mehr als handwarme Temperatur zu bringen. Auch akustisch weiß Freecoms Harddisk zu überzeugen: Dank des Gummimantels hört man von der ohnehin leisen Samsung-Platte fast nichts, auch die üblichen Vibrationen dämpft die Latexhaut sehr effektiv. Dabei bietet sie gleichzeitig optimale Rutschfestigkeit.
Wie das Buffalo-Pendant gibt es das Freecom-Gerät in Varianten mit 1, 1,5 und 2 TByte Speicherplatz, verbaut ist eine Festplatte Samsung F2 EcoGreen HD103SI. Unser 1-TByte-Testgerät kostet im Webstore des deutschen Herstellers 140 Euro.
Freecoms USB-3.0-PCI-Expresscard, im Webstore für 25 Euro zu haben, nutzt eine PCI-Express-2.0-Lane und kann somit theoretisch bis zu 500 MByte/s transferieren. Würde USB 3.0 die versprochenen 400 MByte/s Nettodurchsatz erreichen, könnte sich dies bei gleichzeitigem Zugriff auf zwei angeschlossene Geräte als Flaschenhals erweisen – jedoch arbeitet USB 3.0 momentan aber noch zu langsam dafür.
Als USB-3.0-Controller fungiert wiederum der bekannte, Linux-kompatible NEC-Chip, das Slotblech beherbergt zwei USB-3.0-Anschlüsse (Abbildung 4). Um Stromversorgungsproblemen vorzubeugen, integriert die Karte einen Molex-Anschloss, durch den sie direkt vom Hauptnetzteil Energie abzapft. Alternativ zur Desktop-Karte bietet Freecom eine (optisch zu Buffalos IFC-EC2U3UC identische) USB-3.0-Expresscard/34 für deutlich günstigere 28 Euro an.
Im Test zeigt sich keinerlei Geschwindigkeitsunterschied zum Betrieb am integrierten USB-3.0-Anschluss des Gigabyte-Motherboards – an beiden lässt sich mit flotten 109 MByte/s von der Freecom-Festplatte lesen.
Doppeltes Lottchen
Ein interessantes Problem trat im Test beim Einsatz der USB-3.0-Desktop-Karten auf dem Gigabyte-Motherboard zutage: Arbeiten zwei NEC-USB-3.0-Chips gleichzeitig im System – einer auf der PCI-Express-Karte, einer auf dem Board –, dann gibt es Schwierigkeiten: An einem der beiden Anschlüsse fällt die Transferrate um bis zu 57 MByte/s.
Dabei arbeitet nachvollziehbar nur der NEC-Chip mit der niedrigeren USB-Nummer mit voller Geschwindigkeit. Wie dmesg zeigt, ist in unserem Testsystem USB 10-x immer der schnelle NEC-Chip, USB 11-x der langsame. Bei der Nummerierung kommt es darauf an, in welchem PCI-Express-Slot die Karte steckt; jener neben der Grafikkarte benachteiligt den internen NEC-Chip, im äußersten Slot bremst das System den Chip auf der PCI-Express-Karte aus.
Im 890FXA-GD70-Motherboard (AMD AM3) von MSI dagegen liest die Steckkartenlösung durch die Bank je nach Endgerät 5 bis 10 MByte/s schneller als das integrierte USB 3.0 – hier funktionieren jedoch auch zwei NEC-Chips im System ohne Bremse.
Raidsonic
Raidsonic [4] schickte uns die nagelneuen USB-3.0-Versionen des Zwei-Platten-RAIDs Icy-Box IB-RD4320StU3 und des Festplattendocks Icy-Dock IB-110StU3 zum Test.
Die Icy-Box (Abbildung 5) bietet Platz für zwei 3,5-Zoll-Platten und erlaubt deren Parallelbetrieb entweder im sicheren Mirror-Verbund (RAID 1) oder im schnelleren, aber unsichereren Striping-Modus (RAID 0). Die volle Plattenkapazität lässt sich nur im Stripeset nutzen. Zusätzlich beherrscht die Icy-Box auch den Betrieb als JBOD (“Just a Bunch Of Disks”), in dem es die verbauten Festplatten als einzelne Laufwerke behandelt. Das ermöglicht auch den Betrieb von einzelnen oder unterschiedlich großen Platten.
Den NRAID (“No RAID”) genannten Modus des Vorgängers, der die verbauten Platten zu einem großen logischen Volume zusammenfasst (gemeinhin als “Spanning” bezeichnet), unterstützt das Gerät nicht mehr. Er war wohl überflüssig, denn Disk-Spanning verheiratet die Nachteile von RAID 0 (doppelte Fehleranfälligkeit) mit denen von RAID 1 (Geschwindigkeit wie bei Einzelplatten).
Den Betriebsmodus stellen Sie über zwei DIP-Schalter auf der Rückseite des Geräts ein und bestätigen ihn beim Einschalten durch den Druck auf einen Taster. Drei LEDs zeigen die Betriebsbereitschaft an und signalisieren Aktivität auf den verbauten Platten.
Ein deutlich hörbarer 40-Millimeter-Lüfter sorgt im mit Gummifüßen versehenen Aluminiumgehäuse für Kühlung. Die Installation der Platten lässt sich dank eines abnehmbaren Frontgrills ohne jedes Werkzeug erledigen. Die Kehrseite der Medaille: Eben dieser Grill lässt sich nicht sauber fixieren und klappert deshalb beim Bewegen des Gehäuses. Bei einem empfohlenen Verkaufspreis von 81 Euro für die Icy-Box hätten wir etwas mehr mechanische Stabilität erwartet.
Geschwindigkeit
Die Geschwindigkeit mit zwei Seagate-Barracuda-Disks (siehe Kasten “Testumgebung”) im RAID-1-Betrieb entspricht der im JBOD-Modus als unabhängige Volumes und auch der beim direkten Anbinden der Platten per SATA. Im RAID-0-Modus zeigt sich das Gespann zwar nicht doppelt so schnell, erreicht aber dennoch sehr ordentliche 157 MByte/s – ebenso schnell wie eine Intel-SSD an USB 3.0. Möglicherweise könnte das Stripe-RAID noch schneller, und USB 3.0 stellt den Flaschenhals dar – mangels eines eSATA-Anschlusses können wir das jedoch nicht überprüfen.
Das Icy-Dock IB-110StU3 (Preisempfehlung: 50 Euro) fasst einzelne SATA-Festplatten im 3,5- oder 2,5-Zoll-Formfaktor, die Sie einfach von oben in eine Klappe stecken (Abbildung 6). Das praktische Festplattendock erweist sich als ebenso schnell wie die Icy-Box.
Als Manko empfinden wir bei beiden Raidsonic-Geräten das Fehlen eines eSATA-Anschlusses, obwohl Raidsonic einen Port dafür im Gehäuse des Icy-Docks bereits ausspart. Insbesondere bei schnellen RAID-0-Konfigurationen in der Icy-Box mit zwei teuren, großen Platten wäre es sehr ärgerlich, müsste man bei einem älteren System ohne USB 3.0, aber mit eSATA bei einem 3 bis 4 TByte großen Plattenverbund auf das quälend langsame USB 2.0 zurückgreifen. Aufgrund der momentanen Schallmauer von 160 MByte/s für USB 3.0 lässt sich auch nur über eSATA die Geschwindigkeit von RAID-0-Arrays oder SSDs voll ausreizen.
Fazit
Suchen Sie den Einstieg in USB 3.0 und nennen einen Laptop mit Expresscard-Slot Ihr Eigen nennt, fahren Sie mit Buffalos erschwinglicher IFC-EC2U3UC sehr gut. Leichte Abzüge gibt es allerdings für den unsicheren Halt in Expresscard/54-Slots und den recht hohen empfohlenen Verkaufspreis. Freecoms PCI-Express-Karte für USB 3.0 stellt eine günstige Option dar, um ältere Desktops mit PCI-Express-Slot für das schnelle USB tauglich zu machen.
Buffalos HD-HXU3 präsentiert sich als optisch ansprechende, kühl bleibende Festplatte, die den Schlafmodus beherrscht und gute Geschwindigkeit bietet. Zwar liegt der empfohlene Verkaufspreis recht hoch, doch im freien Handel erhält man das Gerät deutlich günstiger. Freecoms Hard Drive XS 3.0 überzeugt durch die kompakten Abmessungen, den günstigen Preis, die praktische Gummihülle und fast vollkommene Geräuschlosigkeit, auch die Geschwindigkeit erscheint akzeptabel. Ein zusätzlicher eSATA-Anschluss wäre im Sinne der universellen Einsetzbarkeit bei beiden Platten äußerst wünschenswert.
Raidsonics USB-RAID-Gehäuse spricht alle Anwender an, die die Sicherheit von RAID 1, viel Platz (JBOD-Modus) oder SSD-ähnliche Geschwindigkeit (jedoch mit höherem Ausfallrisiko als RAID 0) benötigen. Das Icy-Dock eignet sich für alle, die viel mit nackten Festplatten hantieren. Beide Geräte sind nicht günstig, aber ihr Geld wert; auch für ein Plattengehäuse mit eSATA, Firewire 400/800 und USB 2.0 wandern schnell 60 Euro oder mehr über den Ladentisch.
In Sachen Geschwindigkeit hat sich seit dem USB-3.0-Prototypen von Asus [2] einiges getan: Das Durchsatzmaximum liegt (für die Intel-SSD im Icy-Dock am Gigabyte-Board) nun bei 159 MByte/s, immerhin 24 MByte/s über den im früheren Test gemessenen Werten (Intel-SSD im Asus-Gehäuse am Gigabyte-Board). Positiv fällt auch auf, dass sich bei langsameren Platten um die 100 MByte/s Lesegeschwindigkeit nun kein Geschwindigkeitsverlust mehr im Vergleich zum nativen Betrieb per SATA messen lässt (vorher: 18 MByte/s weniger).
Dessen ungeachtet bleiben derzeit auch die finalen USB-3.0-Geräte noch meilenweit entfernt von der beworbenen zehnfachen USB-2.0-Geschwindigkeit von 400 MByte/s, SSDs werden immer noch ausgebremst. Als limitierender Faktor tritt der USB-3.0-Chip von NEC in Erscheinung – was auch kaum verwundert, denn erfahrungsgemäß bleibt die erste Chip-Generation für eine neue Technik stets weit vom Performance-Optimum entfernt. eSATA positioniert sich also für schnelle SATA-Geräte weiter als flottestes Interface, auch für Laptops – aber der Vorsprung bröckelt.
Infos
[1] Buffalo Technology: http://www.buffalo-technology.com
[2] USB 3.0 unter Linux: Daniel Kottmair, “Entfesselt”, LU 02/2010, S. 70, https://www.linux-community.de/artikel/19634
[3] Freecom: http://www.freecom.de
[4] Raidsonic: http://www.raidsonic.de










