USB 3.0 “Superspeed” unter Linux

Aus LinuxUser 02/2010

USB 3.0 “Superspeed” unter Linux

© Bruce Parrott, 123rf.com

Entfesselt

Im Gegensatz zu Windows unterstützt Linux schon seit Monaten nativ das 4,8 Gbit/s schnelle USB 3.0 – aber wie gut funktioniert die neue Schnittstelle in der Praxis?

Als USB 2.0 im Jahr 2002 auf den Markt kam, war es höchste Zeit: USB-1.1-Brenner durften wegen der langsamen Transfergeschwindigkeit von 12 Mbit/s nicht schneller als vierfach brennen, und wer Dateien in GByte-Größe auf eine USB-1.1-Festplatte kopierte, musste sehr viel Zeit mitbringen. Entsprechend schnell erfolgte dann auch die Adaption des neuen, viel schnelleren USB 2.0 mit 480 Mbit/s Brutto-Datenrate – obwohl das bereits 1997 eingeführte Firewire mit 400 Mbit/s brutto zumindest unter Windows und Mac OS X letztendlich netto immer noch schneller war als USB 2.0.

Dies hat sich in den letzten Jahren etwas gebessert. Moderne Chipsätze von Intel und AMD erreichen inzwischen bis zu 33 MByte/s Netto-Durchsatz – sehr nahe an den maximal 38 MByte/s, die Firewire 400 erreicht. Die tatsächliche Durchsatzrate der einzelnen Schnittstellen hängt stark vom verwendeten Datei- und Betriebssystem ab. USB 2.0 gibt sich unter Mac OS X sehr träge, Firewire 400 bleibt unter Linux deutlich hinter seinen theoretischen Möglichkeiten zurück.

Zeitschleife

Nun schreiben wir das Jahr 2010, und die Situation ähnelt stark jener von 2002. Die Elektronik-Discounter verkaufen palettenweise externe Festplatten in TByte-Größen, zeitweise gibt es sogar Lieferprobleme [1] – aber die Systeme verfügen nur über einen USB-2.0-Anschluss. Verbaut sind allerdings durchweg moderne Harddisks, die in der 2,5-Zoll-Ausführung über 70 MByte/s respektive in der 3,5-Zoll-Variante mehr als 100 MByte/s ausliefern. Selbst mit den schnellsten USB-2-Chips benötigt man somit zum Befüllen einer handelsüblichen 1,5-TByte-Platte rund 13 Stunden – direkt im Rechner verbaut, wäre die Platte in etwas über 4 Stunden voll. Bedingt durch den USB-2.0-Flaschenhals erreicht sie also noch nicht einmal ein Drittel ihrer Maximalgeschwindigkeit.

Als problematisch erweist sich nicht nur das Kopieren großer Datenmengen, auch beim durchaus gängigen Booten von externen Festplatten bremst USB 2.0 gehörig: Das Arbeiten auf einem entsprechenden System gestaltet sich ziemlich zäh und macht nicht wirklich Spaß. Bei den superschnellen SSD-Festplatten mit bis zu 250 MByte/s Durchsatz gerät eine Anbindung per USB 2.0 dann endgültig zur Farce: Die Solid State Disks erreichen via USB 2.0 gerade mal ein Achtel des maximal möglichen Durchsatzes.

Eigentlich existieren schon lange gut funktionierende Alternativen zu USB 2.0, die allerdings eher ein Nischendasein fristen: Firewire 800 verspricht immerhin Durchsatzraten von 75 MByte/s, per eSATA angebunden Geräte operieren exakt gleich schnell wie über den internen SATA-Port. Firewire 800 findet sich standardmäßig allerdings nur in einigen Apple-Rechnern, mit eSATA sieht es immerhin etwas besser aus: Es zählt bei den meisten PC-Motherboards schon länger zur Standardausstattung und genießt sogar in Laptops inzwischen eine gewisse Popularität. Über das neue eSATAp lassen sich die angeschlossenen Geräte – etwa eSATA-Sticks, 2,5-Zoll-Festplatten und optische Slim-Laufwerke – sogar mit Strom versorgen. Über Port Multiplier [2] arbeiten bis zu 15 Geräte an einem eSATA-Port, und dank USB/eSATA-Kombiport müssen Laptop-Hersteller noch nichtmal einen dedizierten Anschluss dafür vorsehen.

Dennoch wartet die Welt auf USB 3.0, auch “Superspeed USB” genannt. Derweil wächst die Kapazität externer Festplatten immer weiter und externe Blu-ray-Brenner schreiben immer schneller. Schon auf der CeBIT 2009 waren erste USB-3.0-Geräteprototypen zu sehen, aber erst im September lieferte NEC die ersten Controllerchips für USB-3.0-Hosts in größeren Stückzahlen aus. Bis USB-3.0-Geräte wirklich in größerer Menge im Laden stehen, dürften noch einige Wochen ins Land gehen – momentan lassen die Hersteller sie erst noch zertifizieren.

Mit Ankündigungen zu USB-3.0-Geräten lassen sich Hersteller wie Super Talent, Freecom oder Buffalo allerdings nicht lumpen, nur zu deren tatsächlicher Verfügbarkeit mag niemand allzu konkreten Aussagen machen. Äußerst irritierend: Auch Intel und AMD, die auch die Chipsätze für ihre Prozessoren herstellen, wollen sich in Sachen USB-3.0-Integration in ihre Chipsätze noch nicht konkret festlegen. Wir sprachen mit Thomas Kaminski von Intel darüber. Intel, einer der Erfinder und Hauptverfechter von USB, gibt sich üblicherweise stets sehr stolz auf den Erfolg von USB. Das Unternehmen produziert sogar sehr originelle Werbespots [3] zum Thema.

Kaminski zufolge will Intel jedoch momentan erst einmal abwarten, wie der Markt das neue USB 3.0 akzeptiert. Eine Integration der Technik in Intels Chipsätze soll es ersr geben, wenn genügend Geräte verkauft sind. Aus dieser Haltung resultiert jedoch offensichtlich das alte Henne-Ei-Problem zur Folge: Wessen Computer kein USB 3.0 unterstützt, der kauft sich auch keine USB-3.0-Geräte. Werden keine Geräte verkauft, verbaut auch niemand die Schnittstelle standardmäßig. Die schnelle Akzeptanz von USB 2.0 war seinerzeit hauptsächlich dem Umstand zu verdanken, dass innerhalb weniger Monate alle neu verkauften Computer USB 2.0 unterstützten. Laut Kaminski war diese Einführung jedoch “verfrüht, und ein Fehler, den Intel nicht wiederholen will” – ein äußerst rätselhaftes Statement.

Momentan stellt Intel lieber die völlige Neuentwicklung und die starken Verbesserungen in anderen Bereichen der neuen Core-i5/i7-Chipsätze heraus – für USB 3.0 waren wohl einfach keine Entwicklerressourcen mehr frei. Laut der Website EE Times, die sich auf einen hochrangigen Mitarbeiter eines großen PC-Herstellers beruft, will Intel USB 3.0 gar erst 2011 statt wie ursprünglich angekündigt Anfang 2010 in seine Chipsätze integrieren [4]. In Cupertino hat man diese Meldung zumindest nicht dementiert.

Nicht viel besser sieht es bei Intels Erzrivalen AMD aus: Hier wollte die Gerüchteküche zunächst wissen, dass die nach der CeBIT 2010 kommenden Plattformen “Leo” und “Dorado” eine Southbridge mit USB-3.0-Unterstützung mitbringen werden (SB810 in “Dorado”, SB850 in “Leo”). Mit der Notebook-Plattform “Danube” und dem neuen Chipsatz SB8xxM will AMD dann dem Vernehmen nach später im Jahr USB 3.0 in Notebooks einführen. Aktuelle Aussagen und Veröffentlichungen von AMD über die Spezifikationen der Chipsätze erwähnen USB 3.0 allerdings zumindest nicht explizit, unserer Bitte nach einer offiziellen Stellungnahme entsprach der Hersteller nicht.

Technische Details

Die Spezifikationen für USB 3.0 können sich sehen lassen: 4,8 Gbit/s Datenrate bedeuten eine Verzehnfachung des Brutto-Durchsatzes. Als Netto-Durchsatzraten (also ohne Protokoll-Overhead) verspricht die Spezifikation 3,2 Gbit/s beziehungsweise 400 MByte/s. Damit wäre USB 3.0 sogar schneller als eSATA, denn SATA II erreicht maximal 3 Gbit/s, netto rund 300 MByte/s. Das ungefähr zeitgleich mit USB 3.0 eingeführte SATA III (auch SATA 6G genannt) verdoppelt das allerdings und verspricht mit 6 Gbit/s noch höhere Durchsatzraten. Da momentan aber kein Gerät die maximalen Durchsatzraten von USB 3.0 oder SATA III erreicht, ist dies nur für den gleichzeitigen Datentransfer von oder an mehrere Endgeräte relevant.

Auch in Sachen Stromverbrauch gibt es Verbesserungen: So wurden die sogenannten “Unit Loads” von 100 auf 150 mA vergrößert. Ein Gerät darf nun bis zu sechs Unit Loads (vorher fünf) an Strom ziehen, das heißt 900 Milliampere – zuvor waren 500 mA das höchste der Gefühle. Die maximal mögliche Spannung wurde allerdings von 4,4 auf 4 Volt gesenkt. Unterm Strich stehen also nun pro Gerät 3,6 statt 2,2 Watt zur Verfügung.

Im praktischen Einsatz liefern allerdings die meisten USB-Ports schon seit Jahren mehr als maximal 2,2 Watt, denn sonst ließen sich weder externe 2,5-Zoll-Festplatten noch optische Slim-Laufwerke daran betreiben. Die meisten Hersteller solcher Geräte legen nur noch für USB-Ports, die den Spezifikationen exakt entsprechen, ein USB-Kabel mit zwei Steckern bei. Meist funktioniert das Gerät aber auch mit nur einem Stecker. Insbesondere bei Laptops ist die Anzahl der USB-Ports begrenzt, so dass die Hersteller lieber mehr Spannung auf den bestehenden Anschlüssen liefern anstatt mehr Ports einzubauen.

Mit USB 3.0 gibt es auch neue Stecker (Abbildung 1): Diese sind nun blau gefärbt, ebenso die Kabel und die Ports (Abbildung 2). Um Superspeed-Geschwindigkeit zu erreichen, müssen nicht nur der Host, eventuelle Hubs und die Endgeräte es unterstützen, man braucht nun auch passende Kabel. Das war bei USB 2.0 nicht so, man konnte zumindest die alten Kabel weiterverwenden. Der Grund für die neuen Kabel: USB 3.0 braucht acht statt vier Leitungen, die außerdem zusätzlich geschirmt sein müssen. Die maximale Kabellänge liegt bei drei Metern, bei USB 2.0 waren es noch fünf Meter.

Abbildung 1: Ein USB-3.0-Kabel mit Steckern.

Abbildung 1: Ein USB-3.0-Kabel mit Steckern.

Abbildung 2: Blaue USB-3.0-Ports am Gigabyte GA-P55A-UD6.

Abbildung 2: Blaue USB-3.0-Ports am Gigabyte GA-P55A-UD6.

Die rechteckigen, flachen USB-A-Stecker sehen nun anders aus: Ebenfalls blau gefärbt, weisen sie im hinteren Bereich innen die vier zusätzlichen Superspeed-Leitungen auf (Abbildung 3). Diese versetzte Kontaktierung sorgt dafür, dass sich alte Kabel gefahrlos in USB-3.0-Ports beziehungsweise USB-3.0-Kabel in alten Ports nutzen lassen.

Abbildung 3: USB-A-Stecker alt (links, schwarz) und neu (rechts, blau). Ganz hinten im Stecker liegen die zusätzlichen USB-3.0-Pins.

Abbildung 3: USB-A-Stecker alt (links, schwarz) und neu (rechts, blau). Ganz hinten im Stecker liegen die zusätzlichen USB-3.0-Pins.

Bei den quadratischen B-Steckern (Abbildung 4) wählte man einen anderen Ansatz: Hier logieren die zusätzlichen Pins in einer zusätzlichen Nase an der Seite mit den Abschrägungen angebracht. Das führt dazu, dass zwar alte USB-B-Stecker in neue USB-3.0-B-Ports passen, aber nicht neue Stecker in alte USB-B-Ports.

Abbildung 4: USB-B-Endgeräte-Stecker neu (links, blau) und alt (rechts, schwarz). In der obenliegenden Nase des neuen Steckers befinden sich die zusätzlichen Leitungen.

Abbildung 4: USB-B-Endgeräte-Stecker neu (links, blau) und alt (rechts, schwarz). In der obenliegenden Nase des neuen Steckers befinden sich die zusätzlichen Leitungen.

Auch das Protokoll und die technischen Möglichkeiten wurden verbessert. Während USB 2.0 standardmäßig noch Datenpakete an alle angeschlossenen Geräte schickte, beherrscht das auf PCI-Express 2.0 basierende USB-3.0-Protokoll nun dedizierte Kommunikation zwischen dem Host und einzelnen Geräten. Über so genannte Streams transportiert ein USB 3.0-Kabel mehrere getrennte Datenströme gleichzeitig. Auch neue Stromsparmöglichkeiten sieht das Protokoll vor, sodass die Geräte nun auch Sleep-, Suspend- und Idle-Zustände unterstützen.

USB 3.0 und Linux

Schon im Juni 2009 machte die Neuigkeit die Runde [5], dass der Kernel 2.6.31 von Haus aus USB 3.0 unterstützen würde – was Linux zum ersten Betriebssystem mit USB-3-Unterstützung machte. Die Intel-Entwicklerin Sarah Sharp steuerte das xhci (Extensible Host Controller Interface) genannte Kernelmodul für die USB-3.0-Unterstützung bei. Wir kontaktierten sie und bekamen von ihr ein paar zusätzliche interessante Informationen dazu: Laut Sarah unterstützt das Kernelmodul alle USB-3.0-Host-Controller, die dem Standard entsprechen, also nicht nur den momentan einzig verfügbaren NEC-Chip (Abbildung 5).

Abbildung 5: Der momentan einzig verfügbare USB-3.0-Chip, NECs µPD720200.

Abbildung 5: Der momentan einzig verfügbare USB-3.0-Chip, NECs µPD720200.

Das Aufwecken aus dem Autosuspend-Feature von USB, über das sich zum Stromsparen nach zwei Sekunden zuerst die Geräte und dann bei Nichtbenutzung auch der USB-Root-Port selbst schlafen legen, unterstützt das XHCI-Modul noch nicht. Als Notlösung, um das Schlafenlegen zu verhindern, schlägt die Entwicklerin den Anschluss eines nicht schlafenden Geräts wie etwa einer Maus an den USB-3.0-Port vor. Wahlweise lässt sich auch ein Kernel mit deaktiviertem USB-Autosuspend (CONFIG_USB_SUSPEND) kompilieren. Auch PCI-Suspend unterstützt das XHCI-Modul noch nicht, weswegen der Schlafmodus mit geladenem USB-3.0-Modul bislang nicht funktioniert. Laut Sarah Sharp handelt es sich beim XHCI-Kernelmodul noch um “work in progress”, ab Kernel 2.6.31.5 oder 2.6.32-rc1 sollen allerdings schon die meisten Geräte funktionieren: so etwa USB-Sticks und andere USB-Massenspeicher, Mäuse, Keyboards, Ethernet und RS232-Adapter. Noch nicht funktionieren sollen USB-Webcams.

Der Test

Wir machen mit zwei Motherboards die Probe aufs Exempel: dem nagelneuen Asus P7P55D-E Premium und dem Gigabyte GA-P55A-UD6, alle zwei mit einem Core i7 870 (2,93 GHz) als CPU. Wir installieren Ubuntu 9.10 (64 Bit) mit Kernel 2.6.31, und wie erwartet erkennt das Betriebssystem den in beiden Motherboards verbauten USB-3.0-Chip von NEC und lädt das XHCI-Modul. Nicht ganz so reibungslos läuft es mit den ebenfalls integrierten Marvell-Chips für SATA III (6G) – ein Marvell 9123 im Asus, ein Marvell 9128 im Gigabyte. Zwar listet lspci die Chips auf, jedoch als unbekannt, da es noch kein Kernelmodul dafür gibt.

Nach langer Odyssee erreicht uns von Asus ein Vorseriengerät einer USB-3.0-Festplatte, eines von wohl nur einer Handvoll USB-3.0-Prototypen in ganz Deutschland (Abbildung 6). Das Gerät funktioniert sofort nach dem Anstecken. Doch schon beim Partitionieren stellt sich Ernüchterung ein: Nach dem Schreiben der Partitionsdaten mit fdisk scheint das Gerät einzufrieren: Die Zugriffs-LED flackert, die Platte reagiert nicht, und nach ein paar Sekunden friert der ganze Rechner ein. Dieses Verhalten können wir mit einer anderen Festplatte reproduzieren.

Abbildung 6: Ein Vorserien-Exemplar einer USB-3.0-Festplatte von Asus. Im Inneren versieht eine 2-TByte-Festplatte des Typs Barracuda XT von Seagate ihren Dienst.

Abbildung 6: Ein Vorserien-Exemplar einer USB-3.0-Festplatte von Asus. Im Inneren versieht eine 2-TByte-Festplatte des Typs Barracuda XT von Seagate ihren Dienst.

Ob es daran liegt, dass es sich noch um ein Vorseriengerät handelt, oder ob ein Treiberproblem vorliegt, lässt sich nicht klären – das Problem tritt jedoch nur beim Partitionieren neuer Platten auf. Nach einem Reboot finden wir die Partition allerdings wie vorgesehen angelegt. Wir formatieren sie mit Ext4, das Ein- und Aushängen klappt danach problemlos. Lediglich die Rechtevergabe scheint beim XHCI-Treiber anders zu funktionieren: Wir müssen immer ein Passwort eingeben – arbeitet die Platte am USB 2.0-Port, so entfällt dies.

Performance

Wir testen USB 3.0 mit zwei Laufwerken. Eines davon ist Intels derzeit schnellstes SSD, das bis zu 250 MByte/s flotte X25-M G2 mit 160 GByte Kapazität. Beim anderen handelt es sich um den bereits erwähnten Prototyp von Asus, in dem eine bis zu 137 MByte/s schnellen 2-TByte-Festplatte des Typs Barracuda XT von Seagate (in den Tabellen als “HDD” aufgeführt) ihren Dienst versieht. Das externe Laufwerk unterstützt neben USB 3.0 auch SATA III.

Beide Platten formatierten wir mit Ext4, die Intel SSD unterziehen wir zuvor einer Low-Level-Formatierung. Um maximale Geschwindigkeit zu erreichen, löschen wir hier keine unserer Testdateien: SSDs büßen beim Überschreiben bereits beschriebener Blöcke an Geschwindigkeit ein. Um zu verhindern, dass die Rechnerseite zum Flaschenhals wird, legen wir dort als Laufwerk eine 7 GByte großes RAM-Disk an, mit der sich eine Transferrate von zwei GByte/s erzielen lässt – mehr als genug für alle bezahlbaren Festplattensysteme.

Wir vergleichen auf dem Asus-Motherboard USB 3.0 mit USB 2.0, (e)SATA, Firewire 400 und Firewire 800. Unser Testparcours besteht aus Lesen und Schreiben von 6 GByte großen Dateien (siehe Tabelle “Große Dateien”) sowie einem 450 MByte umfassenden Kernel-Source-Verzeichnis mit 22?500 kleinen Dateien (siehe Tabelle “Kleine Dateien”). Jeder Test läuft mehrmals, um verlässliche Ergebnisse zu erhalten und eventuelles System-Caching zu erkennen.

Große Dateien

  Lesen (MByte/s) Schreiben (MByte/s) CPU-Last Lesen (Prozent) CPU-Last Schreiben (Prozent)
HDD (Seagate Barracuda XT 2TB)
USB 3.0 118,8 106,8 22 22
USB 2.0 29,0 22,7 4 5
(e)SATA II 136,8 119,4 25 25
Firewire 400 22,4 26,8 3 5
Firewire 800 75,1 53,3 13 11
SSD (Intel X25-M G2 160GB)
USB 3.0 135,3 81,8 25 16
USB 2.0 29,7 23,7 5 5
(e)SATA II 206,8 98,9 34 21

Kleine Dateien

  Lesen (Dateien/s) Schreiben (Dateien/s)
HDD (Seagate Barracuda XT 2TB)
USB 3.0 759 1711
USB 2.0 584 979
(e)SATA II 983 1705
Firewire 400 335 663
Firewire 800 437 1128
SSD (Intel X25-M G2 160GB)
USB 3.0 1770 3086
USB 2.0 782 1043
(e)SATA II 2456 3670

Bei der Zeitmessung fürs Schreiben auf die externen Datenträger lassen wir nach dem Kopieren noch das Kommando sync laufen, um Schreib-Caches zu sichern. Danach hängen wir die Partition automatisch aus. Beim Lesen kann dieser Schritt wegen des schnellen Speicherlaufwerks entfallen. Wir kopieren mit cp und messen die Zeiten mit time. Daneben prüfen wir auch die Lesegeschwindigkeit mit hdparm -t. Dabei stellt sich heraus, dass die mit Hdparm ermittelten Werte durchgängig maximal um 2 MByte/s von den mit time gemessenen Praxiswerten für große Dateien abweichen.

Eine zweite Testrunde erfolgt auf dem Gigabyte GA-P55A-UD6. Hier unterscheidet sich die USB-3.0-Anbindung von jener des Asus-Motherboards, da Gigabyte die SATA-3- und USB-3-Chips zusammen über PCI Express anbindet. Mit der BIOS-Einstellung Turbo SATA3 / USB 3.0 auf Auto (Auslieferzustand) messen wir statt 135 MByte/s über USB 3.0 nur 100 MByte, erst ein Verstellen auf USB 3.0 Turbo-Modus verhilft der Platte zur selben Geschwindigkeit wie auf dem Asus-Motherboard. Bei beiden Motherboards muss man, um die SSD-Geschwindigkeit voll auszufahren, die SATA-Einstellungen auf AHCI umstellen – sonst operiert die SSD nur mit maximal 130 MByte/s.

Baustelle USB 3.0

Bei den Tests kristallisiert sich ein klares Bild heraus, sowohl bei der magnetischen wie auch der Solid-State-Platte: Über USB 3.0 lassen sich konstant etwa 15 bis 20 MByte weniger lesen und schreiben als beim Anschließen der selben Disk an (e)SATA. Ursache ist der zusätzliche USB-Overhead gegenüber der nativen SATA-Schnittstelle.

Dabei scheint allerdings allgemein bei etwa 135 MByte/s das momentane Maximum für USB-3.0 zu liegen: Die Intel SSD liest am (e)SATA-Anschluss mit über 200 MByte/s. Da sich die USB-3.0-Geschwindigkeit unter Windows nicht nennenswert von jener unter Linux unterscheidet, trifft offensichtlich nicht das Linux-Kernelmodul die Schuld für die nur moderaten Transferraten. Ob jedoch der allgemeine Vorserienstatus der Hardware oder die momentan verfügbaren Bridge-Chips der ersten Generation für die geringe Geschwindigkeit verantwortlich zeichnen, ließ sich nicht klären. Die ersten USB-2.0-Implementierungen waren allerdings ebenfalls deutlich langsamer als die aktuellen, insofern bleibt hier wohl noch viel Spielraum für Verbesserungen.

Zwar zeigt sich USB 3.0 in unserem Test rund vier mal schneller als der Vorgänger USB 2.0, bleibt jedoch deutlich unter der versprochenen Verzehnfachung der Transferrate. Tatsächlich arbeitet die neue Schnittstelle noch nicht einmal schneller als SATA II. Beim Schreiben vieler kleiner Dateien arbeitet USB 3.0 auf der SSD rund dreimal schneller als USB 2.0 – auf der Harddisk sogar kaum doppelt so schnell. Wiederum bleibt auch hier (e)SATA der momentane Spitzenreiter.

Auch von den für USB 3.0 versprochenen Verbesserungen bei parallelen Datentransfers bemerken wir überhaupt nichts – zumindest beim gleichzeitigen Schreiben und Lesen von zwei großen Dateien aufs beziehungsweise vom selben Gerät. Die Messwerte unterscheiden sich nur marginal von denen sequenzieller Einzeltransfers. Das gilt überraschenderweise für alle getesteten Schnittstellen und Festplattentypen.

Kompatibilität

Testweise verbinden wir alles an USB-Geräten mit dem USB-3.0-Port, was wir im Testlabor finden. Deren Verhalten am USB-3.0-Port sollte mit jenem am USB-2.0-Ports identisch sein, sofern das neue XHCI-Kernelmodul seinen Dienst korrekt versieht. Und tatsächlich: Alle getesteten USB-Devices funktionieren auch am USB-3.0-Port bestens – von Speichersticks und externen Festplatten über Mäuse und Tastaturen bis hin zu Ethernet- und WLAN-Adaptern und DVB-T-Sticks.

Wie von Sarah Sharp angekündigt funktioniert mit geladenem XHCI-Modul der Schlafmodus allerdings noch nicht – egal ob an den USB-3.0-Ports Geräte stecken oder nicht. Mit versehentlichem Schlafenlegen hatten wir allerdings keine Probleme, nur einmal ließ sich die Intel-SSD partout nicht mehr über USB 3.0 mounten. Als Fehlermeldung monierte dmesg, es sei unable to enumerate USB device on port 5. Das Problem löst sich allerdings nach einem Neustart von selbst. Ein Booten von USB-3.0-Geräten war zumindest mit unserem Testgerät nicht möglich, wenigstens nicht am USB-3.0-Port. Am USB-2.0-Port funktionierte ein Systemstart von der externen Platte dagegen tadellos.

Auch mit den anderen Systemen mit dem neuen Kernel machen wir die Probe aufs Exempel. Sowohl Mandriva 2010 als auch Fedora 12 und Opensuse 11.2 erkennen beim Schnelltest einwandfrei das USB-3.0-Gerät und tauschen klaglos Daten mit diesem aus. Fedora 12 und Mandriva 2010 zeigen sich hierbei sogar noch einen Tick flotter als Ubuntu 9.10 und OpenSuse 11.2 – eventuell die Konsequenz neuer Stromspartechniken bei Novell und Canonical. Nur einmal erhielten wir beim Kopieren unter Fedora 12 in dmesg den Eintrag Bus Error, woraufhin die GUI teilweise einfror und das System unbenutzbar wurde.

Fazit

USB 3.0 verspricht endlich die Schnittstellen-Bremse USB zu lösen, die Linux-Implementierung funktioniert schon ganz gut – wenn auch noch mit leichten Kinderkrankheiten. Das Kopieren größerer Datenmengen geht nun endlich fast so flott, wie die Festplatten Daten liefern – zumindest bei der magnetischen Variante, für das Anbinden von SSDs erweist sich SATA immer noch als unverzichtbar.

Soll sich USB 3.0 schnell Etablieren, setzt das allerdings eine Akzeptanz auf breiter Front voraus – und die dürfte aufgrund des Zögerns von AMD und insbesondere Intel wohl deutlich langsamer Raum greifen als seinerzeit bei USB 2.0. Ohne Chipsatz-Integration wird sich USB 3.0 zunächst nicht nennenswert etablieren, das schon seit 2005 erhältliche eSATA kann hier zumindest schon einen Pool von vielen Millionen Geräten vorweisen. Dennoch findet man Endgeräte mit eSATA-Anschluss immer noch vergleichsweise selten in den Elektronikmärkten.

Infos

[1] Lieferengpässe bei Festplatten: http://tinyurl.com/festplatten-lieferengpass

[2] SATA Port Multiplier: http://en.wikipedia.org/wiki/Port_multiplier

[3] Intel-Werbespot: http://www.everythingusb.com/intel-usb-rock-star-16620.html

[4] EE Times über USB-Verzögerung bis 2011: http://tinyurl.com/usb3-2011

[5] USB 3.0 im Kernel 2.6.31: http://tinyurl.com/usb3-in-linux

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