Mit dem Turion II X2 will AMD Intels Vormachtstellung bei Laptops angreifen. Das günstige und gut ausgestattete Acer Aspire 7540G ist eines der ersten Geräte mit der neuen Dualcore-CPU.
Neue Maßstäbe für 17-Zoll-Notebooks setzt mit einem empfohlenen Verkaufspreis ab 600 Euro das Acer Aspire 7540G [1], unsere Testgerät-Konfiguration 524G50MN ist für rund 650 Euro im Handel. Trotz des günstigen Preises spart der Hersteller beim 3,2 Kilogramm schweren und etwa 41 x 27 x 4,5 Zentimeter großen Laptop nicht an der Ausstattung: Satte 4 GByte Arbeitsspeicher und eine 500-GByte-Festplatte entsprechen dem Ausstattungsniveau der Oberklasse. Auch der Radeon-HD4570-Grafikchip mit 512 MByte VRAM ist mehr als ordentlich. Lediglich Bluetooth und eSATA lässt das Gerät vermissen, eine integrierte Bluetooth-Karte gibt es als Option.
Anschluss findet das Aspire 7540G über Gigabit-Ethernet (Broadcom BCM5784M), WLAN (Atheros 928X), einen SD/MMC/xD/MS-Cardreader, HDMI, VGA, vier USB-2.0-Ports, drei Audio-Buchsen (Kopfhörer/Mikro/Line-in, kombiniert mit digitalem SP/DIF) und ein Modem. Die inzwischen obligatorische Webcam und ein integrierter Double-Layer-DVD-Brenner runden das Gesamtpaket ab.
Als Kernstück des Systems fungiert sich AMDs neue “Tigris”-Plattform, die aus dem mit 2,3 GHz getakteten Dualcore-Prozessor Turion II X2 M520 und dem RS880M-Chipsatz besteht. Acer bietet das Aspire 7540G in verschiedenen Konfigurationen mit AMD-CPUs von 2 bis 2,4 GHz Taktrate, Arbeitsspeicher ab 2 Gigabyte und Festplatten ab 160 GByte an. Bei der Grafik gibt es nur die Option mit Chipsatzgrafik oder mit dediziertem Radeon HD4570.
Design und Verarbeitung
Der Aspire 7540G erfreut durch eine ordentliche Verarbeitung, die mitternachtsblaue stark glänzende Oberseite (Abbildung 1) im Metallic-Look erweist sich jedoch als Magnet für Fingerabdrücke. Dass auch das 600 x 900 Pixel auflösende Widescreen-Display spiegelt, ist nicht jedermanns Sache, aber unverständlicherweise inzwischen fast schon Standard. Acer verzichtet auf einen Verschlussmechanismus, der Laptop lässt sich aber dennoch mit einer Hand öffnen. Auf der Tastatur tippt es sich sehr angenehm, als angenehmen Bonus gibt es einen eigenen Nummernblock.

Abbildung 1: Die dunkelblaue Oberseite sieht edel aus, zieht aber Fingerabdrücke magisch an.
Das Trackpad und dessen Knöpfe überzeugen hingegen nicht: Statt des vermeintlichen Scrollbereichs dient der Steg, der das Trackpad von diesem trennt, als Bedienelement zum Rollen. Der Mauspfeil springt bei der Bedienung gelegentlich, und die beiden Trackpad-Knöpfe hat Acer zu einem großen wippenähnlichen Schalter ohne Mittelsteg verschmolzen. Das schafft nicht nur Unsicherheit beim Anwender, der oft nicht sicher sein kann, ob er denn nun noch links oder doch schon rechts klickt: Es macht auch das Simulieren eines Mittelklicks über die gleichzeitige Betätigung beider Maustasten unmöglich. Praktisch: Acer verbaut neben das Trackpad einen kleinen Knopf, um dieses zu deaktivieren. Das funktioniert auch, nur lässt sich unter Linux das Trackpad danach nicht mehr zum Leben zu erwecken.
Linux-Installation
Apropos Linux: Das mit Windows 7 ausgelieferte Aspire 7540G glänzt durch hohe Kompatibilität mit dem freien Betriebssystem. Unter Ubuntu 9.04 funktioniert nach der Installation alles außer den Schlafmodi (Suspend-to-RAM und Suspend-to-Disk). Ethernet, Kartenleser, optisches Laufwerk, WLAN, Multimediatasten und Webcam versehen tadellos ihren Dienst. Sogar die bei vielen Laptops problematische Soundausgabe klappt sofort, jedoch nicht perfekt: Das integrierte Dolby-zertifizierte Surroundsystem gibt nur Stereo aus, die Kopfhörer bleiben stumm.
Eine korrekte Soundausgabe erzielen wir – wie bei vielen anderen aktuellen Laptops – durch Installation des aktuellen ALSA-Treiberpakets in Version 1.0.21 [2] mittels ./configure, make und sudo make install, Voraussetzung ist dabei das Paket build-essential.
Unter Ubuntu 9.10 “Karmic Koala” funktioniert alles ebenso wie unter 9.04 “Jaunty Jackalope”. Zudem arbeitet dort auch vom Start weg die Soundausgabe einwandfrei, und mit installiertem ATI-Treiber klappt sogar der Suspend-to-RAM-Modus. Nur die bereits erwähnte Trackpad-Deaktivierungstaste schickt das Mausbedienungsfeld weiterhin in den tiefsten Winterschlaf.
OpenSuse 11.1 verhält sich genauso kompatibel wie Ubuntu 9.04, nur muss man hier zum Aktivieren der Kopfhörer einmal alsa-conf laufen lassen. Auf die Webcam müssen Suse-Fans zwar verzichten, dafür funktioniert jedoch andererseits der Suspend-to-RAM-Schlafmodus.
Der neue Turion
Lange haben wir auf den neuen Turion gewartet. AMD liefert nun schon einige Monate 45-Nanometer-Chips aus, noch viel länger schon CPUs der K10-Generation. Nur die Mobilsparte musste sich lange Zeit gedulden und mit 65-Nanometer-Turions der K8-Generation vorlieb nehmen. Das Warten hat nun ein Ende, mit den neuen Turion II X2 “Caspian” will AMD im immer populäreren Mobil-Bereich wieder Boden gutmachen.
Die ersten Informationen zu den “Caspian”-Turions ließen noch vermuten, es handle sich dabei nur um eine CPU mit auf 45 Nanometer verkleinerter Struktur, etwas mehr Takt und geringerem Stromverbrauch. Tatsächlich erweist sich der Turion II aber als mehr: AMD brachte auch die Architektur des Chips auf den aktuellen Stand gebracht, sie entspricht nun dem K10-basierten “Regor”-Design der im Juni vorgestellten Athlon-II-Generation. Statt eine CPU mit gleicher Leistung, aber reduziertem Stromverbrauch zu produzieren, entschieden sich die AMD-Entwickler, dem Turion II X2 lieber mehr Takt und damit mehr Rechenpower zu verpassen.
Leistung
In unserer Benchmark-Suite erreicht der Turion II X2 M520 im Vergleich zum Turion X2 RM-74 mit 2,2 GHz bei gerade mal 4,5 Prozent mehr Takt mit 32-Bit-Linux fast ein Viertel mehr Leistung. Auf einem 64-Bit-Rechner beträgt der Unterschied zur Vorgängergeneration sogar 30 Prozent. Der Leistungszugewinn des Turion II X2 im 64-Bit-Modus beträgt gut 16 Prozent gegenüber dem 32-Bit-Betrieb, beim Turion I bemängelten wir im Test des HP Pavilion dv7 1050eg [3] noch den mageren Zugewinn von nur wenig mehr als 10 Prozent.
Insgesamt liegt der Acer Aspire 7540G auf demselben Leistungsniveau wie das in der letzten Ausgabe getestete HP ProBook 4710s [4] mit Intel Core 2 Duo (2,1 GHz). Nur im 64-Bit-Betrieb kann der Core 2 Duo noch einen hauchdünnen Vorsprung einfahren (Abbildung 2).


Abbildung 2: CPU-Leistung des Turion II X2 im LinuxUser-Benchmark v2.1 (32 und 64 Bit).
Mit satten 6,4 GByte/s Speicherdurchsatz über zweikanaligen DDR2-Speicher setzt das Pavilion 7540G nicht nur eine neue Bestmarke für Laptops im LinuxUser-Testlabor, sondern operiert zudem mehr als die Hälfte schneller als ein Core 2 Quad mit ebenfalls zweikanaligem DDR3-1066-Speicher (4,2 GByte/s).
Als sehr flott erweisen sich auch die Festplatte (73 MByte/s) und das USB 2.0 im Aspire 7540G. Mit dem neuen RS880M-Chipsatz behebt AMD wohl nun endlich die Probleme des 780-Vorgängerchipsatzes beim USB-Durchsatz: Statt 16 MByte/s messen wir nun das Doppelte – genau so schnell in USB wie Intels neuere Chipsätze, bisher in Sachen USB-Geschwindigkeit die Referenz.
Auch die Grafikleistung erweist sich als ausgesprochen gut. Das Aspire 7540G lässt gleichermaßen das Pavilion dv7 wie das ProBook 4710s deutlich hinter sich, sowohl bei GTKbench (8 fps in 32 Bit, 10,8 fps in 64 Bit), Nexuiz (107 fps) und SpecViewperf als auch bei unserem Sauerbraten Shader-Benchmark, in dem das Pavilion mit 49,4 Frames pro Sekunde eine neue Bestmarke für Laptops setzt.
Im Leerlauf verbraucht das Aspire 30 Watt, rund 4 Watt weniger als das HP Pavilion dv7. Bei voller CPU-Last auf allen Kernen benötigt es mit 57 Watt sogar 12 Watt weniger, ebenso unter Volllast auf allen CPU-Kernen und Grafikchip (65 Watt). Die Akkulaufzeit liegt mit knapp 202 Minuten im Leerlauf und 85 Minuten unter Last etwas besser als beim Pavilion dv7. Allerdings hat das Aspire 7540G auch einen etwas leistungsfähigeren Akku (71 Wh, 4800 mAh) als das Pavilion (63 Wh).
Fazit
Das Aspire 7540G kann durch seinen günstigen Preis, die gute Ausstattung und die hohe Linux-Kompatibilität überzeugen. Unter Ubuntu 9.10 “Karmic Koala” funktioniert die gesamte Hardware ohne Nacharbeit. Der neue Turion II stellt zwar keine ausgesprochene Revolution dar, liefert aber dennoch ordentlich mehr Leistung bei gleichbleibender Akkulaufzeit. Einziger Wermutstropfen an Acers 17-Zoll-Schnäppchen: das nicht optimale Trackpad.
Infos
[1] Acers neue AMD-Laptops: http://tinyurl.com/lc-acer-amd
[2] Alsa-Homepage: http://alsa-project.org
[3] Test HP Pavilion dv7 1050eg: Daniel Kottmair, “Groß und günstig”, LinuxUser 10/2009, S. 78, https://www.linux-community.de/artikel/19261/
[4] Test HP ProBook 4710s: Daniel Kottmair, “Business-Klasse”, LinuxUser 11/2009, S. 80, https://www.linux-community.de/artikel/19610/





