Mit Gnome 2.30 läuten die Entwickler den finalen GNU-Desktop der 2er-Serie ein. Die wichtigsten der vielen Neuerungen stellt dieser Artikel kurz vor.
README
Gnome 2.30, die letzte Version der Serie 2.x vor dem neuen Major-Release im Herbst, konzentriert sich ganz auf Stabilität und nützliche kleine Features. Unter der Haube bereiten die Entwickler dabei bereits den Umstieg auf Gnome 3.0 vor.
Zum Frühjahrstermin hätte eigentlich bereits Gnome 3.0 das Licht der Welt erblicken sollen. Im letzten Herbst beschlossen die Entwickler des Gnome-Desktops [1] jedoch, die nächste Major-Version auf September 2010 zu verschieben. Gut so: Die 2er-Plattform bietet noch genügend Potenzial für eine Runde, und die Vertagung von Gnome 3 bietet dem Projekt-Team zusätzlich Zeit, um eine stabile Runderneuerung des GNU-Desktops auf die Beine zu stellen.
Die dem jetzigen Gnome 2.30 zugrunde liegende Toolkit-Bibliothek GTK+ 2.20 ebnet bereits den Weg zum neuen Gnome im Herbst: Viele Programme verwenden schon jetzt keine veralteten Funktionsaufrufe mehr oder kehren den als deprecated deklarierten Bibliotheken wie Bonobo den Rücken. Dadurch sinkt der Speicherverbrauch, und die Anwendungen starten viel schneller.
… und er teilt sich doch!
Jahrelang enthielten die Entwickler den Benutzern einen zweigeteilten Ansichtsmodus im Dateimanager vor. Endlich haben sich die Hacker durchgerungen, diese von den Anwendern immer wieder geforderte Ansicht zu implementieren. Ähnlich wie beim Midnight Commander stellt der Dateimanager Nautilus Dateien und Ordner jetzt in zwei getrennten Bereichen dar (Abbildung 1). Die bekannten Reiter gibt es weiterhin, was das Maß an Flexibilität zusätzlich steigert.
Komfortables Schwätzchen
Der Instant-Messenger-Client Empathy unterstützt eine Vielzahl von Protokollen: Angefangen bei ICQ über MSN und Yahoo bis hin zu IRC ist alles vorhanden, was des Anwenders Herz begehrt. Den Konfigurationsdialog erweiterte und vereinfachte das Entwickler-Team, um so eine bessere Verwaltung der Konten zu ermöglichen. Auch zeigt die Anwendung nun im Hauptfenster an, falls eine Verbindung nicht hergestellt werden konnte. Einfaches Verbinden in solch einem Fall ist damit komfortabler möglich als in älteren Versionen.
Ungestörtes Surfen
Die Entwickler des Gnome-eigenen Browsers Epiphany (Abbildung 2) vollzogen den Wechsel zur Engine Webkit bereits in der letzten Version. Der fehlten jedoch noch wichtige Features wie etwa das Speichern von Passwörtern. Die neue Version beseitigt nun alle größeren Mankos. Auch in Sachen Geschwindigkeit und Flexibilität liegt Epiphany auf der Höhe der Zeit. Durch Plugins [2] lässt sich der Browser um neue Funktionen erweitern, wie etwa einen Werbeblocker oder die Fähigkeit, zuvor geschlossene Reiter wieder zu öffnen. Die Entwickler haben vor, Epiphany in Zukunft weiter zu optimieren, sodass der Webbrowser der Konkurrenz nicht mehr wie bisher hinterherlaufen muss.

Abbildung 2: Epiphany besticht dank Webkit durch Geschwindigkeit und eine saubere Darstellung von Webseiten. Mittels Plugins lässt sich der Browser nun sehr einfach erweitern.
Komfortabler Texteditor
Gnomes Texteditor Gedit startet in der aktuellen Version deutlich schneller als vorher. Zudem bringt er jetzt mehr Plugins mit als frühere Versionen. Ähnlich wie bei Vim [3] gibt es nun eine Wortvervollständigung sowie einen sogenannter Multi-Edit-Modus: Mit dessen Hilfe fügen Sie an mehreren Stellen eines Dokuments simultan den selben Text ein.
Sie aktivieren diese Betriebsart mit [Strg]+[Umschalt]+[C]. Anschließend setzen Sie mit [Ctrl]+[E] einen oder mehrere Bearbeitungspunkte, an deren Stelle der Editor den selben Text einfügt. [Esc] löscht diese Stelle(n), ein nochmaliger Druck auf [Esc] deaktiviert schließlich den Multi-Edit-Modus.
Ausblick auf Gnome 3.0
Zurzeit arbeiten verschiedene Entwickler-Gruppen an der nächsten großen Gnome-Version 3.0. Sie beinhaltet unter anderem die Gnome-Shell, mit der ein völlig neues Bedienkonzept auf den Anwender wartet. Mit der Abkehr vom bekannten Konzept wagt Gnome einen Schritt in eine vollkommen neue Richtung, der potenziell zu ähnlicher Unruhe unter den Anwendern führen könnte, wie der Wechsel von KDE 3 zu KDE 4. Auf den Webseiten von Gnome finden Sie weitere Informationen und Diskussionen [4] zur Gnome-Shell. Ein ausführlicher Artikel zu Gnome 3.0 erscheint voraussichtlich Ende dieses Jahres in LinuxUser.
Der Autor
Christian Meyer beschäftigt sich seit Mitte der 90er Jahre mit Linux und seit zehn Jahren intensiv mit Gnome. Von 2004 bis 2006 war er Vorsitzender des Gnome Deutschland e.V. Sie erreichen ihn unter christian.meyer@gmail.com.
Infos
[1] Gnome-Homepage: http://www.gnome.org
[2] Erweiterungen für Epiphany: http://live.gnome.org/Epiphany/ThirdPartyExtensions
[3] Editor Vim: http://www.vim.org/
[4] Informationen zur Gnome-Shell: http://live.gnome.org/GnomeShell






